Thüringer Landesamt für Bau und Verkehr

Justizzentrum Meiningen

Neubau, Umbau und Sanierung

Postkarte um 1891
Postkarte um 1891

1993 erwarb der Freistaat Thüringen vom Bund eine rund 30.000 m² große Teilfläche der 5,2 ha großen historischen Hauptkaserne in Meiningen mit der Absicht, hier ein Behördenzentrum zur Unterbringung der Meiniger Justizbehörden sowie der Polizeiinspektion zu errichten. Die unter Ensembleschutz stehende Kasernenanlage liegt in der Innenstadt, jedoch außerhalb des mittelalterlichen Stadtkerns und hebt sich von der umgebenden Bebauung als Quartier eigenen Charakters ab. Die Hauptkaserne wurde 1866/67 als imposanter Zweckbau auf einem bis dahin als Gärten der Meininger genutzten Gelände in unmittelbarer Nachbarschaft des Englischen Gartens und der 1859 angelegten Charlottenstraße errichtet.


Durchgang Gerichtsgebäude und Fortführung der Lindenallee Südseite

Die 1838 entstandene Lindenallee fand ihren nördlichen Abschluss im repräsentativen Gebäude der Hauptkaserne. Die 1872/73 und 1937 errichteten bzw. umgebauten Nebengebäude komplettieren das Ensemble. Die Hauptkaserne gehört neben der Stadtkirche, dem Theater und dem Schloss Elisabethenburg zu den bedeutendsten historischen Großbauten Meiningens und ist ein kunsthistorisch bemerkenswerter Bau des strengen Historismus. Zudem dokumentiert die Hauptkaserne eine wesentliche Epoche deutscher Militärgeschichte ebenso wie über vierzig Jahre die Nutzung durch die sowjetischen Streitkräfte und ist somit ein unverzichtbares militär-historisches Denkmal.




A - Amtsgerichts- und Sitzungsgebäude
B/C - Gerichtsgebäude
D - Kantine und Bewährungshilfe
E - Bibliothek



Architekturwettbewerb

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Modellfoto

Vom Freistaat Thüringen, vertreten durch das Thüringer Finanzministerium, Hochbau- und Liegenschaftsabteilung wurde 1994/95 ein EU-weiter Architektenwettbewerb als begrenzt offener, baulicher Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren durchgeführt. Im November 1994 wählte ein unabhängiges Auswahlgremium aus 167 eingegangenen Bewerbungen 25 Büros zur Teilnahme am Wettbewerb aus. 22 Büros gaben nach dreimonatiger Bearbeitungszeit im März 1995 ihre Wettbewerbsbeiträge ab. Die Preisgerichtssitzung fand im Mai 1995 in Meiningen statt.


Die Wettbewerbsaufgabe bestand darin, planerische Lösungen zu finden für
  • einen Umbau mit Anbau oder eine Neukonzeption für ein Justizzentrum mit ca. 10.000 m² Hauptnutzfläche für Landgericht, Verwaltungsgericht, Amtsgericht, Staatsanwaltschaft, Landesanwaltschaft und Bewährungshilfe;
  • einen Umbau mit Anbau oder einen Neubau für die Polizeiinspektion Meiningen mit ca. 1000 m² Hauptnutzungsfläche;
  • zentrale allgemeine Einrichtungen des Behördenzentrums, wie z.B. Räume für Hausverwaltung und Kantine.
Entsprechend der Empfehlung des Preisgerichts wurde als erster Preisträger das Architektenbüro Belz, Kucher und Partner mit der Planung des Justizzentrums und der Verfasser des mit dem 5. Preis ausgezeichneten Beitrages mit der Planung der Polizei beauftragt.



Abwicklung

Nach den weiterführenden Entwurfs- und Genehmigungsplanungen sowie der Vergabevorbereitung mit der Zielsetzung einer alternativen Finanzierung wurden im Oktober 1997 die Bau- und Finanzierungsleistungen mit den einzelnen Losen Justizzentrum und Polizeiinspektion entsprechend der Verfahrensweise nach dem Thüringer Modell EWR-weit öffentlich ausgeschrieben. Leasinggeber ist nach Abschluss eines Immobilien-Leasingvertrages im September 1998 für beide Projekte die von der Commerzleasing und Immobilien GmbH gegründete Objektgesellschaft LIVIDA MOLARIS. Als Generalunternehmer wurde dabei die ARGE HOCHTIEF Erfurt und IHB Schleusingen Projekt mit der schlüsselfertigen Ausführung beauftragt.


Südansicht


Westansicht, Schnitt


Nordansicht, Gerichtsgebäude, im Vordergrund Bibliothek



Städtebauliches und architektonisches Konzept

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Kantinengebäude

Das historische, ehemals als Hauptkaserne gebaute und genutzte Gebäude wird als Bestandteil der Stadtgeschichte Meiningens erhalten und durch die Umnutzung zu einem wesentlichen Teil der Gesamtanlage. Zusammen mit den Neubauten für das Amtsgericht und die Kantine entsteht eine städtebauliche Ordnung, die sich unaufdringlich, aber unverwechselbar in die bestehende Stadtstruktur einfügt. Die räumliche Struktur wird geprägt durch die Solitäre des Amtsgerichts, des Gerichtsgebäudes und der Kantine sowie durch den Wechsel von Raumöffnung und Verdichtung. Zentraler Gedanke ist, die wichtige Wegeverbindung der Lindenallee aufzunehmen und durch das ehemalige Kasernengebäude weiterzuführen. Durch die Verlängerung der Lindenallee entsteht ein "grüner Weg", der dem Goethepark mit dem Grünraum zwischen Kantinengebäude und Polizeiinspektion und weiter nördlich gelegenen Stadtteilen verbindet. Ein inzwischen gerne angenommener Verbindungsweg abseits der parallel verlaufenden stark befahrenen Leipziger Straße.

Die 2-geschossigen Stützreihen des Sitzungsgebäudes, mit dem dahinterliegenden Innenhof, bilden den öffentlichkeitswirksamen Haupteingang der Gesamtanlage zum Justizzentrum.

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Kantinensaal


Der Gedanke der Wegeverbindung im Außenbereich wiederholt sich im Gebäudeinneren als erdgeschossiger Haupterschließungsweg zwischen Sitzungsgebäude, Gerichtsgebäude und Kantine.

Zur Gestaltung

Übergeordnetes Gestaltungsziel ist, durch eine offene und transparente Erscheinung die Bedeutung eines bürgernahen Justizzentrums zu übersetzen und die Abgeschlossenheit und den von vielen Betrachtern als abweisend empfundenen Charakter des Kasernengebäudes aufzuheben. Dies wird durch die zwei im Norden der Kaserne eingestellten, nach außen geschosshoch verglasten Neubauteile und durch das 3-geschossige Aufbrechen der Hauptachse mit dem zurückliegend voll verglasten Verbindungsflur erreicht. Noch verstärkt wird diese Absicht durch die innere Gestaltung der Alt- und Neubauteile. Große Öffnungen in den Geschossdecken und offene Treppenverbindungen ermöglichen räumliche Zusammenhänge über alle Geschosse. Alle öffentlichkeitsbezogenen Bereiche des Amtsgerichts, wie Grundbuchamt, Gerichtskasse und die Gerichtssäle sowie der 100 Zuhörer fassende Schwurgerichtssaal gruppieren sich um den 3-geschosshohen, verglasten Luftraum der Eingangshalle des Sitzungsgebäudes.

Im Alt- und Neubauteil des Gerichtsgebäudes sind vor allem Büros für Landgericht, Verwaltungsgericht sowie die Staatsanwaltschaft untergebracht. Das kreisrunde 2-geschossige Kantinengebäude, im nördlichen Kasernengelände gelegen, öffnet sich mit dem erdgeschossigen Speiseraum zum Grünbereich. Im Obergeschoss befinden sich die Räume der Bewährungshilfe.

Die kleine, satellitenartig vor die mächtige Kaserne gestellte Bibliothek erhält ihren eigenen Charakter aus dem Gegensatz zwischen der außen umlaufenden hohen, völlig verglasten Lesezone und dem eingestellten 2-geschossigen, massiv betonierten quadratischen Körper für die Buchstellflächen.



Materialkonzept

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Foyer 1. OG im Sitzungsgebäude


In den verwendeten Materialien sollen sich Begriffe wie Offenheit, Transparenz, Dauerhaftigkeit und vor allem Würde widerspiegeln. Das Sichtmauerwerk der Außenfassade der Kaserne wird in den geschlossenen Wandscheiben der Neubauten aufgenommen.

Die Neubauten bleiben aber durch den dunklen Klinkerstein und vor allem durch die großflächigen, zum Teil bis zum Boden verglasten Fassaden und durch die mit Aluminiumtafeln verkleideten Flächen als neue eigenständige Gebäude erlebbar.

Im Gebäudeinneren sind es eher die hellen Birkenholzflächen der Fassaden und Wandverkleidungen, die dunkel gestrichenen Stahlprofile, weiße Putzflächen, dunkelgrauer Naturstein und die kräftigen Farben der Linoleumbodenbeläge, die einen freundlichen und würdigen Eindruck hinterlassen.


Ansicht Schwurgerichtssaal und Hauptzugang Justizzentrum


Ost-Ansicht

Der Thüringer Staatshochbau hat seit Gründung Anfang 1991 fast zwanzig Milliarden DM im Bereich der öffentlichen Infrastruktur des Landes beplant, betreut und investiert. Dazu gehören Polizeidienststellen und Haftanstalten ebenso wie Hochschul- und Hochschulklinikbauten. Damit übernimmt die Staatliche Hochbauverwaltung im Thüringer Finanzministerium und ihre nachgeordneten Dienststellen Verantwortung für rund 20.000 Arbeitsplatzinhaber und ihre Familien. Darüber hinaus trägt sie auch maßgeblich zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen im Lande bei. Die Projekte stellen dabei sowohl ein Instrument der Wirtschaftsförderung als auch einen bedeutenden Beitrag zur Gestaltung einer lebenswerten Umwelt dar. Im Spannungsfeld von zeitgenössischer Architektur und Anknüpfung an Thüringer Bautradition entsteht der bauliche Ausdruck eines modernen, weltoffenen, aber auch sensiblen wie traditionsbewussten Landes.


Foyer 2. OG, Sitzungsgebäude

Gebäudedaten

Wettbewerb 1. Preis April 1995
Planungsbeginn August 1996
Gebäudebezug August 2000

Hauptnutzfläche 11.261 m²
Nebennutzfläche 2.300 m²
Funktionsfläche 900 m²
Verkehrsfläche 8.753 m²

Bruttogrundfläche 26.782 m²
Bruttorauminhalt 111.216 m²

Gesamtkosten 71 Mio. DM
  Leasinggeber / Bauherr

LIVIDA MOLARIS Grundstücksvermietungsgesellschaft mbH & Co. Justiz und Polizei Meiningen KG, eine Objektgesellschaft der Commerz Leasing und Immobilien AG, Düsseldorf

Nutzer

Meininger Justizbehörden Landgericht, Amtsgericht, Verwaltungsgericht, Sozialgericht, Staatsanwaltschaft sowie Bewährungshilfe / Soziale Dienste

Architekten

Belz, Kucher und Partner, Stuttgart

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