Landwirtschaft

Die Landwirtschaft hat im ländlich geprägten Thüringen traditionell eine wichtige Rolle, rd. 56 % der Landesfläche unterliegen gegenwärtig einer Grünland- oder Ackernutzung. Auch die Tierhaltung besitzt eine hohe Relevanz für den Freistaat. Entsprechend der klimatischen und pedologischen Bedingungen sind für Thüringen von der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft (TLL) neun verschiedene Agrarräume definiert worden, von denen insbesondere die nördlichen (Thüringer Becken und seine Randlagen, Eichsfeld) und östlichen Agrarräume (Ostthüringer Lößgebiet) von besonderer Bedeutung für den Ackerbau im Freistaat sind (Anhang, Abb. 7). Das vorrangige Ziel der Landwirtschaft ist die Versorgung der Bevölkerung mit qualitativ hochwertigen und gesunden pflanzlichen und tierischen Nahrungsmitteln bei gleichzeitig hoher Wertschöpfung. Darüber hinaus sollen Landwirte als Energiewirte durch den Anbau und die energetische Umwandlung von nachwachsenden Rohstoffen heute auch einen Beitrag zur Energiewende leisten sowie durch angepasste Arbeitsweisen zum Umwelt- und Naturschutz beitragen.

Zur Unterstützung der Umsetzung dieses Zielkanons steht den landwirtschaftlichen Akteuren eine Reihe von strategischen (Planungs-)Instrumenten zur Verfügung. Grundsätzlich bildet die gute fachliche Praxis den Maßstab für eine zeitgemäße Landwirtschaft, an der sich alle Betriebe in Thüringen zu orientieren haben. Mit dem cross compliance, also der Verknüpfung von Prämienzahlungen mit der Einhaltung von Umweltstandards, und den Agrarumweltmaßnahmen (AUM) existieren darüber hinaus von der EU bzw. dem Bund gesteuerte Förderinstrumentarien, die den Landwirt zu Maßnahmen anregen, die über die gute fachliche Praxis hinausgehen. Zur Anpassung der Thüringer Landwirtschaft an die Folgen des Klimawandels haben Ministerium und Fachbehörde bereits drei Strategie- bzw. Fachpapiere verfasst (TLL 2009, TLL 2009a und TMLFUN 2012), weswegen der Landwirtschaft im Freistaat eine Vorreiterrolle im Anpassungsprozess zugesprochen werden kann.

Klassische Planungshorizonte in der Landwirtschaft sind abhängig vom betrachteten Themenfeld. Für den herkömmlichen Ackerbau ergibt sich aus der Notwendigkeit zur Einhaltung einer bestimmten Fruchtfolge ein 3 - 5 jähriger Planungszeitraum, wobei Anbauentscheidungen für konkrete Schläge jedes Jahr von neuem getroffen werden müssen. Für Kurzumtriebsplantagen und insbesondere Agroforstsysteme kann sich auch ein deutlich längerer Planungshorizont ergeben. Die strategische Planung eines Landwirtes und auch die Viehhaltung orientieren sich grundsätzlich an den Abschreibungsfristen von Investitionen in die Betriebsinfrastruktur wie Stallungen oder Landmaschinen (ca. 10 - 25 Jahre), üblichen Pachtzeiten (12 - 20 Jahre) oder gesetzlichen Regelungen wie der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU (7 - 9 Jahre) bzw. dem EEG (Förderung von Biogasanlagen: 20 Jahre). Für die Klimafolgenanpassung in der Landwirtschaft erscheint daher ein Betrachtungszeitraum bis zum Jahr 2040 grundsätzlich zielführend. Im Sinne der Nachhaltigkeit und unter Einbeziehung neuer Betriebssysteme, wie Agroforst, sollten aber auch darüber hinaus gehende Zeiträume Berücksichtigung finden.

Die Sensitivität der Landwirtschaft gegenüber klimatischen Einflüssen ist für den Ackerbau aufgrund der bekannten biologischen Wachstumsfaktoren und der Abhängigkeit der Flächenbefahrbarkeit von Standort- sowie Witterungsfaktoren immens. Aber auch die Viehhaltung als zweiter großer Themenbereich der Landwirtschaft weist eine Abhängigkeit vom klimatischen Geschehen auf. So haben Nutztiere wie z.B. Milchkühe ein thermisches Optimum und können außerhalb dieser Temperaturspanne an Hitze- bzw. Kältestress leiden.

Über den Klimawandel hinaus wird die Zukunft der Thüringer Landwirtschaft auch von sozioökonomischen Einflussfaktoren berührt. Zu den ökonomischen Faktoren zählt zum einen die Entwicklung der Agrarförderbedingungen (z.B. GAP, AUM oder EEG). Auch wenn die Förderbedingungen und  inhalte selbst einem stetigen Wandel unterliegen, so kann doch begründet angenommen werden, dass die europäische und damit auch die thüringische Landwirtschaft in den kommenden Jahrzehnten mit einer Förderung bedacht wird, damit sie den an sie gestellten Anforderungen gerecht werden kann. Zum anderen wird die Entwicklung der regionalen, nationalen und internationalen (Agrar-) Märkte eine nicht unwesentliche Rolle für die Landwirtschaft im Freistaat spielen. Auf der Nachfrageseite ist global aufgrund einer weiter wachsenden Weltbevölkerung auch mit einem weiter steigenden Nahrungsmittelbedarf zu rechnen. Inwiefern dieser Trend mittel- bis langfristig auch Auswirkungen auf die Produktion in Thüringen haben wird, kann gegenwärtig allerdings nicht belastbar abgeschätzt werden. Eine wichtige Einflussgröße stellt auch die Preisentwicklung fossiler Brennstoffe dar. Eine zu erwartende Verteuerung wird einerseits Biokraftstoffe konkurrenzfähiger machen, andererseits aber auch die Produktionskosten insbesondere im Ackerbau steigen lassen. Letztlich werden auch soziologische Faktoren wie ethische Ansprüche an die Fleischproduktion oder Essgewohnheiten sowie technische Innovationen einen Einfluss auf die Thüringer Landwirtschaft der Zukunft ausüben.

Anhang Abbildungen

Anhang, Abb. 7: Landwirtschaftliche Nutzfläche in Thüringen
Anhang, Abb. 7: Landwirtschaftliche Nutzfläche in Thüringen

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