Thüringer Landesamt für Bau und Verkehr

Klinikum der Friedrich- Schiller- Universität Jena
Neubau eines zentralen Forschungsgebäudes ( Theoretikum )

Bauwerksart:
Lehre und Forschung

zuständiges Bauamt:
Staatsbauamt Gera

Hauptnutzfläche:
1.114 m²

Architekt:
Gerber Architekten

Gesamtbaukosten:
8,945 Mio. €
 

Baubeschreibung:
Die unterzubringenden Institute für Anatomie, Humangenetik und Anthropologie sind bisher im benachbarten bauhistorisch bedeutsamen Quartier „collegium jenense“ untergebracht. Da die dort eingerichteten Forschungslabore nicht den erforderlichen technischen Mindeststandards entsprechen und aufgrund der bestehenden Bausubstanz auch nicht hergerichtet werden können, wurde 1996 entschieden, einen Neubau zu errichten. Das mit der Planung beauftragte Architekturbüro Gerber Architekten aus Dortmund ging als Preisträger aus einem europaweit ausgeschriebenen Verhandlungsverfahren mit Stehgreif-Entwurfswettbewerb hervor.

Es entsteht ein dreigeschossiger, u-förmiger Gebäudekomplex mit einer klaren Gliederung, 2 Labor- und ein Büroflügel sind um die zentrale Eingangshalle und den begrünten Innenhof gruppiert. Die Formensprache des schlichten Kubus mit Fensterbändern folgt den Gestaltungsprinzipien der klassischen Moderne, die auch in Jena in den 20‘er Jahren einige berühmte Beispiele hinterlassen hat. Das Gebäude bindet unmittelbar an die bestehenden denkmal-geschützten Institutsbauten an und schließt das historische Ensemble nach Westen hin ab. Verglasungen zur Straße und zum Innenhof hin erlauben Ein-, Aus-, aber auch Durchblicke. Das Alte tritt nicht hinter dem Neuen zurück, sondern wird in das Gebäudekonzept des Neubaus einbezogen und erlebbar gemacht.

Im Keller musste nach Stellplatzsatzung der Stadt Jena eine Tiefgarage mit Doppelparksystem untergebracht werden, was einen wesentlichen Kostenanteil ausmacht. Schwierig sind auch die Rahmenbedingungen mit den beengten Platzverhältnissen, die die Baustelleneinrichtung und –logistik erschwert.

Somit entsteht eine Situation, die in hohem Maße Identität stiftet, ein Ort mit besonderen Aufenthaltsqualitäten, ein Ort der Kommunikation, des Austauschens, der Besinnung und Kontemplation: Alles unverzichtbar für die wissenschaftliche Arbeit.

In dem Neubau des zentralen Forschungsgebäudes werden Laborflächen ohne eine feste Zuordnung an bestimmte Fachdisziplinen geschaffen, die Zuordnung erfolgt in Abhängigkeit des aktuellen Bedarfs (Forschungsaufträge).

Historie des Ortes:
Es ist das älteste Bauensemble der Universität und wurde von 1286 bis Mitte des 14. Jahrhunderts als Dominikanerkloster errichtet. Nach Auflösung des Konvents im Jahre 1525 wurde das Kloster 1548 Sitz der von Kurfürst Johann Friedrich I. gegründeten Hohen Schule. 10 Jahre später wurde hier die Universität feierlich eröffnet. Danach wurde das Kloster für die Universitätsnutzung umgebaut. Auf dem rechteckigen collegium jenense befanden sich die Kollegienkirche, die Theologischen, Juristischen, Philosophischen und Medizinischen Fakultäten, die Bibliothek, ein Karzer, die Senatsstube, Studierstuben, Wohnungen, Mensa, ein Medizinergarten. Dieses räumliche Konzept bestimmte im wesentlichen das Universitätsgelände bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, als 1861 das neue Universitätshauptgebäude am Fürstengraben, sowie die Bibliothek am Bibliotheksplatz eingeweiht wurden. Seitdem wird das Gelände nur noch für medizinische Institute genutzt. Im 2. Weltkrieg wurde das collegium jenense stark zerstört, danach entstanden neue Institutsbauten mit teilweiser Einbeziehung des Bestandes.

Das neue Forschungsgebäude entsteht in unmittelbarer Nachbarschaft zum Anatomieturm, einem Rest der ehemaligen Stadtbefestigung. Er trug bis 1860 einen Aufbau, das sogenannte „Anatomische Theater“. Dies kann Ansporn für die einziehenden Forscher sein, hat hier doch Johann Wolfgang von Goethe gemeinsam mit Prof. Christian Justus Loder den menschlichen Zwischenkieferknochen entdeckt.

Die feierliche Übergabe erfolgte am 30. Juni 2003.

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