Fachtagung am 25. und 26. Juni 2014

„Moorschutz und Moor-Revitalisierung in den Kammlagen des Thüringer Waldes“

Unter Leitung der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG) sowie unter Beteiligung des ThüringenForst, des Biosphärenreservates Vessertal und der Deutschen Gesellschaft für Moor- und Torfkunde e.V. steht eine national bedeutende Moortagung ganz im Zeichen eines fachlichen Austauschs über die besten Strategien zur Wiederherstellung und den Erhalt lebender Moore.
 
Moore üben seit Jahrtausenden eine besondere Ausstrahlung auf den Menschen aus. In Thüringen sind sie die „Augen des Thüringer Waldes“ – inmitten geschlossener Wälder bilden sie die einzigen größeren Offenlandflächen und haben für viele Besucher eine Anziehungskraft
 
Thüringen zählt auf Grund seiner klimatischen, geologischen und geomorphologischen Bedingungen schon immer zu den moorarmen Bundesländern. Nur im Thüringer Wald und im westlichen Schiefergebirge treten Moore etwas häufiger auf. Hier bilden sie entlang der niederschlagsreichen Kamm- und Hochlagen eine Perlenkette. Es reihen sich vier größere Hochmoore, Saukopf-, Schützenberg-, Beerbergmoor und die Schneekopfmoore entlang des Rennsteigs, in den Kammlagen des Thüringer Waldes in den Höhen zwischen 800 m und fast 1000 m über Normalhöhennull (NHN).
 
Die Fläche der Moore im Thüringer Wald ist im Vergleich zu den Mooren der benachbarten Mittelgebirge wie Erzgebirge oder Harz recht klein und liegt zwischen 2 und 15 ha. Hinzu kommen noch zwei bedeutende Hangversumpfungsmoore, das Marktal und Morast mit einer kleinen Regenmoorkalotte östlich von Frauenwald und der Kerngrundsumpf westlich von Oberhof. Der Niederschlag liegt etwa bei 1200 bis 1300 mm im Jahr und ist etwa doppelt so hoch wie im Thüringer Becken.
Bereits sehr früh, seit mindestens 250 Jahren wurde in die thüringischen Moore eingegriffen. Es wurden Entwässerungsgräben angelegt um lokal Torf zu gewinnen. Der Torfabbau ist jedoch oft gescheitet. Nachfolgend wurden viele entwässerte Torfkörper aufgeforstet. Nur kleinste Inseln vitaler Moore mit sogenannten „Hungerfichten“ blieben erhalten.
 
Aufgrund dieser Eingriffe und der wenigen erhalten gebliebenen Moore wurden sie noch Anfang der 1990er Jahre als „von vollständiger Vernichtung bedroht“ eingestuft. Aber auch aus europäischer Verantwortung sind die Moore in der Liste der Lebensraumtypen der FFH-Richtlinie enthalten. „Naturnahe lebende Hochmoore“, aber auch „geschädigte Hochmoore“ werden im Anhang I der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU aufgeführt. Bei den Überlegungen zur Pflegeplanung der Naturschutzgebiete wurde klar, dass nur der Biotopverbund von intakten Mooren der Schlüssel für die Erhaltung dieser ganz speziellen Lebensräume mit ihren spezifischen Arten sein kann.
 
Die Thüringer Moore gehören zu den ältesten Naturschutzgebieten Deutschlands, bereits 1939 wurden Kernbereiche des Beerberg- und Schneekopfmoores als Naturschutzgebiet gesichert. Heute befinden sie sich alle Hochmoore vollständig innerhalb von Naturschutzgebieten oder gehören zu den Kernzonen des Biosphärenreservates Vessertal. In den Verordnungen zu den Schutzgebieten ist festgelegt, dass die Wege nicht verlassen werden dürfen, jedoch befindet sich im Schützenbergmoor südlich von Oberhof ein Moorerlebnispfad.
 
Schon zeitig wurde auch durch ehrenamtliche Naturschutzmitarbeiter die Bedeutung von Revitalisierungsmaßnahmen für die Erhaltung der thüringischen Moore und vieler hochmoortypischer Arten erkannt. Seit etwa 1970 wurden durch ehrenamtliche Naturschutzinitiativen Pflegemaßnahmen in einigen Hochmooren durchgeführt, z. B. eine lokale Entnahme von Fichten und der Anstau vorhandener Entwässerungsgräben. Dank des ausgesprochen hohen Engagements der beteiligten ehrenamtlichen Naturschutzgruppen zeigten diese Maßnahmen positive Effekte und ermutigten zu einer Fortführung der Arbeiten. Ohne diese Initiatoren, die auch heute noch aktiv sind, wäre unser Wissen über die Moore, aber auch der erreichte Stand der Revitalisierung geringer.
 
Im Jahr 2002 wurden z. B. viele Gräben innerhalb einiger Moore mit einem großen Bagger partiell verschlossen. Dieser Bagger hatte die erforderliche Kraft, kleinere Gräben lediglich durch mehrfaches Zudrücken zu verdichten Die größeren Staubauwerke wurden bis auf die Hangschulter hoch gezogen, so dass das Niederschlagswasser seitlich wieder in die Fläche läuft und somit der Moorfläche weitreichend zugute kommt.
 
Bereits in den vergangenen 10 Jahren hat sich in weiten Bereichen der Moore eine gut ausgeprägte hochmoortypische Vegetation verschiedener Beersträucher, unter anderem Rauschbeere, Krähenbeere und Moosbeere, sowie Wollgras und Bunte Torfmoose angesiedelt, die auch wieder ein Wachstum des Torfkörpers ermöglichen.
 
Die Moortagung in Oberhof ist ein bedeutender Schritt bei den gemeinsamen Bemühungen um den Schutz und die Pflege der Moore in den Kammlagen des Thüringer Waldes. Sie soll
  • über die Ergebnisse des Moor-Monitoring informieren,
  • die Bedeutung und Besonderheiten der thüringischen Moore herausarbeiten,
  • Entwicklungsziele für die Moortypen und einzelne Moore vorstellen,
  • über die bereits erfolgten umfangreichen Pflegemaßnahmen informieren und
  • dem Austausch von Pflegeerfahrungen und der Diskussion über die geplanten Pflegemaßnahmen
dienen.