Erläuterungen zur Anwendung der Polizeilichen Kriminalstatistik

Damit Sie die Polizeiliche Kriminalstatistik auslesen können, haben wir für Sie einen Definitionskalender erstellt:

Abkürzungen:

  • AQ: Aufklärungsquote
  • BtMG: Betäubungsmittelgesetz
  • DBK: Direkte Beschaffungskriminalität
  • HZ: Häufigkeitszahl
  • IBK: Indirekte Beschaffungskriminalität
  • KHD: Konsument harter Drogen
  • KPI: Kriminalpolizeiinspektion
  • KPS: Kriminalpolizeistation
  • NDTV: Nichtdeutsche Tatverdächtige
  • PD: Polizeidirektion
  • PI: Polizeiinspektion
  • TVBZ: Tatverdächtigenbelastungszahl
  • TWE: Tageswohnungseinbruch
  • VO: Verordnung
  • ZERV: Zentralstelle zur Bekämpfung der Regierungs- und Vereinigungskriminalität im PP Berlin
  • ZSF: Zentralstelle zur Bekämpfung der SED- und Funktionärskriminalität im TLKA

Alkohol bei Tatausführung

Alkoholeinfluss liegt vor, wenn dadurch die Urteilsfähigkeit des Tatverdächtigen während der Tatausführung beeinträchtigt war. Maßgeblich ist ein offensichtlicher oder nach den Ermittlungen wahrscheinlicher Alkoholeinfluss.

Altersgruppen

  • Kinder 0 bis unter 14 Jahre
  • Jugendliche 14 bis unter 18 Jahre
  • Heranwachsende 18 bis unter 21 Jahre
  • Jungerwachsene 21 bis unter 25 Jahre
  • Erwachsene ab 25 Jahre

Aufgeklärter Fall

Als aufgeklärt zählt die Straftat, für die nach dem polizeilichen Ermittlungsergebnis ein mindestens namentlich bekannter oder auf frischer Tat ergriffener Tatverdächtiger festgestellt worden ist.

Aufklärungsquote (AQ)

bezeichnet das prozentuale Verhältnis der Anzahl der aufgeklärten zur Anzahl der bekanntgewordenen Straftaten im Berichtszeitraum.

Eine Aufklärungsquote von über 100 % kann erreicht werden, wenn im Berichtszeitraum Straftaten aus vorhergehenden Zeiträumen aufgeklärt werden.

AQ = Anzahl aufgeklärte Fälle x 100% : Anzahl bekannt gewordene Fälle

Bekanntgewordener Fall

ist jede im Straftatenkatalog der PKS aufgeführte rechtswidrige Straftat, einschließlich der mit Strafe bedrohten Versuche, zu deren polizeiliche Bearbeitung eine Anzeige gefertigt wurde. Die Insgesamt - Zahl der bekanntgewordenen Fälle ergibt sich aus der Addition der einzelnen Straftatengruppen.

Gefährliche und schwere Körperverletzung

Im Gegensatz zur einfachen Körperverletzung (KV) handelt es sich bei der gefährlichen Körperverletzung wie auch der schweren Körperverletzung um schwere (qualifizierte) Delikte.

Eine gefährliche Körperverletzung berücksichtigt im besonderen Maße die Tatbegehung, d.h. die Verwendung einer Waffe, z.B. eines Messers, gefährlichen Werkzeuges oder die gemeinschaftliche Tatbegehung oder den beispielsweise einen hinterlistigen Überfall.

Bei der schweren Körperverletzung werden im Gesetz insbesondere die Folgen berücksichtigt, wie z.B. der Verlust des Sehvermögens, des Gehöres oder der Sprache, aber auch die dauernde Entstellung bis hin zur Lähmung oder Geisteskrankheit.

Geld- und Kassenbote ist,

wer im Rahmen seiner Berufsausübung Geld oder Wertgegenstände transportiert. Dazu zählen auch Geldbriefträger.

Häufigkeitszahl (HZ)

ist die Zahl der jeweils innerhalb eines Zeitraumes bekanntgewordenen Fälle bezogen auf 100 000 Einwohner der jeweiligen Region. Stichtag ist der 31.12. des Vorjahres.

(Für das Jahr 1998 ist der Stichtag der 31.12.1997.)

Die Aussagekraft der HZ wird dadurch beeinträchtigt, dass alle Personen, die nicht ihren Wohnsitz im Freistaat Thüringen haben, aber sich hier aufhalten (Touristen, Durchreisende etc.) in der Einwohnerzahl nicht enthalten sind. Von ihnen begangene rechtswidrige (Straf-)Taten werden jedoch in der PKS erfasst.

HZ = Anzahl erfasste Fälle x 100 000 : Einwohnerzahl

Kiosk

ist ein Geschäft, das von Kunden nicht betreten werden kann.

Konsument harter Drogen

sind Konsumenten der in der Anlage I - III des BtM-Gesetzes aufgeführten Stoffe und Zubereitungen, einschließlich den betäubungsmittelrechtlichen Vorschriften unterliegenden Fertigarzneimittel mit Ausnahme der ausschließlichen Konsumenten von Cannabisprodukten, Psilocybin(-Pilzen) und den "ausgenommenen Zubereitungen". Hierbei ist es unerheblich, in welcher Weise diese Stoffe oder Zubereitungen dem Körper zugeführt werden.

Soweit als Konsumenten harter Drogen bekannte Personen in Ermangelung von Betäubungsmitteln sog. Ausweichmittel konsumieren ("ausgenommene Zubereitungen" oder sonstige Medikamente oder Substanzen, die nicht unter das BtMG fallen), wird dies ebenfalls als Konsum harter Drogen angesehen.

Kfz-Diebstahl und unbefugter Gebrauch

Wichtigstes Unterscheidungsmerkmal zwischen dem Kfz-Diebstahl und dem unbefugten Gebrauch eines Kfz besteht darin, dass nur beim Diebstahl die rechtswidrige Zueignungsabsicht erfüllt sein muss.

Ladendiebstahl

Als Ladendiebstahl werden alle Diebstahlsfälle von ausgelegten Waren durch Kunden während der Geschäftszeit erfasst.

Nichtdeutsche Tatverdächtige

sind Personen ausländischer Staatsangehörigkeit oder Staatenlose.

Opfer

sind natürliche Personen, gegen die sich die mit Strafe bedrohte Handlung unmittelbar richtete. Straftaten, bei denen Opferangaben erforderlich sind, werden im Straftatenkatalog gesondert gekennzeichnet.

Jedes Opfer wird entsprechend der Zählweise des bekanntgewordenen Falles auf allen Zählebenen einmal gezählt.

Opfer- Tatverdächtigen- Beziehung

Hierbei hat stets die engste Beziehung den Vorrang: Verwandtschaft vor Bekanntschaft, vor Landsmann oder vor flüchtiger Vorbeziehung.

Schaden

Schaden im Sinne der PKS - Richtlinien ist grundsätzlich der Geldwert (Verkehrswert) des rechtswidrig erlangten Gutes. Bei Vermögensdelikten ist unter Schaden die Wertminderung des Vermögens zu verstehen.

Schaden wird bei allen vollendeten Straftaten erfasst. Ist kein Schaden bestimmbar, so gilt ein symbolischer Schaden von 1,- €.Schusswaffe

Als Schusswaffe gelten im Sinne von "geschossen" und "mitgeführt" nur Schusswaffen gemäß § 1 WaffG.

Nicht erfasst wird das Mitführen von Schusswaffen bei solchen Personen, die dazu bei rechtmäßiger Dienstausübung ermächtigt sind und gegen die Anzeige als Folge der Dienstausübung erstattet wurde.Mit einer Schusswaffe "gedroht" ist dann zu erfassen, wenn sich wenigstens ein Opfer subjektiv bedroht fühlt. Ein "Mitführen" der Schusswaffe wird dann registriert, wenn der Tatverdächtige die Schusswaffe bei der Tatausführung bei sich hatte. Der Vorsatz, die Schusswaffe zu verwenden, ist nicht erforderlich.

Staatsschutzdelikte

sind Straftaten, die sich gegen den Bestand oder die verfassungsmäßige Ordnung des Staates richten sowie Straftaten, die ein politisches Element in bezug auf die Bundesrepublik Deutschland als Ganzes oder eines ihrer Teile enthalten.

Delikte der allgemeinen Kriminalität, soweit sie im Einzelfall als Staatsschutzdelikte gelten, werden jedoch auch in der allgemeinen Polizeilichen Kriminalstatistik erfasst. Die Auswertung erfolgt gesondert.

Straftatenschlüssel - Obergruppen -

Die Erfassung der bekanntgewordenen Fälle erfolgt anhand einer Schlüsselsystematik, unter der folgende Straftatenobergruppen zu finden sind:

  • 0000 Straftaten gegen das Leben
  • 1000 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung
  • 2000 Roheitsdelikte und Straftaten gegen die persönliche Freiheit
  • 3*** Diebstahl ohne erschwerende Umstände
  • 4*** Diebstahl unter erschwerenden Umständen
  • 5000 Vermögens- und Fälschungsdelikte
  • 6000 Sonstige Straftatbestände gem. StGB
  • 7000 Strafrechtliche Nebengesetze

Die Summe der Fälle der Straftatenobergruppen ergibt die Gesamtzahl der erfassten Fälle.

Neben diesen Obergruppen gibt es noch folgende Summenschlüssel:

  • ---- Straftaten insgesamt
  • **** Diebstahl insgesamt
  • 8... besondere Deliktskategorien

Tageswohnungseinbruch

Von einem Tageswohnungseinbruch (TWE) im Sinne der PKS ist auszugehen, wenn die Tatzeit zwischen 06.00 Uhr und 21.00 Uhr liegt. Der TWE gelangt als Diebstahl unter erschwerenden Umständen zur Auswertung.

Tatort

ist die politische Gemeinde, in deren Gemarkung sich der Fall ereignet hat.

Tatverdächtig

ist jeder, der nach dem polizeilichen Ermittlungsergebnis aufgrund zureichender tatsächlicher Anhaltspunkte verdächtig ist, eine rechtswidrige Straftat begangen zu haben. Dazu zählen auch Mittäter, Anstifter und Gehilfen.

Die Erfassung ist vom Alter des TV unabhängig, so dass auch Kinder ausgewiesen werden.

Tatverdächtigenbelastungszahl (TVBZ)

ist die Zahl der ermittelten Tatverdächtigen im Alter ab 8 Jahren, bezogen auf 100 000 Einwohner im Alter von 8 Jahren der betreffenden Region. Stichtag ist jeweils der 31.12. des Vorjahres.

TVBZ = TV ab 8 Jahre x 100.000 : Anzahl der Einwohner ab 8 Jahre

Tatzeit

ist der Zeitpunkt, zu dem die Straftat begangen wurde. Bei Straftaten, die sich über mehrere Zeiträume erstrecken oder innerhalb von Zeiträumen begangen wurden, gilt das Ende des Zeitraumes als Tatzeit. Wenn nicht mindestens der Monat bestimmbar ist, gilt die Tatzeit als unbekannt.

Verkehrsdelikte

sind alle Verstöße gegen die Bestimmungen, die zur Aufrechterhaltung der Verkehrssicherheit auf öffentlichen Straßen erlassen worden sind.

Als Verkehrsdelikte gelten außerdem die durch Verkehrsunfälle bedingten Fahrlässigkeitsdelikte und die Verkehrsunfallflucht sowie Verstöße gegen das Pflichtversicherungsgesetz.

Nicht dazu zählen Verstöße gegen §§ 315, 315 b StGB und § 22 a StVG, die deshalb in der Polizeilichen Kriminalstatistik erfaßt werden.

Wohnräume

Hierunter sind alle unbeweglichen Objekte zu verstehen, die für einen längeren Aufenthalt ausgestattet sind.

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