04.07.2019
Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft

Medieninformation

04.07.2019

Tiefensee: Umbruch in der Autobranche aktiv gestalten

„Branchentag Automotive 2019“: Wirtschaftsminister für Technologieoffenheit bei neuen Antriebstechnologien / Ablösung des Verbrennungsmotors nicht vor Mitte der 2030er Jahre zu erwarten – Übergangsphase für Strukturanpassungen nutzen

Klassische Verbrennungsmotoren werden in der Automobilindustrie noch bis mindestens Mitte der 2030er Jahre eine Rolle spielen – zunehmend allerdings in Form von Hybridantrieben. Darauf hat Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee heute auf dem „Branchentag Automotive 2019“ des Thüringer Automobilclusters „automotive thüringen“ verwiesen. „Diese Übergangsphase muss die Zulieferindustrie nutzen, um auf neue Antriebstechnologien umzustellen oder ganz neue Geschäftsfelder zu erschließen.“ Das Land könne diesen Prozess flankieren, die Unterstützung reiche von der Investitions-, Forschungs- und Qualifizierungsförderung bis hin zu Beratungsangeboten, etwa über das Innovationszentrum Mobilität in Ilmenau oder die Kompetenzzentren zur Digitalisierung in Ilmenau und Erfurt.

Insgesamt stehe die Thüringer Zulieferindustrie in einem „knallharten weltweiten Wettbewerb“. „Die Wachstumsmärkte der Branche liegen in Asien und Amerika, deshalb wird erwartet, dass die Unternehmen auch an den dortigen Produktionsstandorten präsent sind“, sagte der Minister. Der laufende Strukturwandel und die Unsicherheit über die weitere technologische Entwicklung verschärfe die Situation zusätzlich. Klar sei nur: „Mittelfristig werden die bisherigen Verbrennungsmotoren vollständig durch alternative Antriebstechnologien ersetzt“, so Tiefensee weiter. Aber auch wenn der Elektromobilität hier derzeit die größten Potentiale zugesprochen werden, plädiere er weiter grundsätzlich für Technologieoffenheit: „Der internationale Vergleich zeigt, dass verschiedene Länder ganz unterschiedlich auf die neuen Herausforderungen reagieren.“ So setze China etwa auf Elektroantriebe, Japan und Kalifornien dagegen auf die Wasserstofftechnik. Elektromobilität werde vor allem in Pkw, Wasserstoff in Nutzfahrzeugen eingesetzt. „Ich denke, beide Antriebstechnologien haben ihre Berechtigung und werden sich zumindest in bestimmten Bereichen auch durchsetzen.“

Thüringen baut derzeit seine Batteriekompetenzen von der Produktion bis zur Forschung aus – von der Ansiedlung eines großen chinesischen Batteriezellenherstellers über den künftigen „Technologiecampus Batteriefertigung“ am Erfurter Kreuz bis hin zum Fraunhofer-Institut für Keramische Systeme und Technologien (IKTS) in Hermsdorf oder dem Zentrum für Energie- und Umweltchemie (CEEC) an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Zugleich ist das Land unter Führung der Bauhaus-Universität Weimar und Firmen wie der KUMATEC Sondermaschinenbau & Kunststoffverarbeitung GmbH an der von Bund und Land mit 7,7 Millionen Euro geförderten Wasserstoff-Initiative H2-Well beteiligt. H2-Well zielt darauf ab, innovative Systemlösungen für Gewinnung, Transport und Speicherung von Wasserstoff zu entwickeln.

Trotz des voranschreitenden Transformationsprozesses könne Thüringen grundsätzlich mit einem weiteren Beschäftigungsaufbau in der Automobilindustrie rechnen, sagte der Wirtschaftsminister mit Blick auf eine vom Land beauftragte und im vergangenen Jahr vorgestellte Studie des Chemnitz Automotive Institute (CATI) zu „Möglichkeiten der Zukunftssicherung für die Automobilzulieferindustrie in Thüringen“. „Die Thüringer Kfz-Branche kann vom Umbruch profitieren, wenn Industrie und Politik sich rechtzeitig auf die Veränderungen einstellen und jetzt gemeinsam die Weichen stellen“, so Tiefensee. Dazu hat das Ministerium gemeinsam mit Wirtschaft, Gewerkschaften und Unternehmerverbänden eine „Automotive Agenda Thüringen“ vorgelegt, die die Handlungsfelder und erste konkrete Maßnahmen beschreibt.

In seiner Studie hat das CATI die spezielle Situation der Thüringer Automobilbranche vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen und Trends analysiert. Die Analyse wertet Daten von 172 Zulieferunterneh­men mit ca. 40.000 Beschäftigten aus. Ausgehend davon stellt das CATI der Automobilwirtschaft im Freistaat eine positive Entwicklungsprognose aus. Bis zum Jahr 2030 könnten mit der Entstehung neuer Märkte, Produkte und Pro­zesse bis zu 5.000 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen – ein Plus von gut zwölf Prozent. Dem stehen im selben Zeit­horizont mögliche Arbeitsplatz­risiken von knapp 4.000 Jobs (-9,8 Prozent) gegenüber. „Die Chancen des Strukturwandels überwiegen tendenziell die Risiken“, sagte Tiefensee. „Das ist erst einmal eine gute Nachricht für die Automobil­branche in Thüringen.“

Allerdings: Gerade im Produktbereich „Antrieb/Fahrwerk“, der die Thüringer Fahrzeugbranche mit 35 Prozent der Unternehmen und 48 Prozent der Be­schäftigten dominiert, sind die Risiken am größten: Bis zu 15 Prozent der Arbeitsplätze könnten hier aufgrund des Strukturwandels wegfallen, lediglich 4,3 Prozent neu entstehen. Andererseits überwiegen in den übrigen drei Pro­duktbereichen der Fahrzeugindustrie – „Karosserie/Exterieur“, „Interieur“ und „Elektrik/Elektronik“ – die Chancen deutlich, am deutlichsten im Bereich „Elektrik/Elektronik“, in dem einem Wegfall von 3,1 Prozent der Arbeitsplätze ein Beschäftigungsaufbau von mehr als 30 Prozent gegenüberstehen könnte.

Um die Chancen zu nutzen und die potentiellen Risiken zu minimieren, hat das Land bereits im vergangenen Jahr die „Automobile Agenda Thüringen“ vorgelegt. Diese beschreibt, ausgehend von der CATI-Studie und dem dort beschriebenen Handlungsbedarf, acht wichtige Handlungsfelder für Wirtschaft und Politik in Thüringen und erste konkrete Maßnahmen. Dazu zählen Themen wie eine verstärkte Investorenakquise in automobilen Wachstumsfeldern (z.B. Elektromobilität, Batterie, Leichtbau etc.), die Stärkung vorhandener Forschungs- und Branchencluster, die Unterstützung innovativer Forschungsprojekte (z.B. im Leichtbau am Thüringer Innovationszentrum Mobilität), die Fachkräftegewinnung oder ein regelmäßiges Branchenmonitoring.

Ein weiterer wichtiger Ansatzpunkt ist aus Sicht des Wirtschaftsministers eine stärkere Zusammenarbeit der vielen kleinen und mittelständischen Unterneh­men in Thüringen. Auch darauf wolle man mit der „Automotive Agenda Thü­ringen“ hinwirken. „Die Zukunft für die Thüringer Branche liegt in einer regel­mäßigen, projektbezogenen Kooperation“, sagte Tiefensee. Nur durch eine kooperative und damit höhere Wertschöpfung werde es der Branche gelin­gen, ausreichend Innovations- und Investitionskraft zu entfalten, um die an­stehenden Umbrüche zu bewältigen. Das Land unterstütze diese Bemühun­gen schon heute beispielsweise durch die Förderung der Verbundforschung und die Schaffung digitaler Plattformen.

 

Stephan Krauß
Pressesprecher, Referatsleiter

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