Innenminister Huber zum Gesundheitsmanagement der Thüringer Polizei

v.l.n.r.: Dr. Roland Molitor, Prof. Dr. Peter M. Huber, LMD Dr. Uwe Straubel
Dr. Roland Molitor (l.) vom Projekt Gesundheitsmanagement im Thüringer Innenministerium begleitete Innenminister Prof. Dr. Peter M. Huber bei der heutigen Besichtigung des Polizeiärztlichen Dienstes. Mit dessen Leiter, LMD Dr. Uwe Straubel (r.), stellten sie sich auch den Fragen der Journalisten zum Thema Krankenstand und eingeschränkte Diensttauglichkeit von Polizeibeamten.

"Das Innenministerium wird noch in diesem Jahr Vorschläge zur Verringerung des Krankenstands und der Zahl der eingeschränkt diensttauglichen Polizeibeamten vorlegen.“ Dies erklärte Innenminister Prof. Dr. Peter M. Huber heute im Rahmen einer Besichtigung des Polizeiärztlichen Dienstes in Erfurt. "Die Beschäftigten der Thüringer Polizei können sich darauf verlassen, dass die Landesregierung das Thema sehr ernst nimmt," betonte der Minister. "Wir wollen spürbare Verbesserungen beim Krankenstand und bei der Anzahl der eingeschränkt diensttauglichen Polizeibeamtinnen und –beamten erreichen," bekräftigte der Minister.

Im letzten Jahr lag der Krankenstand bei der Thüringer Polizei bei 8,77 Prozent. 2004 lag dieser Wert noch bei 6,23 Prozent. Eingeschränkt diensttauglich waren zum 1.4.2010 insgesamt 619 Beamte. Als konkrete Maßnahme hat das Innenministerium im April 2010 eine Steuerungsgruppe „Betriebliches Gesundheitsmanagement“ eingerichtet. Im Mai 2010 haben vier Arbeitsgruppen die fachliche Detailarbeit aufgenommen, die Mitte Juni 2010 erste Sachstandsberichte vorgelegt haben. Noch in dieser Woche werde die Steuerungsgruppe die vorgelegten Lösungsansätze beraten und Festlegungen für die weitere fachliche Arbeit treffen.

Die bisher erarbeiteten Lösungsansätze zielten zunächst auf die Anlage einer Statistik als zuverlässige Datenbasis, um die Ursachen und Auswirkungen für die 619 Fälle eingeschränkter Diensttauglichkeit zu ermitteln. Ursachen für diese 619 Einschränkungen sind unter anderem

  • in 166 Fällen Erkrankungen von Herz, Kreislauf und Lunge,
  • in 147 Fällen Erkrankungen von Nervensystem und Sinnesorganen,
  • in 121 Fällen Erkrankungen des Haltungs- und Bewegungsapparats und
  • in 73 Fällen Diabetes mellitus.

Auch wenn Diabetes nicht zu den häufigsten Krankheitsursachen zähle, habe diese Erkrankung besonders hohe Auswirkungen auf den Dienstbetrieb, erklärte der Minister. So dürften 63 Prozent der an Diabetes mellitus erkrankten Beamten keine Dienstwaffe mehr führen. Dieser Wert liege deutlich über den bei anderen Erkrankungen, schilderte Huber. Welchen (Mehrfach-)Einschränkungen im täglichen Dienst die 619 eingeschränkt diensttauglichen Beamten unterliegen, ergibt sich aus der folgenden Übersicht:

  • 449 Fälle: keine Sonder- und Wegerechte
  • 265 Fälle: kein Schichtdienst
  • 220 Fälle: kein Außendienst
  • 216 Fälle: keine Dienstwaffe, kein unmittelbarer Zwang, kein körperlicher Einsatz
  • 122 Fälle: keine Eignung zum Führen von Dienst-Kfz
Innenminister Huber im Gespräch mit MedORin Dr. Heikel Strubl.
Den Bereich Medizinische Betreuung im Polizeiärztlichen Dienst leitet MedORin Dr. Heike Strubl (l.). Auch mit ihr erörterten der Innenminister und seine Begleitung die Frage, wie die arbeitsmedizinische Vorsorge verbessert werden kann.

Ein Lösungsansatz bestehe daher in regelmäßigen arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen. Damit sollen gesundheitliche Probleme frühzeitig erkannt und Einfluss auf deren Entwicklung genommen werden. Hinsichtlich der Diabetesproblematik sei es das Ziel, die Manifestation des Diabetes zu verhindern und bei bereits bestehendem Diabetes die Notwendigkeit der Behandlung mit Insulin und anderen Medikamenten hinauszuzögern.

Um Verfahrensabläufe im Umgang mit längerfristigen Erkrankungen bzw. Wiedereingliederungen zu optimieren, wird durch die Fachleute im Innenministerium die Einrichtung von Gesundheitszirkeln auf Behördenebene empfohlen. Dabei sollen turnusmäßig Einzelfälle in einer Runde aus Betroffenen, Vorgesetzten, Personalstellen, Interessenvertretungen und eines Polizeiarztes als Sachverständigen besprochen werden.

Ein wesentlicher Bestandteil der zukünftigen Gesundheitsvorsorge wird im Dienstsport gesehen, der fortan aus den drei Grundsäulen Dienstsport, Präventionssport, Wettkampfsport bestehen soll. Für die Neuorganisation des Dienstsports in der Thüringer Polizei sollen die positiven Erfahrungen, die im Pilotprojekt „Neuorganisation Dienst- und Präventionssport“ der Polizeidirektion Gera gewonnen wurden, Grundlage sein. In der Polizeidirektion Gera wird der Dienstsport seit Juli 2009 zentral organisiert und gemeinsam mit den Dienststellen mit guter Resonanz bei den Beschäftigten durchgeführt. Der Einsatz von hauptamtlichen Sportübungsleitern führt zu einer deutlichen Erweiterung und Vielseitigkeit des Dienstsportangebots bei steigenden Teilnehmerzahlen und einer geringen Verletzungsquote. Durch qualifizierte Sportübungsleiter werden eingeschränkt dienstfähige Polizeivollzugsbeamte betreut und im Zusammenwirken mit dem Polizeiärztlichen Dienst in das Dienstsportangebot integriert.

Der Innenminister kündigte an, im Kabinett noch bis Jahresende über das Projekt Gesundheitsmanagement zu berichten, damit die Maßnahmen ab Jahresbeginn 2011 flächendeckend umgesetzt werden können.

(Medieninformation 35/10 vom 27.07.2010)

Mitarbeiter des Polizeiärztlichen Dienstes demonstrieren eine Notrettung.
Zum Abschluss des Besichtigungstermins demonstrierten die Mitarbeiter des Polizeiärztlichen Dienstes den Journalisten ihre Fähigkeiten in der Notrettung.

Weiterführende Informationen

Polizeiärztlicher Dienst
Link zur Bereitschaftspolizei Thüringen

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