Islamismus und islamistischer Terrorismus

Abbildung: Islamist, Quelle: TLfV-Archiv

Personenpotenzial

Das von den deutschen Sicherheitsbehörden identifizierte islamistisch-terroristische Personenpotenzial beläuft sich derzeit auf rund 2240 Personen. (Stand: Oktober 2018)

 

 

Eine weitere herausragende Bedrohung für die Innere Sicherheit Deutschlands ist der Islamismus, insbesondere in seiner gewaltbereiten terroristischen Ausprägung. Unter Islamismus versteht man eine - in sich heterogene – politisch ideologisierte Form des Islam. Diese Form des politischen Extremismus wird von einer Minderheit der Muslime getragen und ist damit deutlich von der Religion des Islam abzugrenzen. Islamisten fordern unter Berufung auf den ursprünglichen, vermeintlich unverfälschten Islam des 7. nachchristlichen Jahrhunderts die "Wiederherstellung" einer "islamischen Ordnung".  Diese ist nach ihrem Verständnis die einzig legitime Staats- und Gesellschaftsform, die alle anders geprägten Systeme wie beispielsweise die parlamentarische Demokratie ersetzen soll und über diesen steht. In dieser "islamischen Ordnung" sollen alle Lebensbereiche genau so gestaltet sein, wie es von Gott durch den Koran und das Vorbild des Propheten, in der so genannten Sunna, verbindlich vorgegeben sei.


Militante Islamisten, oder auch Jihadisten genannt fühlen sich dazu berufen, diese "islamische Ordnung" mit Gewalt und durch terroristische Aktionen durchzusetzen. Sie beziehen sich dabei auf die vermeintlich im Koran enthaltene Aufforderung zum "Jihad" (eigentlich: Anstrengung, innerer Kampf, auch: "heiliger Krieg"), die sie - abweichend von der gültigen Rechtsauffassung im Islam - als heilige Pflicht zum unablässigen Krieg gegen alle "Feinde" des Islam sowohl in muslimischen als auch in nichtmuslimischen Ländern ansehen. Oft unter Zuhilfenahme eines diffusen, weit gefassten Feindbildes, welches sich meist lediglich auf „den Westen“, „die Juden“ oder ganz allgemein „die Ungläubigen“ begrenzt.


Alle islamistischen Ideologien streben an, einen islamischen Staat nach ihren Vorstellungen schaffen bzw. durchzusetzen. Islamisten lassen sich nach den Methoden und Mitteln unterscheiden, mit denen sie diese Ziele erreichen wollen. Zum Einen die dem gewalttätigen "Jihad" verpflichteten, weltweit terroristisch aktiven Gruppierungen, wie beispielsweise der „Islamische Staat“ (IS) und, zum Teil eingebunden oder assoziiert mit globalen Terrororganisationen wie "Al-Qaida". Zum Anderen gibt es islamistische Organisationen, die die Gesellschafts- und Herrschaftsverhältnisse in ihren Herkunftsländern indirekt verändern wollen. Deren Mitglieder versuchen, den Kampf in ihren Heimatländern von Deutschland aus logistisch und propagandistisch zu unterstützen. Sie bilden damit auch hier eine latente Gefahr für Einrichtungen und Interessen der Herkunftsstaaten.


Eine dritte Kategorie bilden Organisationen, die unter Ausnutzung der rechtsstaatlichen Instrumentarien (=legalistisch) islamistische Positionen auch im gesellschaftlichen Leben Deutschlands durchsetzen, mindestens aber Freiräume für organisierte islamistische Betätigung in Deutschland erlangen wollen und so - desintegrativ - zur Bildung einer islamistischen Binnengesellschaft beitragen.


Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass die Auseinandersetzung mit dem Islamismus auf sehr unterschiedliche Art und Weise zu führen ist. Es soll ausdrücklich betont werden, dass nicht der Islam als Religion Gegenstand der Beobachtungen der Verfassungsschutzbehörden ist; weder der persönliche Glaube der Muslime, noch ihre religiöse Praxis, die durch das in Art. 4 Grundgesetz verbriefte Grundrecht der Religionsfreiheit als Teil der freiheitlichen demokratischen Grundordnung geschützt ist. Diese Religionsfreiheit für alle Bürgerinnen und Bürger zu erhalten und zu schützen, ist Teil des Auftrags der Verfassungsschutzbehörden.

 

Ein Schlüsselereignis in der Geschichte des islamistischen Terrorismus waren unbestritten die Anschläge vom 11. September 2001 in den Vereinigten Staaten. Die Anschläge auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington D.C. rückten die Gefahr des globalen Jihadismus brutal ins Auge der Weltöffentlichkeit. Als Reaktion auf den zum heutigen Tag verlustreichsten Anschlag des islamistischen Terrorismus wurden umfangreiche Antiterrormaßnahmen auf nationaler und internationaler Ebene initiiert.

Im Jahr 2016 kam es trotz umfangreicher Aufklärungsmaßnahmen der Sicherheitsbehörden zu mehreren terroristischen Anschlägen mit islamistischem Hintergrund in Deutschland:

26. Februar 2016: Messerattacke auf einen Bundespolizisten in Hannover (Niedersachsen)

16. April 2016: Explosion in einem Gebetshaus der Sikh-Gemeinde in Essen (Nordrhein-Westfalen)

18. Juli 2016: Beilattacke auf Mitreisende in einem Regionalzug in der Nähe von Würzburg (Bayern)

24. Juli 2016: Explosion in unmittelbarer Nähe eines Musikfestivals in Ansbach (Bayern)

19. Dezember 2016: Anschlag mit einem Lkw auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin

Der Anschlag am 19. Dezember 2016 in Berlin war mit zwölf Toten und über 50 Verletzten der bislang schwerste islamistisch motivierte Terroranschlag in Deutschland.

Alle Anschläge des Jahres 2016 in Deutschland sind dem „Islamischen Staat“ (IS) zuzurechnen.

Durch die Anschläge hat sich das Bedrohungsszenario durch den IS in Deutschland konkretisiert. Deutschland steht im Fokus des islamistischen Terrorismus. Auch zukünftig kann es jederzeit zu einem terroristischen Ereignis in Deutschland kommen.

Auch auf dem afrikanischen Kontinent ist der islamistische Terrorismus in einigen Ländern eine Bedrohung für die gesellschaftliche und politische Stabilität. Zu nennen sind vor allem die beiden Terrororganisationen Boko Haram in Nigeria, sowie die vor allem in Westafrika operierende al-Shabab-Miliz.

info Aktuelle Gefährdungslage

Cover Broschüre Bayern Broschüre "Islamismus erkennen"
Broschüre des Bayerischen Landesamtes für Verfassungsschutz, August 2018

Logo BfV Bericht des Bundesamtes für Verfassungsschutz 2017
Dieser im Juli 2018 erschienene Bericht enthält auch Informationen zum Islamismus.

Broschüre Extremistiscger Salafismus als Jugendkultur Broschüre "Extremistischer Salafismus als Jugendkultur. Sprache, Symbole und Style"" (264.8 kB)
Die Broschüre „Extremistischer Salafismus als Jugendkultur – Sprache, Symbole und Style“ informiert über den von radikalen Salafisten verwendeten Sprach-, Zeichen- und Kleidungskodex und klärt über die von ihnen verwendeten Propagandastrategien auf. PDF-Dokument ist nicht barrierefrei.

logo Die wahre Religion Bundesweite Verbote Islamistischer Organisationen

Cover der Broschüre Broschüre "Zerrbilder" zum Thema Islamismus
Neuauflage 2016 in deutsch, türkisch und arabisch

Regierungsviertel Tagung der Ausländerbeauftragten Erfurt 2018

Salafismus Broschuere Berlin Broschüre “Salafismus als politische Ideologie” (2.5 MB)
Broschüre des Verfassungsschutzes, Berlin 2015 PDF-Dokument ist nicht barrierefrei.

Broschüre Verfassungsschutz Thüringen Broschüre Islamismus (1.6 MB) PDF-Dokument ist nicht barrierefrei.

Abbildung zum Thema "Salafismus" Salafismus-Symposium 2013 in Erfurt

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