19.09.2016
Thüringer Oberlandesgericht

Medieninformation des Landgerichts Gera

Medieninformation des Landgerichts Gera zum Hauptverhandlungstermin am 15.09.2016

In dem Strafverfahren wegen Totschlags, sexuellem Missbrauch von Kindern, Misshandlung von Schutzbefohlenen und unterlassener Hilfeleistung vor der 4. Strafkammer, Az.: 110 Js 29175/14 4 Ks, (Tatort Jena) ist von der 4. Strafkammer heute das Urteil gesprochen worden.

Der 25-jährige Angeklagte wurde wegen Körperverletzung mit Todesfolge in Tateinheit mit schwerem sexuellem Missbrauch von Kindern und wegen zwei weiterer Fälle des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 11 Jahren und 9 Monaten verurteilt.

Die 23-jährige Mitangeklagte wurde wegen Körperverletzung durch Unterlassen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Im Übrigen wurde sie freigesprochen. Im Rahmen der dreijährigen Bewährungszeit wurde ihr u.a. zur Auflage gemacht, 300 Stunden gemeinnützige Arbeit zu leisten.

Die 51-jährige weitere Mitangeklagte wurde ebenfalls wegen Körperverletzung durch Unterlassen zu einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu je 25,00 Euro verurteilt.

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft hatte beantragt, den 25-jährigen Angeklagten zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 9 Jahren und 6 Monaten zu verurteilen. Für die 23-jährige Angeklagte hatte der Vertreter der Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von 9 Monaten und für die 51-jährige Angeklagte eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen beantragt.

Die Vertreter der als Nebenkläger auftretenden Eltern des getöteten Kindes hatten für den Angeklagten eine Verurteilung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 11 Jahren und für die weiblichen Angeklagten zu Freiheitsstrafen von 1 Jahr und 2 Monaten (bezüglich der 23-Jährigen) sowie von 8 Monaten (bezüglich der 51-Jährigen) gefordert.

Die Verteidigung des Angeklagten hatte wegen des Tatvorwurfs der Körperverletzung mit Todesfolge eine Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von 5 Jahren sowie dessen Unterbringung in einer Entziehungsanstalt, bezüglich des Vorwurfs des sexuellen Missbrauchs einen Freispruch beantragt.

Die Verteidiger der beiden weiblichen Angeklagten hatten jeweils Freispruch für diese gefordert.

Im Ergebnis der Hauptverhandlung stand zur Überzeugung der Kammer fest, dass der 25-jährige Angeklagte am 03.09.2014 derart mit Gewalt auf das zum Tatzeitpunkt 9-jährige Kind eingewirkt hat, dass es an den Folgen der Verletzungen am darauffolgenden Tag gestorben ist. Einen Tötungsvorsatz schloss die Kammer aus. Die Kammer ging im Ergebnis der Beweisaufnahme außerdem davon aus, dass der 25-jährige Angeklagte das Kind im Vorfeld des 03.09.2014 zweimal und im Laufe dieses Tages einmal sexuell missbraucht hat. Eine alkoholbedingte Enthemmung oder eine Vermindung der Schuldfähigkeit des Angeklagten schloss die Kammer ebenfalls aus.

Hinsichtlich der beiden weiblichen Mitangeklagten war die Kammer der Überzeugung, dass diese von den mehrfachen körperlichen Misshandlungen des Kindes durch den 25-jährigen Angeklagten Kenntnis hatten und trotz der Übernahme der Sorge für das Kind weitere derartige Handlungen des Angeklagten zugelassen haben.

Bei der Strafzumessung berücksichtigte die Kammer bei dem 25-jährigen Angeklagten zu dessen Gunsten seine zum Teil geständigen Einlassungen sowie seine persönlichen Verhältnisse. Zu seinen Lasten sprachen seine Vorstrafen wegen Körperverletzungsdelikten und, dass er die Taten unter laufender Bewährung beging. Als strafschärfend berücksichtigte die Kammer außerdem die schweren Verletzungen des Kindes, die hohe Intensität der Sexualdelikte und das rücksichtslose Vorgehen des Angeklagten. Bei allen Angeklagten wirkte sich die lange Prozessdauer strafmildernd aus. Zu Gunsten der 51-jährigen Angeklagten berücksichtigte die Kammer den Umstand, dass diese im Ermittlungsverfahren zur Sachaufklärung beigetragen und den Eindruck vermittelt hat, unter den Folgen der Tat zu leiden. Zu Lasten der 23-jährigen Mitangeklagten wurde u.a. berücksichtigt, dass diese die Taten des Angeklagten unmittelbar miterlebt hat und nicht eingeschritten ist.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig.


Hollandmoritz
Richterin am Landgericht
als Vertreterin der Mediensprecherin

Wegweiser

Aktionen

Thueringen Monitor Klein Bildband Heimat Bimf www.bildungsfreistellung.de Thueringer Kampagne Wir sind Energie-Gewinner.

Serviceportal – Bürger

Services im Zuständigkeitsfinder suchen

Serviceportal – Unternehmen

Services im Zuständigkeitsfinder suchen

Serviceportal – Weitere

Services im Zuständigkeitsfinder suchen

Servicebereich

Publikationen