Bekämpfung von Kinderarmut in Thüringen

Thüringer Projekte während der 3. Förderperiode von TIZIAN
Thüringer Projekte während der 3. Förderperiode von TIZIAN

In Thüringen leben laut aktueller Zahlen des Statistischen Bundesamtes leben 18,4 Prozent der Kinder unter 15 Jahren in den Bedarfsgemeinschaften nach dem SGB II und somit von „Hartz IV“. Zwar ist Thüringen von den neuen Bundesländern damit das Land mit der niedrigsten Kinderarmutsquote, jedoch lebt – trotz einer tendenziellen Rückläufigkeit – fast jedes 5. Thüringer Kind unter 15 Jahren in Armut. Für die Landesregierung stellt seit 2009 die "Thüringer Initiative zur Integration und Armutsbekämpfung – Nachhaltigkeit" (kurz: TIZIAN) einen wesentlichen Schwerpunkt zur Bekämpfung der Kinderarmut dar.

Was ist TIZIAN?

Die Zielstellung von TIZIAN ist es, erwerbsfähige Hilfebedürftige aus Bedarfsgemeinschaften nach dem SGB II mit Kindern bei der sozialen, gesellschaftlichen und beruflichen Teilhabe zu unterstützen. TIZIAN bietet dabei gegenüber allen anderen Projekten und Programmen die Besonderheit, Kinder der Betroffenen indirekt und direkt in die Arbeit mit einzubeziehen. TIZIAN soll Unterstützung beim Abbau der komplexen Belastungen bieten und die Sozial- und Familienkompetenzen stärken sowie Zugänge zur beruflichen Erprobung, Qualifizierung und Beschäftigung der Teilnehmenden ermöglichen.

Aktuelle 3. Förderphase (1. Januar 2013 - 31. Dezember 2014)

Im Prozess der Planung und Ausschreibung der aktuellen 3. TIZIAN-Förderphase wurden die Empfehlungen der Evaluatoren von „Rambøll Management Consulting“ (siehe unten) beachtet.

In die Vorbereitung des Interessenbekundungsverfahrens wurden alle wichtigen Partner wie Jobcenter, Jugendämter und GfAW einbezogen. Die Partner sollten die Möglichkeit haben, bezüglich der Zielgruppe, Zielstellung, Projektinhalte, regionalen Platzkapazitäten und auch der Trägerauswahl mitgestalten zu können.

Im Ergebnis dieses Prozesses wurden die folgenden Eckpunkte erarbeitet, die derzeit in allen Projekten umgesetzt werden:

Zielgruppe:

  1. Alleinerziehende SGB II-Bedarfsgemeinschaften mit Kindern bis 15 Jahre
  2. Familien-SGB II-Bedarfsgemeinschaften mit Kindern bis 15 Jahre, in denen beide Partner arbeitslos sind sowie multiple persönliche und soziale Problemlagen vorliegen (arbeitsmarktfern und gemäß dem arbeitnehmerorientierten Integrationskonzept der Bundesagentur für Arbeit den beiden ungünstigsten Profillagen 5 „Stabilisierungsprofil“ und 6 „Unterstützungsprofil“ zuzuordnen. [schwerwiegende Vermittlungshemmnisse])

Zielstellung:

  1. Verbesserung der sozialen Teilhabe durch
    • sozialpädagogische Unterstützung bei der Lösung der persönlichen und sozialen Problemlagen, auf der Grundlage einer individuellen, passgenauen und zielorientierten Förder- und Integrationsplanung
    • Förderung der Persönlichkeitsentwicklung der Teilnehmenden
    • Stabilisierung und Motivation der Teilnehmenden durch Vermittlung bzw. Wiederherstellung von Alltagskompetenzen
  2. Entwicklung von individuellen Strategien zur Armutsbekämpfung der einzelnen Bedarfsgemeinschaften durch
    • Stärkung und Festigung der Erziehungs- und Familienkompetenz durch Herstellung familienunterstützender Zugänge; Aufbau systematischer Kontakte zu familienbezogenen Unterstützungsangeboten
    • Unterstützung zur sinnvollen Gestaltung des familiären Zusammenlebens und Einbeziehung der Kinder der Teilnehmenden in die Projektumsetzung
  3. Aufbau bzw. Nutzung von bestehenden Netzwerken um
    • Integrative Alltagshilfen für alle Familien mit Unterstützungsbedarf zu entwickeln
    • in passgenaue Unterstützungsangebote zu vermitteln, um professionell individuelle Problemlösungsstrategien zu entwickeln.

In den Projekten arbeiten weiterhin Integrationscoachs (IC), die die Teilnehmenden während der gesamten Maßnahme betreuen (Schlüssel 1:20).

Aufgrund der multiplen Problemlagen der zu erreichenden Personengruppe beträgt die Maßnahmedauer in der Regel mindestens 12 Monate bis maximal 18 Monate.

Eine wichtige Grundlage zur Erreichung der Projektziele bildet eine wöchentliche Präsens- bzw. Kontaktpflicht der Teilnehmenden von mindestens 15 Stunden mit unterschiedlichen Inhalten. Dieses Grundmodell umfasst u. a. die Clearingphase, sowie die kontinuierliche zielbezogene Planung, Steuerung, Begleitung und Auswertung des Integrationsprozesses. Darauf aufbauend sollen zur Umsetzung der genannten Zielstellungen weitere Module organisiert werden, die für die einzelnen Teilnehmerinnen und Teilnehmer individuell und zielbezogen angeboten werden.

Ein Pflichtmodul zur beruflichen bzw. fachlichen Orientierung ist zu absolvieren, wobei in der Regel eine Dauer von mindestens 2 Monaten angestrebt werden soll.

Bei Bedarf sind folgende Module zu folgenden Zielen vorzuhalten:

  • Soziale Stabilisierung
  • Schuldenregulierung
  • Gesundheitsprävention
  • Stärkung der sozialen, Familien- und Erziehungskompetenzen

Ein weiterer wichtiger Punkt für die 3. Förderphase ist die regionale Kooperation von TIZIAN-Trägern, Jobcentern und Jugendämtern. Möglichst sollte dies in einem „TIZIAN-Beirat“ geschehen. Im Beirat sollen durch die Steuerungsebene (Geschäftsführer und Amtsleiter) grundlegende Festlegungen für die Zusammenarbeit erfolgen, die dann den „roten Faden“ für die Kooperation auf der Arbeitsebene bilden. Laut einer Projektabfrage vom 30. März 2014 kooperieren bisher 18 der 23 aktuell bestehenden Projekte in den empfohlenen Beiräten.

Für die 3. TIZIAN-Förderphase stehen ESF-Mittel in Höhe von 5,25 Millionen Euro zur Verfügung. Aus Erfahrungswerten der ersten Förderphasen wurden Platzkosten für eine/n Teilnehmer/in pro Jahr in Höhe von rund 5.000 Euro errechnet, womit in der 3. Förderphase thüringenweit 680 Plätze finanziert werden konnten. Es galt wieder der Anspruch, dass es in jedem Landkreis und jeder kreisfreien Stadt ein TIZIAN-Projekt geben soll.

Die Verteilung der Plätze wurde in Absprache mit den regionalen Jobcentern und Jugendämtern bedarfsgerecht nach den folgenden Kriterien:

  • Anzahl der Alleinerziehenden-SGB II-Bedarfsgemeinschaften
  • Anzahl der Familien-SGB II-Bedarfsgemeinschaften, in denen beide Partner arbeitslos sind
  • Anzahl der Kinder bis 15 Jahre
  • Kinderarmutsquote

umgesetzt.

Projekte und Ansprechpartner der 3. Förderperiode TIZIAN (57.2 kB)
Stand: Juli 2014
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Bisherige Förderphasen

1. Phase: 2009 bis 31. Dezember 2010; 37 Projekte; ESF-Mittel in Höhe von rund 4,3 Millionen Euro
2. Phase: 1. Januar 2011 bis 31. Dezember 2012; 30 Projekte; ESF-Mittel in Höhe von rund 8,1 Millionen Euro

In den ersten beiden Förderphasen haben ca. 4.000 Frauen und Männer teilgenommen und ca. 5.500 Kinder konnten direkt bzw. indirekt erreicht werden. In Auswertung der beiden bereits abgeschlossenen Förderphasen kann man feststellen, dass die Teilnehmenden des Programms überwiegend weiblich (86 Prozent) und alleinerziehend (73 Prozent) sind.

Evaluation während der 1. Förderphase

Im Rahmen der Halbzeitbewertung zum operationellen Programm des Freistaats Thüringen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013 wurde TIZIAN innerhalb der ersten Förderphase (April 2009 bis 31. Dezember 2010) fachspezifisch von „Rambøll Management Consulting“ evaluiert und die Ergebnisse im Januar 2011 bekanntgegeben.

Zur Weiterentwicklung von TIZIAN erstellten die Evaluatoren 5 Handlungsempfehlungen:

  1. Präzisierung der Konzeption der TIZIAN-Projektförderung und Systematisierung des Ausschreibungsprozesses
  2. Einschränkung der Zielgruppe und Schärfung der Zielsetzungen
  3. Fokussierung der Projektaktivitäten auf den Bereich der sozialen Stabilisierung
  4. Verstärkte und konsequente Einbindung der Jugendämter
  5. Ressourcenorientierung der Kooperationen für flankierende Unterstützungsangebote stärken

 

Evaluation von TIZIAN 3 (1.5 MB)
Während der 3. Förderphase wurde das Landesprogramm TIZIAN erneut fachspezifisch von "Ramboll Management Consulting" evaluiert. Den Bericht vom 21.8.2014 mit den Ergebnissen der Evaluierung finden Sie hier:
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Weitere Informationen:

Gemeinsames Soziales Wort (283.3 kB)
Das Gemeinsame Soziale Wort zur Kinderarmut in Thüringen ist unterzeichnet und an Politik, Staat und Kirchen am 01. Oktober 2008 übergeben worden. Das Gemeinsame Soziale Wort ist bundesweit einmalig; es analysiert die Situation und unterbreitet Wege, die gemeinsam vom Landesjugendring, Erwachsenenverbände seiner Mitgliedsverbände und den Mitgliedern der LIGA der freien Wohlfahrtspflege getragen werden. Damit setzen alle mitwirkenden Verbände ein deutliches Zeichen gegen Kinderarmut und fordern zum gesellschaftlichen, politischen und staatlichen Handeln auf.
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Studie "Wege Aus der Kinder- und Jugendarmut in Thüringen", Dr. Jörg Fischer, FSU Jena (1.5 MB)
Orientierungsrahmen für eine Armutsprävention und Bildungsförderung auf lokaler Ebene. Eine Studie im Auftrag des Thüringer Ministeriums für Soziales, Familie und Gesundheit.
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Sozialstrukturatlas
Basisinformationen über die Lebenslagen der Thüringer Bevölkerung

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