21.09.2015
Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie

Medieninformation 138

Fachkräftegewinnung durch familienfreundliche Arbeitsbedingungen

Neue Vereinbarung für eine Thüringer Allianz für Familie und Beruf unterzeichnet

Thüringen ist in den kommenden Jahren auf die Gewinnung von Fachkräften angewiesen, um seine gute wirtschaftliche Entwicklung fortsetzen zu können. Um im Wettbewerb um Fachkräfte erfolgreich bestehen zu können, ist neben guten Arbeitsbedingungen und fairen Löhnen auch gerade für junge Fachkräfte die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zunehmend wichtiger.

Um dieses Ziel in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft besser zu verankern und gemeinsam zu verfolgen, unterzeichneten heute die Ministerinnen Heike Werner und Dr. Birgit Klaubert sowie Minister Wolfgang Tiefensee mit Dieter Bauhaus, Präsident der IHK Erfurt im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft der Thüringer Industrie- und Handelskammern, mit Lutz Mania, dem Geschäftsführer Operativ in der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit, mit Sandro Witt, dem stellvertretenden Vorsitzenden des DGB Bezirks Hessen-Thüringen, mit Hartmut Koch, dem Präsidenten des Verbands der Wirtschaft Thüringens e.V. (VWT) und mit Stefan Lobenstein, dem Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft der Thüringer Handwerkskammern, eine Vereinbarung zur Thüringer Allianz für Familie und Beruf.

„Thüringen soll deutschlandweit das Vorbild für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sein. Dadurch sind wir erheblich im Vorteil in der Konkurrenz um Fachkräfte. Wir verbessern damit auch die Lebenssituation der Thüringer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer“, sagte Thüringens Arbeits- und Sozialministerin Heike Werner, deren Ministerium die Allianz federführend weiterentwickelte. Werner weiter: „Fachkräftegewinnung, gute Arbeitsbedingungen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf hängen eng zusammen und sind entscheidende Faktoren für den Standort Thüringen.“

Die Allianz setzt sich zum Ziel, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Thüringen zu verbessern. Bis 2025 muss Thüringen 280.000 Fachkräfte altersbedingt ersetzen oder neu hinzugewinnen, um seinen wirtschaftlichen Erfolgskurs beizubehalten. „Familienfreundlichkeit ist neben einem wirtschaftlich stabilen Umfeld ein gutes Argument, um Fachkräfte dauerhaft an Thüringen zu binden“, so Werner weiter.

Im vergangenen Jahr ist es erstmals gelungen, den negativen Wanderungssaldo in Thüringen umzukehren. Allerdings sind die Herausforderungen, die sich im Zuge des demografischen Wandels für das Bundesland ergeben, bei weitem noch nicht gelöst. Es muss zukünftig auch darum gehen, Auspendler von Arbeitsmöglichkeiten im Freistaat zu überzeugen.

„In den vergangenen Jahrzehnten haben vor allem junge, gut ausgebildete Frauen das Land verlassen“, erklärte Thüringens Wirtschaftsstaatssekretär Georg Maier. „Hier müssen wir in Zukunft gegensteuern.“ So könne Thüringen mit einer hervorragenden Kinderbetreuung punkten. Dieses Angebot müsse aber mit familienfreundlichen Bedingungen in den Unternehmen – wie z.B. geeigneten Arbeitszeitmodellen – verknüpft werden.

Thüringens Bildungsministerin Dr. Birgit Klaubert hebt den Anteil einer guten Kindertagesbetreuung für die Familienfreundlichkeit hervor. „Als erstes Bundesland hat Thüringen den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz ab dem ersten Geburtstag eingeführt, verbunden mit einer täglich garantierten Betreuungszeit von zehn Stunden. Jedes zweite Kind unter drei Jahren besucht in Thüringen eine Kita, im Jahr vor der Schule nahezu jedes Kind. Das zeigt: Die Angebote unserer Kindertageseinrichtungen stehen bei Thüringer Eltern hoch im Kurs. Das ist ein großer Beitrag zur Familienfreundlichkeit, den wir ausbauen wollen. Er hilft Unternehmen, ihre Fachkräfte zu sichern und ist für Thüringen insgesamt ein wichtiger Standortfaktor.“

Auch die Thüringer Wirtschaft hat in den vergangenen Jahren erkannt, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein Anreiz ist, um Fachkräfte an den Thüringer Wirtschaftsstandort zu binden. Dieter Bauhaus, Präsident der IHK Erfurt im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft der Thüringer Industrie- und Handelskammern, bestätigt: „Unsere Mitgliedsunternehmen wissen: Gute Mitarbeiter finden und langfristig binden, ist entscheidender denn je für den unternehmerischen Erfolg. Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist längst nicht mehr nur Kür, sondern Pflicht. Deshalb ist unseren Unternehmen die Thüringer Allianz für Familie und Beruf weiterhin wichtig. Wir wollen Familienfreundlichkeit als Aushängeschild für einen attraktiven Standort Thüringen weiter ausbauen. Jetzt heißt es: Erfolgreiche Maßnahmen fortführen und neue Herausforderungen annehmen, und die Balance langfristig erhalten zwischen den heutigen Lebensentwürfen und einer modernen Arbeitswelt!“

Lutz Mania, Geschäftsführer Operativ in der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit: „Aufgrund der weiteren Verknappung des Arbeitskräftepotenzials ist es wichtig, jedem die Teilhabe am Arbeitsleben unter Berücksichtigung seiner persönlichen Lebenssituation zu ermöglichen. Wir müssen daher noch stärker auf die berechtigten Ansprüche der Arbeitnehmer nach Individualität, Zeitsouveränität, Vereinbarkeit von Familie und Beruf und Work-Life-Balance eingehen. Die definierten Handlungsfelder der Thüringer Allianz zielen darauf ab, gemeinsam Rahmenbedingungen weiter auszubauen, die diesen Ansprüchen gerecht werden.“

Sandro Witt, stellvertretender Vorsitzender des DGB Bezirks Hessen-Thüringen: „Die Arbeit der Zukunft zu gestalten, haben sich die Gewerkschaften in Thüringen zur Aufgabe gestellt. Die Verbesserung der Vereinbarkeit von Arbeits- und Lebenswelt gehört dazu. Zentrale Ansatzpunkte sind Arbeitszeit und Arbeitsorganisation. Wir fordern, dass Beschäftigte die Arbeitszeit auf ihre Wünsche anpassen können. Wir brauchen Arbeitszeiten die sich der aktuellen Lebenssituation anpassen. Dies bringt neue Anforderungen an die Arbeitsorganisation mit sich. Althergebrachte Betriebs- und Verwaltungskulturen aber auch die ausschließliche Orientierung an ökonomischen Prozessen sind hierbei nicht hilfreich. Tarifverträge sind ein guter Rahmen, um Arbeitszeiten insgesamt zu begrenzen. Betriebs –und Personalräte sind vor Ort in den Betrieben gefragt, Regelungen zur Arbeitszeit und Arbeitsorganisation zu verhandeln, die die Interessen der Beschäftigten wiederspiegeln.“

Hartmut Koch, Präsident des Verbands der Wirtschaft Thüringens e.V. (VWT): „Der Verband der Wirtschaft Thüringens e. V. engagiert sich im Rahmen der Allianz für Familie und Beruf, um auf die notwendige und vernünftige Balance zwischen wirtschaftlichen Anforderungen, familienpolitischen Zielsetzungen und den individuellen Wünschen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, hinzuweisen. Für die Betriebe ist diese Balance längst ein harter Standortfaktor. Eine familienfreundliche Arbeitswelt trägt dazu bei, den Fachkräftebedarf besser zu decken, wenn Frauen und Männern sowie Müttern und Vätern attraktive Arbeitsplätze angeboten werden. Nach aktuellen Zahlen des IW Köln spielt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für 91 Prozent der Beschäftigten zwischen 25 und 39 Jahren eine wichtige Rolle. Eine familiengerechte Arbeitswelt ist ihnen ebenso wichtig wie das Gehalt. Familienpolitik ist Wirtschaftspolitik. Um familienfreundliche Unternehmen in Thüringen noch bekannter zu machen, haben das Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie mit dem Verband der Wirtschaft Thüringens e. V. eine digitale Landkarte der Familienfreundlichkeit entwickelt, die durch alle Allianzmitglieder weiter gefüllt werden wird.“

Stefan Lobenstein, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Thüringer Handwerkskammern: „Unsere kleinen und mittleren Handwerksbetriebe sind seit jeher familienorientiert. Familienfreundliche Maßnahmen sind daher selbstverständlich, oft ohne diese besonders herauszustellen. Gerade in den arbeitsintensiven Handwerksbereichen sind qualifizierte und motivierte Beschäftigte die Basis des wirtschaftlichen Erfolgs. Durch das gelebte Miteinander von Betriebsinhabern und Beschäftigen wird auf die individuellen, familiären Situationen flexibel eingegangen. Im Ergebnis zeigt sich, dass Familienfreundlichkeit eine geringe Fluktuation sowie einen niedrigen Krankenstand fördert. Dieser Wettbewerbsvorteil ist weder aufwändig noch kostenintensiv.“

Die Thüringer Allianz für Familie und Beruf verfolgt folgende Handlungsfelder:
• Verbesserung des Informationsaustauschs zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf
• Aufbau bzw. Weiterentwicklung regionaler Netzwerke/Kooperationen
• Diskussion über flexible und familiengerechte Arbeitsorganisationsformen
• Verbesserung der Kindertagesbetreuung durch bedarfsgerechte und familienunterstützende Angebotsformen
• Verbesserung der Betreuungsstruktur für pflege- und hilfsbedürftige Menschen, um den berufstätigen Angehörigen die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf zu erleichtern
• Gleiche Chancen für Frauen und Männer bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf
• Vorbildfunktion in der Umsetzung der Familienfreundlichkeit in den eigenen Strukturen und Institutionen als Basis zur Förderung familienbewusster Maßnahmen

Folgende Partner sind Mitglieder der Allianz:
• Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie
• Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft
• Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport
• Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit
• Verband der Wirtschaft Thüringens e. V.
• Deutscher Gewerkschaftsbund Bezirk Hessen-Thüringen
• Arbeitsgemeinschaft der Thüringer Industrie- und Handelskammern
• Arbeitsgemeinschaft der Thüringer Handwerkskammern

21.09.2015

Wegweiser

Aktionen

Thueringen Monitor Klein www.bildungsfreistellung.de Thueringer Kampagne Wir sind Energie-Gewinner.

Serviceportal – Bürger

Services im Zuständigkeitsfinder suchen

Serviceportal – Unternehmen

Services im Zuständigkeitsfinder suchen

Serviceportal – Weitere

Services im Zuständigkeitsfinder suchen

Servicebereich

Publikationen