Flächenschutz

Schutzgebiete (Stand: 31.12.2012)

Übersicht über Anzahl und Fläche von Schutzgebieten in Thüringen (Stand: 31.12.2012)
 

Kategorie
Anzahl
Fläche
(in ha)
Anteil Landesfläche
(in %)
Nationalpark
1
  7.500
0,5
Biosphärenreservat (BR)
2
65.991
4,1
Naturpark
5
434.000
26,8
Naturschutzgebiet und Zonen I und II der BR
267
48.070
3,0
Landschaftsschutzgebiet und Zone I-III der BR
55
421.032
26,0
  

Nationale Naturlandschaften

In Thüringen gibt es 8 Nationale Naturlandschaften, die unter einer gemeinsamen Dachmarke auftreten.

 

Abb 2 1 Karte-nnl-thueringens 2012
Übersichtskarte der Nationalen Naturlandschaften in Thüringen. (Grafik Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz [TMLFUN], Stand Feb. 2012, Bearb. KARL-HEINZ BOCK)
 
Nationalpark „Hainich“

Zum Jahresende 2012 wurde der Nationalpark „Hainich“ 15 Jahre alt. Seine Gründung erfolgte am 31.12.1997, womit er der 13. Nationalpark Deutschlands war. Er hat eine Fläche von 7.500 Hektar. Mit einer Gesamtfläche von ca. 16.000 Hektar ist der Hainich das größte zusammenhängende Laubwaldgebiet Deutschlands. Er liegt im Dreieck der Städte Eisenach, Mühlhausen und Bad Langensalza. Im Nationalpark Hainich soll sich der "Urwald mitten in Deutschland" ungestört entwickeln können. Mit der Verordnung zur Änderung der Größe und Gliederung der Schutzzonen vom 26. Juni 2009 (GVBl. Nr. 10/2009, S. 631) umfasst die nutzungs- und pflegefreie Schutzzone 1 jetzt eine Fläche von 5.650 ha, das ist eine Vergrößerung von 29 auf 75 % der Fläche des Nationalparks. Entsprechend dem Motto der deutschen Nationalparke, "Natur Natur sein lassen", sind aktuell sogar bereits 91 % der Gesamtfläche des Nationalparks ungenutzt. Lediglich Weideflächen unterliegen noch einer Nutzung. Das bedeutet, dass der Hainich zurzeit  die größte nutzungsfreie Laubwaldfläche in Deutschland aufweist. 

Eine Fläche von 1.573 ha im Zentrum des Nationalparks zählt seit dem 25.06.2011 zum UNESCO-Weltnaturerbe „Buchenurwälder der Karpaten und Alte Buchenwälder Deutschlands“. Zur exklusiven Liste des Weltnaturerbes gehören z. B. auch der Yellowstone Nationalpark in den USA, die zu Ecuador gehörenden Galapagos-Inseln und das Wattenmeer in Deutschland und den Niederlanden. Das UNESCO-Welterbeübereinkommen stellt herausragende, einmalige Natur- und Kulturgüter unter weltweiten Schutz. Ein Faltblatt stellt die Welterbestätte „Buchenurwälder der Karpaten und Alte Buchenwälder Deutschlands“ vor. Diese besteht aus 15 Teilgebieten, 6 davon in der Ukraine, 4 in der Slowakei und 5 in Deutschland. Im Faltblatt erfährt der Interessierte, was ein UNESCO-Welterbe ist, wie es zu dieser bemerkenswerten Kooperation kam, was Buchenwälder überhaupt auszeichnet und warum sie von globaler Bedeutung sind. Es werden dann die 15 Teilgebiete vorgestellt. Ausgezeichnete Fotos machen die Schönheit und Einzigartigkeit dieser Buchenwälder deutlich. Das Faltblatt ist kostenlos in allen Nationalpark-Informationsstellen erhältlich und kann unter www.nationalpark-hainich.de heruntergeladen werden.

 

Abb 2 2 Bu-wald Schutzzone 1 Biehlr 0035 1
Urwüchsiger Buchenwald in der Schutzzone 1 und der Welterbefläche des Nationalparks „Hainich“. (Aufn. RÜDIGER BIEHL)

Am 27.03.2012 wurde das „Wildkatzendorf Hütscheroda“ eröffnet, um die scheue Wildkatze kennenlernen zu können. Als besonders anspruchsvolle und seltene Art ist die Wildkatze ein Symboltier für die notwendige Vernetzung von Lebensräumen und steht stellvertretend für viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Direkt am UNESCO-Welterbe „Nationalpark Hainich“ gelegen, besteht das Wildkatzendorf aus drei „Erlebnisorten“: 1. dem Informationszentrum „Wildkatzenscheune“ – der Anlaufort für die Besucher, 2. der „Wildkatzenlichtung“ – ein modernes, naturnahes Schaugehege, und 3. dem „Wildkatzenpfad“ – ein 7 km langer Rundwanderweg mit dem 20 m hohen Aussichtsturm „Hainich-Blick“. Letzterer wurde bereits am 17.06.2011 am „Generalsblick“ des ehemaligen Truppenübungsplatzes Kindel eröffnet. Der Aussichtsturm bildet auch den Abschluss der touristischen Anbindung des Themendorfes in Hütscheroda an den Nationalpark „Hainich“. Das „Wildkatzendorf Hütscheroda“ gehört zu den ambitioniertesten Projekten im Rahmen der an der Nachhaltigkeit orientierten touristischen Erschließung des Nationalparks „Hainich“. Es ist ein Projekt der Wildtierland Hainich gGmbH, einer Gesellschaft des BUND-Landesverbands Thüringen, der Gemeinde Hörselberg-Hainich, der Verwaltungsgemeinschaft Mihla und der Gesellschaft zur Entwicklung des Nationalparks Hainich e.V. Mehr Informationen sind unter unter www.wildkatzendorf.de zu finden.

Abb 2 3 Wildkatze Im Schaugehege Wildkatzendorf H _tscheroda B _rbelbawey
Wildkatze im Schaugehege des Wildkatzendorfes Hütscheroda (Aufn. BÄRBEL BAWEY, Wildkatzendorf Hütscheroda)

 

Biosphärenreservate (BR)
Das Biosphärenreservat „Vessertal-Thüringer Wald“ ist mit seinen 17.081 ha gegenwärtig zu klein, um langfristig die erforderlichen Funktionen zu erfüllen und die Entwicklung zu einer Modellregion für nachhaltige Entwicklung zu gewährleisten. Zur Erweiterung und Entwicklung des UNESCO-Biosphärenreservats wurde die Umwelt-, Tourismus- und Regionalberatung FUTOUR aus München vom Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz beauftragt, bis zum Jahr 2012 einen moderierten Diskussionsprozess in der Region Mittlerer Thüringer Wald durchzuführen.
 
Um den UNESCO-Status weiterhin beibehalten zu können, muss die Fläche auf mindestens 30.000 ha erweitert werden. Im Rahmen des moderierten Diskussionsprozesses wurden im Zeitraum von 2010 bis 2012 die Möglichkeiten für die Erweiterung und Entwicklung des Biosphärenreservats „Vessertal-Thüringer Wald“ mit Vertretern der Region, den Kommunen, den Touristikern, den Landnutzern, den Vertretern der Wirtschaft, den Vereinen und Verbänden sowie den Bürgern diskutiert. Im Zuge dessen fanden insgesamt 11 Forumssitzungen und zahlreiche Gesprächsrunden statt, in denen u. a. über den Grenzverlauf, die Biosphärenreservats-Verordnung und Schwerpunktprojekte beraten wurde.
 

Dieser Diskussionsprozess ist nun abgeschlossen. Vertreter des Forums übergaben am 12. Juli 2012 zur Abschlussveranstaltung im Suhler Ringberghotel ihre Empfehlungen für die Entwicklung der Region an Thüringens Umweltminister Jürgen Reinholz. Gemäß den Empfehlungen soll das Biosphärenreservat auf etwa 34.500 Hektar vergrößert und in „Mittlerer Thüringer Wald“ umbenannt werden. Zahlreiche Projekte aus den Bereichen Naturschutz, Tourismus, Dorferneuerung und Wirtschaft sollen die Region voranbringen. Mit dem Ausweisungsverfahren soll Anfang 2013 begonnen werden. Während des Verfahrens kann jeder noch bestehende Bedenken, Anregungen und Hinweise einbringen. 2014 könnte das Ausweisungsverfahren abgeschlossen sein. Die Dokumentation zum moderierten Diskussionsprozess und die erarbeiteten Empfehlungen sind verfügbar unter http://www.zukunft-vessertal-thueringer-wald.de/ (Quelle: http://www.biosphaerenreservat-vessertal.de).

 

Abb 2 4 St _tzerbach Unteres Freibachtal 2010jul04 Hwenzel
Das untere Freibachtal nordwestlich von Stützerbach (Ilm-Kreis) mit seinem Feucht- und Gebirgsgrünland gehört zu den Pflegezonen-Vorschlägen der TLUG in der geplanten Erweiterung des Biosphärenreservates „Vessertal - Thüringer Wald“. Der Freibach ist einer der drei Quellbäche, die ab nördlich von Stützerbach die Ilm bilden. (Aufn. HOLM WENZEL, 04.07.2010)

Im Biosphärenreservat „Rhön“ sollen die Kern- und Pflegezonen ausgeweitet werden. Im Jahr 2010 wurde vom TMLFUN auf der Basis eines Entwurfs der TLUG, der BR-Verwaltung und der betroffenen Forstämter zunächst ein Fachkonzept für die Erweiterung der Kernzonen vorgelegt. 2011 folgte ein Fachgutachten der TLUG zur Zonierung des Thüringer Teils des Biosphärenreservates „Rhön“ entsprechend den Vorgaben der „Kriterien für die Anerkennung und Überprüfung der UNESCO-Biosphärenreservate in Deutschland“ unter besonderer Berücksichtigung der Erhöhung des Pflegezonenanteils. Die Erweiterungen der Kern- und Pflegezonen sind notwendig, damit die Rhön auch nach 2013 den Status Biosphärenreservat behalten kann. In der Thüringer Rhön ist dafür der Kernzonenanteil von derzeit 1,6 % auf 3 % und der Pflegezonenanteil von derzeit 9,2 % auf 17 % zu erhöhen. Kern- und Pflegezonen müssen zusammen einen Anteil von mindestens 20 % der Fläche des BR ausmachen. Dazu werden mindestens 705 ha neue Kernzonen und 3.823 ha neu Pflegezonen benötigt. Die Kernzonen umfassen insbesondere aktuell und/oder künftig nutzungsfreie Wälder, aber auch, allerdings kleinflächig, Moore und weitere Sonderstandorte.

 
Das Fachgutachten der TLUG von 2011 hat einen Kern- und Pflegezonenanteil von zusammen 28 % vorgeschlagen. Das bereits seit 1995 vorliegende Rahmenkonzept für das BR „Rhön“, dem ein offener und konstruktiver Planungsprozess mit Kooperationsbereitschaft, intensiver Abstimmung und Kompromissfähigkeit aller Beteiligten zu Grunde lag, weist für den thüringischen BR-Anteil sogar über 40 % Pflegezonen aus.
 
Im November 2011 wurde vom TMLFUN ein moderierter Kommunikationsprozess begonnen, in dem sich die betroffenen Kommunen, privaten Eigentümer, Nutzer und alle weiteren Betroffenen und Interessierten mit den Erweiterungsvorschlägen für die Kern- und Pflegezonen sowie den Inhalten einer geänderten Biosphärenreservatsverordnung auseinandersetzen können. Sie erhalten damit die Chance, sich in die zukünftige Ausgestaltung des seit 20 Jahren bestehenden Biosphärenreservats „Rhön“ einzubringen. Der Kommunikationsprozess zielt darauf, die Zoneneinteilung so zu gestalten, dass den Belangen des Naturschutzes, der Besitzer und Nutzer aus Land- und Forstwirtschaft sowie der Bevölkerung und des Tourismus Rechnung getragen wird. Denn genau darum geht es in Biosphärenreservaten: Sie verstehen sich als Vorreiter nachhaltiger Entwicklung, die auf das gleichberechtigte Miteinander von Ökologie, Ökonomie und Sozialem setzt. Derzeit sind die Diskussion und Abstimmungen insbesondere mit den Landnutzern, Kommunen und Eigentümern in vollem Gange.
 
Die Auszeichnung einer Region als UNESCO-Biosphärenreservat spiegelt die hohe nationale und internationale Wertigkeit wider.

 

Abb 2 5 Rhoenhutungen Bei Wiesenthal 2012jul03 Hwenzel Img 3883
Rhönhutungen mit Kalkmagerrasen und Wacholderheiden (hinten: am Neuberg) bei Wiesenthal (Wartburgkreis) - geplante Pflegezone im Biosphärenreservat "Rhön" und Kerngebiet des Naturschutzgroßprojektes „Thüringer Rhönhutungen“. (Aufn. HOLM WENZEL, 03.07.2012)

 

Naturparke
 
Die fünf Thüringer Naturparke („Südharz“, „Kyffhäuser“, „Eichsfeld-Hainich-Werratal“, „Thüringer Wald“ und „Thüringer Schiefergebirge/Obere Saale“) haben eine Gesamtfläche von 434.000 ha (26,8 % der Landesfläche).
 
Für den Naturpark „Südharz“ wurde im Laufe des Jahres 2012 von der EKP Energie-Klima-Plan GmbH in Zusammenarbeit mit dem Ingenieurbüro Henning-Jacob ein Naturparkplan erarbeitet und im November 2012 veröffentlicht. Dieser Plan stellt keine ausschließlich auf naturschutzfachliche Belange ausgerichtete Fachplanung dar, sondern wurde als ein integratives und mit der Region abgestimmtes Entwicklungskonzept erarbeitet. Dies geschah unter Einbindung verschiedenster Akteure aus Politik und Verwaltung, vor allem aber im Dialog mit den Bürgern im Naturpark. Das Planwerk enthält eine nach Themenfeldern geordnete Projektliste, die kontinuierlich weiterentwickelt werden kann und die dem Träger, dem Südharzer Tourismusverband e. V., sowie der Region in den nächsten fünf Jahren als Handlungsleitfaden dient. Es deckt alle Felder der Naturparkarbeit ab - von Naturschutz und Landschaftspflege, Umweltbildung und Kommunikation über die Erholung und den nachhaltigen Tourismus bis hin zur nachhaltigen Regionalentwicklung. Denn nur wenn all diese Elemente ineinander greifen, kann eine nachhaltige Entwicklung und Förderung der Region stattfinden, so wie es mit der Ausweisung eines Naturparks vorgesehen ist. Informationen dazu sind unter http://www.naturpark-suedharz.de/344.html zu finden. In der Zeitschrift „Landschaftspflege und Naturschutz in Thüringen“ (Herausgeber: TLUG Jena) ist das Sonderheft des Jahres 2012 unter dem Titel „Wo der Harz am südlichsten ist … der Naturpark ‚Südharz‘“ erschienen.

 

Abb 2 6 Titel Lnt-sh 2012
Titelseite des Sonderheftes 2012 der Zeitschrift „Landschaftspflege und Naturschutz in Thüringen“ (Herausgeber: TLUG Jena)

Für den Naturpark „Eichsfeld-Hainich-Werratal“ soll im Jahr 2013 ebenfalls die Erarbeitung eines Naturparkplans in Auftrag gegeben werden. Weitere Informationen über den Naturpark sind unter http://www.naturpark-ehw.de/ zu erhalten, für die weiteren Naturparke unter http://www.naturpark-kyffhaeuser.de/, http://www.naturpark-thueringer-wald.de/ und http://www.thueringer-schiefergebirge-obere-saale.de/.

 

 

Naturschutzgebiete (NSG)

Das Thüringer Landesverwaltungsamt als obere Naturschutzbehörde hat im Jahr 2012 ein neues Naturschutzgebiet ausgewiesen und von einem weiteren NSG die Verordnung einschließlich Abgrenzung novelliert. Beim neuen NSG handelt es sich um die „Haselbacher Teiche“ im Landkreis Altenburger Land mit einer Größe von 125 ha. Das geänderte NSG ist das NSG „Rothenburg“ am Nordrand des Kyffhäusers im Kyffhäuserkreis, wobei sich die Fläche des NSG um 0,5 ha verringert und die pflege- und bewirtschaftungsfreien Zonen um 0,8 ha vergrößert haben. Unter Berücksichtigung der Kern- und Pflegezonen der beiden thüringischen Biosphärenreservate ergibt sich in Thüringen statistisch eine Gesamtfläche von 48.070 ha in 267 Gebieten (3,0 % der Landesfläche).

 

Abb 2 7 Nsg Haselbacher Teiche Insel Im See 2005okt16 Hwenzel
Insel im „See“ mit Kormoranen im jüngsten Naturschutzgebiet Thüringens, dem NSG „Haselbacher Teiche“ (Landkreis Altenburger Land). (Aufn. HOLM WENZEL, 16.10.2005)

Im Jahr 2012 erschien im Weissdorn-Verlag Jena (http://www.weissdorn-verlag.de/) als neues Standard- und Nachschlagewerk das fast 1000-seitige Buch „Die Naturschutzgebiete Thüringens“. Herausgeber sind die Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG) Jena und die Stiftung Naturschutz Thüringen, Autoren sind aktuelle und ehemalige Mitarbeiter der TLUG: Holm Wenzel, Werner Westhus, Frank Fritzlar, Rainer Haupt und Walter Hiekel. Hinter diesem Werk steht jedoch eine fast zehnjährige Gemeinschaftsarbeit von über 130 Fachleuten verschiedenster Wissensgebiete sowie zahlreichen Mitarbeitern des ehrenamtlichen Naturschutzes und der Naturschutzverwaltungen. An der Sammlung von Daten zur Verbreitung von Tier- und Pflanzenarten, auf die dieses Buch zurückgreifen konnte, waren sogar weit über 1000 ehrenamtliche Beobachter beteiligt. Das letzte vergleichbare Buch über die Naturschutzgebiete Thüringens erschien vor fast 30 Jahren. Deshalb war es nun an der Zeit, einen neuen Überblick vorzulegen. Damit werden nicht nur die „alten“ Naturschutzgebiete mit neuesten Erkenntnissen dargestellt, wie z. B. „Großer Inselsberg“, „Vessertal“ und das inzwischen erweiterte „Leutratal“ bei Jena. Es werden auch alle neuen NSG, die seit der Grenzöffnung und Wiedervereinigung dazugekommen sind, beschrieben. Hierzu zählen beispielsweise 42 Naturschutzgebiete im ehemaligen Grenzstreifen, dem „Grünen Band“, 12 auf ehemaligen militärischen Übungsplätzen oder Naturschutzgebiete mit anderen wertvollen Wald- und Offenlandlebensräumen (z. B. „die „Rüdigsdorfer Schweiz“ bei Nordhausen in der Südharzer Gipskarstlandschaft, der „Süd-West-Kyffhäuser“ zwischen Bad Frankenhausen und Steinthaleben, die „Werraaue bei Berka und Untersuhl“, die „Wiesenthaler Schweiz“ in der thüringischen Rhön, der „Röthengrund“ bei Sonneberg und der „Leinawald“ im Altenburger Land). Das nun vorliegende Nachschlagewerk beschreibt die zum Zeitpunkt des Erscheinens des Buches existierenden 266 Naturschutzgebiete und Kern- und Pflegezonen der beiden Biosphärenreservate „Vessertal – Thüringer Wald“ und „Rhön“ mit informativen Texten, Karten und Bildern.

Abb 2 8 Titelseite Nsg-buch
Titelseite des 2012 erschienenen Buches „Die Naturschutzgebiete Thüringens“ (Herausgeber: TLUG Jena und Stiftung Naturschutz Thüringen)

 

Landschaftsschutzgebiete (LSG)

Im Jahr 2012 gab es keine Neuausweisungen von Landschaftsschutzgebieten in Thüringen.

Unter Berücksichtigung der Fläche der Biosphärenreservate „Vessertal - Thüringer Wald“ und „Rhön“ (deren Zonen I bis III auch zur Fläche der LSG „Thüringer Wald“ und „Thüringische Rhön“ zählen), der Ausgrenzung von Herausnahmeflächen gemäß diverser LSG-Änderungsverordnungen sowie z. T. neuer digital ermittelter LSG-Größen (jedoch ohne Berücksichtigung von § 26 Abs. 4 und 5 ThürNatG) ergibt sich zz. eine LSG-Fläche von 421.032 ha in 55 Gebieten (26 % der Landesfläche).

  

Geschützte Landschaftsbestandteile (GLB), Flächennaturdenkmale (FND), Naturdenkmale (ND), geschützte Gehölze, geschützte Alleen, ökologisch bedeutsame Bereiche

 Im Folgenden werden die regional bedeutsamen Schutzkategorien zusammengefasst, gleichgültig ob es sich dabei um nach ThürNatG ausgewiesene Schutzgebiete (GLB und nach 1993 festgesetzte ND) oder um nach § 26 ThürNatG übergeleitete Schutzgebiete1) (FND, vor 1990 gesicherte ND, geschützte Gehölze, geschützte Alleen oder ökologisch bedeutsame Bereiche) handelt. Nach der Statistik der TLUG Jena gibt es in Thüringen 1.414 GLB, FND, ND als flächige Objekte2) (einschließlich Alleen, jedoch ohne Baum-ND), geschützte Gehölze, geschützte Alleen oder ökologisch bedeutsame Bereiche3) mit einer Fläche von ca. 5.288 ha 4).

2012 wurden im Landkreis Hildburghausen der GLB „Oberstädter Grund“ (3,5 ha) neu ausgewiesen, im Saale-Holzland-Kreis der GLB „Im Ölsnitzgrund“ (bei gleichzeitigem Aufheben des FND „Teich an der Hinteren Ölsnitzmühle“).

Außerdem wurden nachträglich in die zentrale Schutzgebietsregistratur und Statistik der TLUG aufgenommen:

  • Saale-Orla-Kreis: FND „Kobersleith“ und FND „Grüne Wiese“ (bereits 1989 ausgewiesen).

Von der TLUG wurden 965 Baum-ND als punktförmige Objekte erfasst (ohne ND der Landkreise Nordhausen und Gotha). Im Unstrut-Hainich-Kreis wurden 7 weitere ND unter Schutz gestellt:

  • „Sülzenberglinde“ bei Ufhoven, „Pyramideneiche Heyerode“, „3 Linden am Windeberger Kreuz“ bei Mühlhausen, „Korpusbuche“ bei Mühlhausen, „Weißtanne im Forst ‚Grüne Pforte‘“ bei Mühlhausen, „Linde im Hagelholz“ bei Keula und „Buche Klettstedt“,

im Saale-Holzland-Kreis ein ND:

  • „Mispelbaum in der Herbste“ bei Eichenberg.


1)
Für die ebenfalls übergeleiteten Kategorien "Schongebiet", "Geschützte Feuchtgebiete" und "Geschützte Parks" ergeben sich keine Änderungen, sie werden hier nicht behandelt.
2)
Die im Folgenden vorgenommene Unterscheidung von ND als flächige Objekte und Baum-ND als punktförmige Objekte ist zwar rechtlich nicht relevant, jedoch aus Gründen der Datenhaltung im Geographischen Informationssystem und wegen der besonderen Betroffenheit von Baum-ND bei Cross Compliance sinnvoll.
3)
Hier wird nur der per Beschluss Nr. 14-7/90 des Rates des Kreises Artern v. 14.03.1990 gesicherte ökologisch bedeutsame Bereich "Segelberg" geführt.
4)
Flächenangabe im Vergleich zum Stand 31.12.2009 unter Berücksichtigung technischer Korrekturen bei der Digitalisierung und Ersetzen von digital ermittelten Größen durch Größen laut Beschluss oder Verordnung.
 
 
 

 

Gebiete gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung (Naturschutzgroßprojekte des Bundes) und landwirtschaftliche Gebiete mit hohem Naturschutzwert

Mit dem Förderprogramms „chance.natur - Bundesförderung Naturschutz“ wird der Schutz und die langfristige Sicherung national bedeutsamer und repräsentativer Naturräume mit gesamtstaatlicher Bedeutung ermöglicht. Über „chance.natur“ können allerdings nur solche Gebiete gefördert werden, die national und international für den Schutz besonders wertvoller und repräsentativer Lebensraumtypen von Bedeutung sind. Das Förderprogramm trägt zur langfristigen Erhaltung von Natur- Kulturlandschaften mit herausragenden Lebensräumen für zu schützende Tier- und Pflanzenarten bei.

Das Förderprogramm „chance.natur“, in dessen Rahmen das Naturschutzgroßprojekt gefördert wird, zeichnet sich vor allem durch die Zweiphasigkeit und das Freiwilligkeitsprinzip aus. Mit der ersten Förderphase (Planungsphase) ist auch ein Moderationsverfahren für das Naturschutzgroßprojekt Grünes Band Eichsfeld-Werratal verknüpft. 
 
Die Beantragung des Naturschutzgroßprojektes erfolgte 2007. Das Projekt wurde 2009 bewilligt. Im Mai 2010 begannen die Planungen, die im Februar 2013 in den PEPL mündeten. Die zweite, zu beantragende Förderphase soll von 2013 bis 2022 dauern.
 
Die Trägerschaft für das Naturschutzgroßprojekt hat in der der ersten Förderphase die Heinz Sielmann Stiftung übernommen. Auch für die zweite Förderphase wird die Stiftung die Hauptverantwortung übernehmen. Die Trägerschaft soll aber erweitert werden.
 
Die Gesamtkosten für das Naturschutzgroßprojekt Grünes Band Eichsfeld-Werratal belaufen sich auf etwa 10,8 Millionen Euro. Davon übernimmt der Bund 8,1 Millionen (75 Prozent), die Bundesländer (Thüringen, Niedersachsen, Hessen) 1,6 Millionen und die Heinz Sielmann Stiftung als Projektträger eine Million Euro (zehn Prozent).
 
Naturschutzgroßprojekt „Grünes Band Eichsfeld-Werratal“
Ziel des Projektes ist, die naturnahen Abschnitte des Grünen Bandes im Projektgebiet dauerhaft in ihrer Lebensraum- und Strukturvielfalt zu bewahren und andere Bereiche gezielt zu entwickeln, um den naturschutzfachlichen Wert wieder herzustellen. Hervorzuheben sind hier wertvolle und gefährdete Wälder, Heiden, Magerrasen, Streuobstwiesen und Fließgewässer. Es ist das erste Naturschutzgroßprojekt, an dem mit Thüringen, Niedersachsen und Hessen drei Bundesländer zusammenarbeiten. Neben dem Schutz des Grünen Bands geht es bei diesem Vorhaben auch darum, durch umfangreiche Quervernetzungen die Großräumigkeit des länderübergreifenden Biotopverbunds zu betonen. Das Projektgebiet liegt zwischen Harz, Hainich und Hessischem Bergland und ist ein Zentrum des Waldverbunds in Deutschland und gliedert sich in vier Abschnitte (Südharz und Rhume-Ellersystem, Untereichsfeld und Ohmgebirge, Leinetal und Obereichsfeld und Werratal).

 

Kerngebiet A4 F _rderkulisse Redkg Ohneleg
Förderkulisse Naturschutzgroßprojekt „Grünes Band Eichsfeld-Werratal“ mit Abschnitten (PAN / WAGU, PEPL 2013)

Hier sind Wildkatze und Luchs besonders hervorzuhebende Leitarten. Die 9.607 Hektar große Förderkulisse (Kerngebiet) zeichnet sich durch bemerkenswerte Vorkommen von vielen stark gefährdeten oder sogar vom Aussterben bedrohten Arten wie der Mopsfledermaus und dem Raubwürger aus. Auch der stark gefährdete Schwarzstorch und die Groppe haben hier ihren Lebensraum.

 

Erhebung des HNV-Indikators in Thüringen

Im Rahmen des „Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER)“ der EU wurde für den Förderzeitraum 2007 bis 2013 erstmals ein Indikator des „High Nature Value Farmland“ (HNV-Landwirtschaftsflächen bzw. Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturschutzwert) eingeführt.

 
Bedeutung:
In der Agrarlandlandschaft sind naturnahe Landschaftselemente sowie extensiv genutzte Flächen von heraus­ragender Bedeutung für den Schutz der biologischen Vielfalt. Daher ist auf die Erhaltung und Ausweitung dieser Bereiche besonders zu achten. Durch die systematische Erfassung von Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert können Auswirkungen u. a. der Agrarpolitik in Hinblick auf die Erhaltung und Förderung der biologischen Vielfalt in der Landwirtschaft aufgezeigt werden. Auch Auswirkungen von Nutzungsänderungen – wie z. B. der verstärkte Anbau von Bioenergiepflanzen – werden sich künftig in den Indikatorwerten wider­spiegeln.
 
Der HNV-Indikator ist gemäß des „Common Monitoring and Evaluation Framework“ (CMEF) ein Basisindikator zur Evaluierung der Entwicklungsprogramme für den ländlichen Raum. Er muss von allen Bundesländern gegenüber der EU berichtet werden und ist auf Bundesebene im Rahmen der Berichtspflichten zum Nationalen Strategieplan darzustellen.
 
Erhebung in Thüringen:
Im Rahmen der ELER-Verordnung soll auf repräsentativen Stichprobenflächen folgendes ermittelt werden:
1. Erfassung der Ausgangssituation: Erhebung der landwirtschaftlich genutzten Fläche, die einen hohen Naturwert (HNV-Landwirtschaftsfläche) aufweist: Zu diesem Zweck wurde 2009 in Thüringen erstmalig die naturschutzfachliche Wertigkeit von 103 Stichprobenflächen (27 Bundes- und 76 Landesstichprobenflächen) ermittelt.
2. Qualitative und quantitative Veränderungen der HNV-Landwirtschaftsflächen: Hierzu wird die HNV-Landwirtschaftsfläche in den vier Folgejahren jeweils auf 25% der Stichprobenflächen bis 2013 erneut kartiert.
 
Dazu führt das BfN, Fachgebiet Monitoring, aus:
Der Schätzwert für den HNV-Anteil an der Landwirtschaftsfläche wurde erstmals im Anschluss an die Erstkartierung 2009 berechnet und berichtet…. Im Jahr 2012 wurde die Berechnung des HNV-Anteils und des entsprechenden Stichprobenfehlers durch die Universität Göttingen evaluiert. …Mit Kartierungsstand 2011 galten damit die beiden folgenden Werte für das Land Thüringen: Im Referenzjahr 2009 betrug der HNV-Anteil an der Landwirtschaftsfläche 16,1%.  Für 2012 beträgt der Wert 16,4 %.

 

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