Individuelle Förderung

Individuelle Förderung zielt darauf, alle Schüler entsprechend dem jeweiligen individuellen Lern- und Entwicklungsstand zu fördern. Sie ermöglicht es jedem Schüler, seine Begabungen und Fähigkeiten zu entfalten sowie vielfältige Kompetenzen zu entwickeln. Ziel ist es, bestmögliche Lernerfolge und eine erfolgreiche schulische Entwicklung für jeden zu sichern.

Im Mittelpunkt der individuellen Förderung stehen die Schüler als eigenständige Persönlichkeiten. Grundsatz ist daher: Nicht der Schüler muss schulfähig gemacht werden, sondern Schule muss Unterricht so gestalten, dass Schülern eine erfolgreiche Entwicklung möglich wird. Die Konsequenz ist ein schülerorientierter, differenzierter Unterricht. Basierend auf den jeweiligen Lernausgangslagen der Schüler werden Lernsituationen geschaffen, die o. g. Zielstellung unterstützen. Den Schülern werden beim Arbeiten am gleichen Lerngegenstand unterschiedliche Lernwege und -geschwindigkeiten ermöglicht.


Pädagogische Diagnostik

Pädagogische Diagnostik umfasst alle diagnostischen Tätigkeiten, durch die bei einzelnen Lernenden und den in einer Gruppe Lernenden Voraussetzungen und Bedingungen planmäßiger Lehr- und Lernprozesse ermittelt, Lernprozesse analysiert und Lernergebnisse festgestellt werden, um individuelles Lernen zu optimieren.
(INGENKAMP/LISSMANN: Lehrbuch der Pädagogischen Diagnostik)

Handreichung für den Gemeinsamen Unterricht. Praxishilfe


2013

Fachliche Empfehlung zur sonderpädagogischen Förderung in Thüringen


2008

Einverständniserklärung der Eltern zur Akteneinsicht
für den Mobilen Sonderpädagogischen Dienst


Schuleingangsphase


(Thillm 2010)

Die hier vorgestellten 10 pädagogischen Kernziele für die Schuleingangsphase wurden im Rahmen des Thüringer Projektes „Begleitete Schuleingangsphase in Thüringen entwickeln (BeSTe)“ erarbeitet.
 

Ergebnisse der Schulversuche zur Schuleingangsphase, die die Gestaltung des Gemeinsamen Unterrichts inspirieren:

Das Thüringer Kultusministerium initiierte im Schuljahr 1997/98 ein Projekt zur Gestaltung der veränderten Schuleingangsphase, das mit dem Schuljahr 1999/2000 in einen vierjährigen Schulversuch „Veränderte Schuleingangsphase“ überführt wurde. An diesem Schulversuch nahmen 14 Thüringer Grundschulen teil. Auf Grund der Erfahrungen und Ergebnisse des Schulversuchs waren anschließend 25 weitere Grundschulen bestrebt, im Rahmen des Projektes „Optimierte Schuleingangsphase“ eine veränderte Schuleingangsphase zu gestalten. Ausgehend von den Ergebnissen erfolgte im Rahmen des Entwicklungsvorhabens „Eigenverantwortliche Schule“ im Schuljahr 2005 bis 2010 die Umsetzung eines Transferprojektes „BeSTe“ (Begleitete Schuleingangphase Thüringen entwickeln) in zwei Phasen.

Die Evaluation der Projekte erfolgte durch die Universität Bremen, Frau Professor CARLE. Einige der Evaluationsergebnisse erweisen sich als interessant und hilfreich für die Ausgestaltung des Gemeinsamen Unterrichts. Diese finden sich im Folgenden dargestellt:

  1. Durch eine Unterrichtsorganisation, die jedem Schüler ein hohes Maß eigenständigen Arbeitens ermöglicht, wird es dem Lehrer (überhaupt erst) möglich, als Lernbegleiter zu agieren. Insbesondere wird es ihm möglich, auf einzelne Schüler einzugehen und individuelle Unterstützung zu geben.
  2. Ein jahrgangsgemischter, sich an reformpädagogischen Ansätzen oder offenen Unterrichtsformen orientierender Unterricht führt zu einer Steigerung der sozialen Kompetenzen der Schüler. (vgl. CARLE/BERTHOLD, 2007, 49)
  3. Die Gestaltung eines Lernangebotes im Sinne eines gemeinsames Rahmenthemas macht „die Arbeit am gemeinsamen Gegenstand auf unterschiedlichen Anspruchsniveaus für alle Kinder möglich“ (CARLE/BERTHOLD, 2007, 37). Jedes Kind kann „seinen bestmöglichen Beitrag“ (CARLE/METZEN, 2009, 61) leisten.
    Die Bereitstellung offener und zugleich anspruchsvoller Aufgaben fördert darüber hinaus die Kooperation der Schüler untereinander: „Die Formulierung der Aufgabenstellung bestimmt die Qualität der Kooperation. Helfen muss geübt werden! Ein soziales Klima stützt dies: Hilfsbereitschaft, Toleranz, Offenheit, Bewältigung von Konflikten, Kompromissbereitschaft, Regeln für Zusammenarbeit. Für Kinder müssen klar erkennbare Strukturen geschaffen werden. Eine Vielzahl von Angeboten und Materialien ist nötig.“ (CARLE/BERTHOLD, 2007, 170)
  4. Durch offene, ähnliche oder gleiche Aufgaben wird Kooperation zwischen den Lernenden möglich. Wochen- oder Tagespläne sollten aus diesem Grund zwar individualisiert, aber nicht absolut individuell sein. (vgl. CARLE/BERTHOLD, 2007, 112)
  5. Die Arbeit in Lehrerteams ermöglicht auch im Falle einer notwendig werdenden Klassenteilung Stabilität hinsichtlich der Bezugspersonen (vgl. CARLE/METZEN, 2009, 60).
  6. Durch den Umstand, dass sich jedes Kind im Laufe der Zeit sowohl in der Rolle des Kleinen als auch in der Rolle des Großen wiederfindet, wird das „gegenseitige Unterstützen […] zum Prinzip der klassenstufenübergreifenden Arbeit“ (CARLE/METZEN, 2009, 61).

Für alle deutschlandweiten Projekte zur Jahrgangsmischung innerhalb der Schuleingangsphase fassen CARLE und METZEN in ihrem Vortrag am 26. Juni 2013 an der Universität Bremen u.a. folgende Erfahrungen als übergreifende zusammen:

Jahrgangsmischung fördert deutlicher als Jahrgangsunterricht

  • eine "lebendige und friedliche Atmosphäre";
  • Das "soziale Miteinander", eingeschlossen "sich helfen und kooperieren, sich unterstützen und herausfordern";
  • "Inklusion, jedes Kind als Subjekt anerkennen, achten und fördern";
  • die "Wertschätzung kultureller, sozialer und subjektiver Heterogenität";
  • "Rhythmisierung: Leben und Lernen nach dem eigenen Rhythmus"

Quellen:

CARLE, URSULA/BERTHOLD, BARBARA (2007): Schuleingangsphase entwickeln und Leistung fördern. Wie 15 staatliche Grundschulen in Thüringen die flexible, jahrgangsgemischte und integrative Schuleingangsphase einrichten. Schneider Verlag Hohengehren GmbH. Baltmannsweiler

CARLE, URSULA/METZEN, HEINZ (2009): Die Schuleingangsphase lohnt sich! Erfolgsmomente für die bestmögliche Entwicklung des landesweiten Schulentwicklungsvorhabens „Begleitete Schuleingangsphase“ in Thüringen. Universität Bremen. FB 12 Arbeitsgebiet Grundschulpädagogik

www.grundschulpaedagogik.uni-bremen.de/archiv/Carle/2013/Carle+Metzen20130621JueL_Vortrag_GSW.pdf


Individuelle Abschlussphase

Die Beachtung der Individualität von Lernprozessen widerspiegelt ein Verständnis von Bildung, das im Dezember 2010 in Paragraph 2 des Thüringer Schulgesetzes verankert wurde. Als besondere Form der individuellen Förderung wurde an Thüringer Regelschulen, Gemeinschaftsschulen, Gesamtschulen und Förderschulen mit dem Bildungsgang Regelschule eine individuelle Abschlussphase (IAP) für abschlussgefährdete Schüler festgeschrieben. Sie wird auf Antrag der Eltern durchgeführt und ermöglicht es dem Schüler, in längerer Lernzeit und mit erhöhtem Praxisanteil die für den Hauptschulabschluss notwendigen Kompetenzen zu erlangen.

Wer kann die IAP absolvieren?

Die Möglichkeit der IAP betrifft die auf den Hauptschulabschluss orientierten Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 9. Die Teilnahme an der IAP steht Schülerinnen und Schülern an Thüringer Regelschulen, Gemeinschaftsschulen, Gesamtschulen und Förderschulen mit dem Bildungsgang Regelschule offen.

Die Aufnahme in die IAP beantragen die Eltern bei der von ihrem Kind besuchten Schule formlos schriftlich. Der Antrag kann schon zum Ende der Klassenstufe 8 bzw. zum Beginn der Klassenstufe 9 gestellt werden, spätestens jedoch bis eine Woche nach Ausgabe des Zeugnisses zum Schulhalbjahr der Klassenstufe 9.

Wie wird die IAP durchgeführt?

Die Klassenstufe 9 wird in zwei Schulbesuchsjahren absolviert. Beim Übergang vom ersten in das zweite Jahr erfolgt keine Versetzungsentscheidung.
Die Schülerinnen und Schüler bleiben im 1. Schulbesuchsjahr der IAP in der Regel im bisherigen Klassenverband integriert und wechseln im 2. Schulbesuchsjahr der IAP in eine nachrückende Klasse 9 oder in eine Klasse 10.

Die IAP wird mit individueller Lernplanung und besonders praxisorientiert durchgeführt. In der Regel sind ein bis zwei Praxistage pro Woche in Unternehmen der Region und nach Möglichkeit in Zusammenarbeit mit berufsbildenden Schulen zu absolvieren. Auf diese Weise werden individuelle Anschlussperspektiven aufgezeigt, die die Motivation der Jugendlichen für einen erfolgreichen Schulabschluss und einen gelingenden Übergang in eine Berufsausbildung erhöhen soll.

Was ist das Ziel der IAP?

Das Ziel der Teilnahme an der IAP ist mindestens das Erreichen des Hauptschulabschlusses. Weitere Abschlüsse und Bildungswege an der allgemein bildenden Schule oder an der berufsbildenden Schule sind bei entsprechenden Leistungen und individuellen Voraussetzungen möglich.

Schullaufbahnen in Thüringen

Darüber hinaus soll durch die kontinuierlichen Praxiserfahrungen die Anschlussfähigkeit in eine Berufsausbildung verbessert werden. Voraussetzung für den erfolgreichen Verlauf ist selbstverständlich auch der eigene Leistungswille der Schülerinnen und Schüler.

Weiterführende Informationen sind enthalten in der Fachlichen Empfehlung zur Gestaltung von individuellen Lernprozessen im Kontext der individuellen Abschlussphase an Thüringer Schulen
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2013

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