Erosion

Auswirkungen des Klimawandels

Die Erosionsgefährdung durch Wind spielt in Thüringen eine sehr untergeordnete Rolle. Die Wassererosionsgefahr auf agrarisch genutzten Flächen stellt hingegen in allen Teilräumen Thüringens ein relevantes Thema dar. In Abhängigkeit von Hanglänge und Hangneigung weisen die Agrarräume Thüringer Wald, Rhön, Thüringer Schiefergebirge und Harzvorland / Eichsfeld das größte Erosionsgefährdungspotential auf (Anhang, Abb. 12). Im Thüringer Wald und seinen Randlagen spielt die landwirtschaftliche Flächennutzung allerdings nur eine sehr untergeordnete Rolle, die zudem von der eher weniger erosionsgefährdeten Grünlandnutzung dominiert wird. Welche Erosionsgefährdung sich auf den einzelnen Schlägen ergibt, hängt dem Modellansatz der Allgemeinen Bodenabtragsgleichung (ABAG) entsprechend neben dem Relief (LS-Faktor), der Bodenerodibilität (K-Faktor), der Art der Bodenbearbeitung und der Bodenbedeckung (C-Faktor) sowie etwaigen Erosionsschutzmaßnahmen (P-Faktor) wesentlich von der Häufigkeit des Auftretens erosionswirksamer Niederschläge ab (R-Faktor). In der vorliegenden Analyse wird die Entwicklung des R-Faktors mithilfe der Auftrittshäufigkeit von Starkniederschlägen > 20 mm/d im Frühjahr und Herbst analysiert. Während dieser Jahreszeiten kommt es am häufigsten vor, dass Böden durch Bodenbearbeitung oder noch frühe Entwicklungsphasen der angebauten Kulturart wenig bedeckt und damit der erosiven Wirkung von Starkregen ausgesetzt sind. Aus der Analyse (Abb. 28) können folgende Aussagen bzw. Tendenzen abgeleitet werden:

•    Erosionswirksame Niederschläge treten im Referenzzeitraum im gesamten Gebiet Thüringens mindestens einmal pro Jahr in den relevanten Jahreszeiten auf; das Auftrittsmaximum liegt in den Höhenlagen des Thüringer Waldes sowie in Ost- und Mittelthüringen.
•    In den Projektionszeiträumen kommt es nur in den südwestlichen (grünlandgeprägten) Agrarräumen Thüringens ab etwa Mitte des Jahrhunderts zu einem moderaten Anstieg des Auftretens von erosiven Niederschlägen. Mittelfristig und langfristig können auch in Teilen Nord- und Ostthüringens die Starkniederschläge leicht zunehmen. In den übrigen Teilräumen bleiben die Werte in etwa konstant oder gehen im kurzfristigen Szenario sogar leicht zurück.

Insgesamt lässt sich aus der Analyse ableiten, dass sich aus der Sicht des Klimawandels für die ackerbaulich genutzten Flächen in Südwestthüringen und in Teilen Nordthüringens- und Ostthüringens mittel- und langfristig eine (zusätzliche) Handlungsnotwendigkeit hinsichtlich des Erosionsschutzes ergibt.

Abb. 28: Durchschnittliche jährliche Auftrittshäufigkeit von erosiven Starkregenereignissen > 20 mm/d im Frühling (M/A/M) und Herbst (S/O/N) für die drei Klimaprojektionszeiträume im Vergleich zum Referenzzeitraum 1961 - 1990
Abb. 28: Durchschnittliche jährliche Auftrittshäufigkeit von erosiven Starkregenereignissen > 20 mm/d im Frühling (M/A/M) und Herbst (S/O/N) für die drei Klimaprojektionszeiträume im Vergleich zum Referenzzeitraum 1961 - 1990

Maßnahmen

Die vorgenommenen indikatorbasierten Analysen zur regionalen Entwicklung der Wassererosion bedürfen der Validierung mithilfe der geodaten- und faktorbasierten ABAG und auf Basis der im Projekt regionalisierten Klimadaten. Bei dieser Modellierung kommt es in erster Linie auf die Neuberechnung des R-Faktors an, aber auch die Vegetationsentwicklung und der Zeitpunkt der Bodenbearbeitung unterliegt einem Wandel, so dass ggf. auch die Möglichkeit der Anpassung des C-Faktors geprüft werden sollte (BO01). Die Modellergebnisse sollten ihrerseits durch Messprogramme überprüft werden, um noch mehr Wissen über den tatsächlichen Zusammenhang zwischen Starkregenereignissen und real stattfindender Erosion zu generieren (BO02; „Erosionsmonitoring“).

Wassererosion findet auch unter dem Einfluss des Klimawandels vor allem auf Ackerbaustandorten statt, so dass insbesondere landwirtschaftliche Maßnahmen von Relevanz sind (vgl. TLL 2008, TLL 2009). Eine bedeutende Funktion nehmen Bodenbearbeitungssysteme mit reduzierter Eingriffsintensität ein, die in der Lage sind, die zunehmende Erosionsgefährdung durch Starkregenereignisse zu kompensieren (WURBS und STEININGER 2010). Mulch- bzw. Direktsaat- und Mulchpflanzverfahren sind seit 2007 auf ausgewiesenen Feldblöcken (Gewässerschutz-Kulisse) über die freiwilligen Agrarumweltmaßnahmen förderfähig (BO03). Bei Reihenkulturen (z.B. Mais, Zuckerrübe) sind Engsaat
(< 45 cm Reihenabstand) oder Breitsaat beim Mais geeignete Maßnahmen das Erosionsrisiko zu vermindern. Weitere Möglichkeiten zur Verringerung der Erosionsgefahr sind die Verkürzung der Hanglänge durch Schlagteilung, durch Anbau von erosionsanfälligen Kulturen im Wechsel mit wenig anfälligen Kulturen quer zum Hang oder durch Erosionsschutzstreifen (z.B. Grünstreifen, Agroforst-Streifen) sowie die Begrünung von erosiven Abflussbahnen.

Neben angepassten Anbautechniken sind auch der Anbau weniger erosionsanfälliger Kulturen (z.B. Wintergerste, -roggen, -raps) auf erosionsgefährdeten Flächen, die Erhöhung der Bodenbedeckung in Brachezeiten (z. B. durch einen verstärkten Zwischenfruchtanbau) (BO04) die Sicherung der die Aggregatstabilität des Bodengefüges sichernde Humusreproduktion sowie die Erhaltung der Infiltrations- und Wasserspeicherfähigkeit des Bodengefüges geeignete Reaktionen auf die zu erwartenden Klimafolgen. Um die Erosion in den Mittelgebirgen und seinen besonders betroffenen Randlagen weiterhin auf einem niedrigen Niveau halten zu können, ist auf stark erosionsgefährdeten Hängen auch ein Grünlanderhalt anzustreben (BO05). Ferner ist eine betriebs- und schlagbezogene Erosionsberatung für die Transferierung von etablierten und neuen Erkenntnissen und Methoden in die landwirtschaftliche Praxis von entscheidender Bedeutung (BO06).

Tab. 3: Maßnahmen mit positivem Einfluss auf die Anpassungsfähigkeit an die Folgen des Klimawandels im Handlungsfeld Wasserwirtschaft (Oberflächengewässer)

Nr. Maßnahme Kriterium Bewertung bzw. Bemerkung
BO01 Modellierung des zukünftigen Erosionspotentials mit Daten zum Klimawandel Zeitliche Dringlichkeit hoch (bis 3 Jahre)
Zeitliche Umsetzbarkeit mittelfristig (3 - 10 Jahre)
Zuständigkeit TLUG / 64
Kosten gering, da Arbeitsaufgabe TLUG
BO02 Erosionsmonitoring Zeitliche Dringlichkeit hoch (bis 3 Jahre)
Zeitliche Umsetzbarkeit mittelfristig (3 - 10 Jahre)
 Zuständigkeit nur über Drittmittelprojekt realisierbar
 Kosten hoch
BO03 Förderung erosionsmindernder Maßnahmen in landwirtschaftliche Förderinstrumentarien Zeitliche Dringlichkeit hoch (bis 3 Jahre)
Zeitliche Umsetzbarkeit kurzfristig (bis 3 Jahre.), neue Förderperiode ab 2014
Zuständigkeit TMLFUN
Kosten von den verfügbaren Mitteln und der Förderkulisse abhängig
BO04 Erhöhung der Bodenbedeckung in Brachezeiten Zeitliche Dringlichkeit bisher Förderung in der Gewässerschutz-Kulisse über W21 im KULAP, Ausweitung auf alle erosionsgefährdeten Flächen wünschenswert
Zeitliche Umsetzbarkeit kurzfristig (bis 3 Jahre.), neue Förderperiode ab 2014
Zuständigkeit TMLFUN
Kosten von den verfügbaren Mitteln und der Förderkulisse abhängig (bisher 84 €/ha)
BO05 Grünlanderhalt auf stark erosionsgefährdeten Hängen Zeitliche Dringlichkeit hoch (bis 3 Jahre)
Zeitliche Umsetzbarkeit kurzfristig (bis 3 Jahre.)
Zuständigkeit TMLFUN
Kosten gering
BO06 Regional differenzierte bzw. schlagbezogene Erosionsberatung von Landwirten Zeitliche Dringlichkeit hoch (bis 3 Jahre)
Zeitliche Umsetzbarkeit mittelfristig (3 - 10 Jahre), von 2010 - 2012 regional durch Dienstleister in Gewässerschutzkooperationen realisiert, da Offizialberatung in Thüringen abgeschafft, Weiterführung wünschenswert
Zuständigkeit TMLFUN und TLL
Kosten Dienstleistung Dritter: Werkverträge mit Beratungsunternehmen

 

Anhang Abbildungen

Anhang, Abb. 12: Klassifizierung des Erosionspotentials durch Wasser auf landwirtschaftlich genutzten Flächen in Thüringen (abgeleitet mit der ABAG auf Basis der Faktoren R, K, L und S)
Anhang, Abb. 12: Klassifizierung des Erosionspotentials durch Wasser auf landwirtschaftlich genutzten Flächen in Thüringen (abgeleitet mit der ABAG auf Basis der Faktoren R, K, L und S)

Wegweiser

Aktionen

Thueringen Monitor Klein www.bildungsfreistellung.de Thueringer Kampagne Wir sind Energie-Gewinner.

Beliebte Seiten

Serviceportal – Bürger

Services im Zuständigkeitsfinder suchen

Serviceportal – Unternehmen

Services im Zuständigkeitsfinder suchen

Serviceportal – Weitere

Services im Zuständigkeitsfinder suchen

Servicebereich

Publikationen