Fernwasserversorgung

Technische Wasserversorgungssysteme als Zivilisationsmerkmal sind in Thüringen seit über 1000 Jahren bekannt und teilweise bis heute überliefert und betriebsbereit. Die ersten leitungsgebundenen Wasserversorgungssysteme dienten der Versorgung von Klöstern und Burgen. Das Quellwasserwerk Peterborn in Erfurt mit seiner 3 km langen Bleileitung aus dem Jahre 1136 gilt als älteste erhaltene Anlage nichtrömischen Ursprungs.
 
Später wurden größere Distanzen durch die Anlage von Grabensystemen überwunden, die Trink- und Löschwasser aus niederschlagsreichen in niederschlagsarme Regionen transportierten. Als Beispiel dafür kann der Leinakanal im Kreis Gotha dienen, der seit 1369 als ein 28,6 km langes künstliches Gewässer die Stadt Gotha versorgt. 
 
Leinakanal, Aquädukt
Leinakanal, Aquädukt, Foto: TMLFUN

Mitte des 19. Jahrhunderts wurden durch Industrialisierung, Bevölkerungszuwachs in den Städten und hygienische Anforderungen neue Versorgungsstrategien erforderlich. Öffentliche Schöpfstellen oder individuelle Hausbrunnen reichten nach Quantität und Qualität nicht mehr aus und es entstanden die ersten städtischen Wasserleitungsnetze. In Weimar etwa wurde 1883 das öffentliche Trinkwassernetz in Betrieb genommen.
Aber schon zuvor, im Jahre 1803, führte der steigende Bedarf zu ersten Überlegungen, Fernwasser nach Erfurt heranzuführen. Für Erfurt wurden 1874 eine Grundwasseranreicherung bei Wechmar, ein Wasserwerk und eine 21 km lange Leitung realisiert.

Gothaer Talsperre
Gothaer Talsperre, Foto: TMLFUN

Der weiter steigende Bedarf in anderen Thüringer Städten auf 45 bis 60 Liter pro Einwohner und Tag führte vor der Wende zum 20. Jahrhundert zu Überlegungen zum Talsperrenbau. 1905 und 1906 gingen die Talsperren Nordhausen und Gotha in Betrieb und versorgten mit 15 bzw. 30 km langen Fernleitungen jeweils ca. 30.000 Einwohner.

Die wesentlichen Anlagen zur Fernwasserversorgung wurden aber nach 1950 errichtet. Die Trinkwassertalsperren, die gleichzeitig auch dem Hochwasserschutz dienen, befinden sich alle im niederschlagsreichen Mittelgebirgsraum.
 
Mittlere jährliche Niederschlagsverteilung und Standorte von Trinkwassertalsperren, Karte: TLUG/TMLFUN


Von 1960 bis heute entstanden drei technisch nicht verbundene große Fernwassersysteme, die den mitte/nördlichen, den östlichen und den südlichen Thüringer Raum versorgen.

Übersichtskarte Fernwasserversorgungsnetze, Karte: TFW
Von wesentlicher struktureller Bedeutung für die Thüringer Wasserversorgung war die so genannte „Fernwasserfusion“ zum 01.01.2003 unter Moderation des TMLFUN. Der Fernwasserzweckverband Nord- und Ostthüringen trat der Thüringer Talsperrenverwaltung bei. Die neu entstandene Anstalt des öffentlichen Rechts trägt seither den Namen Thüringer Fernwasserversorgung (TFW). Durch Synergie-Effekte ist ein leistungsstarkes Unternehmen entstanden, dessen reduzierter Fernwasserpreis eine deutliche Entlastung der regionalen Aufgabenträger gegenüber der vorherigen Situation im Interesse der Kunden ermöglicht.
 
Die Fernwassernetze und die zugehörigen Aufbereitungsanlagen werden seitdem von zwei Fernwasserunternehmen betrieben - dem Fernwasserzweckverband (FWZ) Südthüringen und der Thüringer Fernwasserversorgung (TFW).
 
Talsperre Leibis/Lichte
Talsperre Leibis/Lichte, Foto: TMLFUN
Grundablass der Talsperre Leibis/Lichte, Foto: TMLFUN
Grundablass der Talsperre Leibis/Lichte, Foto: TMLFUN

Beide Fernwasserunternehmen sind dabei nur Vorlieferanten der örtlichen Wasserversorger. Mit Fernwasser werden in Thüringen ca. 1,2 Millionen Einwohner (Stand Juli 2009) ganz oder teilweise versorgt. Die mit dem Klimawandel möglicherweise einhergehenden Veränderungen der Grundwasserneubildung machen langfristig strategische Überlegungen zur Heranführung von Fernwasser auch in bisher nicht erschlossene Gebiete erforderlich. 

Wasserwerk Zeigerheim
Wasserwerk Zeigerheim, Foto: TMLFUN
Derzeit (2009) befindet sich das Fernwassersystem Ostthüringen in Umstrukturierung. Bedingt durch in dieser Größenordnung nicht vorhersehbaren Bedarfsrückgang und der nicht befriedigenden Rohwasserqualität des Talsperrensystems Weida/Zeulenroda/Lössau ist vorgesehen, diese Trinkwassertalsperren künftig anders zu nutzen und die Fernwasserversorgung Ostthüringens vollständig aus der Talsperre Leibis/Lichte und dem Wasserwerk Zeigerheim sicherzustellen.

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