05.11.2018
Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft

Medieninformation

Unser Dorf hat Zukunft: Waffenrod-Hinterrod und Bollstedt sind Sieger

Ministerpräsident Bodo Ramelow und Ministerin Birgit Keller zeichneten Gewinner des Wettbewerbs in Thüringen aus. Landessieger nehmen 2019 am Bundeswettbewerb teil.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow und Thüringens Ministerin für Infrastruktur und Landwirtschaft Birgit Keller ehrten am Samstag (3. November 2018) die Sieger sowie die Teilnehmer des Landeswettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ in Waffenrod-Hinterrod. Die beiden Siegerdörfer Waffenrod-Hinterrod (Landkreis Hildburghausen) und Bollstedt (Unstrut-Hainich-Kreis) erhielten 5.000 Euro beziehungsweise 3.000 Euro.

Ministerpräsident Bodo Ramelow betonte die Bedeutung des ländlichen Raums für Thüringen und würdigte in seiner Rede die Siegerdörfer: „Bürgerschaftliches Engagement ist die Basis für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und eine selbstbewusste Dorfgemeinschaft.“ Der demografische Wandel sei dabei vor allem für die ländlichen Regionen eine große Herausforderung. Eine große Vielfalt an nachhaltigen Ideen sei notwendig, um die Herausforderungen des demografischen Wandels zu meistern und Lösungen gegen Leerstand, eingeschränkte Versorgungsmöglichkeiten oder fehlende soziale Infrastrukturen zu finden. „Die Landesregierung hat es sich zum Ziel gesetzt, den ländlichen Raum attraktiv und lebenswert zu gestalten und gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land zu sichern. Die vielen guten Konzepte, auch der anderen am Wettbewerb teilnehmenden Dörfer, stimmen mich deshalb hoffnungsvoll“, so Ramelow weiter.
„Die Gewinnerdörfer sind zwei herausragende Beispiele für unsere lebendigen ländlichen Räume“, erklärte Thüringens Ministerin für Infrastruktur und Landwirtschaft Birgit Keller. „Alle elf Dörfer haben sich auf sehr hohem Niveau präsentiert und kreative Strategien entwickelt, wie sie ihr Dorf gestalten und zu einem individuellen Lebensmittelpunkt ausbauen wollen. Waffenrod-Hinterrod und Bollstedt haben sich durch besonders starkes Engagement ihrer Bewohnerinnen und Bewohner hervorgetan. Die Jury hat der Zusammenhalt im Dorf und die Vielfalt der Ideen bei den verschiedenen Bewertungskriterien begeistert“, so die Ministerin.
Mit ihren Platzierungen im Landeswettbewerb haben sich die beiden Siegerdörfer auch für den Bundeswettbewerb im Jahr 2019 qualifiziert. Von den 11 teilnehmenden Dörfern erhielten neun eine Anerkennung in einem Bewertungskriterium und einen symbolischen Scheck über 1.000 Euro. Zusätzlich wurde an das Dorf Steinbach ein mit 500 Euro dotierter Sonderpreis der Jury vergeben, der eine besondere Idee auszeichnet. Insgesamt ist der Wettbewerb mit Preisgeldern für die Dörfer in Höhe von 17.500 Euro ausgestattet.

Nach Ansicht der Jury gilt für das Dorf Waffenrod-Hinterrod mit seinen 455 Einwohnern der Titel des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ explizit. Alle Wettbewerbsziele, wie die Attraktivität eines Ortes zu erhalten, Probleme frühzeitig zu erkennen, die Zukunft ganzheitlich zu betrachten, finden in Waffenrod-Hinterrod ihre Entsprechung. Ausgelöst durch den Wettbewerb wurden vorhandene einzelne Initiativen miteinander vernetzt. Aus der Gesamtbewertung stechen die Aktivitäten im sozialen und kulturellen Bereich heraus, wie beispielsweise die Angebote in der Kulturscheune oder das „Woodstock forever Festival“ mit 20 Bands auf vier Bühnen. Den Aktiven ist die ganzheitliche Betrachtung der Entwicklung ihres Dorfes wichtig. Die intergenerative Zusammenarbeit wurde sehr deutlich, wie beispielsweise bei der Einbindung der Kinder und Jugendlichen bei der Pflege des Bäumchen-Parks oder des Schulgartens und beim lebendigen Dorftreffpunkt auf dem sanierten Spielplatz unterhalb des Gemeindehauses. Hier wird Partizipation und Weltoffenheit gelebt. Um die Zukunft muss man sich in Waffenrod-Hinterrod keine Sorgen machen - dieses Dorf hat Zukunft.

Bollstedt hat Zukunft, weil die Dorfgemeinschaft von rund 1.000 Einwohnern und ihre Vereine bereit sind sich für die Zukunft ihres Dorfes zu engagieren. Die Gemeinde bzw. ihre Bewohnerinnen und Bewohner haben nicht erst mit dem Wettbewerb angefangen, sich über ihre Zukunftsfestigkeit Gedanken zu machen. Dies ist in Bollstedt eine Gemeinschaftsaufgabe, welche vom gesamten Dorf getragen wird. Viele Leistungen für ihre Vereine, aber auch für die Dorfgemeinschaft insgesamt haben sie in Eigenregie geleistet. Für das Vereinsleben im Ort war die Nachnutzung der Gärtnerei wichtig. Im Erdgeschoss des ehemaligen Verwaltungsgebäudes entstand ein Multifunktionsraum mit kleiner Küche. Im Obergeschoss entstand ein Fitnessraum mit Geräten aus der Insolvenzmasse eines Mühlhäuser Fitnessstudios. Mit der Agrargenossenschaft hat Bollstedt das Glück einen Partner zu haben, der das Dorf finanziell unterstützt und auch mal schweres Gerät ausleiht. Viele Einwohner engagieren sich für ihren Ort und nutzen wiederum ihre beruflichen Möglichkeiten und Netzwerke um etwas für ihren Ort „herauszuholen“. Durch die Verknüpfung von Flurbereinigung und Dorfentwicklung konnten in den letzten 15 Jahren rund 100 Maßnahmen umgesetzt werden – vom ländlichen Wegebau über den Umwelt- und Naturschutz bis zur Denkmalpflege und Dorfentwicklung. Das schrittweise Vorgehen gemeinsam von Projekt zu Projekt hat sich für Bollstedt ausgezahlt. Der jeweilige Erfolg hat zu neuen Projekten motiviert. Bollstedt zeichnet sich durch eine kontinuierliche und wohl überlegte Entwicklung aus. Vieles ist noch im Werden, aber nie im Stillstand! Auch Bollstedt hat Zukunft.

Hintergrund: „Unser Dorf hat Zukunft“ ist eine bundesweite Initiative, die zu einem wichtigen Motor für die ländliche Entwicklung geworden ist. Der vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) ausgeschriebene Wettbewerb soll die Menschen auf dem Lande motivieren, Zukunftsperspektiven für ihr Dorf zu entwickeln und aktiv an der wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und ökologischen Gestaltung ihres Dorfes mitzuwirken. Im Mittelpunkt des Wettbewerbs steht das Engagement der Dorfgemeinschaft, im Zusammenwirken mit der für die Gesamtentwicklung verantwortlichen Gemeinde das Leben im Ort attraktiv zu entwickeln und somit die Dorfgemeinschaft zu festigen. Entscheidend für die Bewertung ist, wie sich das Dorf in den letzten Jahren entwickelt hat und wie die Dorfbewohner zu dieser Entwicklung beigetragen haben. Nicht nur das äußere Erscheinungsbild des Dorfes ist ausschlaggebend, sondern die Aktivitäten der Menschen, ihre Heimat lebenswert zu machen. Berücksichtigt werden dabei die unterschiedliche Ausgangsbasis und demografische Entwicklung ebenso wie das Zusammenwirken mit anderen Ortsteilen sowie die interkommunale Kooperation.

Voraussetzung für die Meldung zum Landeswettbewerb 2018, der von der „Akademie Ländlicher Raum Thüringen“ organisiert und durchgeführt wurde, war die erfolgreiche Teilnahme am Regionalwettbewerb 2017. Insgesamt hatten sich 56 Dörfer beteiligt. Teilnahmeberechtigt waren alle räumlich geschlossenen Gemeinden oder Gemeindeteile mit überwiegend dörflichem Charakter mit bis zu 3.000 Einwohnern. 11 Dörfer wurden ausgewählt und als Regionalsieger benannt. Die Sieger hatten sich damit für den Landeswettbewerb 2018 qualifiziert. Die beiden Gewinner aus dem Landeswettbewerb können nun am Bundeswettbewerb 2019 teilnehmen. Die Bundessieger werden dann auf der Grünen Woche 2020 präsentiert.

Teilnehmende Dörfer in der 2. Runde des Wettbewerbs waren:

Milda (Saale-Holzland-Kreis)

Waffenrod-Hinterrod (Landkreis Hildburghausen)

Effelder (Landkreis Sonneberg)

Roda (Ilm-Kreis)

Crawinkel (Landkreis Gotha)

Steinbach (Wartburgkreis)

Herbsleben (Unstrut-Hainich-Kreis)

Bollstedt (Unstrut-Hainich-Kreis)

Nöbdenitz (Altenburger Land)

Posterstein (Altenburger Land)

Langenwetzendorf (Landkreis Greiz)

 

 

Jury-Begründungen für die neun Anerkennungen und den Sonderpreis:

 

Sonderpreis für Steinbach

 

„Wasser zu Licht“

 

Die Jury hatte im Landeswettbewerb die Möglichkeit einen Sonderpreis zu vergeben. Dieser soll besondere Projekte oder Initiativen auszeichnen, die in ihrer Art und Weise vorbildhaft und nachahmenswert sind.  Der diesjährige Sonderpreis im Landeswettbewerb wird an ein Projekt vergeben, welches auf Initiative der Dorfbevölkerung entstanden ist. Dabei hat das Dorf aus seinen speziellen geografischen und historischen Gegebenheiten eine Tugend gemacht. Aus Tradition wurde Innovation. Aus Wasser wurde Licht!

Steinbach ist ein Bergdorf, welches jahrhundertelang durch das Messer- und Schlosserhandwerk geprägt war. Früher trieben unzählige Wasserräder die Schleifsteine im Dorf an. Heute erzeugt das „Steinbacher Wasserrad“ Strom für die Dorfbeleuchtung. Diese wurde zudem mit Hilfe von Fördergeldern komplett auf LED Technik umgerüstet. Auslöser für dieses innovative Projekt war, dass die Kosten für die Straßenbeleuchtung für die Gemeinde nicht mehr tragbar waren. Man besann sich auf die dorfeigenen Potenziale und schuf ein zukunftsweisendes und nachhaltiges Projekt für das gesamte Dorf.

 

Anerkennung für Baugestaltung und Siedlungsentwicklung

 

Posterstein

Die Sensibilität für das Thema Baukultur ist vorbildlich für den ländlichen Raum. Sie ist in Posterstein identitätsstiftend und verbindet. Die gemeindlichen und privaten Bemühungen in diesem Bereich erstrecken sich sowohl über das „Unterdorf“ als auch auf die neu hinzugekommenen Siedlungshäuser. Die Umnutzung und Sanierung alter Bausubstanz hat in Posterstein vielfach und vor allem erfolgreich stattgefunden. Dabei wurde auf ortstypische Bauweisen und Materialien sehr viel Wert gelegt. Gemeinsam mit dem Burgberg steht Posterstein für eine kontinuierliche und ortsbilderhaltende Entwicklung, die auf die Belange und Wünsche der Bewohner eingeht. Beides trägt zu dem besonderen Wohnumfeld in Posterstein bei.

 

Nöbdenitz

Als Dorfmitte von Nöbdenitz  kann man den Komplex 1000-jährige Eiche, Kirche und ehemaliger Pfarrhof begreifen. Dieser prägt maßgeblich das Bild des Dorfes und hat sich durch die Schaffung der Kultur- und Bildungswerkstatt als kulturelles Zentrum entwickelt und etabliert. Durch die Errichtung des Dorfbackofens und der Freilichtbühne im Hof wurde der Pfarrhof baulich geöffnet und bietet vielfältigere Nutzungsmöglichkeiten und mehr Kapazitäten. Die Sanierung des Pfarrhofes und die bauliche Gestaltung und Erweiterung des Ensembles ermöglichten dem gesamten Dorf eine Aufwertung der kulturellen Angebote und haben sich zu einem Treffpunkt aller Generationen entwickelt. Nöbdenitz ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie alte Bausubstanz ortstypisch saniert, mit Leben gefüllt und weiterentwickelt werden kann.

 

Anerkennung für soziale und kulturelle Aktivitäten

 

Milda

Die Kirchgemeinde St. Jacob bemüht sich mit der Gemeinde besonders um die Betreuung der älteren Bürger und die Einbeziehung der Jugend. Dies geschah auf besondere Weise, indem Jugendliche bei der Sanierung der Kirche maßgeblich mit eingebunden wurden. Besonders bei der Sanierung der Winterkirche haben sie sich stark eingebracht. Die geplante Gestaltung des Kinderspielplatzes neben der Kirche rundet diese Aktivitäten ab. Die Wiederbelebung der Kirche und das Engagement für Kultur, Jugend und Bildung sind von besonderem Wert.

 

Effelder

Das Traditionsbewusstsein in Effelder ist beeindruckend und wird über die zahlreichen Vereine in die Dorfgemeinschaft und in die verschiedenen Altersklassen getragen. Unter Einbindung der ehrenamtlichen Bürger werden Feste und Veranstaltungen organisiert und dadurch das dörfliche Miteinander gefestigt. Besonders der Kirchweih- und Lindentanzverein Effelder e.V. führt die dorfeigenen Traditionen u.a. mit der Kindertanzgruppe und der Weitergabe der Trachten von Generation zu Generation fort.

 

Roda

Die kleine Ortschaft am Rande von Ilmenau mit seinen 515 Einwohnern, hat sich als eine lebendige und aktive Dorfgemeinschaft vorgestellt. Die Eigen- und Privatinitiative der ansässigen Bürger sind beispielhaft und beweisen, das Eigenengagement einen sehr hohen Stellwert in der zukünftigen Entwicklung eines Dorfes zugewiesen werden muss. Eine Vielzahl von Projekten und Initiativen beruht allein auf Motivation der Bürger. Das Engagement der Rodaer in diesem Bereich ist mehr als beeindruckend.

 

Anerkennung für Entwicklungskonzepte und wirtschaftliche Initiativen

 

Langenwetzendorf

Das Denken in und für die nächsten Generationen ist in Langenwetzendorf sehr stark ausgeprägt. Sei es die Nutzung von regenerativen Energiequellen, die umfassende Jugend- und Vereinsarbeit oder die Ideen bei der Nachnutzung alter Gebäudesubstanz wie der Brauerei. Der Blick ist ganzheitlich nach vorn gerichtet, wobei bestehende Potenziale genutzt und ideenreich gemeinsam weiterentwickelt werden. 

 

Steinbach

Steinbach hat auf Grund seiner topografischen Bedingungen als Bergdorf besondere Herausforderungen zu bewältigen. Zurückgreifen kann das Dorf dabei auf sehr viele Vereine, Initiativen und engagierte Bürger. Deren Handeln folgt sehr vielfältigen Interessen, hat jedoch gemein, dass sie auf das große gemeinsame Ziel: „Man muss in Steinbach alt werden können!“ hinarbeiten. Dabei werden im Zukunftsstammtisch neuartige, innovative und visionäre Lösungsmöglichkeiten gesucht, entwickelt und in Zusammenarbeit der verschiedenen Projektgruppen und Unternehmen sowie der Stadt Bad Liebenstein umgesetzt. Die strukturierte und zielstrebige Vorgehensweise bei der Erreichung eines besseren Lebensumfeldes für die Steinbacher ist besonders anerkennenswert.

 

Herbsleben

Das „Spargeldorf Herbsleben“ hat sich auch außerhalb der Spargelsaison als zukunftsfähiger Ort präsentiert. Der Fokus auf Maßnahmen, die der Familienfreundlichkeit zuträglich sind, lassen Herbsleben zu einem lebendigen Ort werden. Auch die wegweisende Gründung der Zukunftsstiftung sowie der Energiegenossenschaft sind Wege, um Anforderungen der nächsten Jahre gerecht zu werden. Dabei werden traditionelle Werte und die Brauchtumspflege nicht außer Acht gelassen, sondern behutsam in Zukunftsstrategien eingearbeitet. Herbsleben hat mutig nach vorn geschaut und ohne Scheu vor Risiken zukunftsweisende Entscheidungen getroffen, die bereits jetzt positive Auswirkungen entfalten.

 

Anerkennung für Grüngestaltung und das Dorf in der Landschaft

 

Crawinkel

Crawinkel ist durch die „Thüringeti“ weit über die Thüringer Grenzen hinaus bekannt. Sie ist ein Alleinstellungsmerkmal mit besonderer Bedeutung für den Natur- und Artenschutz. Die Wege durch die Weiden sind frei zugänglich und werden als Spazier- oder Wanderwege rege genutzt. Alte Streuobstalleen entlang der landwirtschaftlichen Wege werden neu angelegt, erhalten und sollen zukünftig gemeinsam gepflegt werden. Schule und Kindergarten nutzen das weitläufige Gebiet für ihre Umweltbildung. Die „Thüringeti“ ist ein ausgewiesenes FFH Gebiet, welches eine einzigartige Kombination aus Naturschutz und Tourismus bietet. Der Artenschutz kann somit als Anknüpfungspunkt für neue Erwerbszweige und Initiativen in Crawinkel dienen.

 

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