Die Justizvollzugsanstalt Untermaßfeld - Chronik

Chronik der JVA Untermaßfeld

Die heutige Justizvollzugsanstalt Untermaßfeld, deren Ursprung in die Zeit um 1150 – 1200 fällt, war früher eine Wasserburg. Sie diente den Grafen von Henneberg als Hofhaltung und war später als Feste und Residenz ein sicherer Zufluchtsort für Verfolgte. Minnesänger Wolfram von Eschenbach wurde in der Feste Maßfeld zum Ritter geschlagen. Die Burg, mit ihren sieben Türmen, wurde im Dreißigjährigen Krieg mehrmals umlagert und war sehr zerschossen. Ende des 17. Jahrhunderts erfolgte deshalb die Demolation (der Abriss) der gesamten Außenwerke und die Einebnung des äußeren Wassergrabens. Bis dahin war die Burg nur über Zugbrücken erreichbar. Um 1800 wurde sie zum Schloss und Lustsitz von Herzog Georg II. ausgebaut. Johann Friedrich Wilhelm Motz, der Verfasser der Geschichte von Dorf, Schloß und Amt Maßfeld, bemerkte 1810 dazu:

"Gefängnisse findet man überall im hiesigen Schlosse, diente es doch schon in frühen Zeiten als Gefängnis für aufsässige Ritter und im 16. Jahrhundert als Kerker für die hier auf dem Eichicht (dem späteren "Hexenberg") verbrannten Frauen und Männer."  Im Jahre 1813 wurde dann im Palas des Untermaßfelder Schlosses die "Arbeits – u. Zuchthausanstalt zu Maßfeld" eingerichtet.

Ihre Durchlaucht, Frau Herzogin Louise Eleonore, gab in einer "Bekanntmachung vom 10 ten November 1812" gnädigst das genehmigte Reglement zur Einrichtung der „Arbeits – u. Zuchthausanstalt zu Maßfeld“ bekannt:

"Am 17. Juli 1813 wurde nun die Anstalt eröffnet und belegt".

Der damalige Dorfpfarrer Motz hielt 1813 den ersten Gottesdienst im Zuchthaus. 1822 saßen 22 Zuchthaussträflinge ein. Bereits 1823 war der Schullehrer von Untermaßfeld, Johann Adam Göpfert, gleichzeitig in der Anstalt tätig. Am 01. Juli 1831 wurde das Zucht – u. Arbeitshaus Hildburghausen mit der Untermaßfelder Anstalt vereinigt. Gleichzeitig kam es zur Umbenennung in "Herzogliche Straf – u. Besserungsanstalt".

Erster Direktor der Straf – u. Besserungsanstalt wurde der Generaladjutant des Herzogs, Oberstleutnant von Speßhardt, der gleichzeitig damit zum Oberst befördert wurde.

Er war außerdem Direktor des Hospitals in Grimmenthal. Bis 1829 war im Schloss der Sitz des Maßfelder Amtes. 1833 wurde die erste Hausordnung eingeführt. Es war dies in Deutschland der erste praktische Versuch eines Stufenvollzuges, der erst fast 100 Jahre später in Deutschland wirklich eingeführt wurde. In den folgenden Jahren diente Untermaßfeld als Männer – u. Weiberzuchthaus und Gefängnis. Die Gefangenen, deren Zahl in der Folge immer mehr zunahm, wurden in den folgenden Jahren mit verschiedenen Arbeiten beschäftigt. So gab es eine Schmiede, Weberei, Schreinerei, Sattlerei, Uhrmacherei, Buchbinderei, Kupferdruckerei, Maschinenspinnerei, Illuminieren von Landkarten u.s.w. bis zum Ausbau von Chaussee – Straßen in der Umgebung der Anstalt. 1855 begann die Bremer Firma Wendt mit der Zigarrenherstellung. Ab 1833 gab es in der Anstalt auch eine eigene Apotheke. 1845 wurde die anstaltseigene Landwirtschaft erstmals erwähnt. Kam in früheren Jahren fast regelmäßig die Prügelstrafe zur Anwendung, vor allem zum "Willkommen" und zum "Abschied" , so ordnete 1873 Herzog Georg II. den völligen Verzicht auf Körperstrafen an, was zu damaliger Zeit in Deutschland einmalig und unglaublich war. Zwischen 1877 und 1890 wurde die Anstalt durch mehrere Baumaßnahmen erweitert bzw. ausgebaut, so dass sie danach über 357 Zellen verfügte. Auf Anweisung von Herzog Georg II. im Jahre 1893, waren die Gefangenen nur noch mit "Sie" anzureden. Untermaßfeld war damals das einzige Zuchthaus in Deutschland, in dem die Gefangenen mit "Sie" angeredet werden mussten. Im Jahre 1900 pachtete die Zuchthausverwaltung das Domänengut, den Südteil des Schlosses. Der Hofstadel wurde 1908 landesfiskalisch und damit Bestandteil des Männerzuchthauses. Die Landwirtschaft konnte damit weiter ausgebaut werden. Sie umfasste 24 Rinder, 34 Schweine, Pferde-, Fohlen-, Kälber- und Bullenhaltung.

1909 erhielt die Anstalt elektrisches Licht aus dem benachbarten Kraftwerk Grimmenthal. 1918 hatte sie eine Belegungsfähigkeit von 320 Plätzen. Am 21.12.1922 wurde mit der am 28. Oktober 1922 erlassenen Haus – u. Vollzugsordnung (HuVO) in der "Thüringischen Landesstrafanstalt Untermaßfeld" der bereits vor ca. 100 Jahren hier kurzzeitig praktizierte Stufenvollzug, das sogenannte Progressivsystem, unter weltweiter Beachtung eingeführt. Initiator war der Jurist Lothar Frede, der als Ministerialdirigent für das Justizwesen von Thüringen zuständig war. Die Gefangenen wurden in 3 Stufen -  Beobachtungsstufe, Behandlungsstufe und Bewährungsstufe - eingeteilt. Dieser Reformversuch von Untermaßfeld war zu seiner Zeit ein solches Novum in der Praxis des deutschen Strafvollzuges, dass man geradezu von einem "Phänomen Untermaßfeld" sprach. Die Strafanstalt Untermaßfeld wurde allgemein als Vorbild für einen progressiven, nicht auf Vergeltung, sondern auf Resozialisierung der Gefangenen abzielenden Strafvollzug angesehen. Unter den Direktoren Otto Krebs (von 1923 – 1928) und Dr. Albert Krebs (von 1928 – 1933) gelangte der Resozialisierungsgedanke zur vollen Blüte. Das für die Geschichte der Strafvollzugsreformen in Deutschland sehr bedeutsame Modell brachte bleibende Impulse für den Erziehungs – u. Behandlungsvollzug der Gegenwart und der Zukunft.

"Unter Fredes Leitung wurde Thüringen rasch zu einem Zentrum der Gefängnisreform in Deutschland, mit Untermaßfeld als seinem Vorzeigestück." (N. Wachsmann in "Gefangen unter Hitler") In diese Zeit fielen viele Neuerungen im Vollzug, so die Gründung eines Gefangenenchores, Streich- u. Blasorchesters, die Einrichtung eines Sporthofes, Bildung von Sportgruppen, einer Handballmannschaft, Gründung der Theatergruppe u.s.w.. Eine eigene Gesellschaft für Werkarbeit wurde gegründet, welche die eigenen Produkte verkaufte und so Gewinne erwirtschaftete, die den Gefangenen wieder zugute kamen.

Durch erfolgreiche Abschlüsse einiger Lehrverhältnisse wurden in Untermaßfeld erste Versuche zur Ausbildung von Gefangenen in einem Zuchthaus gemacht. Die monatliche Abrechnung der Arbeits – u- Fleißbelohnungen an die Gefangenen erfolgte erstmals in Form eines Lohnstreifens. Der Gefangene bekam zur Entlohnung Anstaltsgeld ausgezahlt, womit er in einer neu eingerichteten anstaltseigenen Kantine einkaufen konnte. Im Mai 1925 richtete der Direktor im Haus 12 ein "Orts – und Schlossmuseum" ein.

Am 29.07.1928 erschien dann die 1. Gefangenenzeitung Deutschlands "Die Brücke" im Zuchthaus Untermaßfeld.  Das Motto: "Die Brücke der Strafanstalt Untermaßfeld dient dem Gedankenaustausch von Gefangenen und Freien" kennzeichnete das Ziel. Bis 1933 wurde das Blatt in 22 Ausgaben aufgelegt und auch an Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens versandt. Der neue Erziehungsvollzug brachte nicht nur für die Gefangenen, sondern auch für die Beamten Veränderungen. Es wurde für alle Aufsichtsbeamten eine Aus – u. Fortbildung eingeführt. 20 Wochen im Jahr fand einmal wöchentlich Unterricht in einem Fach unter Anleitung eines Beamten des höheren Dienstes statt. In den Fächern Erdkunde, Geschichte, Staatsbürgerkunde, Erziehungswesen, Gefängniskunde, Verbrechenslehre, Rechtsbrecher und Beurteilung, Gesundheitspflege, Strafwesen, DSVollz, Schriftverkehr, Arbeitswesen, Hauswirtschaft und Kassenwesen wurden die Beamten geschult.

1931 wurde in der Landesstrafanstalt Untermaßfeld eine von Gefangenen betreute Wetterstation in Betrieb genommen, was damals in Deutschland einmalig war. Im Jahre 1933, nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten, fand das Reformprojekt in Untermaßfeld ein jähes Ende. Die Anstalt wurde mehr und mehr zum Rüstungsbetrieb. Es wurden z. Bsp. Munitionsschachteln und Taschenlampen für die Wehrmacht hergestellt. Das Leben in der Anstalt wurde für die Gefangenen immer unerträglicher. Die Gefangenenzahlen stiegen rapide an. Fast alle Beamten wurden Mitglied der NSDAP oder einer ihrer Gliederungen.

1936 bis 1938 wurde das Zuchthaus erneut ausgebaut. Gegen Ende des Krieges waren ca. 1500 Gefangene in Untermaßfeld eingesperrt. Am 02. April 1945, gegen 10.30 Uhr, war die Stunde der Befreiung gekommen. Amerikanische Truppen der 511. Abteilung der 11. US – Panzerdivision, drangen in Untermaßfeld ein und öffneten die Tore des Zuchthauses. Erster offizieller Direktor nach der Befreiung wurde Oberstaatsanwalt Dr. Benkert.  Anfang Februar 1950 wurden 1229 Opfer der sowjetischen Militärjustiz nach Untermaßfeld eingeliefert. Es waren größtenteils Jugendliche die das sowjetische Speziallager Sachsenhausen überlebt hatten. Viele von ihnen starben in den folgenden Jahren in Untermaßfeld an Tuberkulose. 

Am 01. April 1950 wurde der Strafvollzug dem Ministerium des Innern in der damaligen DDR unterstellt. Zur gleichen Zeit wurde Polizeirat Leppert Leiter der Strafvollzugsanstalt (StVA). Das Leben im Vollzug wurde immer mehr politisiert. In den 50 er Jahren wurden die Gefangenen in der StVA hauptsächlich mit der Produktion von Küchenmöbeln, Metallspielzeug, Essbesteck, Kartonagen und Uhrenherstellung beschäftigt. 1955 saßen ca. 1200 Gefangene in Untermaßfeld ein.
Am 15.06.1960 begann ein Außenkommando von 70 Strafgefangenen der StVA Untermaßfeld mit dem Bau der Skisprungschanze in Oberhof. Dies war der Auftakt, um in den folgenden Jahren verstärkt viele wichtige gesellschaftliche Bauten im damaligen Bezirk Suhl, mit Gefangene errichten zu lassen, wie z. Bsp.: Bau der Ohra – Talsperre Luisenthal, Bau der Schießsportanlage Suhl – Friedberg und der Bau der Bob – u. Rodelbahn Oberhof, um nur einige herausragende zu nennen. Ende 1962 wurden die bestehenden Untersuchungshaftanstalten in den Kreisen aufgelöst. Gleichzeitig wurde auf dem Territorium der StVA Untermaßfeld eine Untersuchungshaftanstalt eingerichtet, die ab 01.01.1963 in Betrieb ging. Am 14.02.1974 wurde der StVA Untermaßfeld als Anerkennung für hervorragende Leistungen bei der Erhöhung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit, zum Schutz der Deutschen Demokratischen Republik , das "Ehrenzeichen der Deutschen Volkspolizei", die höchste Auszeichnung im MDI, verliehen. 1975, am 1. Mai, wurde das Standortkommando Schmalkalden, eine Außenstelle der StVE Untermaßfeld, eröffnet.

Freitag, 16. April 1982 – Großbrand in der StVE Untermaßfeld. Der Glockenturm, das Obergeschoss des Palas und der Rittersaal, wurden zerstört. Dank der umsichtigen Arbeitsweise der Bediensteten kam kein einziger Gefangener zu Schaden. Am 24.08.1989 war die StVE Untermaßfeld mit 371 Strafgefangenen und 113 Untersuchungsgefangenen, wovon 17 weibliche Gefangene waren, belegt.

09. November 1989 – Die Wende

Die DDR öffnete auf "Druck der Bevölkerung" die Grenzen zur BRD. Dies hatte in der Folge weitreichende Konsequenzen für einige Mitarbeiter in der StVE. Bis Ende 1991 wurden wegen zu "starker Regimnähe" viele Genossen entlassen. Manche gingen außerdem auf eigenen Wunsch. Im Zuge des Umbruchs, kam es unter den verbleibenden Mitarbeitern zu Rechtsunsicherheit und oft auch zu Verständnislosigkeit für die "neuen Methoden". Aufgrund einer Amnestie für politische Gefangene im Oktober 1990 ging die Belegung schrittweise von 364 Gefangenen im September auf 51 Gefangene Ende Dezember zurück.

Erster "neuer Chef nach der Wende" wurde ab 01. Oktober 1991 Bernd Schwämmlein. Mit ihm begann schrittweise der intensive Umbau der veralteten Strafanstalt zu einer modernen Justizvollzugsanstalt.

Zwischen 1992 und 1995 wurden eine neue Heizungsanlage und eine neue Sicherheitszentrale eingebaut. Die Gefangenenküche wurde erneuert und modern aufgebaut. Das Hafthaus 5 wurde komplett entkernt und nach modernsten Gesichtspunkten rekonstruiert. Die Freistundenhöfe werden hergerichtet und mit Volleyballplatz, Freiluftschachanlage und Tischtennisplatten ausgerüstet.

1997 wurde im Ort bekannt, dass eine neue sechs Meter hohe Anstaltsmauer gebaut werden sollte, um die Sicherheit der JVA den Standards anzupassen. Das löste unter der Bevölkerung des Ortes eine Welle des Protestes aus. In der Folge kam es im Thüringer Justizministerium zu Überlegungen, die JVA Untermaßfeld zu schließen und eine neue JVA im Osten Thüringens zu bauen. 1999 wurde das durch die eigene Bauverwaltung mit Gefangenen rekonstruierte Hafthaus 4 wieder in Betrieb genommen.

Am 01.Juli 1999 trat Volker Olfen seine Stelle als neuer Anstaltsleiter der JVA Untermaßfeld an. Im Jahre  2003, beim Besuch der Strafvollzugskommission des Landtages in Untermaßfeld, erklärte deren Ausschussvorsitzende: "Die JVA Untermaßfeld steht nicht zur Disposition. Die angedachte Schließung ist komplett vom Tisch." 

Im August 2003, vom 25.08. - 31.08.03, beging die JVA Untermaßfeld gemeinsam mit der Gemeinde und dem Umfeld ihr 190 – jähriges Jubiläum mit einer Festwoche. In den folgenden Jahren wurde die JVA durch vielfältige Umbau – und Rekonstruktionsmaßnahmen weiter modernisiert. Im Dezember 2005 wurde die neue Anstaltsmauer fertiggestellt und offiziell übergeben. Im Bereich der Karl – Marx – Straße wird in den Jahren 2009 / 2010 ein durchsichtiger Makralon - Zaun errichtet, wodurch die neue Außenumwehrung vervollständigt wird.
 

Herausgegeben von Vollzugsdienstleiter Uwe Bornkessel, mit freundlicher Genehmigung und Unterstützung
der Staatsarchive Meiningen und Weimar, dem Kreisarchiv Meiningen und Privatpersonen

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