Thüringer Landesamt für Bau und Verkehr

Universität Erfurt

Im Herbst 1994 wurde durch den Freistaat Thüringen in Zusammenarbeit mit der Stadt Erfurt ein europaweiter städtebaulicher Ideenwettbewerb, kombiniert mit einem Realisierungswettbewerb, für die Universität Erfurt ausgelobt. Ziel der Planung war die Entwicklung eines Gesamtkonzepts mit der Integration der bestehenden Pädagogischen Hochschule sowie die Planung der neuen
Universitätsbibliothek.


Die Universitätsbibliothek mit ihren drei Bauabschnitten im städtebaulichen Kontext

Als erster Preisträger des Wettbewerbs wurden Koch + Partner mit der Planung des Bibliotheksgebäudes (1. Bauabschnitt) und dem Umbau eines bestehenden Wohnheims der Pädagogischen Hochschule in das erste Dienstgebäude für Professoren und Seminarräume beauftragt. Für die städtebauliche Entwicklung der gesamten Universität einschließlich der Pädagogischen Hochschule erstellten Koch + Partner ein Entwicklungsgutachten.

Städtebaulicher Wettbewerb und Realisierungswettbewerb Universitätsbibliothek

Die wohl wichtigste Frage bei der Neugründung der Universität Erfurt war die Entscheidung über den Standort der Universitätsbibliothek. Diese sollte Kristallisations- und Ausgangspunkt für die Entstehung der neuen Universität sein sowie als öffentliche Einrichtung die Verbindung zur Stadt herstellen.


Das Bibliotheksgebäude auf dem Campus bei Nacht

Der gewählte Standort der Bibliothek bezeichnet einen Dreh- und Angelpunkt der beiden zukünftigen Entwicklungsachsen der Universität. Eine Achse nimmt in Nord-Süd-Richtung zwischen Bibliothek, Mensa und Sportzentrum die Verbindung zur Stadt auf, die andere schafft in Ost-West-Richtung zwischen Bibliothek und Hörsaalgebäude die Verbindung zur Nordhäuser Straße.

Die Fahrerschließung erfolgt ausschließlich von Westen, wo auch der ruhende Verkehr in einer schrittweise auszubauenden Parkharfe Platz findet. Damit kann eine innere Urbanität mit Plätzen sowie verkehrsfreien Aufenthaltszonen geschaffen werden.


Der erste Bauabschnitt der Bibliothek aus der Zugangsperspektive
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Grundriß der ersten Bibliotheksebene mit großflächigen Freihandbereichen

Die landschaftlichen Freiräume zwischen Parkharfe und Universität sind parkartig, zwischen vorgesehener Wohnbebauung und Universität als Universitätsgarten gestaltet.



Universitätsbibliothek

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Der erste Bauabschnitt der Univeritätsbibliothek Erfurt mit einer Kapazität von ca. 900.000 Bänden und 360 Leseplätzen ist in einem drei- bis viergeschossigen Baukörper mit einem Untergeschoß untergebracht.

Ein wichtiges Gestaltungsziel war die flexible Großraumkonzeption der Freihandbereiche und eine spannungsvolle Schnittführung im Gebäude. Dies wird vor allem in den drei zentralen Lichthöfen mit Oberlicht erlebbar. Die Lichthöfe sind auf einer Seite von einer differenziert gestalteten Wandscheibe mit einer großzügigen Treppenanlage flankiert. Über Brücken und Öffnungen git es Sicht- und Wegebeziehungen zur angelagerten Verwaltungsspange. Entlang der Lufträume, wo die meisten Publikumsbewegungen stattfinden, sind die Freihandbereiche mit ihren Regalzonen trapezförmig aufgefächert. Durch die klare Zonierung und durch die innere Lichtführung über die drei Lufträume ist eine leichte Orientierbarkeit innerhalb des Gebäudes gewährleistet.


Schnitt durch die drei Lichthöfe


Blick in den lichtdurchfluteten Innenraum mit der großzügigen Treppenanlage

Es gibt ruhig gelegene Leseplätze - abgeschirmt durch die Regalzonen - entlang der Fassade mit kleinen Ausguckfenstern und Lesepools mit geschosshohen Glasfassaden und Blickbeziehung zur Stadt, zum Campus und zur Landschaft.



Gestaltung

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Die Bibliothek ist nach Norden vollständig aufgeglast, um sehr viel blendfreies Licht ins Gebäude hineinzuleiten. Die Fassaden haben ein ausgewogenes Verhältnis von geschlossenen und transparenten Flächen. Die gebänderten Putzfassaden der Freihandbereiche haben eine Höhe von 2,25 m, welche der Regalhöhe entspricht. Die Oberlichtbänder führen Tageslicht über die Regale hinweg ins Gebäude. In die Außenfassade sind 18 Carrels, kleine Intensiv-Lesekabinen, integriert. Die fünfte Fassade bilden leichte, elegante, weit auskragende Dächer, die extensiv begrünt sind.

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Die Materialsprache der Bibliothek ist klassisch, zurückhaltend und in positivem Sinne gediegen. Das Farbkonzept ist mit Weiß-, Grau- und Silbertönen abgestimmt, es gibt wenige, aber gezielte Farbakzente. Die Wandvertäfelung, die Brüstungsabdeckungen, Zeitschriftenregale, Theken und Tische - alles Teile, mit denen der Benutzer haptisch in Berührung kommt - sind aus hellem Birkenholz.

Gebäudedaten

Wettbewerb 1. Preis März 1995
Planungsbeginn Juli 1996
Gebäudebezug April 2000

Hauptnutzfläche 9.700 m²
Nebennutzfläche 592 m²
Funktionsfläche 1.145 m²
Verkehrsfläche 4.250 m²

Bruttogrundfläche 16.960 m²
Bruttorauminhalt 78.440 m²

HU-Bau Gesamtkosten 56 Mio. DM

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Fassadenschnitt im Freihandbereich

Bauherr

Freistaat Thüringen, vertreten durch das Thüringer Finanzministerium, endvertreten durch das Staatsbauamt Erfurt

Nutzer

Thüringen Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst
Universität Erfurt
Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha

Architekten

Koch + Partner, München/Leipzig
Archtekten und Stadtplaner
Koch Drohn Schneider Voigt

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Baubeschreibung:
Ausgangspunkt der Freiflächengestaltung ist der Städtebauliche Ideenwettbewerb des Finanzministeriums sowie der darauf basierende Bebauungsplan der Stadt für die Universität Erfurt. Ausgehend von der städtebaulichen Grundidee mit dem Standort des Bibliotheksneubaus als künftigem Zentrum der Universität wurde das Konzept der Wegebeziehungen innerhalb des Campus sowie auch die Anbindung an die Umgebung völlig neu entworfen.

Nachdem das Gelände durch den Abbruch verschiedener Gebäude und Oberflächenbefestigungen für das Bauvorhaben hergerichtet wurde, entstand nunmehr eine neue Haupterschließungsachse von der Nordhäuser Straße zur Bibliothek, ein Platz vor der Bibliothek als Schnittpunkt aller Fußwege, 545 Pkw-Stellplätze für Studenten, Mitarbeiter und Besucher, sowie eine neue Zufahrt zum Campus. Parallel zum Bau der Oberflächenbefestigung wurden Abwasser- und Trinkwasserleitungen, Elektroleitungen und Beleuchtung sowie die Datenverkabelung erneuert bzw. erweitert. Entsprechend des Grünordnungsplanes zum B-Plan erfolgte eine großzügige Begrünung aus Baumpflanzungen und Rasenflächen. Integriert sind darin Pachtflächen für Saatzucht (Blumenfelder) und die Renaturierung des Hungerbaches als offenes Gerinne zur Regenwasserableitung. Insgesamt wurden 27.820 m² Flächen mit Asphalt, Betonpflaster oder Rasenpflaster befestigt und 64.700 m² begrünt.

Zeitablauf:
03/1995 Städtebaulicher Ideenwettbewerb
10/1996 Planungsauftrag
02/1998 Vorlage der HU-Bau-
06/1998 haushaltsmäß.Festsetzung der HU-Bau-,Beginn der AFU
08/1998 Erteilung der Baugenehmigung
01/1999 Bauauftrag
07/1999 Baubeginn
12/2001 Fertigstellung

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