Hochwasserwarn- und -meldedienst in Thüringen

Dieses Foto zeigt das Hochwasser 1994 im Ilm-Park in Weimar
Hochwasser 1994, Ilm-Park in Weimar

Situation

Trotz seiner relativ kleinen Fläche hat der Freistaat Thüringen Anteil an drei großen Stromgebieten – Elbe, Weser und Rhein. Da die Quellbereiche einiger wichtiger Nebenflüsse in den thüringischen Mittelgebirgen liegen, ist ein erheblicher Anteil der Landesfläche als Hochwasserentstehungsgebiet anzusehen. In der Regel sind solche Gebiete durch kurze Abflusskonzentrations- und Wellenlaufzeiten gekennzeichnet. Es besteht also dringender Bedarf an einem funktionierenden Hochwasserwarn- und -meldedienst, als Hauptbestandteil der öffentlichen Hochwasservorsorge. Rechtzeitige Hochwasserwarnungen, -meldungen, -informationen und -vorhersagen können den Handlungszeitraum für die Einsatzkräfte und somit die Chance zur Vermeidung von Schäden vergrößern.

Diese Karte zeigt die Flussgebiete in Thüringen und ausgewählte Messstationen an Fließgewässern
Flussgebiete in Thüringen und ausgewählte Messstationen an Fließgewässern

Wasserrechtliche Regelungen

Gemäß den Regelungen der Thüringer Verordnung zur Einrichtung des Warn- und Alarmdienstes zum Schutz vor Wassergefahren (ThürWAWassVO) vom 1. April 1997 (GVBl. Nr. 9, S. 166) wurde eine regionale Hochwassernachrichtenzentrale (HNZ) am Standort der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG) in Jena eingerichtet. Die zentralen Leitstellen der Landkreise und kreisfreien Städte, die Polizeidirektionen und eine Reihe anderer Dienststellen innerhalb und außerhalb Thüringens werden von dort mit Hochwassermeldungen und -nachrichten versorgt und erhalten Auskunft zu weiteren Fragen der meteorologisch-hydrologischen Lage und Entwicklung. Die Auslösung bzw. Aufhebung der Hochwasser-Alarmstufen 1 (Kontrolldienst) und 2 (Wachdienst) wird durch den Präsidenten der TLUG oder, in dessen Abwesenheit, vom Leiter des Einsatzstabes der HNZ vorgenommen. Die Hochwasser-Alarmstufe 3 (Hochwasserabwehr) löst der Minister für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz aus bzw. hebt sie wieder auf.


Technische Einrichtungen

Dieses Foto zeigt den Hochwasser-Meldepegel Camburg-Stöben/ Saale
Hochwasser-Meldepegel Camburg-Stöben/ Saale
Hochwasser-Meldepegel
Grundvoraussetzung für die Durchführung des Hochwasserwarn- und -meldedienstes ist die Kenntnis der aktuellen Wasserstände und Durchflüsse. Dafür gibt es in Thüringen 52 Hochwasser-Meldepegel an den hochwassergefährdeten Fließgewässern sowie deren wichtigsten Nebenflüssen.
Die Pegelhäuser sind neben der üblichen Messtechnik mit Datenfernübertragung, Grenzwertmelder und Messwertansager ausgerüstet. Eine ausfallsichere (redundante) Ausstattung wird derzeit in Angriff genommen. Für jeden der Pegel sind die Richtwasserstände für den Meldebeginn und für die Alarmstufen 1 bis 3 festgelegt.
Wichtig für Empfänger von Hochwassermeldungen: nur der Meldebeginn wird fernschriftlich mitgeteilt! Automatische Messwertansager an separaten Telefonanschlüssen ermöglichen dem Empfängerkreis jederzeit die selbständige Information über die weitere Entwicklung eines Hochwassers. Zur Verteilung der Hochwassermeldungen und -nachrichten werden regionale Benachrichtigungspläne bekannt gegeben.
 

 

Hochwasser-Nachrichtenzentrale (HNZ)
Die HNZ nimmt ihre Tätigkeit auf, sobald die Möglichkeit einer Hochwasserentwicklung erkennbar ist. Die Regionalstelle Suhl der TLUG ist für die Werra und die Mainzuflüsse zuständig, kann aber im Notfall auch die gesamte HNZ übernehmen.
 
HNZ
Meldepegel
Flussgebiete
TLUG, Jena
35
Unstrut, Ilm, Saale, Weiße Elster, Pleiße, Leine
TLUG, RS Suhl
17
Werra, Mainzuflüsse

Für schnelle Übersichten und Auswertungen wird ein hydrologisches Informationssystem mit einem speziellen Hochwasserteil betrieben. Die umfassend überarbeiteten Hochwasser-Vorhersagemodelle sind mit diesem System gekoppelt. Künftig sollen ebenfalls Vorgaben zur Steuerung von ausgewählten Hochwasser-Rückhaltebecken und Talsperren mit Hochwasserschutzraum rechnergestützt erfolgen.
 
Kommunikationssystem für Hochwassernachrichten und Wetterdaten
Für die Arbeit des Einsatzstabes in der HNZ ist der zeitnahe Empfang von Informationen und Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) von großer Bedeutung. Zu diesem Zweck steht ein modernes Kommunikationssystem zur Verfügung. Es wird in Kooperation mit dem Thüringer Landesrechenzentrum betrieben und sichert damit auch die schnelle Information der Polizei und des Katastrophenschutzes.
Das System erfüllt derzeit drei Aufgaben:
- Datenaustausch mit dem DWD und Datenbereitstellung für die angeschlossenen Dienststellen,
- Sofortinformation bei eingehenden Wetter- und Unwetterwarnungen,
- Automatisierung des Hochwassermeldedienstes und
- Unterstützung der Herausgabe von Hochwassernachrichten und der Auslösung/Aufhebung von Hochwasser-Alarmstufen.

 
Weitere Informationsquellen

Hochwassernachrichten

Neben Hochwassermeldungen werden durch die HNZ auch Hochwasserwarnungen und im Verlauf eines Ereignisses detaillierte Hochwasserinformationen inklusive Vorhersagen herausgegeben. Abgesehen von aktuellen Wasserständen und Tendenzen stellen die mit Hilfe von mathematischen Modellen ermittelten Hochwasservorhersagen eine wesentliche Informationsquelle für die Betroffenen dar. Modelle zur Hochwasservorhersage existieren für die Werra, Saale, Unstrut, Weiße Elster sowie die wichtigsten Nebenflüsse dieser Gewässer. Abhängig von der Lage im Einzugsgebiet können damit Vorlaufzeiten zwischen 3 und 12 Stunden erreicht werden. 
Hochwasserverlauf Saale 94
Hochwasserverlauf an der Saale im April 1994

Der zunehmenden Automatisierung der Messnetze sowie der Informationsauswertung und -übermittlung stehen in den betroffenen Gemeinden mangelnde Möglichkeiten zur Analyse der Auswirkungen und zur Ableitung konkreter Maßnahmen vor Ort gegenüber. Das Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz unterstützt deshalb Aktivitäten von Gemeinden, die auf die Beseitigung dieses Mangels gerichtet sind. Ziel ist der Aufbau kommunaler Hochwasser-Informationssysteme.

Hochwasser-Ansagedienst

Der Hochwasser-Ansagedienst wird über die Telekommunikationsanlage des Thüringer Behördennetzes bereitgestellt. Der Dienst gibt Auskunft zur aktuellen meteorologischen und hydrologischen Lage und ist für die breite Öffentlichkeit unter folgenden Servicerufnummern erreichbar:

01805 003 004 für die Flussgebiete Saale, Weiße Elster und Pleiße,

01805 003 005 für die Flussgebiete Werra und Steinach,

01805 003 006 für die Flussgebiete Unstrut, Ilm und Leine.


Angebote im Internet und Videotext

Das HNZ-Portal auf den Seiten der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie fasst eine große Zahl hochwasserrelevanter Angaben zusammen. Neben aktuellen Wasserständen und Durchflüssen in tabellarischer und grafischer Form, Tendenzen, erreichten Richtwasserständen für die Ausrufung von Alarmstufen und ausgegebenen Hochwassernachrichten sind allgemeine Informationen zum Pegelnetz und zu den rechtlichen Grundlagen abrufbar.

Zum Service gehört die kostenlose Benachrichtigung per E-Mail, sobald ein frei wählbarer Wasserstand an einem der Meldepegel überschritten ist. Der Dienst kann über die genannte Homepage abonniert werden.
 
Die Pegelstände für Thüringen sind im Videotextangebot des Mitteldeutschen Rundfunks ab Seite 535 abrufbar: www.mdr.de

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