Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft

Beispiel Flurbereinigungsverfahren Teufelstal

Die Unternehmensflurbereinigung Teufelstal (Saale-Holzland-Kreis) wurde 1997 durch das Amt für Landentwicklung und Flurneuordnung (ALF) Gera angeordnet. Das Flurbereinigungsgebiet erstreckt sich auf einer Fläche von ca. 768 ha entlang der BAB A 4 von Stadtroda bis zum Hermsdorfer Kreuz. Vordringliches Ziel war die Bereitstellung der für den sechsstreifigen Ausbau der A 4 benötigten Flächen unter Vermeidung von Enteignungen. Die Genehmigung des Wege- und Gewässerplans erfolgte am 20. September 2003.

Im Frühherbst 2007 kam es durch extreme Niederschläge zu einer starken Beschädigung der Verbindungsstraße von Bollberg zur Janismühle, einem touristischen Ausflugsziel, und des oberhalb der Straße liegenden Bollberger Friedhofes. Das Oberflächenwasser stürzte aus einem überwiegend intensiv ackerbaulich genutzten Einzugsgebiet südöstlich der Ortslage Bollberg herab. Die Straße zur Janismühle, die sich außerhalb des Flurbereinigungsgebietes befindet, wurde 2009 wieder instandgesetzt. Gleichzeitig bat die Gemeinde Bollberg das ALF Gera um Unterstützung bei der Planung und Umsetzung von vorbeugenden Maßnahmen des Hochwasserschutzes, um in Zukunft Schäden solchen Ausmaßes zu verhindern.

 

Unterspuelte Strasse zur Janismuehle
Unterspülte Straße zur Janismühle
Foto: ALF Gera

Das für das Hochwasser verantwortliche Gebiet liegt im Flurbereinigungsverfahren Teufelstal. So war die Möglichkeit gegeben, über eine Änderung des Plans nach § 41 FlurbG entsprechende Hochwasserschutzmaßnahmen zu planen und umzusetzen.

Das Kernstück des Konzeptes bildet ein Rückhaltebecken mit einem Fassungsvermögen von 1.000 m³. Um den Entzug landwirtschaftlicher Nutzfläche möglichst gering zu halten, wurde dieses als zweiarmiges Dammbauwerk konstruiert. Dadurch kann ein großer Teil der potentiellen Staufläche weiterhin landwirtschaftlich genutzt werden. Die Entlastung des Rückhaltebeckens erfolgt durch einen Kanal, der das Wasser gefahrlos in einen Wald ableitet. Zum Schutz des Friedhofes wurde ein begrünter Gabionenwall zur gezielten seitlichen Ableitung des Wassers errichtet. Aufgrund des starken Geländegefälles besitzt das abfließende Wasser eine hohe Geschwindigkeit und somit ein hohes Energiepotenzial. Daher war es notwendig, den Abflussstrom an der Austrittsstelle am Waldrand mit einem Tosbecken zu beruhigen. Schließlich wurde entlang des Ortsrandes von Bollberg ein begrünter Schutzwall angelegt, um im Starkregenfall ein Überschwemmen der benachbarten Wohngrundstücke zu verhindern.

 

Rückhaltebecken
Rückhaltebecken als zweiarmiges Dammbauwerk
Foto: ALF Gera

Die Entwurfs- und Genehmigungsplanung wurde durch ein Ingenieurbüro im Auftrag der Gemeinde Bollberg erarbeitet. Das ALF Gera moderierte den Planungsprozess in enger Zusammenarbeit mit der unteren Wasserbehörde, die schließlich das wasserrechtliche Einvernehmen erteilte. Am 9. Oktober 2009 genehmigte das ALF Gera den Wege- und Gewässerplan. Von Mai bis Juli 2010 erfolgte die Umsetzumg der Baumaßnahmen. Aufgrund der vorangegangenen Hochwasserereignisse haben alle von den Maßnahmen betroffenen Eigentümer Bauerlaubnisse erteilt und somit die Baufreiheit gewährleistet. Die eigentumsmäßige Sicherung der Anlagen wird mit dem Flurbereinigungsplan zur Unternehmensflurbereinigung Teufelstal erfolgen.

Während der Tauperiode Anfang Januar 2011 haben die Hochwasserschutzanlagen ihre erste Bewährungsprobe bestanden. Auch nach den Hochwasserereignissen im Mai/Juni 2013 wurde dem Rückhaltebecken durch die Gemeinde eine sehr gute Funktionsweise attestiert.

 

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