Gründung

Gründung der Thüringer Landesanstalt für Umwelt (TLU) in Jena

ZIMET
Zentralinstituts für Mikrobiologie und experimentelle Therapie (ZIMET), Beutenbergstraße

Die Einrichtung der Thüringer Landesanstalt für Umwelt (TLU) geht auf die "Anordnung der Landesregierung und Verordnung des Innenministers über die Errichtung von Behörden und Einrichtungen des Landes Thüringen" vom 18. Juni 1991 zurück.
Damit wurde der Startschuss für den Aufbau einer Einrichtung gegeben, deren Aufgaben in der fachwissenschaftlichen Datenerfassung und Beratung auf den Gebieten Naturschutz und Landschaftspflege, der Landesplanung, des Immissions- und Strahlenschutzes, der Wasserwirtschaft, der Abfallwirtschaft und der Altlasten liegt sowie im Aufbau und der Fortschreibung eines Landesinformationssystems und Raumordnungskatasters.
Die Aufgabenbereiche der Vogelschutzwarte Seebach, die in der Einrichtungsanordnung der TLU zugeordnet wurde, liegen in der wissenschaftlichen Forschung und fachlichen Beratung auf dem Gebiet des Vogelschutzes.

Mit der Einrichtung und Organisation der TLU wurde ein Aufbaustab betraut, der am 1. August 1991 seine Arbeit aufnahm. Diesem Aufbaustab gehörten Dr. RAINER HAUPT, Jena, als Leiter, Dr. WOLF VON TÜMPLING, Erfurt, Dr. HUBERT SCHMIDT, Suhl, und VOLKMAR SIECKMANN, Düsseldorf, an.

Als Standort für die TLU wurde die Stadt Jena bestimmt. Grundlage dieser Entscheidung war neben der unmittelbaren Nähe zur Friedrich-Schiller-Universität auch das vorhandene Arbeitskräftepotenzial und die Nachbarschaft zur Jenoptik, die sich auch mit Fragen der Umwelttechnik beschäftigte.

Dipl.-Ing. Bücken
Hans-Dieter BÜCKEN, der erste Präsident der TLU

Als dem TMUL im Oktober 1991 das Konzept der künftigen Aufgaben, der Struktur und der Unterbringung der Landesanstalt vorgelegt wurde, war bereits das Gebäude in Göschwitz als Vorzugsvariante zur Unterbringung der TLU angegeben. In einem Schreiben an den Geschäftsführer der Jenoptik GmbH begründete der damalige Umweltminister HARTMUT SIECKMANN der Antrag auf Nutzung des Mehrzweckgebäudes in Göschwitz und bat den Eigentümer um eine Entscheidung zu Gunsten der TLU. Im November 1991 erfolgte die offizielle Zusage vom Geschäftsführer der Jenoptik GmbH an den Umweltminister zur Anmietung des Gebäudes in Göschwitz. Die ersten Beschäftigten der TLU zogen am 3. Januar 1992 ein.
Inzwischen waren so viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingestellt worden, dass verschiedene Schreibtische und Stühle mehrfach belegt werden mussten. Am 2. Dezember 1991 wurde der TLU-Aufbaustab aufgelöst und die ersten Abteilungsleiter der Thüringer Landesanstalt für Umwelt berufen. Dieses waren:

Abteilung 3 (Naturschutz) Herr Dr. Rainer Haupt,
Abteilung 4 (Immissionsschutz) Herr Dr. Hubert Schmidt,
Abteilung 5 (Wasserwirtschaft) Herr Volkmar Sieckmann.

Herr Dr. von Tümpling erhielt den Auftrag, ein Labor für die TLU aufzubauen.
Am 1. April 1992 nahm schließlich der erste Präsident der Thüringer Landesanstalt für Umwelt, Dipl. Ing. Hans Dieter Bücken, seine Tätigkeit auf.

Umbau
Umbauarbeiten im Gebäude der TLU

Neben der weiteren personellen Aufstockung und den allmählich wirksamen organisatorischen Regelungen begann für alle Beschäftigten eine außerordentliche Belastung durch die knapp zwei Jahre dauernden Umbau- und Rekonstruktionsarbeiten des Gebäudes. Doch die Aussicht auf ordentliche Räume und neue, moderne Ausrüstungen ließen baubedingten Lärm und die Schmutzbelastung ertragen (Abbildung 3).
Als erste konnten Anfang Mai 1992 die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Abteilung Naturschutz in die fertiggestellten Räume der 7. Etage einziehen.

Von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Zentralabteilung musste ein enormes Pensum an Organisation, Koordinierung und Aufbauarbeit erledigt werden. Im Gegensatz zu anderen Abteilungen blieb die Abteilung 1 lange Zeit ohne Abteilungsleiter - diese Stelle wurde erst im Dezember 1995 besetzt. Die "mit der Wahrnehmung der Aufgaben" betrauten Referatsleiter waren dem Präsidenten direkt unterstellt.

Es gab kaum einen Vorgang zu dem der "Innere Dienst" nicht hinzugezogen wurde. Schwerpunkte seiner Tätigkeit waren zunächst der Umbau des TLU-Gebäudes und die Klärung des weiteren Verbleibs der einzelnen Standorte. Naturgemäß nahmen alle Arbeiten zur grundlegenden Sicherung der Tätigkeit der jungen Einrichtung einen breiten Raum ein. Zur Beschaffung der notwendigen Sachmittel gab es im Anfangsstadium insofern einige Erleichterungen, als für viele Dinge keine Ausschreibung erforderlich war. Beispielsweise gab es für Schreib- und Rechentechnik landeseinheitliche Grundverträge.

Übergabe
Während der Übergabe des fertiggestellten TLU-Gebäudes an den damaligen Umweltminister HARTMUT SIECKMANN

Das fertiggestellte TLU-Gebäude wurde nach abgeschlossener Rekonstruktion am 27. Januar 1993 dem Minister für Umwelt und Landesplanung und dem Präsidenten der TLU zur Nutzung übergeben (Abbildung 4). Der Kostenaufwand für Umbau und Sanierung des "Blauen Wunders", wie der Volksmund das Gebäude bezeichnete, betrug rund 5,1 Mio. DM.
In einer weiteren Ausbaustufe waren noch Laboreinrichtungen zu installieren, das Dach zu sanieren und die Außenanlagen zu erneuern.

Zur Überwachung der unterschiedlichsten Beeinflussungen der Umwelt war die Errichtung eines für ganz Thüringen zuständigen Labors unumgänglich. Auf der Grundlage eines externen Gutachtens der BREGAU-Institute Bremen wurde das Labor als Zentral- und Referenzlaboratorium geplant und 1992 mit der Vorbereitung seines Baus begonnen. Nach eingehender Prüfung der vorgelegten Angebote erhielt die Carl Zeiss Jena GmbH den Zuschlag als Generalübernehmer für die Errichtung und Ausrüstung des Zentrallabors.

Blaues Wunder
Das "Blaue Wunder"

Das am 20.10.1993 der TLU fertiggestellte Labor umfasste auf 1.670 m² in vier Geschossen 44 Labor- und Funktionsräume. Die Kosten für Bau und Ausrüstung betrugen insgesamt 6,6 Mio. DM. Damit verfügte das Land Thüringen über nach modernsten Gesichtspunkten eingerichtete Arbeitsplätze für die verschiedensten Problemstellungen der Umweltanalytik.

Hochwasser 1994
Luftaufnahme vom Hochwasser in Göschwitz im April 1994

Starke Regenfälle führten Anfang April 1994 zu einem erheblichen Anstieg der Saale in Jena. Bereits in der Nacht vom 13. zum 14. April war auf Grund des Wasserstandes (bis Eingang Bahnhof) die TLU trockenen Fußes nicht mehr zu erreichen (Abbildung 6). Das Hochwasser drang nicht durch die Fenster, sondern die Sanitäreinrichtungen in das Gebäude ein. Dem größten Teil der Belegschaft gelang es am folgenden Morgen nicht, in die TLU zu kommen. Im Laufe des Vormittags musste das Notstromaggregat abgeschaltet werden, sodass auch wenig später die Telefonanlage ausfiel. Die TLU war am 14. und 15. April 1994 geschlossen. Doch bereits am 15. April begannen die Aufräumarbeiten. Das Wasser hatte im gesamten Kellerbereich der TLU ca. 70 bis 80 cm hoch gestanden und an Sachmitteln und dem Gebäude selbst erhebliche Schäden verursacht.

In einem aufwendigen Rechtsstreit wurde der Ursache und der Klärung des Schadenersatzes nachgegangen. Nach Ansicht der TLU hatten die Schäden ihre Ursache im Fehlen von Rückstauverhinderern, welche das Eindringen von Schmutzwasser durch das Abwasserleitungssystem in das Kellergeschoss des Gebäudes verhindert hätten. Im Frühjahr 1996 erfolgte die Kellersanierung mit Beseitigung der Hochwasserschäden. Der Rechtsstreit endete nach aufwändigen Beweissicherungsverfahren und Sachverständigengutachten mit einem Vergleich der Parteien im Oktober 1998.

Nachdem bereits Messfahrzeuge gestohlen oder beschädigt worden waren, wurde es notwendig, diese Fahrzeuge in abgeschlossenen Räumen abzustellen. Im Jahre 1993 konnte die TLU Garagen auf dem Gelände einer ehemaligen GUS-Liegenschaft in der Rathenaustraße in Jena anmieten und dort die Messfahrzeuge der Abteilungen 4 und 5 und zwei Fahrzeuge des Referats Innerer Dienst unterbringen. Die Garagen wurden von der TLU fast drei Jahre genutzt. Das Mietverhältnis endete mit dem Umzug der Fahrzeuge in die Garagen im Bau 10 der Jenoptik AG.

Zur Durchführung von Überwachungs- und sonstigen Messaufgaben einschließlich fachlicher Beratung, die sich aus den Zuständigkeiten des Thüringer Ministerium für Umwelt und Landesplanung ergaben, wurde Mitte 1991 auf Empfehlung des Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) vom TMUL der Aufbau von zwei Landesmessstellen (LMSt) in Jena (zur Durchführung der Überwachung der Umweltradioaktivität nach Strahlenvorsorgegesetz) und in Gera (zur Sicherung der Umgebungsüberwachung im Wismutgebiet) konzipiert.
Vom 01. Januar 1992 standen erste Räume für die LMSt Jena in der Landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungsanstalt (LUFA), der heutigen Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft (TLL), Naumburger Straße, zur Verfügung. Die Landesmessstelle Gera fand ihren Platz in der Hermann-Drechsler-Straße, wo sie sich gemeinsam mit dem Staatlichen Umweltamt (SUA) Gera noch heute befindet.

Die Unterbringung der LMSt Jena in den Räumen der LUFA entsprach weder den gewerberechtlichen noch den Strahlensicherheitsbestimmungen. Der mit der LUFA abgeschlossene Nutzungsvertrag beschränkte sich deshalb zunächst auf einen Zweijahreszeitraum (vom 1. Januar 1992 bis 31. Dezember 1993). Im Frühjahr 1994 legte die Jenoptik die Planung für einen von der TLU anzumietenden Neubau vor. Der Umbau des Baues 10 im Gewerbegebiet Göschwitz führte jedoch schließlich zu einer kostengünstigeren Lösung. Im Jahr 1995 begannen die konkreten Planungen, und die finanziellen Mittel wurden bereitgestellt. Im Sommer 1996 konnten die Mitarbeiter der LMSt Jena umziehen.

Anlässlich des deutsch-albanischen Umwelt-Workshops im Oktober 1992 in Bonn wurde durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit ein Umweltabkommen mit dem albanischen Ministerium für Gesundheit und Umwelt unterzeichnet. Gleichzeitig wurde über die Landesvertretung Thüringen Kontakt mit dem albanischen Minister für Gesundheit und Umweltschutz zur Unterstützung der albanischen Seite bei Organisation und Aufbau einer funktionsfähigen Umweltverwaltung aufgenommen. Im März 1993 wurde in Verbindung mit dem Umweltbundesamt ein Workshop in Tirana über den Aufbau von Verwaltungsstrukturen organisiert. Von Thüringer Seite nahmen Umweltminister SIECKMANN sowie die Abteilungsleiter des Thüringer Umweltministeriums, Herr Dr. WERNER und Herr BRÜCKNER, teil. Dort wurde die Leistung von direkter materieller Hilfe für die Republik Albanien vereinbart. Der albanischen Seite wurden ein Wasseranalysenlabor, ein Messfahrzeug B 1000, zwei Müllcontainerfahrzeuge W50, ein LKW LIAZ, 24 Muldenmüllcontainer sowie diverse Geräte und Einrichtungsgegenstände bereitgestellt. Die gesamte Sendung wurde im Juli 1994 per Bahn nach Italien gebracht, von wo sie mit der Fähre nach Albanien transportiert wurde. Allerdings war während des Transports ein nicht unerheblicher Teil der Sendung abhanden gekommen, weshalb die vorgesehenen Arbeiten erst im September 1995 abgeschlossen werden konnten.

Am 17. Dezember 1998 kaufte das Thüringer Finanzministerium das Dienstgebäude der TLU. Der Besitzübergang erfolgte zum 1. Januar 1999. Das Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt (TMLNU) übertrug der TLU die Funktion der hausverwaltenden Dienststelle. Außer dem Dienstgebäude wurde der Bau 1a und der Parkplatz östlich der TLU miterworben. Im Bau 1a wurde die Kantine der TLU eingerichtet. Die Parkplätze werden für Dienstfahrzeuge und Gäste genutzt. Der überwiegende Teil ist an die Belegschaft der TLU vermietet.

H.-D. Bücken
Der erste Präsident der TLU, Hans-Dieter BÜCKEN, wird von Umweltminister Dr. VOLKER SKLENAR in den Ruhestand verabschiedet

Im September 1997 wurde der erste Präsident der Thüringer Landesanstalt für Umwelt, Herr HANS-DIETER BÜCKEN, feierlich in den Ruhestand verabschiedet und als sein Nachfolger Herr Dipl.-Ing. KLAUS MÖHLE durch den Minister für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt eingeführt.

In der TLU werden seit 1994 Laboranten bzw. Laborantinnen ausgebildet. Für die beiden Auszubildenden des Jahres 2000 erfolgt die Ausbildung in den ersten beiden Ausbildungsjahren erstmals im Landesamt für Umwelt und Geologie in Kassel, im dritten Ausbildungsjahr in der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft im Austausch mit deren Auszubildenden, die in der Abteilung 6, Umweltanalytik, Umweltradioaktivität der TLU, eingesetzt werden.

1997 stellte die TLU fünf Auszubildende für den Beruf Kaufleute für Bürokommunikation ein. Dazu gehört die TLU einem Ausbildungsverbund an, über den spezielle, insbesondere kaufmännische Inhalte vermittelt werden. Die Ausbildung ermöglicht eine spätere Anstellung in der Wirtschaft. Im Jahr 2000 absolvierten zwei Kaufleute für Bürokommunikation ihre Ausbildung in der TLU.
Darüber hinaus bildete die TLU eine Fachangestellte für Medien und Informationsdienste aus.

Um ein einheitliches Basiswissen der Abteilungsleiter/innen und Referatsleiter/innen sicherzustellen, erfolgten Fortbildungen für Führungskräfte mit vielfältigen Themenstellungen.

Im Jahr 1999 wurden erstmals die "Jährlichen Mitarbeitergespräche" geführt. Die Resonanz der Beschäftigten war durchweg positiv: Die Gespräche zeigen, welche Erwartungen Vorgesetzte an Mitarbeiter haben. Zum anderen haben die Beschäftigten eine Plattform, auf der sie ihre Bedürfnisse, Wünsche und Kritik äußern können.
Um die Personalverwaltung effizienter erledigen zu können, begann die TLU im Jahr 1999 ein datentechnisch gestütztes Personalinformationssystem einzuführen.

K. Möhle
Klaus MÖHLE

Die Aufgaben des Haushaltsreferates erweiterten sich. Die TLU führte im Jahr 2000 die Kosten- und Leistungsrechnung ein, nachdem sie zuvor im Rahmen eines Modellvorhabens an der Budgetierung teilgenommen hatte. Seit dieser Zeit werden alle Buchungen kameralistisch und zugleich auf ausgewählte Kostenstellen und Kostenträger vorgenommen. Im gleichen Zeitraum wurde das kameralistisch vorgeschriebene Inventarverzeichnis in die Anlagenbuchhaltung übernommen. In diesem Jahr wurde die kostenträger- bzw. kostenstellen-orientierte Arbeitszeiterfassung zur Verteilung der Personalkosten eingeführt.

Hinzu kam außerdem die Aufgabe des Controllings, das als Instrument zur Unterstützung der politischen und administrativen Führung gesehen wird.

In der TLU wurden erstmals am 1. Januar 1994 eine Frauenbeauftragte und eine Vertreterin durch den Präsidenten in Abstimmung mit den Frauen der Dienststelle bestellt. Die Bestellung wurde seitdem turnusmäßig alle vier Jahre durchgeführt. Die Teilnahme an geeigneten Fortbildungsveranstaltungen befähigen die Frauenbeauftragte zur qualifizierten Wahrnehmung ihrer Aufgaben. Die Frauenbeauftragte der TLU wird zu Vorstellungsgesprächen und der sich daran anschließenden Entscheidungsfindung hinzugezogen. Außerdem ist sie maßgeblich an der Erstellung des Frauenförderplanes beteiligt. Im Jahr 2000 erstellte die TLU einen Frauenförderplan, der Eingang in den Frauenförderplan des Geschäftsbereiches des Thüringer Ministeriums für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt fand.

Der Anteil der Frauen in Führungspositionen der TLU ist bei Abteilungs- bzw. Referatsleiterinnen mit 33 % bzw. 30 % beachtlich im Vergleich zu anderen Einrichtungen und Behörden. Auch hier strebt die TLU an, die Anzahl im Rahmen der Möglichkeiten zu erhöhen.

Die Gründung der Thüringer Landesanstalt für Geologie (TLfG) in Weimar

Neben dem benachbarten Sachsen gehört Thüringen zu den Geburtsländern der Geologie. Besonders ab Ende des 17. bis etwa Mitte des 19. Jahrhunderts trugen Thüringer Geologen entscheidend zur Erweiterung des geologischen Weltbildes bei und bestimmten maßgeblich die Entwicklung der Geowissenschaften. In jedem geologischen Lehrbuch werden Namen bekannter Thüringer wie J. E. I. WALCH, J. G. LEHMANN, G. C. FÜCHSEL und F. G. GLÄSER als Pioniere der Geologie genannt. Namen wie H. B. GEINITZ, B. v. COTTA, H. CREDNER und C. v. FRITSCH sind eng mit der weiteren Entwicklung der Geologie in Thüringen verbunden. Fundierte Kenntnisse über den geologischen Aufbau des Landes erfuhren zunehmende wirtschaftliche Bedeutung, insbesondere für die Industrie der Baumaterialien, die Wasserwirtschaft, den Erz- und den Kalibergbau. Vor diesem Hintergrund wurden geologische Landesbehörden gegründet. Einen kurzen Überblick über deren Entwicklung vor 1989, speziell in Thüringen, gibt nachfolgende Aufstellung:

1873:

Übereinkommen zwischen Preußen und den großherzoglichen und herzoglichen Sächsischen Regierungen Weimar, Meiningen und Coburg-Gotha zur geologischen Aufnahme des Thüringer Beckens. Ca. 1914 Abschluss der 1862 begonnenen geologischen Spezialkartierung i. M. 1 : 25 000 des thüringischen Gebiets.

1920

Bildung des Freistaates Thüringen.

1923:

Auf Beschluss des Ministeriums für Inneres und Wirtschaft, Abt. Wirtschaft: Gründung der "Thüringer Geologischen Landesuntersuchung" mit Dienstsitz in Jena, 1924 - 1927 im Mineralogischen Institut der Universität Jena, Schillerstraße 12 (1944 bei Bombardierung Jenas zerstört), 1927 - 1936 im Haus Trebnitz, Am Prinzessinnengarten 4 (Abriss in den 80er Jahren), 1936 im Haus Fürstengraben 20, ab 1936 im Haus Saalbahnhofstraße 19. Kartierungsarbeiten erfolgten in dieser Zeit auf der Basis von Verträgen mit der Preußischen Geologischen Landesanstalt.

1939:

In Realisierung der Verordnung über die Errichtung von Reichsstellen für Bodenforschung geht die Thüringer Landesuntersuchung in das Eigentum des Deutschen Reiches über als "Reichsanstalt für Bodenforschung, Zweigstelle Thüringen". Starke Einschränkung der geologischen Landeserkundung.

1945:

Fortführung der begonnenen Arbeiten als Thüringisches Geologisches Landesamt.

1946:

Gründung der Deutschen Geologischen Landesanstalt in der Sowjetischen Besatzungszone (später DDR); die Dienststelle in Jena bildet die Zweigstelle derselben für der Thüringer Raum.

1954 Schaffung zusätzlicher Diensträume im Hinterhaus Saalbahnhofstraße 25.
1950:

Umbenennung in "Geologischer Dienst, Zweigstelle Thüringen".

1952:

Umbenennung in "Staatliche Geologische Kommission, Zentraler Geologischer Dienst, Außenstelle Jena".

1961:   

Im Zuge einer Verwaltungsreform Auflösung der Geologischen Dienste als Einrichtungen im Bereich der Staatlichen Geologischen Kommission; Aufgliederung der Außenstelle Jena in zwei Bereiche:
1. Einrichtung von Bezirksstellen für Geologie, ab 1975 Abteilungen Geologie in den drei Thüringer Bezirken Erfurt, Gera, Suhl mit Sitz in Erfurt, Jena und Suhl. Diese übernehmen die gutachterliche Tätigkeit im Rahmen der Bezirksverwaltung auf dem Gebiet der Geologie und die Aufgaben als Träger öffentlicher Belange.
2. Gründung des volkseigenen Betriebes VEB Geologische Erkundung West, ab 1968 VEB Geologische Forschung und Erkundung Halle, ab 1979 VEB Geologische Forschung und Erkundung Freiberg, jeweils mit für den Thüringer Raum zuständigem Betriebsteil in Jena. Dieser nimmt die Dienstgebäude, die Bibliothek und das geowissenschaftliche Archiv des Geologischen Dienstes in Besitz, führt die geologische und bodenkundliche Landesaufnahme fort und übernimmt Erkundungsarbeiten auf den Gebieten der festen Minerale sowie ingenieurgeologische Arbeiten vor allem im Speicherbau.
Der Bereich Hydrogeologie wird als Außenstelle eines eigenen volkseigenen Betriebes, des VEB Hydrogeologie Nordhausen, ausgegliedert.

Geol. Dienst Jena
Dienstgebäude des Geologischen Dienstes, Zweigstelle Thüringen und bis 1990 des VEB Geologische Forschung und Erkundung, BT Jena in Jena, Saalbahnhofstraße 19

Nach den grundlegenden politischen Veränderungen in Deutschland 1989/90 stellte sich auch in Thüringen die Frage nach einer Neuordnung auf dem Gebiet der Geologie. Vertreter des VEB Geologische Forschung und Erkundung, BT Jena und der Abteilungen Geologie bei den Räten der Bezirke berieten im Rahmen des Zentralen Runden Tisches in Berlin mit über Verfahrensweisen bei der Installation einer staatlichen Geologie. Es zeichnete sich ab, dass die 1961 erfolgte Zersplitterung der geologischen Forschungs-, Erkundungs- und Verwaltungstätigkeit überwunden werden muss und nach Wiedergründung der "Neuen Bundesländer" diese Aufgaben gebündelt von Geologischen Landesämtern wahrzunehmen sind. Vorschläge dazu wurden in Thüringen im Rahmen eines paritätisch von den Betroffenen besetzten "Kooperationsrat" erarbeitet und dem Politisch Beratenden Ausschuss in Thüringen per 25. 7. 1990 fristgemäß zugeleitet.

Inzwischen war die Privatisierung des VEB GFE, BT Jena zur "Geologische Landesuntersuchung GmbH", die neben neuen auch alle bisherigen Aufgaben fortführte, vollzogen. Dies war ein sehr schmerzhafter Vorgang, mussten doch 20 Kündigungen ausgesprochen werden; 6 profilierte Geowissenschaftler übernahmen Kartierungsarbeiten im Rahmen von ABM. Außerdem erfolgte die Ausgliederung eines weiteren Unternehmens, der GEOS Jena GmbH.
Mit Bildung des Thüringer Umweltministeriums wurden die Abteilungen Geologie der ehemaligen Bezirke, inzwischen den Bezirksverwaltungsbehörden angehörend, ohne Veränderung der Aufgaben als Abteilungen Geologie der Staatlichen Umweltinspektion dem Landesverwaltungsamt zugeordnet.
Die Erarbeitung einer Konzeption für den Aufbau einer Umweltverwaltung in Thüringen erfolgte durch hessische Berater. Diese empfahlen die Einrichtung einer eigenständigen geologischen Landesbehörde, lösten sich allerdings, was die Personalausstattung betraf, sehr deutlich von den Empfehlungen des Kooperationsrates. Zunächst lediglich 42 Bedienstete sollten den Kern für ein späteres Wachstum bilden.
Mit der Veröffentlichung der Anordnung der Landesregierung und Verordnung des Innenministers über die Errichtung der Thüringer Landesanstalt für Bodenforschung als nachgeordnete Einrichtung des Thüringer Umweltministeriums im Juni 1991 konnte mit dem Aufbau einer geologischen Landesbehörde in Thüringen begonnen werden. Als Dienstsitz wurde Weimar festgelegt, Dienstgebäude wurde das verkehrsgünstig gelegene, repräsentative Gebäude Carl-August-Alle 8 - 10. Im Errichtungserlass sind die Aufgaben der neuen Einrichtung fixiert; sie entsprechen denen, die jede geowissenschaftliche Landesbehörde in Deutschland zu erfüllen hat. Sie wird auch Träger öffentlicher Belange nach dem Baugesetzbuch und in bauaufsichtlichen Verfahren.

TLUG Weimar
Dienstgebäude der Thüringer Landesanstalt für Geologie in Weimar, Carl-August- Allee 8 - 10

Der Aufbaustab, der am 1. September seine Arbeit aufnahm, setzte sich aus den Herren MR WOLFGANG BLASIG, Wiesbaden als Leiter, Dr. GEORG JUDERSLEBEN, Jena, JOACHIM SCHUBERT, Erfurt und WOLF HABERBOSCH, St. Augustin zusammen. Die Aktivitäten wurden von Dr. HEINRICH GESANG als zuständige Fachaufsicht im Thüringer Umweltministerium begleitet.
Der Aufbau erfolgte in zwei Stufen. Mit Abschluss der ersten Stufe, der Installation der Abteilung Angewandte Geologie, der Zusammenführung des gesamten, umfangreichen Archivmaterials der drei ehemaligen Abteilungen Geologie, der Überführung der Geologischen Landesbibliothek vom ehemaligen VEB GFE, BT Jena nach Weimar und der offiziellen Übertragung der Aufgaben der Abteilungen Geologie des Thüringer Landesverwaltungsamtes auf die Landesanstalt für Bodenforschung war die Gründung vollzogen, sie nahm nach nur dreimonatiger Vorbereitungszeit ihre Arbeit auf.
Die Geschäftsleitung wurde im März 2002 Herrn Dr. GEORG JUDERSLEBEN übertragen. Es begann die weitere Formierung der Abteilung Geowissenschaftliche Landeserforschung und die Installation einer leistungsstarken Informationstechnik. Die einfache, schlanke Struktur der Einrichtung mit nur zwei wissenschaftlichen Abteilungen und einer kleinen Verwaltung, in die der Informatikbereich eingegliedert war, bot gute Voraussetzungen für eine hohe Effektivität ihrer Tätigkeit. Innerhalb von zwei Jahren konnte auch der Personalbestand auf 63 Stellen erweitert werden, außerdem unterstützten zeitweilig Beschäftigte, teils fremdfinanzierte und regelmäßig auch ABM-Kräfte die Arbeit, so dass in der Regel ca. 80 Personen im Weimarer Dienstgebäude und im inzwischen vorzüglich eingerichteten Bohrkern- und Probenlager in Niederpöllnitz beschäftigt waren. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nahmen bereitwillig erschwerte Arbeitsbedingungen in Kauf, die ein sich über mehrere Jahre hinziehender und mit 8,6 Millionen DM veranschlagter Umbau des Dienstgebäudes mit sich brachte, verbesserte sich doch das Umfeld durch die Modernisierung ganz entscheidend; seit 1996 sind alle Räume modernisiert und entsprechen in Ausstattung und Funktionalität allen Anforderungen.

1994 erfolgte die Umbenennung der Thüringer Landesanstalt für Bodenforschung in Thüringer Landesanstalt für Geologie. Sie wurde 1994 im Ergebnis der Angliederung des Bereiches Umwelt des bisherigen Thüringer Ministeriums für Umwelt und Landesplanung an das Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt eine technische Fachbehörde dieses neuen Ministeriums. Im April 1996 wurde Herr Dr. HEINRICH GESANG zum Präsidenten der TLG berufen; nach seiner feierlichen Verabschiedung in den Ruhestand im Dezember 1999 übernahm Herr LGD Dr. GEORG JUDERSELEBEN die Leitung der Einrichtung, die 2001 auf ein zehnjähriges erfolgreiches Wirken zurückblicken konnte.

Gründung der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG)

K. R. Hoffmann
Klaus-Rainer HOFFMANN

Zum 1. Juni 2001 wurden die Landesanstalten für Umwelt und für Geologie zur Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie - TLUG - mit Sitz in Jena und Außenstelle in Weimar auf Grund der Errichtungsanordnung der Landesregierung Thüringen vom 10. Mai 2001 zusammengelegt. Mit der Festlegung der Dienstorte Jena und Weimar soll die enge Zusammenarbeit mit den entsprechenden Forschungsbereichen der Universitäten Jena und Weimar sowie der Fachhochschule Jena fortgeführt werden, da die TLUG im wesentlichen keine Forschung betreibt. Die Arbeit der TLUG wird - von einigen Ausnahmen abgesehen - nicht im Vollzug gesehen. Vielmehr hat die TLUG Stabsfunktion und ist nach ihren Aufgaben eine technisch-naturwissenschaftliche Einrichtung.

Mit der Zusammenlegung zur TLUG wurden wasserwirtschaftliche, hydrogeologische und geologisch-bodenkundliche aber auch informationstechnische und verwaltungsorientierte Aufgabenfelder beider Landesanstalten zusammengefasst. Dadurch wurde eine stärkere fachliche und organisatorische Koordination der Abläufe und Bündelung der Bearbeitung erreicht, mit schnelleren Abläufen und stärkerer Integration der fachlichen Bewertungen. Gleichzeitig wird ein umfassendes Umweltverständnis durch Bündelung in einer gemeinsamen Facheinrichtung umgesetzt.

Am Standort Weimar ist der Geologische Landesdienst als fachlich eigenständige Abteilung verblieben. Dort wurden, auch wegen der engen Einbindung in den geowissenschaftlichen Grundlagenbereich, die bodenkundlichen und die grundwasserbezogenen Aufgaben zusammengeführt.
Das hochqualifizierte und motivierte Fachpersonal der TLUG umfasst Biologen und Landschaftspfleger, Chemiker, Geologen und Geographen, Physiker, Ingenieure und andere Experten. Das Thema der TLUG ist der Schutz der natürlichen Umwelt. Thüringen, das "Grüne Herz Deutschlands" ist reich an Naturschätzen, vielfältigen Landschaftsformen, reich an schützenswerter Fauna und Flora. Es ist die Aufgabe der TLUG, die Umweltmedien zu beobachten, sie zu bewerten und damit einen Beitrag zu leisten, die natürlichen Lebensgrundlagen zu bewahren.

Am 18. Juni 2001 gab es einen weiteren Wechsel an der Spitze der TLUG. Im Rahmen der Festveranstaltung zum zehnjährigen Bestehen der TLU wurde Klaus Möhle vom Staatssekretär im Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt, Stephan Illert, als Abteilungsleiter in das TMLNU versetzt und Herr Klaus Rainer Hoffmann in sein Amt eingeführt.

Heute wird die TLUG als fachtechnisch-naturwissenschaftliche Einrichtung in den Bereichen Raumanalyse, Umweltinformationen, Umweltbildung, Ökologie und Naturschutz, Industrie, Immissionen, Kreislauf- und Abfallwirtschaft, Wasser, Boden, Altlasten, Geologie und Grundwasser, Umweltanalytik und Umweltradioaktivität mit folgenden wesentlichen Aufgaben tätig:

  • Grundlagen zu Umweltbeschreibungen ermitteln, für die Anwendung aufbereiten und die Vollzugsbehörde unterstützen,
  • die oberste Landesbehörde, das Landesverwaltungsamt sowie Fachbehörden der Landkreise und Kommunen beraten,
  • fachliche Konzeptionen auf den verschiedenen Teilgebieten des Natur- und Umweltschutzes zu Schutz und Gestaltung der natürlichen Umwelt erarbeiten,
  • eine kontinuierliche Überwachung der Umweltsituation vornehmen,
  • die Umweltsituation dokumentieren, die verschiedensten Umweltkataster aufbauen, führen und weiterentwickeln,
  • die Erfolgskontrolle abgeschlossener Sanierungsmaßnahmen durchführen,
  • Forschungen auf den verschiedenen Fachgebieten des Natur- und Umweltschutzes fördern, koordinieren und die wissenschaftlichen Ergebnisse in unmittelbar anwendbares Wissen transformieren,
  • Richtlinien, Merkblätter und Kartenmaterialien auf dem Umweltsektor erarbeiten,
  • die Unterrichtung der Öffentlichkeit über die Entwicklung des Natur- und Umweltschutzes in Thüringen fördern sowie eigene Beiträge für eine zielgerichtete Öffentlichkeitsarbeit erbringen,
  • die Aus- und Fortbildung der Mitarbeiter in den verschiedenen Natur- und Umweltschutzbehörden unterstützen,
  • in Fachausschüssen im nationalen und internationalen Rahmen mitwirken,
  • eine Auffang- und Pflegestation für bedrohte Vogelarten in Seebach (Vogelschutzwarte) betreiben,
  • die wissenschaftlichen Grundlagen für die Nutzung des Geopotentials von Thüringen und den Schutz vor Georisiken schaffen, aktualisieren und auf diesen Gebieten neben Landesregierung, Behörden und Gebietskörperschaften auch die Wirtschaft beraten,
  • als Träger öffentlicher Belange nach dem Baugesetzbuch und in bauaufsichtlichen Verfahren die Belange Geologie/Geotopschutz, Rohstoffsicherung, Grundwasserschutz und Baugrund/Georisiken vertreten.

 

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Martin FEUSTEL

Nachdem der bisherige Präsident, Klaus Rainer Hoffmann, in den Ruhestand verabschiedet wurde, ist seit dem 23. Januar 2012 Herr Martin Feustel mit Wahrnehmung der Geschäfte betraut.

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