Regierungsviertel "Am Alten Steiger"



zweiter Bauabschnitt

RV
Modellfoto von Norden

Zur Unterbringung Oberster Landesbehörden erwarb das Land 1993 vom Bund eine Teilfläche von 30.316 m² des ehemaligen Hospitals der GUS-Streitkräfte am südlichen Stadtrand der Landeshauptstadt Erfurt in der Werner-Seelenbinder-Straße 5-8 (Standortbezeichnung "Am Alten Steiger"). Als Pilotprojekt für die Maßnahme im Bereich der "Privatfinanzierten öffentlichen Infrastruktur" erfolgte die Abwicklung entsprechend der hierbei entwickelten Verfahrensweise des "Thüringer Modells". Der Ausbau der Liegenschaft wurde in zwei Bauabschnitten festgelegt.



Erster Bauabschnitt

Als erster Bauabschnitt wurde das ehemalige Bettenhaus nach den Plänen der BETEK Bau und Energietechnik GmbH, München, saniert, umgebaut und durch einen einhüftigen Anbau erweitert. In diesem Zusammenhang erfolgte auch das Herrichten des gesamten Grundstücks. Untergebracht ist hier nach Fertigstellung im März 1996 das heutige Ministerium für Soziales, Familie und Gesundheit. Dieses Projekt ist die erste Maßnahme des Freistaats, bei der die Ausführung nach erfolgter öffentlicher Parallelausschreibung von Bau- und Finanzierungsleistungen im Rahmen eines Immobilien-Leasingverfahrens erfolgt ist. Leasinggeber ist die von der Commerzleasing und Immobilien GmbH gegründete Objektgesellschaft Knappersbusch & Co.

Zweiter Bauabschnitt

Im Rahmen der Entwicklung des zweiten Bauabschnitts führte das Finanzministerium 1994 einen EWR-weiten Architektenwettbewerb für die Unterbringung von drei weiteren Ministerien durch. Aus wirtschaftlichen Gründen bildet der zweite Preisträgerentwurf des Darmstädter Architektenbüros Hoechstetter und Partner die Grundlage der weiteren Bearbeitung. Entsprechend dem Beschluss der Landesregierung vom November 1995 sind als Nutzer die heutigen Ministerien für Justiz, Kultus sowie Bau und Verkehr festgelegt. Die Baumaßnahme umfasst die Errichtung von Neubauten für die drei Ressorts und zentralen Einrichtungen, wie Kantine und Tiefgarage, für alle vier Nutzer.

Die Vergabe der Bau- und Finanzierungsleistungen erfolgte nach öffentlicher Ausschreibung nach dem Thüringer Modell im November 1998 auf der Grundlage eines Forfaitierungsmodells. Finanzier ist die Landesbank Hessen-Thüringen. Fertiggestellt wurde das Projekt im Februar 2001.

Die Aufgabe heißt Regierungsviertel und nicht Regierungsgebäude und betont somit die städtebauliche Dimension. Die parkartige Situation mit dem alten Baumbestand fordert eine spezifische Antwort.

Aus diesen Randbedingungen leitet sich das Konzept ab:

  1. Konzentration der drei neuen Ministeriumsbauten entlang der das Viertel umgebenden Straßen, mit Orientierung auf den umliegenden Park bzw. den begrünten Innenhof
  2. Integration des Altbaus als vierte Platzwand in das Gesamtkonzept
  3. Schaffung eines großzügigen, parkartigen Eingangs- und Verteilerplatzes in der Mitte
  4. Ablesbarkeit aller vier Ministerien als Häuser um einen Platz
  5. Umfassung des dem natürlichen Gefälle folgenden Platzes mit einem ringförmigen Dach über den äußeren Bürobünden, Ablesbarkeit der ruhigen "Großform" in der heterogenen Umgebung
  6. Schaffung einer der Aufgabe angemessenen Torsituation mit Hauptpforte
  7. Überhöhung der durch "Rahmung" gefangenen Natur als Interpretation der Nahtstelle Stadt/ Natur
  8. Repräsentative Erschließung der einzelnen Ministerien über die ringförmige, dem Hang folgende "Ministervorfahrt"
  9. Schaffung eines gepflasterten, zentralen Platzes durch Einschnitt in Gegenrichtung zum natürlichen Gefälle des grünen Platzes, Belichtung des unter dem Gründach liegenden Sitzungsraumes über die dadurch entstehende verglaste Bruchkante, Akzentuierung dieser Situation durch den Rundbau des Casinos
  10. Erschließung der Tiefgarage von der fast höhengleich liegenden Werner-Seelenbinder-Straße über das Hauptportal


Ansicht von Nordwesten, Eingangsbereich

Foto: Michael Miltzow, Weimar (www.bildwerk-weimar.de)




Innenhofbereich mit Casino

Ministerien

Die drei Neubauten sind jeweils als Dreibund ausgebildet, mit einer über alle Etagen reichenden zentralen Erschließungshalle, die durch ein Oberlicht von Tageslicht durchflutet wird. Daraus resultieren eine gute Orientierung innerhalb der Ministerien und viel Tageslicht auch für die Flurzonen. Nebenräume wie WCs, Teeküchen und Technikflächen liegen auf kurzem Wege erreichbar im mittleren Bund.

Sonderräume innerhalb der Ministerien, wie z.B. die Bibliotheken, sind im Erdgeschoss untergebracht mit Öffnung über eine Galerie zum Untergeschoss. Entsprechend ihres größeren Flächenbedarfs wird somit auch eine größere Raumhöhe erreicht. Die Arbeitsräume der Minister sind am Ende der Flure und erhalten damit mehr Raumtiefe. Flachdecken ohne Abhangdecken in den Büros und den Fluren sorgen mit ihrer hohen Speicherkapazität für eine natürliche Klimatisierung (Nachtauskühlung).


Grundriss 1. Obergeschoss



Regierungsviertel Bibliothek
Fassadenschnitt und Blick in die Bibliothek
Die Fassaden sind als geschosshohe Ausfachungen zwischen die Deckenplatten gestellt und bestehen aus folgenden Elementen:
  • Bandfenster in Holz-Alu-Konstruktion

  • Lärchenholzverschalte Brüstungen

  • Verkleidung der Fassaden zu den umliegenden Straßen mit Thüringer Muschelkalk und verputzte Fassaden zu dem weniger offiziellen Bereichen im Innenhof

  • Speziell entwickelte Lüftungs-klappen in einem 35 cm hohen Streifen, die regengeschützt und einbruchsicher hinter Lamellen liegen, sorgen für die Nachtauskühlung der Decke (natürliche Klimaanlage für heiße Sommertage). Der Sonnenschutz und Blendschutz erfolgt über außenliegende Jalousien.


Zentrale Einrichtungen/Casino

Ein für alle vier Nutzer konzipiertes Kantinen- und Versammlungsgebäude ist in der grünen Mitte der Anlage angeordnet. Der zentrale Platz erfährt durch die Sondernutzung die gewünschte Belebung.

Tiefgarage

Die Tiefgarage, mit einer Kapazität von 376 Stellplätzen, ist zweigeschossig unter dem Innenhof errichtet. Die Erschließung erfolgt niveaugleich von der Werner-Seelenbinder-Straße aus und ist an der Hauptpforte gut kontrollierbar.


Casino / Eingangsbereich Casino / Lichthof Casino
Fotos: Michael Miltzow, Weimar (www.bildwerk-weimar.de)


Multifunktionsraum


Foto: Michael Miltzow, Weimar (www.bildwerk-weimar.de)




Casino Obergeschoss


Der Thüringer Staatshochbau hat seit Gründung Anfang 1991 bis zum Jahr 2001 fast zwanzig Milliarden DM im Bereich der öffentlichen Infrastruktur des Landes beplant, betreut und investiert. Dazu gehören Polizeidienststellen und Haftanstalten ebenso wie Hochschul- und Hochschulklinikbauten. Damit übernimmt die Staatliche Hochbauverwaltung im Thüringer Finanzministerium und ihre nachgeordneten Dienststellen Verantwortung für rund 20.000 Arbeitsplatzinhaber und ihre Familien. Darüber hinaus trägt sie auch maßgeblich zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen im Lande bei. Die Projekte stellen dabei sowohl ein Instrument der Wirtschaftsförderung als auch einen bedeutenden Beitrag zu Gestaltung einer lebenswerten Umwelt dar. Im Spannungsfeld von zeitgenössischer Architektur und Anknüpfung an Thüringer Bautradition entsteht der bauliche Ausdruck eines modernen, weltoffenen, aber auch sensiblen wie traditionsbewußten Landes.

Gebäudedaten 2. Bauabschnitt
Wettbewerb 2. Preis Juli 1994
Planungsbeginn Februar 1996
Gebäudebezug Februar 2001

Hauptnutzfläche 13.754 m²
Nebennutzfläche 6.337 m²
Funktionsfläche 1.672 m²
Verkehrsfläche 9.909 m²

Bruttogrundrissfläche 36.740 m²
Bruttorauminhalte 130.560 m²

Gesamtkosten 79,8 Mio DM
Finanzier
Landesbank Hessen-Thüringen

Bauherr
Freistaat Thüringen, vertreten durch das Thüringer Finanzministerium, endvertreten durch das Staatsbauamt Erfurt

Nutzer
Thüringer Justizministerium
Thüringer Ministerium für Bau und Verkehr
Thüringer Kultusministerium
Thüringer Ministerium für Soziales, Familie und Gesundheit (1.BA)

Architekten
Hoechstetter und Partner Architekten BDA Darmstadt
Prof. Dipl.-Ing Rolf Hoechstetter
Dipl.-Ing. Rainer Siegel

Regierungsviertel Innenhof


Wegweiser

Aktionen

Thueringen Monitor Klein www.bildungsfreistellung.de Thueringer Kampagne Wir sind Energie-Gewinner.

Serviceportal – Bürger

Services im Zuständigkeitsfinder suchen

Serviceportal – Unternehmen

Services im Zuständigkeitsfinder suchen

Serviceportal – Weitere

Services im Zuständigkeitsfinder suchen

Servicebereich

Publikationen