Kulturlandschaft

Kulturlandschaft entsteht durch menschliche Nutzung und Bewirtschaftung im Zusammenwirken mit der Standortbeschaffenheit des jeweiligen Naturraums. Thüringen zeichnet sich durch vier große und drei kleinere Naturraumeinheiten aus.

Naturraumkarte

Flächenmäßig am größten sind die Ackerhügelländer, Mittelgebirge und Buntsandstein- sowie Muschelkalkgebiete. Vom Basaltkuppenland, von Auen und Niederungen sowie Zechsteingürteln an Gebirgsrändern finden sich dagegen relativ kleine Anteile in Thüringen.

Diese Naturräume spiegeln sich auch in den Agrargebieten Thüringens wider.
 

Agrargebiete Thüringens

Aufgrund der standörtlichen Nutzungseignung haben sich unterschiedliche Kulturlandschaften herausgebildet, die durch eine fortgeführte landwirtschaftliche Nutzung der Flächen erhalten werden.

Kulturlandschaften (Vergleich)
  bei Oberweißbach (Thüringer Schiefergebirge)                 bei Nerkewitz (Thüringer Becken)

Die Agrarlandschaft bietet ein hohes Potenzial für Artenvielfalt, aufgrund der standörtlich verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten und der landschaftlich vorhandenen, zahlreichen Saumstrukturen. Saumstrukturen gelten als besonders artenreich, da sich hier die Lebensformen beider (mehrerer) angrenzender Biotope finden. Dies ist umso ausgeprägter je unterschiedlicher die Biotope sind. Daher gilt es auch weiterhin diese Saumstrukturen zu fördern, denn Landschaftselemente sind für intakte Lebensräume im Agrarraum unverzichtbar. So sichern sie für viele Lebewesen erst bei ausreichender Verbindung untereinander und ausreichender räumlicher Erschließungsdichte die notwendigen Überlebensbedingungen. Großflächenwirtschaft und Landschaftselemente wie Hecken, Feldgehölze, Lesesteinwälle, Streuobstanbau und auch streifenweiser Nutzholzanbau (Agroforst), schließen sich keineswegs aus.

Agrarforstsystem
Agrarforstsystem bei Dornburg (Thüringer Becken)

Artenvielfalt & Landschaftsbild

Auch die Strukturen außerhalb der landwirtschaftlichen Nutzfläche, wie z.B. Feldraine, sind bedeutende, naturschutzfachlich wertvolle Lebensräume und daher schützenswert. Unter der naturschutzfachlich sachgerechten Bewirtschaftung durch die Landwirtschaft selbst, kann hier ggf. Nachteilen für die Landwirtschaft vorgebeugt werden, so dass ein Nutzen für Landwirtschaft und Naturschutz und somit für die Gesellschaft insgesamt entsteht.

Feldrain
Feldrain mit wiesenartiger Vegetation zwischen zwei Ackerflächen

Solche Saumstrukturen können aber auch auf der landwirtschaftlichen Fläche selbst geschaffen werden, entweder am Feldrand und/oder als Streifen im Feld. Hierbei gilt es die rechtlichen Aspekte der Beihilferegelungen bzw. im Rahmen der KULAP-Programme zu beachten.

Versuchsernte der KULAP-Blühmischung B5
Versuchsernte der KULAP-Blühmischung B5 (mehrjährig) am Standort Dornburg, 16.09.2013

Aktuelle Links: 

 

Flächennutzung und -verbrauch

Der mitteleuropäische Raum kann als landwirtschaftliche Gunstlage bzgl. Bodengüte und Klima, damit auch hinsichtlich der Ertragsfähigkeit betrachtet werden. Deutschland ist ein Teil davon. Um die heutige Kulturlandschaft, die durch landwirtschaftliche Nutzung geschaffen wurde, zu erhalten, bedarf es der Fortführung einer landwirtschaftlichen Nutzung unter Berücksichtigung des technischen sowie züchterischen Fortschritts, als auch der Verfahrensoptimierung zur Sicherung der ökonomischen Überlebensfähigkeit der landwirtschaftlichen Betriebe. Gerade Thüringen zeichnet sich durch eine standörtliche Vielfalt zwischen Ackerebene und Mittelgebirge aus. Dies erfordert vielfältige Flächennutzungs(Betriebs-)konzepte. Wichtig ist hierbei den landwirtschaftlich nutzbaren Boden auch für die landwirtschaftliche Nutzung zu erhalten.

Produktionsschwerpunkte

Zahlreiche Ziele und Strategien des Landes Thüringens als auch des Bundes verplanen Flächenanteile, z.B. durch:

  • Ausweitung naturschutzfachlich wertvoller Schutzgebiete (Biotopvernetzung) bzw. extensiver Bewirtschaftungsverfahren bis 2020 um mehrere 1000 ha (Thüringer Strategie zur Erhaltung der biologischen Vielfalt, 2012)
  • Ausbau der Bioenergie bei Sicherstellung der Nahrungs- und Futtermittelproduktion auf ca. 15 % des Primärenergieverbrauchs bis 2020 (Thüringer Bioenergieprogramm, 2006 - Neuauflage zzt. in Bearbeitung);
  • Ausweitung der natürlichen Rückhalteflächen für den Hochwasserschutz in noch nicht festgelegter Größenordnung.
  • Ausbau des Infrastrukturnetzes (Siedlungs- und Verkehrsflächen) zur Stärkung des „Industriestandortes“ Thüringens > „Die Thüringer Wirtschaft wird bis 2020 weiter wachsen. Die Verkehrsanbindung in Nord-Süd-Richtung wird durch den Ausbau des Autobahnnetzes und der ICE-Trasse verbessert sein. (…) Der Wirtschaftsstandort Thüringen sollte jedoch neben dem Wachstum, der Expansion von Infrastruktur und erneuerbaren Energien auch als Wohnort für potenzielle Gründer, vor Ort ansässige Unternehmer, Arbeitskräfte sowie für Touristen attraktiv bleiben.“ (Dr. Nadin Staupendahl, Verband deutscher Unternehmerinnen, Vorsitzende des Landesverbands Thüringen in „WiR in Thüringen“ – Wirtschaft, Innovation, Ressourcen des Thüringer Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Technologie)

In der aktuellen Eingriffsregelung des Bundesnaturschutzgesetzes gilt es vor Eingriffen, in gleichem Maße wie bei der Auswahl von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen, auf landwirtschaftliche Belange Rücksicht zu nehmen.

Vorrangvorbehaltsflächen

Thüringen verfügt hierbei bereits über Instrumente zur Ausweisung von landwirtschaftlichen Vorrang- und Vorbehaltsflächen, auf denen die landwirtschaftliche Nutzung zu priorisieren ist und über z.B. PIK-Maßnahmen, die eine produktionsintegrierte Kompensation erlauben, d.h. dass diese Flächen in landwirtschaftlicher Nutzung und, unter den rechtlichen Voraussetzungen, auch beihilfefähig bleiben.

So können ggf. auch die Ziele zur Verringerung bzw. zur Minimierung des landwirtschaftlichen Flächenverlustes, gemäß der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie, auf 30 ha pro Tag bzw. gemäß der Thüringer Nachhaltigkeitsstrategie sogar bis auf 0 ha, erreicht werden.

Links zu Partnern:

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Kontakt:
Ref. Agrarökologie und ökologischer Landbau
Dr. Katja Gödeke
Tel.: 03641 - 683 115
E-Mail: katja.goedeke{at}tll.thueringen{punkt}de

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