09.08.2018
Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz

Medieninformation

Feldhamsterland: Schutzprojekt für bedrohte Nager in Thüringen

Siegesmund: Feldhamsterschutz setzt umsichtige Landwirtschaft voraus

Umweltministerin Anja Siegesmund startet heute für Thüringen das bundesweite Schutzprojekt „Feldhamsterland“. Für den Schutz des vom Aussterben bedrohten Nagetiers erhält der Landschaftspflegeverband Mittelthüringen einen Förderbescheid über ca. 96.000 EUR. Der Verband realisiert das bundesweite Schutzprogramm im Thüringer Becken, wo der Feldhamster seinen Hauptlebensraum hat.

„Der Feldhamster ist wie kaum ein Wildtier auf das Zusammenleben mit dem Menschen angewiesen. Leider schwinden in der intensiv bewirtschafteten Agrarlandschaft seine Lebensräume. Wir wollen, dass Thüringen Hamsterland bleibt“, sagte Umweltministerin Anja Siegesmund heute in Remstädt. „Umso mehr freut es mich, dass sich Landwirte für den Schutz der Tiere engagieren, denn Hamsterschutz nützt auch der Feldlerche, dem Rebhuhn und dem Feldhasen“, so die Ministerin.

Mit dem Projekt „Feldhamsterland“ sollen bundesweit die verbliebenen Populationen des Feldhamsters erhalten werden. Die Agrarlandschaft in fünf Bundesländern soll so gestaltet werden, dass sie dem Feldhamster und darüber hinaus anderen Arten der Agrarlandschaft zugutekommt. Neben Thüringen sind Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Hessen und Rheinland-Pfalz die klassischen „Hamster-Länder“.

In Thüringen ist unter anderem der Aufbau eines Netzwerks ehrenamtlicher Hamsterfreunde geplant. Mit ihrer Hilfe werden, unter professioneller Anleitung, ausgewählte Feldhamster-Schwerpunktgebiete sowie Feldhamsterbaue kartiert. Das soll klären, ob die Schutzmaßnahmen und die hamsterfreundliche Bewirtschaftung der Felder von den Tieren angenommen werden. Zudem sollen mit Haarfallen genetische Proben gewonnen werden, um umfassende Erkenntnisse zur Population und zur genetischen Vielfalt der Tiere in Thüringen zu erhalten.

Hilfe für die Tiere ist relativ einfach zu haben: Eine längere Stoppelruhe, das Stehenlassen von Getreidestreifen bei der Ernte oder die Anlage von getreidereichen Blühstreifen sind wirksame Hilfsmaßnahmen. Engagierten Landwirtschaftsbetrieben winkt zudem die Auszeichnung als „Feldhamsterfreundlicher Betrieb“.

Vor wenigen Jahrzehnten noch als Schädling verrufen und gejagt, sind Feldhamster mittlerweile selten geworden. In Deutschland sind die Tiere vom Aussterben bedroht. Nicht nur Landwirten, auf deren Bewirtschaftung der Feldhamstern angewiesen ist, sondern auch der breiten Bevölkerung ist dieser Zustand oftmals nicht bekannt. Damit der bunte, nachtaktive Bewohner unserer Felder nicht endgültig vom Erdboden verschluckt wird, braucht er dringend wirksamen Schutz.


Hintergrund

Der Feldhamster ist eine nach Anhang IV der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der EU streng zu schützende Tierart von gemeinschaftlichem Interesse und in Thüringen sowie in ganz Deutschland als „vom Aussterben bedroht“ eingestuft.

Hier setzt ein bundesweites, im Rahmen Bundesprogramms „Biologische Vielfalt“ des Bundesamts für Naturschutz gefördertes Schutzprojekt an, das nicht nur Feldhamsterschutzmaßnahmen umsetzen, sondern auch in der Öffentlichkeit ein Bewusstsein für die bedrohten Tiere schaffen soll. Im Projekt haben sich Kooperationspartner der Bundesländer, die noch Feldhamster-Vorkommen aufweisen, zusammengeschlossen.
Das Bundesumweltministerium fördert das Projekt mit rund 3,4 Millionen Euro. Es läuft bis zum Jahr 2023 und wird vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) fachlich begleitet.

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