Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen

Flurbereinigung ist in hohem Maße dazu geeignet, den Nachhaltigkeitsgedanken umzusetzen. Sie ist auf den Vollzug von Maßnahmen zum Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen und Ressourcen sowie des Klimas ausgerichtet. Mit Hilfe von Landzwischenerwerb und Bodenordnung können Nutzungskonflikte sachgerecht und eigentumsverträglich gelöst werden. Die Flurbereinigung bietet zudem umfassende Steuerungsmöglichkeiten für Kompensationsflächenpools. Im Interesse der dauerhaften Stabilisierung der Ökosysteme trägt die Flurbereinigung dafür Sorge, dass Umweltschutz-, Naturschutz- und Landschaftspflegevorhaben unter Berücksichtigung der Eigentümer- und Nutzerinteressen in der Fläche umgesetzt und in ihrem Bestand dauerhaft gesichert werden können.

Kompensationsflächenpoolmaßnahme „Renaturierung des Hallteichs“ im Flurbereinigungsverfahren Gefell (Landkreis Sonneberg)
Kompensationsflächenpoolmaßnahme „Renaturierung des Hallteichs“ im Flurbereinigungsverfahren Gefell (Landkreis Sonneberg) | Foto: VLF Thüringen

Beispiel: Flurbereinigungsverfahren Esperstedter Ried

In Nordthüringen und im südlichen Sachsen-Anhalt befinden sich die bedeutendsten Binnensalzstellen Deutschlands. Das wertvollste dieser Gebiete ist das Esperstedter Ried östlich des Kyffhäusers zwischen den Ortschaften Bad Frankenhausen, Esperstedt und Oldisleben.

Die sich hieraus ergebenden naturschutzfachlichen Zielstellungen und die landwirtschaftliche Bewirtschaftung der Flächen führten zu Nutzungskonflikten, für deren Lösung Instandhaltungs- und Baumaßnahmen am Be- und Entwässerungssystem und die Klärung von Eigentumsfragen erforderlich waren.

Die Europäische Union begründete erstmals 1992 den Umweltfonds L’Instrument Financier pour l’Environnement (kurz: LIFE) zur Förderung von Umweltmaßnahmen in unterschiedlichen Handlungsfeldern. Durch das damalige Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz wurde 2003 die Durchführung des LIFE-Projekts „Erhaltung und Entwicklung der Binnensalzstellen Nordthüringens“ beantragt und von der EU im selben Jahr bewilligt.
Auf Grundlage eines Managementplans für das Projektgebiet wurden die Maßnahmen innerhalb und außerhalb der Flurbereinigung entworfen und umgesetzt. Zu den Maßnahmen, die unabhängig von der Flurbereinigung durchgeführt wurden, zählen die grundhafte Sanierung und Unterhaltung des vorhandenen Grabensystems, die Rekultivierung einer Industriebrache  und die Erneuerung der Weidezaunanlagen.
Die Flurbereinigung Gotha (ehem. ALF Gotha) ordnete das Flurbereinigungsverfahren Esperstedter Ried am 5. August 2004 auf einer Fläche von rund 800 Hektar an.
 
Wesentliche Verfahrensziele waren:
•    die Realisierung und Sicherung der Maßnahmen des LIFE-Projekts,
•    die Erreichung von Lösungen zu einer naturverträglichen Bewirtschaftung,
•    die Verbesserung des Wirtschafts- und Erholungsraums,
•    die Herstellung gemeindlichen Eigentums an den Wege- und Gewässergrundstücken und
•    die Beseitigung der Eigentumszersplitterung.
 
Die begrenzte Laufzeit des LIFE-Projekts stellte besondere Anforderungen an die Zusammenarbeit zwischen Flurbereinigungs- und Naturschutzverwaltung. Der sich daraus ergebende Zeitdruck erforderte, alle Kräfte zu bündeln.
Bereits 2006 wurde mit einem ersten Teilplan zum Wege- und Gewässerplan das Baurecht für besonders dringliche Maßnahmen des LIFE-Projekts geschaffen. Dies beinhaltete die Anlage von sieben Flutmulden und eines Verbindungskanals zur kurzfristigen Ausweitung der Binnensalzstellen.


Flutmulde mit Zulaufgraben

Flutmulde mit Zulaufgraben | Foto: ThLG


Im Jahr 2007 genehmigte das ALF Gotha den Gesamtplan und 2009 eine Änderung. Im Rahmen des LIFE-Projekts wurde neben den Maßnahmen des Teilplans noch die Errichtung eines Vogelbeobachtungsturms finanziert. Weitere Maßnahmen wie die Ausstattung des Pumpwerks mit einer Pumpe zur naturschutzfachlichen Steuerung des Wasserstandes oder die Herstellung von Zufahrten zu Kontrollstellen wurden teilweise durch die Naturschutzverwaltung finanziert.
Mit dem Ausbau von 3,5 Kilometern kombinierten Rad- und Wirtschaftswegen durch die Teilnehmergemeinschaft und dem neuen Vogelbeobachtungsturm konnte die touristische Infrastruktur um den Kurort Bad Frankenhausen gestärkt werden.


Radweg mit Vogelbeobachtungsturm

Radweg mit Vogelbeobachtungsturm | Foto: ThLG


Durch den Flurbereinigungsplan erfolgte nicht nur die Sicherung der geschaffenen Anlagen, sondern auch eine Reduzierung der Anzahl der Flurstücke im Verfahrensgebiet auf rund die Hälfte. Das Flurbereinigungsverfahren Esperstedter Ried wurde 2015 mit der Schlussfeststellung abgeschlossen.

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