Thüringen verpflichtet Landwirte zur modernen Abluftreinigung in großen Tierhaltungsanlagen

Saubere Luft
Saubere Luft für Mensch und Natur

Die Installation moderner Abluftfilter ist ein längst fälliger Beitrag zum Schutz der Anwohner im ländlichen Raum und der Umwelt. Der sogenannte Filtererlass regelt die Ausrüstung großer Tierhaltungsanlagen für Schweine und Geflügel mit diesen Filtern. Damit sollen die massiven Umwelteinwirkungen der Ställe eingedämmt werden. Vor allem Stickstoffverbindungen, von denen 60 Prozent aus der Landwirtschaft stammen, führen zur Schädigung naturnaher Ökosysteme.

Welche Vorteile bringt der Erlass für den Menschen?

Für die Anwohner des ländlichen Raums werden unangenehme Gerüche deutlich reduziert und der Gesundheitsschutz gestärkt. Die ungefilterte Abluft von Tierhaltungsanlagen kann Geruchs- und Bioaerosolimmissionen verursachen, die für Anwohner belästigend, aber auch gesundheitsgefährdend sein können.

Bioaerosole enthalten eine Vielzahl von luftgetragenen Teilchen biologischer Herkunft, die im Umfeld bestimmter Anlagen wie z. B. der Tierhaltung, der Kompostierung, der Abfall- / Abwasserbehandlung und Verdunstungskühlung in erhöhter Konzentration auftreten. Dazu gehören Bakterien, Viren, Schimmelpilze, sowie deren Zellwandbestandteile und Abbauprodukte wie Endotoxine und Mykotoxine.

Zahlreiche Studien belegen Risiken für Menschen, die in der Nähe von solchen Anlagen wohnen. Im Falle der Tierhaltungsanlagen sind diese Stoffe überwiegend an luftgetragene Stäube gebunden. Entsprechende Abluftreinigungsanlagen reduzieren diese Belastungen um mehr als 70 Prozent.

Welche Vorteile bringt der Erlass für die Umwelt?

Der Filtererlass sorgt für einen besseren Schutz der Natur: Er schützt sensible Pflanzenarten, Lebensgemeinschaften und Lebensräume vor schädlichen Stoffeinträgen.

Knapp 50 Prozent der natürlichen Ökosysteme sind von einer ungesunden Nährstoffanreicherung, 10 Prozent von Versauerung bedroht. Hinzu kommen Deutschlands internationale Verpflichtungen, seine Ammoniak-Emissionen drastisch zu senken - gegenwärtig werden die Grenzen um mehr als 20 Prozent überschritten.

Was genau regelt der Filtererlass?

Dieser Erlass regelt den Einsatz von Abluftfiltern bei großen Tierhaltungsanlagen, die nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) genehmigt werden. Kleinere Tierhaltungsanlagen, die nicht nach dem BImSchG genehmigungsbedürftig sind, werden von dem Erlass nicht erfasst.

Welche Tierhaltungsanlagen sind von der neuen Regelung betroffen?

  1. Große Schweinehaltungsanlagen ab 2.000 Mastschweinen, 750 Sauen oder 6.000 Ferkeln
  2. Mittelgroße Schweinehaltungsanlagen mit 1.500 bis 2.000 Mastschweinen, 560 bis  750 Sauen oder 4.500 bis 6.000 Ferkeln
  3. Große und mittelgroße Geflügelhaltungsanlagen ab 15.000 Hennen bzw. Mastgeflügel oder 15.000 Truthühnern

Warum sind Rinderställe außen vor?

Rinder werden überwiegend (außer bei Weidehaltung) in sogenannten Offenställen gehalten. Für diese Haltungssysteme gibt es im Gegensatz zu zwangsbelüfteten Schweineställen keine entsprechenden Abluftreinigungsanlagen.

Bis wann müssen die Betreiber der betroffenen Anlagen handeln?

Mit Bekanntgabe des Erlasses ist beim Neubau großer Schweinehaltungsanlagen der Einbau und Betrieb einer geeigneten Abluftreinigungsanlage zur Reduzierung von Staub-, Ammoniak- und Geruchsemissionen erforderlich.

Bei bestehenden großen Schweinehaltungen (Altanlagen) wird eine Abluftreinigungsanlage im Falle einer wesentlichen Änderung der Anlagen erforderlich, wenn sie über eine zentrale Abluftführung (Zwangslüftung) verfügen oder diese mit verhältnismäßigen Mitteln hergestellt werden kann.

Betroffene Altanlagen werden innerhalb der nächsten 2 Jahre von den unteren Immissionsschutzbehörden überprüft und es ergeht je nach Belastungsgrad für Anwohner und Umwelt eine entsprechende Auflage zur Umrüstung auf moderne Filter an die Betreiber der Anlagen.

Bei Geflügelhaltungsanlagen kommt eine Abluftreinigungsanlage sowohl bei Neubau als auch bei einer bestehenden Anlage nur im Einzelfall in Betracht, um schädliche Umwelteinwirkungen zu verhindern.

Wer kontrolliert die Umsetzung?

Für die Genehmigung großer Tierhaltungsanlagen ist das Thüringer Landesverwaltungsamt als obere Immissionsschutzbehörde zuständig. Für die Genehmigung mittelgroßer Tierhaltungsanlagen und die Überprüfung der Altanlagen im Rahmen der immissionsschutzrechtlichen Überwachung sind die unteren Immissionsschutzbehörden in den Landkreisen und kreisfreien Städten verantwortlich.

Welche Folgen haben die bisherigen Emissionen für die Umwelt?

In Deutschland stammen ca. 95 Prozent aller Ammoniakemissionen aus der Landwirtschaft. Ammoniak, genauer das nach Umwandlung in der Luft gebildete Ammonium (NH4+), trägt in erheblichem Maße zur Stickstoffdeposition und damit zu Eutrophierungs- und Versauerungseffekten bei. Es schädigt bei hohen Konzentrationen das Pflanzengewebe, führt zu Nährstoffungleichgewichten in naturnahen Ökosystemen, wirkt bodenversauernd und darüber hinaus auf indirektem Wege als klimarelevantes Gas.

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