Naturschutz und Landschaftspflege im Straßenbau

Der Bau von Verkehrsanlagen führt oft zu unvermeidbaren Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft. Das Landesamt für Bau und Verkehr ist als Vorhabenträger verpflichtet, diesen Eingriff, wenn er nicht vermieden oder gemindert werden kann, durch die Erbringung von Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege entsprechend zu kompensieren. Neben den „flächenbezogenen“ Eingriffen in Biotopstrukturen sind schwerpunktmäßig auch die Belange des Artenschutzes zu berücksichtigen. Der Erhalt, die Sicherung und die Aufwertung von Lebensräumen gefährdeter bzw. geschützter Tier- und Pflanzarten sind dabei von hoher Bedeutung. Die entsprechenden Maßnahmen zur Kompensation der Eingriffe sind im Landschaftspflegerischen Begleitplan (LBP) festzulegen. Der jeweilige Vorhabenträger ist dabei durch das Naturschutzrecht angehalten, derartige Maßnahmen möglichst in Landschaftsräumen mit Bezug zum Eingriff umzusetzen.
 

10Jahre_11_6_06-176827.JPG
PWC-Anlage Thüringer Becken

 
Grundsätzlich gilt jedoch die Vermeidung von Eingriffen in derartige sensible Bereiche mit entsprechenden Vermeidungs- und Schutzmaßnahmen. So werden z.B. durch Amphibienleiteinrichtungen oder Leiteinrichtungen für geschützte Feldhamster Tiere zielgerichtet zu entsprechenden Durchlässen und Brückenbauwerken geführt.

Ist eine Vermeidung nicht möglich, werden Eingriffe durch Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen kompensiert. So wurden beispielsweise im Zusammenhang mit dem Ausbau von Autobahnabschnitten der BAB A 4 und BAB A 9 im Saale-Holzland-Kreis in Zusammenarbeit mit den Naturschutzbehörden gezielt Standorte gesucht und geprüft, an denen Kompensationsmaßnahmen durchgeführt werden können. Im Ergebnis konnten südöstlich der Gemeinde Ruttersdorf im NATURA 2000 Gebiet „Zeitzgrund – Teufelstal – Hermsdorfer Moore“ und damit wenige Kilometer von den Autobahnen BAB A 4 und BAB A 9 entfernt, geeignete Standorte identifiziert werden. Allein im Zeitzgrund wurden unweit der Neumühle vier derartige Kompensationsmaßnahmen umgesetzt.

Es sind verschiedene Kompensationsformen möglich. Vorrang sollten Ausgleichsmaßnahmen haben. Das Ziel von Ausgleichsmaßnahmen ist die schnellstmögliche Kompensation von Beeinträchtigungen. In der Regel erfolgt die Ausgleichsmaßnahme am Ort des Eingriffs. Im Freistaat Thüringen wurden solche Maßnahmen vorrangig durch den ortsnahen Rückbau versiegelter Flächen ehemaliger militärisch genutzter Anlagen realisiert. Dabei soll der ökologische Zustand vor dem Eingriff durch die Ausgleichsmaßnahme mit den gleichen Funktionen und ohne wesentliche optische Störungen erhalten bleiben.

Sind Ausgleichsmaßnahmen vor Ort nicht realisierbar, kommen Ersatzmaßnahmen zum Tragen. Ersatzmaßnahmen müssen „nur“ im betroffenen Naturraum durchgeführt werden. Ziel ist es dabei, einen gleichwertigen Zustand zu schaffen. Dies wird meistens dadurch erreicht, dass anderenorts Flächen ökologisch aufgewertet werden.

Die Ersatzmaßnahmen im „Zeitzgrund“ stellen eine gelungene Kompensation für Eingriffe beim Um- und Ausbau der BAB A 4 im Saale-Holzland-Kreis dar. Im „Zeitzgrund“ wurde ursprünglich eine Vielzahl von Mühlen betrieben, die Naturschutz und Landschaftspflege im Straßenbau nach ihrer eigentlichen Nutzungsaufgabe offen gelassen oder anderweitiger Nutzung zugeführt wurden. Im Falle der Neumühle wurde nach der politischen Wende 1989 die geplante Nutzung der Gebäude endgültig eingestellt und dem zunehmenden Verfall preisgegeben. Aufgrund der umliegenden Biotopstrukturen entlang des Zeitzbaches (Mischwälder, bachbegleitende Baumbestände, Grünlandflächen) wurden die Gebäudereste zunehmend als Sekundärlebensraum von gefährdeten Tierartengruppen (z. B. Fledermäuse, Eulen etc.) besiedelt. Da durch den weiteren Verfall der Gebäudesubstanz diese Habitatelemente auszufallen drohten, wurden die Bereiche der Neumühle in Abstimmung mit den Naturschutzbehörden durch das TLBV als Ersatzmaßnahmen beplant und umgesetzt. Neben den Gebäuden gehört zum ehemaligen Mühlenkomplex eine Grundfläche von ca. 4 Hektar. Das gesamte Areal wurde durch die Bundesstraßenbauverwaltung erworben und somit nachhaltig als Maßnahme des Naturschutzes gesichert.

10Jahre_11_2_IMG_7804.JPG
Fledermaus in der Neumühle

Die Umsetzung der Maßnahmen erfolgte in Teilabschnitten innerhalb des gesamten Gebiets dieses Areals:

  • Sicherung der vorhandenen Gebäude für den Artenschutz, Schaffung und Freistellung von Einflugöffnungen für Fledermäuse (z. B. Mausohren, Langohren, Zwergfledermäuse, Mopsfledermaus u. a.) und Vogelarten (z. B. Waldkauz).
  • Erweiterung des Habitatspektrums durch Anbringen von Nist- und Ansiedlungshilfen für Fledermäuse und Vögel in und an den Gebäuden sowie an geeignetem Baumbestand im Umfeld der Neumühle.
  • Freistellung des Hauptgebäudes von Gehölzaufwuchs zur Verbesserung der Innentemperatur für Fledermäuse.
  • Verbesserung der Habitatbedingungen für Amphibien (z. B. Kammmolch), Libellen, Wasservögeln und anderen Tierarten durch Anlage von flachen Kleingewässern und die Wiederherstellung von zwei ehemaligen Mühlenteichen, die aufgrund der temporären Wasserführung nicht illegal mit Fischen besetzt werden können.

Mit den dargelegten Maßnahmen wurde den übergeordneten Zielen der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie Rechnung getragen. Die dauerhafte Sicherung der Flächen und die damit verbundene Unterhaltungspflege durch die Bundesstraßenbauverwaltung gewährleistet auch zukünftig, dass für die lokalen Populationen geeignete Lebensraumbedingungen erhalten bleiben. Der Erfolg der Maßnahme zeigt sich bei laufenden Effizienzkontrollen durch die zuständige Naturschutzbehörde und dem Vorhabenträger. So konnte eine zunehmende Besiedlungsdichte der Gebäude und der zusätzlichen Nist- und Ansiedlungshilfen durch verschiedene Fledermausarten, Eulen und Singvögel nachgewiesen werden. In den Kleingewässern gelang der Nachweis des Kammmolches.
 

10Jahre_11_5_IMG_0763.JPG


Wiederherstellung des ehemaligen Mühlteiches
10Jahre_11_1_IMG_6019.JPG


Teiche im Zeitzgrund nach Renaturierung
10Jahre_11_4_IMG_9206.JPG


Angesiedelte Amphibie

 
Neben Vermeidungs-, Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen gehören auch Gestaltungsmaßnahmen zum Bau von Verkehrsanlagen zu den Kompensationsmaßnahmen. Diese binden technische Bauwerke (Verkehrswege, Parkplatzanlagen usw.) harmonisch in das Landschaftsbild ein. Mit diesen Maßnahmen werden gezielt Bäume und Sträucher gepflanzt sowie Wiesen- und andere Grünflächen angelegt. Als Bestandteil der öffentlichen Verkehrsanlagen werden diese als Straßenbegleitgrün bezeichnet.

Wegweiser

Aktionen

Thueringen Monitor Klein Bildband Heimat Bimf www.bildungsfreistellung.de Thueringer Kampagne Wir sind Energie-Gewinner.

Serviceportal – Bürger

Services im Zuständigkeitsfinder suchen

Serviceportal – Unternehmen

Services im Zuständigkeitsfinder suchen

Serviceportal – Weitere

Services im Zuständigkeitsfinder suchen

Servicebereich

Publikationen