Bestandsaufnahme

Die tägliche Flächenneuinanspruchnahme durch Siedlungs- und Verkehrsfläche hat sich im Zeitraum von 2004 bis 2011 in Thüringen kontinuierlich erhöht und lag im Mittel dieser Jahre bei 2,5 Hektar. 2011 wurde mit 5,1 Hektar der höchste Wert erreicht (Quelle: Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie Jena). Trotz des anhaltenden Siedlungsflächenwachstums hat Thüringen seit 1990 Bevölkerungsverluste in Höhe von 14 % hinnehmen müssen. Prognosen gehen davon aus, dass in den nächsten Jahren lediglich einige kreisfreie Städte mit einem Bevölkerungszuwachs rechnen können.

Der Zuwachs an Wohnfläche pro Einwohner begründet sich mit steigenden Wohnansprüchen, zunehmenden Wohlstand und der wachsenden Zahl von Haushalten bei abnehmender Haushaltsgröße. Die Wohnfläche pro Kopf liegt in Thüringen mit über 40 m² heute um ein Drittel höher als vor der Wiedervereinigung.

Der Freistaat Thüringen liegt beim Anteil der Siedlungs- und Verkehrsfläche (SuV) unter dem Bundesdurchschnitt von 13 %. Mit ca. 1.460 km² machen Gebäude- und Freiflächen, Betriebs- Erholungs- und Verkehrsflächen derzeit 9 % der insgesamt 16.172 km² großen Landesfläche aus. Dieser Wert entspricht auf Grund der generalisierten Datenerfassung jedoch nicht dem tatsächlichen Grad der Versiegelung (Überbauung) durch Gebäude und Verkehrswege. Die Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG) hat bereits im Jahr 2009 eine Analyse zur Versiegelungssituation in Thüringen vorgelegt. In diesem Bericht wird der Versiegelungsgrad für Thüringen mit 3,84 % angegeben. Regional ergibt sich jedoch ein differenziertes Bild. Während in den kreisfreien Städten ein Versiegelungsgrad von über 10 % erreicht wird, liegt der Anteil in den Landkreisen, mit Ausnahme des Altenburger Landes, unter 5 %. 

Karte von Thüringen mit durchschnittlichen Versiegelungsgraden nach Gemeinden; Quelle: TLUG
Durchschnittlicher Versiegelungsgrad nach Gemeinden, Quelle: TLUG

Exkurs: Siedlungs- und Verkehrsflächen schließen neben der durch Gebäude und Verkehrswege tatsächlich versiegelten Fläche unversiegelte Freiflächen ein. Dies können Gartenanteile eines für Wohnzwecke bebauten Grundstückes oder begrünte Böschungen entlang von Verkehrswegen sein. Angaben zu versiegelten Flächen und Siedlungs- und Verkehrsflächen müssen daher differenziert betrachtet werden.

Der Anteil der Siedlungs- und Verkehrsflächen wird auf der Grundlage aktueller Daten des Liegenschaftskatasters erhoben. Im Zusammenhang mit der in Thüringen erfolgten schrittweisen technischen Umstellung auf das Amtliche Liegenschaftskataster – Informationssystem (ALKIS ®), wurde ein deutschlandweit einheitlicher Nutzungsartenkatalog übernommen. Dieser Katalog der Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen der Länder der Bundesrepublik Deutschland (AdV) folgt dem Dominanzprinzip und ordnet Flurstücken nur noch ihre vorherrschende Nutzungsart zu. Der bis dahin übliche Nachweis von Gartenanteilen bebauter Flurstücke oder von Straßenbegleitgrün wurde weitgehend aufgehoben. Eine statistische Erhöhung der Zunahme der Siedlungs- und Verkehrsflächen in den vergangenen Jahren steht damit in unmittelbarem Zusammenhang.
  
 
Mit 54 % Flächenanteil ist die Landwirtschaft größter Landnutzer im Freistaat. Sie leistet durch die Erzeugung von Nahrungsmitteln, Energie und Rohstoffen einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung. Thüringens Landwirtschaft verfügt über hervorragende natürliche Standortvoraussetzungen und kann dem Klimawandel durch angepasste Anbaumethoden begegnen.
 
Während Wald- und Wasserflächen im langjährigen Trend eine geringe Zunahme verbuchen konnten, gingen landwirtschaftlich genutzte Flächen zurück. Die Ackerfläche reduzierte sich in Thüringen von über 625.000 Hektar im Jahr 2000 auf 610.800 Hektar im Jahr 2012 (Quelle: Thüringer Landesamt für Statistik).
 
Die Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft hat 2011 den Schutz landwirtschaftlicher Nutzflächen vor Verlust thematisiert und in einem Standpunktpapier zusammengefasst. Auch der Zukunftskatalog Thüringer Landwirtschaft 2020 aus dem Jahr 2012 benennt die Sicherung landwirtschaftlicher Nutzflächen als vordringliche Aufgabe.
 
Flächeninanspruchnahmen durch Siedlungs- und Verkehrsflächen betreffen neben der Landwirtschaft auch den Naturschutz. Flächeninanspruchnahme, Zerschneidung und Fragmentierung sind wesentliche Ursachen für den Rückgang der biologischen Vielfalt und wirken sich direkt auf die natürlichen Faktoren Boden, Wasser, Klima, Flora und Fauna aus.
Thüringenkarte mit unzerschnittenen verkehrsarmen Räumen in Thüringen, Quelle: TLUG
Unzerschnittene verkehrsarme Räume in Thüringen, Quelle: TLUG

Thüringen hat Anteil an 26 unzerschnittenen, verkehrsarmen Gebieten über 100 km². Für die meisten Tier- und Pflanzenarten bedeutet eine weitere Zerschneidung und Verinselung einen irreversiblen Verlust an Lebensraum. Auch für das Naturerleben des Menschen ist es wichtig, diese Räume zu erhalten.

Die genannten Entwicklungen erfordern eine Flächenpolitik, die mit der landwirtschaftlichen Nutzfläche und den unzerschnittenen Naturräumen sorgsam umgeht und verstärkt auf die Innenentwicklung ausgerichtet ist.In den Raumordnungsplänen ist die Sicherung der Freiräume auf der Grundlage der Ausweisung von Vorrang- und Vorbehaltsgebieten für die Landwirt-schaft, den Naturschutz und den Tourismus einerseits und durch die Konzentration von Ent-wicklungsschwerpunkten in den zentralen Orten sowie überörtlicher Infrastrukturen andererseits festgelegt.

Thüringen setzt auf die bewährten Instrumente der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE),insbesondere Dorfentwicklung, Flurneuordnung, Flurneuordnung und LEADER, bei denen Planung, Investitionsförderung und Neuordnung von Eigentum und Nutzung ineinander greifen.

Seit dem 1. Januar 2013 ist im Rahmenplan der Gemeinschaftsaufgabe zur „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) in den Grundsätzen zur integrierten ländlichen Entwicklung der Vorrang der Innen- vor Außenentwicklung verankert. Bei Fördermaßnahmen in ländlichen Gemeinden sind die Herausforderungen der demographischen Entwicklung zu berücksichtigen. Hierdurch sollen insbesondere die Verluste von land- und forstwirtschaftlich genutzten Flächen eingedämmt werden. Die GAK ist das wichtigste und gemeinsame Förderinstrument von Bund und Ländern, unterstützt die ländlichen Räume, die Landwirtschaft und den Schutz der Küsten. Der Bund erstattet den Ländern 60 % ihrer Ausgaben, der Gesamtumfang der GAK liegt bei über einer Milliarde Euro im Jahr.

Mit der für die Aufnahme in das Dorfentwicklungsprogrammangelegten, zweistufig aufgebauten Vitalitätsprüfung stellt das Ministerium für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz Thüringer Kommunen bereits jetzt eine vertiefende Untersuchungsmöglichkeit für ein Innenentwicklungskonzept zur Verfügung. Die Dorfentwicklung dient der nachhaltigen Verbesserung der Wohn-, Arbeits-, Sozial- und Umweltverhältnisse. Die Dörfer sollen sich vor dem Hintergrund drängender Herausforderungen – insbesondere des demographischen Wandels und der Energiewende – auf künftige Erfordernisse vorbereiten und entwickeln können. Vor der Aufnahme in das Dorfentwicklungsprogramm sind die Antragsteller in der ersten Stufe des Programms gehalten, eine Bestandserhebung durchzuführen. Nach Aufnahme in das Programm sind in einer zweiten Stufe vertiefende Konzepte, insbesondere für die Innenentwicklung zu erstellen.

Die Kombination von Dorfentwicklung und Bodenordnungsverfahren nach dem Flurbereinigungsgesetz unterstützt die Innenentwicklung vorteilhaft und trägt zur Mobilisierung von Flächen bei. Flurneuordnungsverfahren sind unter Berücksichtigung von Eigentums-, Wirtschaftlichkeits- und Umweltgesichtspunkten sowohl in den Orts- als auch Feldlagen geeignet, unterschiedliche Nutzungsinteressen bestmöglich in Einklang zu bringen. Mit einer so optimierten Flächennutzung lassen sich weitere Flächenneuinanspruchnahmen vermeiden.

GENIAL zentral, eine im Jahr 2002 gestartete Projektinitiative des Freistaates Thüringen unterstützt die attraktive Gestaltung und Wiedernutzung innerstädtischer Brachflächen. In 43 Kommunen wurden 78 Projekte auf den Weg gebracht.

Der Ausbau der erneuerbaren Energien führt neben den bisherigen Formen der Landnutzung zu einer weiteren Konkurrenz. Bis 2010 gesetzlich gefördert, entstanden Photovoltaik - Freiflächenanlagen (PV – Anlagen) auch auf landwirtschaftlich nutzbaren Flächen. Mit der Novellierung des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) sind diese davon weitgehend ausgenommen. Gleichwohl gilt es, die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern weiter zu reduzieren und dezentrale Energielösungen zu unterstützen. Aus dieser und flächenpolitischer Sicht ist die weitere Installation von PV - Anlagen vor allem auf Dächern und Fassaden sinnvoll, geeignete Brachflächen sind in die Betrachtung einzubeziehen. Dies gilt ebenso für die energetische Nutzung von Biomasse und der Installation weiterer Windkraftanlagen.

Die im Internet verfügbaren Flächenportale „Alte Flächen – Neue Energien“ (TMLFUN), „Solar-FlächenPortal Thüringen“ (Thüringer Energie- und GreenTech-Agentur) und Solarkataster (Landeshauptstadt Erfurt) bieten dazu entsprechende Informationen. 

Teile der Flächeninanspruchnahme werden bereits jetzt über Nachnutzungen von Brachflächen gedeckt. Das gesamte Brachflächenpotential in Thüringen wird auf 12.000 Hektar geschätzt. Davon liegen 6.700 Hektar in Orts- bzw. Ortsrandlagen und 5.300 Hektar im Freiraum. Eine systematische Erfassung von Brachflächen erfolgte unter Federführung der Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen (LEG) bis Ende 2006, seitdem wurde die Erfassung in den Landkreisen und kreisfreien Städten nur punktuell fortgesetzt.


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 Vorrangig für den ländlichen Raum werden zur Revitalisierung von Brachflächen finanzielle Mittel aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) bereitgestellt.

Seit dem Jahr 2007 ist es gelungen, über 700 Hektar brachliegende Flächen nutzbar zu machen. Insgesamt 410 Projektanträge wurden bearbeitet. Ansprechpartner für die Anträge zur Förderung sind die Ämter für Landentwicklung und Flurneuordnung.

Förderrichtlinie zur Revitalisierung von Brachflächen (92.3 kB)
PDF-Dokument ist nicht barrierefrei.

Antragsformular (148.1 kB)
PDF-Dokument ist nicht barrierefrei.

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