Umweltfreundliche Abluftreinigung für große Tierhaltungsanlagen in Thüringen

Die Aufzucht und Haltung von Tieren in großen Anlagen ist häufig mit Beeinträchtigungen von Luft, Wasser und Böden sowie Geruchsbelästigungen für die Anwohner/innen verbunden. Moderne Ablufteinigungsanlagen können schädliche Immissionen von Stickstoffverbindungen und Bioaerosolen um bis zu 90 Prozent reduzieren und leisten damit einen effektiven Beitrag zum Schutz von Mensch und Umwelt. Die Thüringer Landesregierung hat deshalb einen Filtererlass für nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) genehmigungsbedürftige Tierhaltungsanlagen in Thüringen eingeführt. Mit der Veröffentlichung im Thüringer Staatsanzeiger am 8. August 2016 ist der Filtererlass  in Kraft getreten.

Schweinehaltungsanlage mit installierter Abluftreinigung in Alkersleben
Schweinehaltungsanlage mit installierter Abluftreinigung in Alkersleben

Wirksame Reduktion von Stickstoffimmissionen

„Die zu hohen Einträge von Stickstoffverbindungen sind eines der großen ungelösten Umweltprobleme unserer Zeit.“ Zu dieser Aussage kam der Sachverständigenrat für Umweltfragen, der die Bundesregierung in Fragen der Umweltpolitik berät, in seinem Sondergutachten vom Januar 2015.
Neben Sauerstoff, Kohlenstoff und Wasserstoff ist Stickstoff eines der Grundelemente des Lebens auf der Erde. In einem die Umweltgüter Luft, Wasser und Boden umspannenden Kreislauf liegt der Stickstoff zum großen Teil als relativ reaktionsträge Verbindung vor. Erst durch die Tätigkeiten der Menschen aber auch durch natürliche Prozesse wird er zu chemisch und biologisch wirksamen (reaktiven) Stickstoffverbindungen umgewandelt. Zu den wichtigsten reaktiven Stickstoffverbindungen gehören Ammoniak (NH3), Ammonium (NH4+), Stickstoffoxide (NO und NO2), Nitrat (NO3-), Nitrit (NO2-) und Lachgas (N2O).

Reaktive Stickstoffverbindungen belasten Umwelt und Gesundheit auf vielfältige und komplexe Weise:

  • Stickstoffeinträge tragen durch Eutrophierung und Versauerung zum Verlust von Biodiversität bei.
  • Stickstoffoxide in der Luft schädigen direkt die menschliche Gesundheit, bilden gemeinsam mit Ammoniak gesundheitsschädlichen Feinstaub und fördern die Bildung von bodennahem Ozon.
  • Nitrat im Trinkwasser und in Nahrungsmitteln belastet die menschliche Gesundheit, bei Nitrosaminen besteht der Verdacht auf kanzerogene Wirkungen.
  • Lachgas schädigt die Ozonschicht und trägt zum Klimawandel bei.

Seit Beginn der Industrialisierung hat sich die Freisetzung von reaktiven Stickstoffverbindungen fast verzehnfacht. Ursache hierfür sind vor allem Verbrennungsprozesse, die Verwendung von mineralischen und organischen Düngemitteln und die Tierhaltung. Rund zwei Drittel der Stickstoffemissionen in Deutschland stammen mittlerweile aus der Landwirtschaft. Durch die räumliche Konzentration von bestimmten landwirtschaftlichen Produktionszweigen wie etwa der Tierhaltung entstehen regional bzw. lokal sehr stark belastete Gebiete.

Die Landwirtschaft ist mit ca. 95 Prozent Hauptverursacher von Ammoniakemissionen. Davon sind nach Angaben des Umweltbundesamtes:

  • ca. 51 % aus der Rinderhaltung,
  • ca. 20 % aus der Schweinehaltung,
  • ca. 9 % aus der Geflügelhaltung und
  • ca. 15 % aus der Mineraldüngeranwendung.

Eine effektive Minderungsmethode für Ammoniakemissionen ist die Abluftreinigung in zwangsbelüfteten Ställen, die diese um 70 bis 90 Prozent reduzieren können. In Deutschland wurden bereits über 1.000 Abluftreinigungsanlagen in Schweinehaltungsanlagen installiert. Somit haben sie sich auch als Stand der Technik in diesem Bereich der Tierhaltung etabliert.

Den Kosten für die Installation und den Betrieb von modernen Abluftreinigungsanlagen in Höhe von ca. 4 Euro pro Kilogramm Ammoniak steht ein Gewinn bei den Umweltkosten gegenüber. Das Umweltbundesamt nennt als Anhaltspunkt 27 Euro als gesamtgesellschaftliche Kosten, die jedes emittierte Kilogramm Ammoniak verursacht. Eine Schweinemastanlage mit ca. 6.000 Tierplätzen zum Beispiel emittiert ohne Abluftreinigung ca. 60 Tonnen Ammoniak pro Jahr. Solche und weitere Emissionsdaten bestimmter Anlagen lassen sich dem deutschen Schadstoffregister PRTR entnehmen.

Vorsorgeprinzip zum Schutz vor Bioaerosolen

Zahlreiche Studien belegen gesundheitliche Risiken für Menschen, die in der Nähe von entsprechenden Tierhaltungsanlagen wohnen.  Bioaerosole bestehen aus biologisch aktiven, luftgetragenen Aerosolen sowie Bakterien, Viren und Pilzen. Darüber hinaus enthalten Bioaerosole auch Endotoxine, die sich an Stäuben aus dem Stall anlagern und über die Abluft von Tierhaltungsanlagen in die Umwelt gelangen. Trotz bislang fehlender Dosis-Wirkungs-Beziehungen für gesundheitsrelevante Bioaerosole, die eine Grundlage für die Festlegung von Immissionsgrenzwerten oder Vorsorgewerte darstellen, bleibt ein Risiko bestehen, das es aus Gründen der Vorsorge zu minimieren gilt. Abluftreinigungsanlagen können die Staubbelastung aus Tierhaltungsanlagen und damit auch die Bioaerosole um 70 bis 90 Prozent reduzieren.

Weitere Informationen:

Fragen & Antworten zum Filtererlass
Thüringen verpflichtet Landwirte zur modernen Abluftreinigung in großen Tierhaltungsanlagen.

Immissionsschutzrechtliche Anforderungen an Tierhaltungsanlagen und Einführung der Geruchs-Immissionsrichtlinie (GIRL)
Der Filtererlass wurde im Thüringer Staatsanzeiger Nr. 32/2016 veröffentlicht (nicht amtliche Version).

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