Thüringer Landesamt für Bau und Verkehr

Fachhochschule Schmalkalden

Entwicklung

Die rund 20.000 Einwohner zählende Stadt Schmalkalden ist einer von sechs Hochschulstandorten des Freistaats Thüringen. Mit Gründung der Fachhochschule Schmalkalden am 01. Oktober 1991 wurde die Ausbildungstradition der am 01. Juli 1902 als “Königlich-Preußische Fachschule für Kleineisen- und Stahlwarenindustrie Schmalkalden” und 1950 in eine “Ingenieurschule für Fertigungs- und Betriebstechnik” umgewandelten Einrichtung weiter entwickelt. Heute nutzen rund 2.400 Studentinnen und Studenten die Ausbildungsangebote der Fachbereiche Elektrotechnik, Informatik, Maschinenbau, Wirtschaft und Wirtschaftsrecht.

Für die neuen Studienangebote galt es zunächst, die notwendigen materiellen Rahmenbedingungen zu schaffen. Die bauliche Entwicklung der Liegenschaft und gerätetechnische Neuausstattung war dabei eine vorrangig zu lösende Aufgabe. Am Standort der alten preußischen Fachschule wurde zunächst ein Areal erworben, das alle Möglichkeiten zum Bau einer geschlossenen Campus-Hochschule bot. In den vergangenen zehn Jahren wurde die vorhandene Bausubstanz sukzessive saniert und mit moderner Technik ausgerüstet.

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Eingang Bibliothek

Es war jedoch schon zu Beginn klar, dass nur ein umfassendes Neubauprogramm dauerhaft den Bestand einer leistungsfähigen modernen Hochschule in Schmalkalden sichern würde. Der Freistaat beschloss daher bereits 1994 die Erweiterung der Fachhochschule und in einem ersten Bauabschnitt die Neubauten einer Bibliothek, eines Hörsaalgebäudes, zweier Institutsgebäude für Maschinenbau, Elektrotechnik und Informatik sowie einer neuen Mensa. Zielsetzung war dabei die Realisierung im Rahmen einer alternativen Finanzierung.

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Hörsaalgebäude

Nach Durchführung der Neubauprojekte konnte der noch jungen südthüringer Fachhochschule im November 2000 der erste neue Campus in Thüringen übergeben werden. Zusammen mit der inzwischen überwiegend sanierten Altbausubstanz von rund 9.200 m² Hauptnutzfläche und dem realisierten Neubauprogramm von rund 8.000 m² verfügt sie heute über insgesamt 17.200 m² Hauptnutzfläche und ist nach der bei der Planung entwickelten städtebaulichen Gesamtkonzeption künftig um weitere 13.000 m² erweiterbar. Im neuen Hörsaalgebäude mit drei großen Sälen und einer Kapazität von 620 Plätzen sowie den zwei zusätzlichen Institutsgebäuden wurden weitere 970 moderne Labor- und Seminararbeitsplätze eingerichtet. Die Bibliothek ist für einen Büchergrundbestand von 135.000 Bänden ausgelegt und zurzeit mit 134 Lesearbeitsplätzen sowie 67 Computerarbeitsplätzen ausgestattet. Diese hervorragenden Studienbedingungen fanden schließlich auch bei verschiedenen Hochschulrankings ihren Niederschlag, bei denen die Fachhochschule Schmalkalden regelmäßig Spitzenplätze einnimmt.

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Lageplan - Gelände der Fachhochschule Schmalkalden

Zur Lösung der Bauaufgabe für die Erweiterung der Fachhochschule führte der Freistaat Thüringen, vertreten durch das Thüringer Finanzministerium, 1994/1995 einen EWR-weiten begrenzt offenen Architektenwettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren durch. Aufgrund der Komplexität und der Zielstellung einer abschnittsweisen Realisierung wurde dieser als baulicher Realisierungswettbewerb für den ersten Bauabschnitt kombiniert mit einem städtebaulichen Ideenteil für den Gesamtausbau der Liegenschaft ausgelobt.

Ende 1994 wählte ein unabhängiges Auswahlgremium aus 165 Bewerbungen 25 Büros zur Teilnahme am Wettbewerb aus. Nach rund dreimonatiger Bearbeitungszeit gingen schließlich im Februar 1995 22 Beiträge ein. Die Preisgerichtssitzung fand im April 1995 statt.

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Die Wettbewerbsaufgabe bestand darin, planerische Lösungen zu finden für

  • ein funktionelles und städtebauliches Gesamtkonzept für die Fachhochschule Schmalkalden unter Einbeziehung der vorhandenen Bausubstanz, das wirtschaftlich und zukunftsorientiert ist und bei dem sich die Neubauten harmonisch in die historische, städtebauliche Umgebung einfügen.

  •  
  • detailliertere Lösungen für das Raumprogramm des ersten Bauabschnitts bestehend aus Bibliothek, Hörsaalgebäude, Institutsgebäude für Maschinenbau und Elektrotechnik sowie für Informatik. Dabei war zu berücksichtigen, dass bereits mit dem ersten Bauabschnitt eine funktionell und städtebaulich optimale Teillösung entsteht.

Entsprechend der Empfehlung des Preisgerichts wurde der mit dem ersten Preis ausgezeichnete Entwurf des Stuttgarter Architekturbüros Belz, Kucher und Partner bei der weiteren Ausarbeitung zugrunde gelegt. Über die Umsetzung im Rahmen des ersten Bauabschnitts hinaus, der nachträglich um die Realisierung einer neuen Mensa erweitert wurde, fand die städtebauliche Gesamtkonzeption Berücksichtigung in dem entsprechenden Bebauungsplan
der Stadt Schmalkalden.

 

 

Abwicklung und Finanzierung

Nachdem 1997 im Rahmen der Hochschulbauförderung erstmals auch alternative Finanzierungsformen durch den Bund ermöglicht worden waren, konnte die Maßnahme Fachhochschule Schmalkalden als bundesweites Pilotprojekt für eine alternative Finanzierung im Hochschulbau entsprechend der Verfahrensweise nach dem “Thüringer Modell” realisiert werden.

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Süd-West-Seite Bibliothek

Nach einer EWR-weiten öffentlichen Ausschreibung der Bau- und Finanzierungsleistungen wurde im April 1998 der Bauauftrag an die Arbeitsgemeinschaft WALTERBAU Sachsen GmbH und HEILIT + WÖRNER Bau AG, beide mit Zweigniederlassungen in Erfurt, als Generalunternehmer für die schlüsselfertige Errichtung der Bibliothek, des Hörsaalgebäudes und der zwei Institutsgebäude für Maschinenbau und Elektrotechnik sowie Informatik vergeben. Mit der schlüsselfertigen Errichtung der Mensa wurde nach einer weiteren Ausschreibung die Suhler Firma Eberhardt Baugesellschaft beauftragt.

Bei beiden Teilprojekten hatte die HypoVereinsbank die günstigsten Finanzierungsangebote abgegeben und nach Zustimmung durch den Bund und den Haushalts- und Finanzausschuss des Thüringer Landtags die Zuschläge erhalten. Nach einem Finanzierungsmodell mit einer Finanzierungslaufzeit von 20 Jahren wurden dabei zwischen Generalunternehmer, Finanzier und Freistaat Vereinbarungen geschlossen, auf deren Grundlage die Werklohnforderungen der Generalunternehmer gegenüber dem Freistaat gestundet und dem Finanzier die Forderungen aus diesen Verträgen verkauft wurden. Die HypoVereinsbank vergütete die Unternehmerleistungen nach Baufortschritt. Unter Beteiligung des Bundes zahlt der Freistaat über die Vertragslaufzeit die jährlichen Finanzierungsraten an die HypoVereinsbank.

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Nord-Ost-Ansicht Laborgebäude

Städtebauliches und architektonisches Konzept

Das Grundstück mit einer Ausdehnung von 400 m x 150 m befindet sich am südöstlichen Randbereich der Stadt in einer Talaue im Übergangsbereich zur freien Landschaft und wird im Norden durch den Bachlauf der Stille begrenzt. Auf dem ehemals desolaten Fabrikareal im südöstlichen Anschluss an die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude der Liegenschaft ist eine parkartige Situation mit attraktiver Bebauung entstanden. Das Entwurfskonzept ist geprägt durch ein präzise definiertes System, innerhalb dessen sich niedrige Baukörper und Platzfolgen aufeinander zu entwickeln und miteinander verknüpfen können. Inmitten des lang gestreckten zentralen Raumes sind die Neubauten der Erweiterungsmaßnahme angeordnet. Die weitgespannte baumbestandene Hauptachse als Fußgängerverbindung im Gelände und ein zentraler Campusplatz, umgeben von Hörsaalgebäude, Bibliothek und neuer Mensa, bilden das Grundgerüst des ersten Bauabschnitts. Dieser ist so angelegt, dass er bereits eine Raumbildung mit dem Altbaubestand eingeht und auch ohne den zweiten Bauabschnitt eine funktionierende Einheit ergibt.

Die neue Mensa schirmt gleichzeitig das sehr mächtig wirkende Studentenwohnheim – ein 5-geschossiger Plattenbau – ab und bezieht es in die Gesamtkonzeption ein. Das Institutsgebäude für Maschinenbau und Elektrotechnik, die so genannte Maschinenhalle, und das Informatikgebäude bilden im ersten Bauabschnitt zusammen mit dem bestehenden Institutsgebäude für Elektrotechnik und Informatik einen eigenen Schwerpunkt am östlichen Ende der Haupterschließungsachse. Die wohlabgestimmte Freiraumplanung und die bewaldete Umgebung sind eine angemessene Ergänzung und Kontrastierung zum klaren städtebaulichen Konzept.

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Treppenhaus Informatikgebäude

Favorit des Gebäudeensembles, nicht nur bei den Studenten, ist die Bibliothek. Sie ist geräumig, gewährt Sicht in die Natur und in einen Innenhof mit Wasserlauf sowie Leseinsel und bietet insgesamt eine außergewöhnliche Arbeitsatmosphäre. Das quadratische 50 m x 50 m messende 2-geschossige Gebäude schließt den Campusplatz mit einer vorgesetzten Stützenreihe und einem weit auskragenden Dach nach Norden hin ab. Zwei über offene Lufträume und nur durch wenige feste Einbauten miteinander verbundene Ebenen, Oberlichter und die fast vollständig verglaste Fassade bestimmen den Charakter des Gebäudes.

Das 3-geschossige Hörsaalgebäude bildet den Mittelpunkt am Campusplatz. Eine 5 m breite, über drei Geschosse offene als Erschließungszone genutzte Halle, teilt das 70 m lange Gebäude in zwei unterschiedlich genutzte Zonen. Auf der Südseite befinden sich drei übereinander liegende Seminarraumebenen mit einem zur Halle hin orientierten Erschließungsflur. Der mittig liegende, auch in der Außenfassade ablesbare große Hörsaal, und die beiden seitlich angeordneten Hörsäle für Physik und Chemie bestimmen die Nordseite. Die als “Innere Straße” ausgebildete Erdgeschosszone, die offenen Treppen- und Stegverbindungen in allen Geschossen und großzügige Flurausweitungen in den Obergeschossen schaffen den notwendigen Raum für studentische Aktivitäten.

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Innenansicht Mensa

Die dreieckige Grundrissfigur des 1-geschossigen Mensagebäudes entwickelt sich aus dem schräg zulaufenden Zuschnitt des Grundstückes zwischen Studentenwohnheim und Hauptachse. Der lang gestreckte Speisesaal liegt entlang der Hauptfußgängerachse und hat eine vollständig verglaste Fassade mit großen Schiebetüren. Die Orientierung des Speisesaals sowie die runde, in die Hauptachse hineinragende Cafeteria und der Freisitz unter dem Dach der weit auskragenden Gebäudespitze machen vielfältige Außenbeziehungen möglich.

Die beiden Institutsgebäude für Maschinenbau/Elektrotechnik und Informatik entwickeln sich stark aus
den jeweils gestellten funktionalen
und technischen Anforderungen. Ein 2-geschossiger Laborriegel über einer Erschließungsgalerie, verbunden mit einer hohen mit Krahnbahn ausgestalteten Maschinenhalle für Großexperimente, charakterisiert den Neubau für die Fachbereiche Maschinenbau und Elektrotechnik. Merkmale des Informatikgebäudes sind die um einen knapp bemessenen überdachten Innenhof mit offener Treppe erschlossenen Lehrräume und das vor dem Baukörper platzierte verglaste Fluchttreppenhaus.

Zur Gestaltung und zum Materialkonzept

Auf der Grundlage eines durchaus einheitlichen Formen- und Detailrepertoires entwickelt sich eine anschauliche Vielfalt.
 

  • Raumhohe Verglasungen der Seminar-, Übungs- und Bibliotheksräume schaffen optimale Belichtungsverhältnisse und lassen auch von außen die hohe Nutzungsqualität erkennen.

  •  
  • Gebäudehohe Luft- und Erschließungsräume vermitteln Transparenz und Offenheit im Innern und ermöglichen interessante Lichtführungen.

  •  
  • Die Klinkerverkleidungen der Außenwände in Anlehnung an die historischen Gebäude tragen zu einem einheitlichen Erscheinungsbild bei. Sichtbeton und Holzflächen prägen die Innenräume.

Dennoch war es Absicht, jedem der fünf Gebäude des ersten Bauabschnitts – sei es abgeleitet aus der Lage auf dem Grundstück oder aus funktionellen Vorgaben – einen eigenen spezifischen Charakter, eine eigene Note zu geben.

 

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Eingangsbereich Mensa

Der Thüringer Staatshochbau hat seit Gründung Anfang 1991 bis Ende 2001 fast zehn Milliarden Euro im Bereich der öffentlichen Infrastruktur des Landes beplant, betreut und investiert. Dazu gehören Polizeidienststellen und Haftanstalten ebenso wie Hochschul- und Hochschulklinikbauten. Damit übernimmt die Staatliche Hochbauverwaltung im Thüringer Finanzministerium und ihre nachgeordneten Dienststellen Verantwortung für rund 20.000 Arbeitsplatzinhaber und ihre Familien. Darüber hinaus trägt sie auch maßgeblich zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen im Lande bei. Die Projekte stellen dabei sowohl ein Instrument der Wirtschaftsförderung als auch einen bedeutenden Beitrag zur Gestaltung einer lebenswerten Umwelt dar. Im Spannungsfeld von zeitgenössischer Architektur und Anknüpfung an Thüringer Bautradition entsteht der bauliche Ausdruck eines modernen, weltoffenen, aber auch sensiblen wie traditionsbewussten Landes.

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Nord-West-Ansicht Bibliothek

Gebäudedaten 1. Bauabschnitt

Wettbewerb 1. Preis April 1995
Planungsbeginn März 1997
Baubeginn Mai 1998
Gebäudebezug November 2000

Hauptnutzfläche (HNF) 7.911 m²
Nebennutzfläche (NNF) 484 m²
Funktionsfläche (FF) 1.882 m²
Verkehrsfläche (VF) 4.539 m²

Bruttogrundrissfläche 16.244 m²
Bruttorauminhalte 71.870 m²

Gesamtkosten 67,65 Mio DM = 34,60 Mio €

Bauherr
Freistaat Thüringen, Thüringer Finanzministerium, vertreten durch das Staatsbauamt Erfurt

Nutzer
Fachhochschule Schmalkalden

Architekten
Belz, Kucher und Partner
Freie Architekten BDA, Stuttgart

Schmalkalden 11/12

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