Tierhaltung

Auswirkungen des Klimawandels

Eine weitere hochgradig relevante Bedeutung kommt in Thüringen der landwirtschaftlichen Tierhaltung zu, die vornehmlich außerhalb der Ackerbauregionen angesiedelt ist. Die Milchvieh- und Mutterkuh- sowie Schafhaltung sind dabei räumlich eng mit der Grünlandwirtschaft im und am Thüringer Wald verknüpft. Da diese Tierarten hauptsächlich auf der Weide oder in Kaltställen gehalten werden, sind sie dem Klimawandel sehr viel direkter ausgesetzt, als die außerhalb des Mittelgebirges (eher im nördlichen und östlichen Thüringen) verorteten Schweine- und Geflügelzuchten, die zumeist mit klimatisierten Stallanlagen arbeiten.

Allen genannten Tierarten ist gemein, dass die Temperatur den entscheidenden Faktor für die Analyse der Auswirkungen des Klimawandels darstellt. Jede Tierart verfügt über einen thermischen Optimalbereich, außerhalb dessen es zu hitze- und kältebedingten Stresssituationen und damit zu Leistungseinbußen bzw. gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommen kann (KLIFF 2011). Für das obere Ende der Skala wurde bereits im Zusammenhang mit der menschlichen Gesundheit darauf hingewiesen, dass es in vielen Regionen Thüringens zu einer erhöhten Auftrittshäufigkeit und Intensität von Hitzetagen kommen wird (vgl. Kapitel Nicht infektiöse Krankheiten). Auch im Thüringer Wald ist diese Tendenz erkennbar, sie ist allerdings sehr viel schwächer ausgeprägt, als in den übrigen Landesteilen. Die hier verorteten Mutter- und Milchkuhbetriebe sowie die Schafhaltung weisen dementsprechend eine relativ geringe Betroffenheit vom Klimawandel auf, die Zunahme von hitzestressbedingten Folgen wird hier voraussichtlich eher gering ausfallen. Die Schweine- sowie Geflügelzucht- und -haltungsbetriebe im Norden und Osten Thüringens werden hingegen sehr viel stärker von der zunehmenden Hitzeproblematik betroffen sein. Hier besteht das Risiko, dass die bestehenden Klimaanlagen mit der Temperierung der Stallungen überfordert sind bzw. die Energiekosten für die Klimatisierung deutlich ansteigen werden.

Während die Zunahme von Hitzesituationen also vornehmlich mit Risiken verbunden ist, zeichnet sich am anderen Ende der Temperaturskala eine Entspannung ab. So werden sich Frostperioden (hier definiert als sieben aufeinanderfolgende Tage mit Tmin < - 5°C) im Laufe des Jahrhunderts vor allem im Mittelgebirgsraum deutlich verringern und in weiten Teilen Thüringens zum Jahrhundertende gar nicht mehr auftreten (Abb. 27). Mit dieser Entwicklung ist zum einen die Chance verbunden, dass die Milch- und Mutterkühe im Thüringer Wald zukünftig deutlich seltener unter Folgen von Kältestress zu leiden haben und dass die Energiekosten zur Beheizung von Schweine- und Geflügelställen zurückgehen werden.

Abb. 27: Durchschnittlich jährliche Auftrittshäufigkeit von Frostperioden für die drei Klimaprojektionszeiträume und den Referenzzeitraum 1961 - 1990
Abb. 27: Durchschnittlich jährliche Auftrittshäufigkeit von Frostperioden für die drei Klimaprojektionszeiträume und den Referenzzeitraum 1961 - 1990

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Mit steigenden Temperaturen und weniger Frosttagen steigt allerdings auch das Risiko der Einschleppung bisher hier unbekannter Krankheiten und Parasiten, die sich vorzugsweise in wärmeren Klimaten ausbreiten. Der globale Handel mit Tieren und Tierfutter erhöht dieses Risiko. Hier wird also in Zukunft der Fokus noch mehr auf der Desinfektionskette und dem Rein-Raus-Prinzip in den Ställen sowie der Rückverfolgbarkeit der Futterchargen liegen. Zudem muss beim Auftreten "eingeschleppter" Krankheitsfälle mit höheren Leistungs- und ggf. Tierverlusten gerechnet werden, bis die Krankheit identifiziert ist. Eine primäre Beeinträchtigung des Pflanzenbaus mit Wirkung auf die Tierproduktion wird die erwartungsgemäß schlechtere Futterqualität und Siliereignung, aufgrund der zunehmenden Frühsommer- und Sommertrockenheit haben.

Maßnahmen

Die landwirtschaftliche Tierhaltung bzw. Viehzucht sieht sich in erster Linie der Notwendigkeit der Anpassung an häufigere und intensivere Hitzeperioden ausgesetzt. Welches konkrete Risiko für die Tiere mit dem entsprechenden Hitzestress verbunden ist, sollte im Rahmen von Einzeltierversuchen überprüft werden (LW17). Dem Hitzephänomen selbst kann durch technische Lösungen im Bereich der Klimatisierung von Stallungen begegnet werden (LW18). Bei der Geflügel- und Schweinezucht sind Klimaanlagen bereits heute Stand der Technik. Inwiefern die bestehenden Anlagen auch zum Ende ihrer Abschreibungsfrist in der Lage sind, die notwendige Kühlleistung zu erbringen bzw. ob zukünftig leistungsstärkere Anlagen (ggf. auch für die Kühlung von Rinderstallungen) verwendet werden müssen, bedarf der intensiven Prüfung (LW19). Bei den Haltungsbedingungen muss in Freiland- / Weidehaltung, Außenklima- und Warmställe unterschieden werden, dementsprechend unterschiedlich aufwändig gestalten sich die Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel. Ein besonderes Augenmerk gilt hierbei vor allem der Wasserversorgung in den genannten Haltungssystemen (LW20).

Weiterhin ist ein angepasstes Nährstoffmanagement für die Tiere eine Anpassungsoption (LW21). Diese zielt darauf ab, die verminderte Nährstoffaufnahme unter Hitzestress durch eine erhöhte Energiedichte des Futters auszugleichen, wobei jedoch die Fütterungsgrundlagen besonders für Wiederkäuer unbedingt zu beachten sind. Letztlich kommt auch der Züchtung von hitzetoleranteren Rassen mit einer besseren Fähigkeit zur Thermoregulation eine wichtige Rolle zu (LW22). Auch die Einführung von hitzetoleranten Rassen aus anderen Klimaregionen ist eine denkbare Option (LW23). Hier käme positiv hinzu, dass diese Tiere bereits ein Erregerspektrum tragen, das hilfreich bei der Identifizierung von Krankheiten sein kann, die in Thüringen z. Zt. noch nicht verbreitet sind. Diese Tiere zeigen ggf. auch eine erworbene Vitalität gegenüber diesen Erregern/Parasiten, die für z. B. Kreuzungen mit heimischen Rassen genutzt werden kann. Grundsätzlich ist zukünftig aber auch dem Gesundheitsmanagement daher noch mehr Beachtung zu schenken.

Wie für den Ackerbau gilt auch für die landwirtschaftliche Tierzucht, dass die Behörden den spezifischen Anpassungsprozess durch die Bereitstellung von Forschungsergebnissen und die Erarbeitung von Empfehlungen (LW24) sowie Beratungs- und Aufklärungskampagnen (LW25) unterstützen können. Auch die Finanzierung von investiven Programmen (z. B. angepasste Klimatisierung von Stallungen) sollten geprüft werden (LW26).

Tab. 6: Maßnahmen zur Klimafolgenanpassung Handlungsfeld Landwirtschaft (Tierhaltung)

Nr. Maßnahme Kriterium Bewertung bzw. Bemerkung
LW17 Einzeltierversuche zu den Folgen des Klimawandels Zeitliche Dringlichkeit hoch (bis 3 Jahre)
Zeitliche Umsetzbarkeit kurzfristig (bis 3 Jahre.), es besteht noch Untersuchungsbedarf
Zuständigkeit TMLFUN --> TLL (Projekt ab 2013 ist in der Beantragung)
Kosten Zeitreihen erforderlich (mind. 5-jährig in Klimakammer); nur Berechnung konkreter Tierartengruppen im jeweiligen Haltungssystem im Vergleich zu Referenzsystemen sinnvoll
LW18 Klimatisierung von Stallungen Zeitliche Dringlichkeit hoch (bis 3 Jahre)
Zeitliche Umsetzbarkeit kurzfristig (bis 3 Jahre.), es besteht noch Untersuchungsbedarf
 Zuständigkeit TMLFUN --> TLL (Projekt ab 2013 ist in der Beantragung)
Landwirtschaftliche Unternehmensentscheidung
 Kosten Zeitreihen erforderlich (mind. 5-jährig, 20-jährig wie Klimabetrachtungen); nur Berechnung konkreter Tierartengruppen im jeweiligen Haltungssystem im Vergleich zu Referenzsystemen sinnvoll
LW19 Prüfung der Leistungsfähigkeit bestehender Klimaanlagen unter veränderten Klimabedingungen Zeitliche Dringlichkeit hoch (bis 3 Jahre)
Zeitliche Umsetzbarkeit kurzfristig (bis 3 Jahre.), es besteht noch Untersuchungsbedarf
Zuständigkeit TMLFUN --> TLL (Projekt ab 2013 ist in der Beantragung)
Kosten Zeitreihen erforderlich (mind. 20-jährig wie Klimabetrachtungen); nur Berechnung konkreter Tierartengruppen im jeweiligen Haltungssystem im Vergleich zu Referenzsystemen sinnvoll
LW20 Angepasstes Wasserversorgungsmanagement in allen Haltungssystemen Zeitliche Dringlichkeit mittel (3 bis 10 Jahre)
Zeitliche Umsetzbarkeit kurzfristig (bis 3 Jahre.)
Zuständigkeit Einzelbetrieb
Kosten Einzelbetrieblich variabel, je nach Haltungssystem und Bauweise
LW21 Klimaangepasstes Nährstoffmanagement Zeitliche Dringlichkeit mittel (3 bis 10 Jahre)
Zeitliche Umsetzbarkeit kurzfristig (bis 3 Jahre.), es besteht noch Untersuchungsbedarf
Zuständigkeit TMLFUN --> TLL
Kosten Zeitreihen erforderlich (mind. 5-jährig); nur Berechnung konkreter Tierartengruppen im jeweiligen Haltungssystem im Vergleich zu Referenzsystemen sinnvoll
LW22 Züchtung von hitzetoleranten Rassen Zeitliche Dringlichkeit mittel (3 bis 10 Jahre)
Zeitliche Umsetzbarkeit langfristig (> 10 Jahre); es besteht noch Untersuchungsbedarf
Zuständigkeit Zuchtunternehmen
Kosten abhängig von Tierart und Nutzungsrichtung
LW23 Einführung von hitzetoleranten Rassen aus anderen Klimaregionen Zeitliche Dringlichkeit mittel (3 bis 10 Jahre)
Zeitliche Umsetzbarkeit mittelfristig (3 - 10 Jahre); es besteht noch Untersuchungsbedarf
Zuständigkeit Zuchtunternehmen, Einzelbetrieb
Kosten Zeitreihen erforderlich (mind. 10-jährig); nur Berechnung konkreter Tierartengruppen im jeweiligen Haltungssystem im Vergleich zu Referenzsystemen sinnvoll
LW24 Bereitstellung von Forschungsergebnissen und abgeleiteten Empfehlungen Zeitliche Dringlichkeit hoch (bis 3 Jahre)
Zeitliche Umsetzbarkeit bereits umgesetzt o. durchgeführt; es besteht noch Untersuchungsbedarf
Zuständigkeit TMLFUN --> TLL
Kosten Das kommt auf Qualität und Anzahl an
LW25 Beratungs- und Aufklärungskampagnen Zeitliche Dringlichkeit hoch (bis 3 Jahre)
Zeitliche Umsetzbarkeit bereits umgesetzt o. durchgeführt
Zuständigkeit TMLFUN --> TLL
Kosten Das kommt auf Qualität und Anzahl an
LW26 Förderprogramm für Investitionen zur Klimafolgenanpassung Zeitliche Dringlichkeit hoch (bis 3 Jahre)
Zeitliche Umsetzbarkeit kurzfristig (bis 3 Jahre.)
Zuständigkeit TMLFUN --> TLL
Kosten Die Kosten variieren je nach konkreter Investition.

 

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