08.04.2019
Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft

Medieninformation

08.04.2019

Wissenschaftsminister Tiefensee übergibt 24. Thüringer Forschungspreis

Tiefensee: Forscher überzeugen mit nachhaltigen Lösungen für zukünftige Generationen

Wissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena, des Fraunhofer-Instituts für Keramische Technologien und Systeme (IKTS) und des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (IPHT) erhalten den Thüringer Forschungspreis 2019 und ein Preisgeld in Höhe von insgesamt 50.000 Euro. „Unsere Hochschulen und Forschungseinrichtungen arbeiten in den verschiedensten Bereichen mit an der Welt von morgen. Das spiegeln auch die herausragenden Arbeiten der Preisträger aus der Ökologie, Rohstoffgewinnung oder Medizin.“, betonte Wissenschaftsminister Wolfgang Tiefensee im Rahmen der Preisverleihung.

„Trotz unterschiedlicher Bereiche eint die Siegerprojekte das Bestreben, nachhaltige Lösungen für zukünftige Generationen aufzuzeigen“, so Tiefensee weiter. Sie bieten Antworten auf die Herausforderungen unserer Gesellschaft – von den großen ökologischen Fragen der Nutzung von Land oder Rohstoffen bis hin zu nachhaltigen Bekämpfung von Krankheiten.“

„Für die Förderung von Wissenschaft, Forschung und Technologie sowie zur Finanzierung der Hochschulen hat der Freistaat Thüringen allein im vergangenen Jahr mehr als 560 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Das Geld ist gut angelegt, denn die hohe Qualität der geleisteten Forschung haben auch in diesem Jahr alle Vorschläge unter Beweis gestellt. Der Forschungspreis würdigt sie alle.“

Insgesamt konkurrierten neun Thüringer Forscherteams und Wissenschaftler um die Gunst der Jury – drei im Bereich der Grundlagenforschung, sechs in der angewandten Forschung. Der Preis für die angewandte Forschung wird in diesem Jahr geteilt und geht an zwei Projekte.
 

Grundlagenforschung:

Der Forschungspreis im Bereich der Grundlagenforschung und ein Preisgeld in Höhe von 25.000 Euro gehen an Prof. Dr. Ulrich Brose von der Friedrich-Schiller-Universität Jena/Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig für seine Forschungsarbeiten zum Thema „Konsequenzen von Landnutzungsänderungen für die Biodiversität und Funktionalität von komplexen ökologischen Lebensgemeinschaften“.  

Die Ökosysteme der Erde befinden sich in einem stetigen Wandel. Ändern sich die Ökosysteme, hat das Auswirkungen auf die Biodiversität, also die im System lebenden Arten. Welche genauen Folgen dieser Systemwandel auf die Biodiversität und ihre Funktionsfähigkeit hat, galt bisher als schwer prognostizierbar. Mithilfe neuartiger Methoden stellt Professor Dr. Ulrich Brose von der FSU Jena in seiner Arbeit dar, welche Konsequenzen der Wandel des Regenwaldes in Ölpalmenplantagen hat: Die Landnutzungsänderung führt nicht nur zu einem hohen Verlust an Arten, sondern auch von wichtigen Ökosystemfunktionen. Damit konnte er zeigen, dass sogar für die komplexesten Ökosysteme der Erde relativ simple Risikoabschätzungen erstellt werden können. Die Erkenntnisse ermöglichen ein fundiertes Management der Natur, um Ökosysteme mit ausreichender Biodiversität und Funktionalität auch für zukünftige Generationen zu gewährleisten.

 

Angewandte Forschung I:

Ein Forschungspreis im Bereich der angewandten Forschung und ein Preisgeld in Höhe von 12.500 Euro gehen an Prof. Dr. Michael Stelter,

Dr. Roland Weidl, Dr. Matthias Schulz, Dipl.-Ing. Heidi Dohndorf, M. Sc. Martin Hofacker, Dipl.-Ing. Benjamin Schüßler, Dipl.-Ing. (FH) Lutz Kiesel vom Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme IKTS  für ihre Forschung zu „Natrium-Nickel-Chlorid-Batterien für die effiziente stationäre Stromspeicherung“.

Im Zuge der Energiewende gewinnen regenerative Energiequellen wie Photovoltaik  und Windkraft immer mehr an Bedeutung. Damit auch dann Strom zur Verfügung steht, wenn die Sonne nicht scheint oder das Windrad stillsteht, muss Energie zuverlässig gespeichert werden. Das Team des Fraunhofer-IKTS hat dafür eine keramische Natrium-Nickel-Chlorid-Batterie entwickelt, die nicht nur kostengünstig hergestellt werden kann, sondern auch vollständig aus unkritischen, einheimischen Rohstoffen besteht: die Batterien speichern Strom in Kochsalz, einer quasi unendlich verfügbaren Ressource. Wichtigster Bestandteil der Batterie ist ein einseitig verschlossenes Rohr aus einer natriumionenleitfähigen Keramik – der Festkörperelektrolyt. Ergebnis ist eine überaus sichere, energieeffiziente Batterie, die ohne Bedenken im Haushalt installiert werden kann. Das macht sie zu einer ernst zu nehmenden Alternative zur Lithium-Ionen Batterie.

 

Angewandte Forschung II:

Ein weiterer  Preis für angewandte Forschung und ein Preisgeld von 12.500 Euro gehen an Prof. Dr. Jürgen Popp, Prof. Dr. Ute Neugebauer, Prof. Dr. Michael Bauer, Prof. Dr. med. Bettina Löffler, Dr. Uwe Hübner, Dipl.-Ing. Peter Horbert vom Leibniz Institut für Photonische Technologien (IPHT), der Friedrich-Schiller-Universität Jena und dem Universitätsklinikum Jena (UKJ) für ihre Forschung zu „RAMANBIOASSAY™: Revolution in der Antibiotika-Verordnung“.

Schwere Infektionen, die zu einer lebensbedrohlichen Sepsis führen können, werden oft zunächst blind behandelt – mit Breitband-Antibiotika. Denn es fehlt an geeigneten schnellen Verfahren für die Diagnose. Die Folge: Immer mehr Bakterien entwickeln Resistenzen, und gängige Antibiotika werden wirkungslos. Das Team des Leibniz-IPHT, der FSU Jena und des UKJ  hat mit dem RAMANBIOASSAYTM eine Lösung vorgelegt, die die Infektionsdiagnostik weltweit entscheidend voranbringen kann: einen laserbasierten Schnelltest, mithilfe dessen Infektionen rasch und zielgenau therapiert werden können. Der RAMANBIOASSAYTM diagnostiziert Bakterien und deren potentielle Antibiotikaresistenz in drei Stunden, also fast acht Mal so schnell wie mit mikrobiologischen Verfahren. Der Test ist schnell, kostengünstig und universell einsetzbar: ein Chip, der funktioniert wie ein Labor. Aus wenigen Tropfen einer Patientenprobe können Ärzte mittels eines lichtbasierten Verfahrens die entscheidenden Informationen auslesen. Die zeitaufwendige Kultivierung entfällt.

Über den Forschungspreis

Mit dem Thüringer Forschungspreis ehrt das Land Thüringen seit 1995 einmal im Jahr Spitzenleistungen in der Forschung an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen des Landes. Ausgezeich­net werden Arbeiten der Grund­lagen- und der angewandten For­schung und mit einem Preisgeld von insgesamt 50.000 Euro sowie dem Forschungspreis-Award prämiert. Über die Ver­gabe entscheidet eine Jury aus erfahrenen Wissenschaft­lern aus ganz Deutschland. Mehr als  240 Forscherinnen und Forscher – oft in Forscherteams – wurden seit 1995 geehrt.

www.thueringer-forschungspreis.de

 

Peggy Hoy
Stellvertretende Pressesprecherin

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