Regelungen zur Führung ausländischer Hochschulgrade

Grundsätzliche Regelungen

Ein ausländischer Hochschulgrad („akademischer Grad“, z.B. Diplom-, Magister-, Bachelor-, Master-, Doktorgrad), ein ausländischer staatlicher oder kirchlicher Grad und sonstige Hochschultitel und Hochschultätigkeitsbezeichnungen (z. B. Professor) können im Freistaat Thüringen nach § 59 Abs. 1 Satz 1 ThürHG geführt werden, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

  • Der akademische Grad muss von einer nach dem Recht des Herkunfts­landes anerkannten Hochschule

    und

  • aufgrund eines tatsächlich ordnungsgemäß durch Prüfung abge­schlossenen Hochschulstudiums verliehen worden sein.

Sofern die oben genannten Voraussetzungen für den erworbenen bzw. verliehenen ausländischen Grad zutreffen, ist der/die Berechtigte kraft Gesetzes nach § 59 Abs. 1 Satz 1 ThürHG befugt, den Grad in der verliehenen (Original-)Form unter Angabe der verleihenden Hochschule (Herkunftshinweis) zu führen. Dabei können die verliehene Form und der Herkunftshinweis in die lateinische Schrift übertragen (transliteriert) und die im Herkunftsland zugelassene oder nachweislich allgemein übliche Abkürzung des Hochschulgrades unter Angabe des Herkunftshinweises geführt und eine wörtliche deutsche Übersetzung in Klammern hinzugefügt werden (§ 59 Abs. 1 Satz 2 ThürHG). Die Führung des ausländischen Grades in der entsprechenden deutschen Form ist nicht möglich.

Weitere Informationen und Beispiele zur Führung ausländischer Hochschulgrade können dem "Merkblatt Grundsätzliche Regelung zur Führung ausländischer Hochschulgrade" entnommen werden.

 

Sonderregelungen

Abweichend vom allgemeinen Führungsgrundsatz des § 59 Abs. 1 Satz 1 ThürHG gibt es folgende Sonderregelungen in Bezug auf die Gradführung:

 

1. Hochschulgrade und Doktorgrade aus Mitgliedstaaten der Europäischen Union oder des Europäischen Wirtschaftsraumes sowie Hochschulgrade des Europäischen Hochschulinstituts Florenz, der Deutsch-Französischen Hochschule und der Päpstlichen Hochschulen (§ 59 Abs. 2 Satz 1 und 2 ThürHG)

Unter den Voraussetzungen des § 59 Abs. 2 Satz 1 ThürHG können Hochschulgrade in der verliehenen Form ohne Herkunftshinweis geführt werden. Zum besseren sprachlichen Verständnis kann der Originalform eine wörtliche Übersetzung in deutscher Sprache in Klammern hinzugefügt werden.

Doktorgrade nach § 59 Abs. 2 Satz 1 ThürHG können, sofern sie in einem wissenschaftlichen Promotionsverfahren erworben worden sind, anstelle der entsprechend zulässigen Abkürzung wahlweise mit der Abkürzung „Dr.“ ohne fachlichen Zusatz und ohne Herkunftshinweis geführt werden. Die gleichzeitige Führung beider Abkürzungen ist nicht zulässig (§ 59 Abs. 2 Satz 2 ThürHG).

Ausnahmen gelten für sog. Berufsdoktorate (§ 59 Abs. 2 Satz 4 ThürHG) und „Kleine Doktorgrade“.

 

2. Doktorgrade aus Russland

Nach § 1 Abs. 1 der „Thüringer Verordnung über ergänzende Bestimmungen zur Führung ausländischer Doktorgrade“ können Inhaber der in der Verordnung genannten Doktorgrade aus Russland unter den Voraussetzungen des § 59 Abs. 1 ThürHG anstelle der im Herkunftsland zugelassenen oder nachweislich allgemein üblichen Abkürzung die Abkürzung „Dr.“ ohne fachlichen Zusatz, jedoch unter Angabe der verleihenden Einrichtung (Herkunftshinweis) führen.

Die Sonderregelung zur Führung russischer Kandidatengrade bezieht sich nur auf solche Kandidatengrade, die von der staatlichen Obersten Attestationskommission des Ministeriums für Bildung und Wissenschaft der Russischen Föderation oder ihrer Vorgängereinrichtungen verliehen worden sind.

Neben der Obersten Attestationskommission des Ministeriums für Bildung und Wissenschaft der Russischen Föderation existieren in Russland auch private Attestationskomitees, die ebenfalls Kandidatengrade verleihen. Die privaten Attestationskomitees sind in Russland staatlicherseits nicht anerkannt; das Gleiche gilt für die von den privaten Attestationskomitees verliehenen Kandidatengrade. Diese können folglich in Deutschland nicht geführt werden.

Es handelt sich dabei um eine abschließende begünstigende Sonderregelung, die auf andere Staaten (z.B. Aserbaidschan, Ukraine) nicht übertragen werden kann!

 

3. Doktorgrade aus Australien, Israel, Japan, Kanada, den Vereinigten Staaten von Amerika

Nach § 1 Abs. 2 der Thüringer Verordnung über ergänzende Bestimmungen zur Führung ausländischer Doktorgrade“ können Inhaber der in der Verordnung genannten Doktorgrade unter den Voraussetzungen des § 59 Abs. 1 ThürHG anstelle der im Herkunftsland zugelassenen oder nachweislich allgemein üblichen Abkürzung die Abkürzung „Dr.“ jeweils ohne fachlichen Zusatz und Herkunftshinweis führen.

Dies gilt auch für Inhaber des in den Vereinigten Staaten von Amerika erworbenen Grads „Doctor of Philosophy (Ph.D.)“, sofern die verleihende Einrichtung zum Zeitpunkt der Verleihung von der Carnegie Foundation for the Advancement of Teaching als „Research University (high research activity)“ oder als „Research University (very high research activity)“ klassifiziert ist.

 

4. Äquivalenzabkommen (§ 59 Abs. 6 ThürHG)

Eine vom allgemeinen Führungsgrundsatz des § 59 Abs. 1 Satz 1 ThürHG abweichende Gradführung ist auch dann möglich, wenn Sonderregelungen in Äquivalenzabkommen bestehen, die die gegenseitige Anerkennung von Studien- und Prüfungsleistungen sowie die Führung ausländischer Grade zum Inhalt haben. Die Bundesrepublik Deutschland hat derartige Abkommen mit zahlreichen Ländern geschlossen. Eine aktuelle Übersicht der Äquivalenzabkommen inklusive der Abkommenstexte finden Sie auf der Seite der „Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen.

 

5. Sonderregelungen für Berechtigte nach dem Bundesvertriebenengesetz (BVFG)

Anerkannten Spätaussiedlern (§ 4 BVFG) und deren Ehegatten und Abkömmlingen (§ 7 BVFG) kann auf Antrag eine Genehmigung zur Führung eines deutschen Hochschulgrades erteilt werden, sofern die im Aussiedlungsgebiet abgelegten oder erworbenen Prüfungen oder Befähigungsnachweise den entsprechenden Prüfungen und Befähigungsnachweisen im Geltungsbereich des Bundesvertriebenengesetzes nach § 10 Abs. 2 BVFG.

Nur bei Vorlage einer Spätaussiedler-Bescheinigung nach § 15 Abs. 1 und 2 BVFG kann ein Antrag auf Führung eines deutschen Hochschulgrades gestellt werden. Nähere Informationen sowie Angaben zu den für die Antragstellung erforderlichen Unterlagen finden Sie im „Merkblatt BVFG“.

Den für die Antragstellung erforderlichen Antrag finden Sie unter „Downloads“.

 

6. Sonderregelungen für die Gradführung aufgrund früherer Rechtsnormen

Ehemals erteilte Genehmigungen zur Führung eines ausländischen Grades, die auf der Grundlage früher geltender Rechtsnormen – auch durch ein Wissenschaftsministerium eines anderen Landes der Bundesrepublik Deutschland – erteilt worden sind, behalten weiter ihre Gültigkeit. In einem solchen Fall kann der Inhaber des Grades diesen wahlweise in der durch die Urkunde „genehmigten Form“ oder entsprechend der in § 59 ThürHG zulässigen Form führen.

 

Beispiele und nähere Informationen zu den Ausnahmen finden Sie im „Merkblatt Sonderregelungen zur Führung ausländischer Hochschulgrade“.

 

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