Siedlungswasserwirtschaft

Wasserversorgung

Aktueller Stand

Die Sicherung einer qualitäts- und quantitätsgerechten Trinkwasserversorgung in Thüringen ist Aufgabe der Kommunen.Diese Aufgabe erfüllen derzeit 47 Wasserversorgungszweckverbänden (WVZV) und 35 Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften oder damit beauftragte gemeindeeigene Unternehmen (Stand 01.01.2011).

Der Freistaat Thüringen ist in 826 Versorgungsgebiete (VG) der öffentlichen Wasserversorgung aufgeteilt (Stand 31.12.2010), davon in den Planungsregionen:
 
Ostthüringen
377 VG
56%
Südthüringen
286 VG
27%
Nordthüringen
83 VG
9%
Mittelthüringen
80 VG
8%
 
Die Veränderung der Anzahl der VG gegenüber dem Jahr 2009 (823 VG) ist bedingt durch technologische Neuzuordnungen.
 
In Thüringen lebten zum 31.12.2009 ca. 2.249 T Einwohner. Der Anschlussgrad an die öffentliche Wasserversorgung beträgt derzeit 99,9 %.Etwas weniger als 3.000 Einwohner waren 2009 nicht an die öffentliche Trinkwasserversorgung angeschlossen. Diese werden sich auch zukünftig aus eigenen Brunnen oder Quellen versorgen.
Die Trinkwasserversorgung für Haushalt, Gewerbe und sonstige Verbraucher in Thüringen wurde auch 2010 zu ca. zwei Drittel aus Grundwasser und zu ca. einem Drittel über Fernwasser aus Trinkwassertalsperren gesichert.
 
Der Trinkwasserverbrauch im Freistaat hat sich 2009 mit 320 Tm³/d in etwa auf dem Vorjahresniveau stabilisiert. Der Anteil der Bevölkerung am Gesamtverbrauch beträgt rund 60 %. Der spezifische Verbrauch der Bevölkerung hat sich in den letzten Jahren auf einen Wert von ca. 85 l/Ed stabilisiert.
 
Insgesamt wurden rund 2000 Fassungsanlagen aus dem Grund- und Oberflächenwasser für die öffentliche Trinkwasserversorgung genutzt. Über drei Fernwasserverbundsysteme in Mittel/Nord-, Ost- und Südthüringen werden ca. 1,2 Mio. Einwohner vollständig oder teilweise mit Fernwasser versorgt.
 

Schwerpunkte 2010

Wie schon in den Vorjahren stellt durch den bereits erreichten hohen Anschlussgrad die Sicherung der Trinkwasserqualität und der Versorgungsstabilität den Schwerpunkt der Arbeit der Wasserversorger dar. Die Sicherung der Trinkwasserqualität (bspw. Gefahr der Verkeimung) ist besonders bei kleineren Versorgungsanlagen und –gebieten von besonderer Bedeutung.
Der Schwerpunkt der Investitionstätigkeit im Bereich Netz liegt in der Sanierung und Erneuerung alter Leitungen, um u. a. die Wasserverluste weiter zu reduzieren. Dieses wird, wenn möglich, in Zusammenhang mit dem weiteren Ausbau der abwassertechnischen Erschließung in koordinierenden Baumaßnahmen realisiert, um die Kosten für beide Seiten zu begrenzen. 
 
Durch den Freistaat Thüringen konnten im Jahr 2010 Aufgabenträger bei der Realisierung neuer notwendiger Investitionsmaßnahmen mit einer Summe von 5.277 T€ finanziell unterstützt werden:
 
Kreis
Bezeichnung der Maßnahme
 
Gesamt
2010
Wartburgkreis
WV Stadtlengsfeld, OT Weilar Anschluss an TWA Stadtlengsfeld - Bau DEA und TW-Leitung zum ON Weilar, E/MSR
261,33
261,33
Wartburgkreis
WV GWV Dermbach, Bau Rohwasserbehälter (2x20m³, Errichtung TWA Dermbach mit Reinwasserbehälter 2x200 m³ und DEA Rohwasserzuführungsleitung "Schwarzer Born", EMSR
1.187,08
1.187,08
Nordhausen
WV GWV Bleicheroda, Anschluss an GWV Nordhausen, Ablösung örtliche Fassungsanlagen,
1. BA: TWL Wipperdorf - DEA Bleicherode Ost, Bau DEA Nohra
2. BA: TWL Werter - Schate, DEA Hesserode
1.373,23
1.373,23
Schmalkalden - Meiningen
WV Schnellbach, Bau TWA mit Reinwasserbehälter (2x150 m³), Rohwasserleitung, Reinwasserleitung und DEA zum HB, TWL von TWA bis ON Schnellbach, DM-Schacht
1.101,19
1.101,19
Sondershausen
GWV Brüchter/ Toba, Los 1 TWL vom Standort TB Wiedermuth zum HB Großbrüchter
Los 2 DEA TB Wiedermuth (Mischung mit FW)
516,99
516,99
Altenburger Land
WV westlicher Teil Altenburger Land,
1. BA - TWL Monstab - Kröbern, DEST und Behälteranlage Tegwitz
2. BA - Verbindungsleitung Tegwitz - Starkenberg
551,18
551,18
Altenburger Land
WV westlicher Teil Altenburger Land, Ersatzneubau DESt u. Behälteranlage Nöbden
286,06
286,06
Fördervorhaben des Freistaates Thüringen (Angaben in T€)
 
Der absolute bautechnische Schwerpunkt im Bereich der Wasserversorgung ist die seit 2009 in Realisierung befindliche Optimierung der Fernwasserversorgung Ostthüringen durch die Thüringer Fernwasserversorgung (TFW). Diese sichert in der Region Ostthüringen einen wesentlichen Anteil an der öffentlichen Trinkwasserversorgung.
Aufgrund der Veränderungen der Versorgungsrahmenbedingungen (bspw. Demografie) ist die Optimierung der Fernwasserversorgung Ostthüringen ein Hauptschwerpunkt derzeit und in den kommenden Jahren mit dem Ziel der Erhaltung einer sicheren, flexiblen und wirtschaftlichen Fernwasserversorgung.
Der Freistaat Thüringen unterstützt die rund 53 Millionen Euro umfassenden Maßnahmen bis zum Jahr 2012 mit insgesamt 32 Millionen Euro im Rahmen eines Zuwendungsvertrages.

 

Kommunale Abwasserbeseitigung

Die umweltgerechte kommunale Abwasserentsorgung wird von den zuständigen Abwasserzweckverbänden und Eigenentsorgern wahrgenommen und dient der Verbesserung der Gewässergüteverhältnisse sowie der Gewährleistung von ordnungsgemäßen hygienischen Verhältnissen in Siedlungsräumen. Sie ist eine grundlegende Voraussetzung für die zukunftsorientierte Entwicklung der Städte und Gemeinden im Freistaat Thüringen.

Die im Jahre 2010 fertig gestellten Vorhaben auch im Bereich der Kanalbaumaßnahmen dienten zur weiteren Erhöhung des Anschlussgrades an vorhandene kommunale Abwasserbehandlungsanlagen. Im Berichtsjahr 2010 wurden auch neue Kläranlagen geschaffen, wobei die Schwerpunkte in den Einzugsgebieten lagen, die eine wesentliche Rolle bei der Umsetzung der EU-WRRL spielen.
 
Durch das Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz wurden auch im Jahr 2010 wieder viele abwassertechnische Investitionsmaßnahmen finanziell unterstützt. Das Förderprogramm 2010 enthielt 90 Maßnahmen mit einem prognostizierten Gesamtinvestitionsaufwand von ca. 60 Mio. €, für die eine Fördersumme von insgesamt ca. 32 Mio. € zur Verfügung gestellt werden sollten.

Neben dem Bau und der Erweiterung von kommunalen Kläranlagen waren die Errichtung von Verbindungssammlern zum Anschluss von Ortschaften an bereits bestehende Kläranlagen, Anlagen zur Mischwasserbehandlung sowie der direkte Anschluss von über 10.000 Einwohnern an Kanalisation und Kläranlage Inhalt des Programms.

 Übersicht KA2010
Übersicht über die 2010 im Freistaat Thüringen fertig gestellten bzw. im Bau befindlichen kommunalen Kläranlagen

Zum Abschluss des Berichtsjahres 20010 befanden sich im Freistaat Thüringen acht kommunale Kläranlagen mit einer Gesamtkapazität von 42.600 Einwohnerwerten (EW) in der Baudurchführung. Hierzu gehören die Neubauten der Kläranlagen Crawinkel mit 1.500 EW, Heyda (550 EW), Großbrembach (700 EW), Wollersleben (1.300 EW) Haselbach mit 900 EW, Oberes Sprottental mit 1.800 EW sowie die KA Marksuhl mit einer Kapazität von 1.700 Einwohnerwerten. Die überlastete KA Schmölln (derzeitig 18.500 EW) wird auf eine Ausbaugröße von 34.100 EW erweitert.

Bei insgesamt 12 Abwasserbehandlungsanlagen mit einer Gesamtausbaugröße von 82.700 EW wurden 2010 Rekonstruktions- bzw. Neubauarbeiten erfolgreich durchgeführt. Dazu gehört die Erweiterung der KA Bad Salzungen von 33.000 EW auf 43.500 EW durch Neubau einer geschlossenen Schlammfaulung. Erweitert wurden ebenfalls die Kläranlagen Tabarz auf nunmehr eine Ausbaugröße von 8.000 EW sowie die KA Berka/Werra auf 4.000 EW. Die Rekonstruktion der KA Artern konnte erfolgreich mit einer Kapazität von 11.000 Einwohnerwerten abgeschlossen werden. Die neu errichtete KA Friedatal/ Großtöpfer mit einer Kapazität von 4.200 EW behandelt nunmehr die Abwässer im Einzugsgebiet der Frieda und löst die bisherige überlastete Teichanlage Geismar ab. Zu den neu errichteten Anlagen zählen die KA Altenfeld (2.500 EW), die KA Neumark (1.200 EW), die KA Remda mit 900 EW, die KA Greiz/ Dölau mit 800 EW, die KA Struth mit 660 EW sowie die kleine Anlage Hilbersdorf für 120 EW. Besonders wichtig für den Trinkwasserschutz der Talsperre 
Lichte/Leibis war 2010 die Inbetriebnahme der neuen KA Reichmannsdorf mit einer Ausbaugröße von 800 EW, welche sicherstellt, dass das behandelte Schmutzwasser der Gemeinde Reichmannsdorf aus der Trinkwasserschutzzone ausgeleitet wird.
 
Die vorgenannten Kläranlagen erfüllen nunmehr die Anforderungen an eine vorschriftsmäßige Abwasserbehandlung und verbessern die örtlichen Einleitbedingungen in die Gewässer.

 

Ka Großtöpfer
KA Großtöpfer

Die neue Kläranlage Friedatal/Großtöpfer mit einer Ausbaugröße von 4.200 EW hat nach Abschluss der Baumaßnahmen im November 2010 den Probetrieb aufgenommen

 

Einen hohen Stellenwert bei der Entwicklung der Abwasserentsorgung hat der Ausbau der Infrastruktur im Bereich der Kanalisation. Von Bedeutung sind die im Berichtsjahr vollzogenen Anschlüsse von gemeindlichen Gebieten ohne ausreichende Abwasserbehandlung an größere Abwasserbehandlungsanlagen.

So werden hier für Mittelthüringen u. a. der Anschluss von Friemar über Stauraumkanal und Druckleitung (DL) an die KA Gotha einschließlich begonnener Kanalbau im Ort, der Anschluss von Gehren OT Jesuborn über ein Pumpwerk (PW) und Druckleitung (DL) an die Ortskanalisation Gehren und damit zur KA Langewiesen, der Anschluss von Riethnordhausen, Weningshausen, Hassleben und Vehra an die KA Straußfurt sowie der Anschluss von Haina mittels PW und DL an die KA Friedrichswerth aufgeführt.
 
In Nordthüringen wurde z.B. der VS und Staukanal Kehmstedt zum Anschluss von Kehmstedt an die KA Bleicherode ab 2010 wirksam.
 
Zu den Vorhaben in Südthüringen gehören u. a. die Vorhaben 6. Bauabschnitt Hauptsammler (HS) Wasungen, Errichtung des Verbindungssammlers(VS) Mengersgereuth-Hämmern bis Sonneberg/Mürschnitz, Errichtung VS Walldorf-Melkers und Ortskanal Ortslage Rippershausen an die KA Meiningen, weitere Kanalanschlüsse an die KA Steinach,
VS Kaltenlengsfeld- Kaltennordheim, VS Dermbach, OT Oberalba- Dermbach, Anschlüsse in Breitungen an den HS zur KA Schmalkalden sowie Errichtung VS Ortslage St. Kilian/OT Erlau – Stadt Schleusingen.
 
Für Ostthüringen seien hier u. a. die abwassertechnische Erschließung von Töppeln und Ernsee aufgeführt.
 
Von den insgesamt 590 derzeitig in Betrieb befindlichen kommunalen Kläranlagen sind 529 mit einer Gesamtkapazität von ca. 3.22 Mio. Einwohnerwerten nach dem 01.01.1990 neu errichtet bzw. rekonstruiert worden (das entspricht 90 % der Gesamtzahl aller komm. ABA). Der Anteil der neu errichteten bzw. rekonstruierten Ausbaukapazität an der bestehenden Gesamtkapazität Thüringer Abwasserbehandlungsanlagen liegt 12/2010 bei 99 %.
 
Die Gesamtausbaugröße der 590 kommunalen Abwasserbehandlungsanlagen lag zum 31.12.2010 bei ca. 3.25 Mio. Einwohnerwerten. Die Zuordnung zu den Größenklassen und die Art der Abwasserreinigung sind der Tabelle zu entnehmen.
 
Art der Abwasserbehandlung
Größenklasse der Kläranlagen [EW]
Summe
< 1.000
1.000 bis 5.000
5.001 bis 10.000
10.001 bis 100.000
> 100.000
Alle Größen-klassen
Nur mechanische Reinigung
Anzahl
9
1
-
-
-
10
Kapazität
1.100
1.800
-
-
-
2.900
Biologische Reinigung
Anzahl
404
53
2
-
-
459
Kapazität
116.200
127.000
13.000
-
-
256.200
Weitergehende Reinigung *
Anzahl
3
40
27
47
4
121
Kapazität
450
129.200
205.700
1.719.200
935.000
2.989.550
Summe
Anzahl
416
94
29
47
4
590
Kapazität
117.750
258.000
218.700
1.719.200
935.000
3.248.700
* Bewertung der Reinigungsleistung erfolgt nach Ergebnissen der Eigenkontrolle und behördlichen Überwachung
Kommunale Abwasserbehandlungsanlagen Thüringens - Übersicht nach Art der Behandlung, Anzahl und Ausbaugröße (Stand 12/2010)
 

Ein Indikator für die Entwicklung der Abwasserentsorgung ist der Anschlussgrad der Bevölkerung an kommunale Abwasserbehandlungsanlagen. In diesem Bericht wird die Entwicklung im Zeitraum 1990 bis 2009 dargestellt. Die Daten für das Berichtsjahr 2010 stehen ab Juni 2011 zur Verfügung und werden im nächsten Umweltbericht mitgeteilt. Nach Auswertung der Eigenkontrollberichterstattung der Abwasserzweckverbände bzw. Eigenentsorger sind im Jahr 2009 insgesamt 1.596.000 Einwohner an eine kommunale Abwasserbehandlungsanlage angeschlossen. Der Anteil an der Gesamtbevölkerung liegt damit bei 71 %.

Mit den abwassertechnischen Maßnahmen konnten in den vergangenen Jahren weitere Fortschritte beim Neubau, der Ertüchtigung und Modernisierung der Abwasserbehandlungsanlagen erreicht werden. Damit hat sich auch die Qualität der Abwasserreinigung wesentlich verbessert. Der Anteil der Bevölkerung, deren Abwasser in kommunalen Abwasserbehandlungsanlagen nur unzureichend mechanisch gereinigt wird, ist im Jahre 2009 auf unter 0,1 % gesunken. Dagegen erhöhte sich in dem Zeitraum von 19 Jahren der Einwohneranteil, dessen Abwasser mit Phosphor- bzw. Stickstoffelimination, also mit weitergehender Reinigung behandelt wird, kontinuierlich auf 64 %.

 

Anschlussgrad 12 2009
Entwicklung des Anschlussgrades der Bevölkerung an kommunale Abwasserbehandlungsanlagen (ABA)

Im Vergleich der neuen Bundesländer (Stand 1990) lag Thüringen auf Grund der schwachen Infrastruktur mit 43 % Anschlussgrad weit unter dem Mittelwert von 55 % der fünf neuen Bundesländer. Gemessen an dem in den alten Bundesländern gegenwärtig erreichten Anschlussgrad der Bevölkerung an zentrale kommunale Abwasserbehandlungsanlagen von mehr als 95 % wird deutlich, dass in Thüringen mit derzeitig 71 % Anschlussgrad zukünftig noch erhebliche Anstrengungen zur weiteren Verbesserung der Infrastruktur erforderlich sind. Auch unter dem Gesichtspunkt der weiteren Gewässerentlastung ist es notwendig, den Anschlussgrad an kommunale ABA weiter zu erhöhen. Die unzureichende Abwasserbehandlung über eine Vielzahl von desolaten Kleinkläranlagen und Teilortskanalisationen in geschlossenen Siedlungsgebieten stellt immer noch eine erhebliche Gewässerbelastung dar.

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