Unsere Schulleiter im Projekt

Schulleiter
Unsere Schulleiter im Projekt sind (von links nach rechts im Bild)

Veronika Pfeifenberger, Direktorin der Volksschule Zederhaus

Gertrude Pichler, Direktorin der Volksschule Mauterndorf

Katharina Macheiner, Direktorin der Volksschulen Maria-Pfarr und Weißpriach

Johann Lüftenegger, Direktor der Volksschule Seetal

Conny Münch, Schulleiterin der Grundschule "Otto- Lilienthal" in Erfurt

 


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Um Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, unsere Schulleiter im Projekt näher vorzustellen, haben wir diese zu einem Gespräch eingeladen. Wir wollten wissen, was sie in ihrem beruflichen Handeln leitet und welche pädagogischen Grundsätze sie verfolgen.

Dazu hatten wir vier Fragen vorbereitet:

1. Welche pädagogischen Grundannahmen leiten Sie in Ihrer Tätigkeit? Was ist Ihnen besonders wichtig?

2. Welche Eckpunkte (Erfahrungen, Ereignisse…) in Ihrer beruflichen Tätigkeit haben diese Leitgedanken geprägt?

3. Stellen Sie sich vor, es geschähe ein Wunder und all Ihre Visionen wären an Ihrer Schule umgesetzt und verwirklicht. Wie sähe das aus?

4. Welche Anregungen haben Sie bisher von der Comenius-Partnerregion mitgenommen?

Das Gespräch wurde von Olaf Hopfgarten moderiert und von Antje Großheim verschriftlicht. Wir hoffen sehr, dass es uns gelungen ist, den Charme des Gespräches einzufangen.

 

 

Johann Lüftenegger
Olaf Hopfgarten: Uns interessiert als erstes, Welche pädagogischen Grundannahmen Sie in Ihrer Tätigkeit verfolgen. Was leitet Sie? Was ist Ihnen besonders wichtig?
 
Johann Lüftenegger: Als einziger Mann in der Runde sollte ich wohl beginnen.
Für mich ist wichtig, die Schule als Dienstleistungsbetrieb zu sehen. Die Kinder, auch die Eltern, sind gewissermaßen unsere Kunden. Kundenzufriedenheit ist ein wesentliches Ziel. Kinder müssen gerne in die Schule gehen und Eltern müssen mit den Angeboten und der Betreuung zufrieden sein.
Die Kinder sind verschieden, jedes lernt auf seine Art und Weise. Es gilt, auf die Unterschiedlichkeit einzugehen, die Lernmotivation zu finden und zu fördern. Es ist wichtig, das Selbstwertgefühl der Kinder zu entwickeln, als Vorbereitung auf das Leben.
Differenzierung und Individualisierung, Fördern und Fordern, das Heranführen jedes einzelnen Kindes an seine persönliche Leistungsgrenze, von der Vermittlung der Kulturtechniken, Grundkompetenzen, Dienkompetenzen, Sozialkompetenzen bis hin zur  Talentförderung im weitesten Sinne: musisch-kreativ, sozial…
 
Eine weitere Grundannahme ist: Als Schulleiter muss man „am Ball bleiben“!
Dabei ist die Freude an der Tätigkeit der Grundschlüssel. Diese Freude an der Arbeit und im Umgang mit Kindern darf nicht verloren gehen. Monotonie im Berufsalltag steht in engem Zusammenhang mit Perspektivenlosigkeit und Frustration. Wir sollten nie vergessen, dass wir eine der schönsten Tätigkeiten überhaupt ausführen dürfen und daher immer wieder bestrebt sein, neue Begeisterung zu finden.
„Am Ball bleiben“ heißt auch, an Fortbildung und Weiterentwicklung teilnehmen. Der Lehrer als der sich ständig Weiterbildende, weil Pädagogik nichts Starres ist. Wir sind gefordert, neue Wege zu gehen. Wir sind die, die neue Wege gehen dürfen!
Doch Schule darf nicht zum Experimentierfeld werden.
  
Olaf Hopfgarten: Woher bekommen Sie Ihre Energie?
 
Johann Lüftenegger: Energie schöpfe ich daraus, dass die Arbeit als Schulleiter vom Bezirksschulrat wertgeschätzt wird, dass man darin bestärkt wird, Neues auszuprobieren bzw. zuzulassen. Kraft gibt mir meine Einstellung zum Beruf, die eng mit der Zusammenarbeit mit den Eltern verbunden ist.
Ideen schöpfe ich aus der Literatur, in welcher auch der große Aufschwung zu spüren ist. In solch provokativen Titeln wie „Der talentierte Schüler und seine Feinde“ findet man sich beim Lesen in diesen Szenarien selbst wieder und beginnt, sich zu überdenken.
Conny Münch
Olaf Hopfgarten: Und jetzt die Damen. Wie ist das bei Ihnen? Welche pädagogischen Grundannahmen verfolgen Sie?
 
Conny Münch: Ich liebe den Beruf und ich liebe leuchtende Kinderaugen. Wir stehen vor der Aufgabe, Schule als Lebensort für die Kinder zu gestalten. Dabei wollen wir Werte und Traditionen vermitteln, müssen die Schule aber auch an Veränderungen in der Gesellschaft anpassen. Hier denke ich, bewegt sich Schule noch zu langsam.
Manchmal helfen Lehrpläne nicht weiter, dann gilt es, individuell für das einzelne Kind Lernarrangements zu entwickeln. Kinder müssen ihren eigenen kleinen Lernfortschritt sehen. Man kann Kinder mit Stoff überschütten, doch wenn das Kind am Ende nicht lernen will, habe ich nichts gekonnt. Hier gilt es, Lernbegleiter der Kinder zu sein und den Kindern immer wieder zu zeigen, was sie können und sie zu loben, dann sind sie auch bereit, den nächsten kleinen Schritt zu gehen.
 
Gertrude Pichler: Für mich steht die Motivation der Schüler im Vordergrund. Man muss die Kinder da abholen, wo sie sind und behutsam weiterführen, soweit sie es schaffen und nicht gleich einen Stempel aufdrücken. Manchmal heißt es für uns, sich auch mit kleinen Schritten zufrieden zu geben. Und hier hilft mir wirklich weiter, was Frau Münch bei ihrem letzten Besuch im Lungau zu mir sagte: Wir müssen gelassener werden. Wichtig ist mir auch, dass die Kinder immer verstehen, warum sie so oder so eingeschätzt wurden, weshalb sie diese Note bekommen und dass sie damit zufrieden sind, weil sie spüren, dass der Lehrer diese Leistung anerkennt. Ich schätze am Thüringer Bildungssystem sehr die Möglichkeit, verbale Beurteilungen geben zu können.
Herzensbildung ist wichtig, das stärkt die Persönlichkeit.
 
Katharina Macheiner: Man muss gerne unterrichten und die Kinder lieben. Wenn der Lehrer mit Leib und Seele bei der Sache ist, dann spüren das die Kinder. So kann man den Lernstoff am besten weitergeben. Kinder haben ein Recht auf eine fundierte Grundausbildung. Das ist die Grundlage, um das Leben zu meistern. Und wenn sie mit Freude lernen, lässt sich ein sicheres Fundament für morgen bauen. Die Aufgabe des Lehrers ist es, dies zu vermitteln und vorzuleben.
 
Macheiner
Katharina Macheiner
Olaf Hopfgarten: Wie bekommt man das hin, dass Kollegen „mithalten“?
 
Katharina Macheiner: Auch ich als Schulleiter muss Vorbild sein. Als Schulleiterin sehe ich mich als "Diener aller", als jemand, der sich selbst zurück nimmt und andere hochhebt und motiviert. Die Wertschätzung der Kollegen ist sehr wichtig.
 
Veronika Pfeifenberger: Ich möchte als erstes sagen, wie sehr es mich freut, selbst einmal in Thüringen zu sein. Der Ort Zederhaus hat einen Naturpark und dieser pflegt eine Partnerschaft mit dem Thüringer Wald. Ich habe also schon oft von Thüringen gehört.
 
Zu Ihren Fragen kann ich nur noch ergänzen, was mir als Schulleiterin wichtig ist. Es ist schon viel gesagt worden. Ich kann mich da nur anschließen.
Wichtig ist, dass man als Schulleiterin die Meinung der Kollegen kennt und wertschätzt. Man muss Vertrauen ins Team setzen und versuchen, bei wichtigen Entscheidungen und Vorhaben alle ins Boot zu holen und auch Eltern zu begeistern.
In der Teamarbeit ist der Umgang mit Feedback wichtig, positives und kritisches. Man wächst an beiden. Diese Erfahrung habe ich gemacht.
Pfeifenberger
Veronika Pfeifenberger
Olaf Hopfgarten: Vielleicht gehen wir dann gleich zur zweiten Frage. Welche Eckpunkte, Erfahrungen, Ereignisse haben Ihr berufliches Handeln geprägt?
 
Veronika Pfeifenberger: Da sind als erstes meine Umgebung, mein Heimatort, meine „Wurzeln“ in Zederhaus zu nennen.
Dann haben mich die neuen Lehrpläne sehr beeinflusst. Mitte der Achtziger ist alles aufgebrochen mit neuen Lehrformen. Weitere Schlüsselerlebnisse waren eine Montessori-Fortbildung und die Leadership- Akademie in Tirol. All das brachte den fundierten Background für mein berufliches Handeln.
 
Olaf Hopfgarten: Frau Macheiner, wie war das bei Ihnen. Was hat Sie zu dem gemacht, was Sie heute sind?
 
Katharina Macheiner: Zum Einen war das die eigene Erfahrung als Schülerin mit einer tollen Lehrerin, die mich sehr fasziniert hat. Hier hat sich der Berufswunsch, Lehrerin zu werden, geprägt und gestärkt. Ich wollte auch so eine Lehrerin werden. Viel später hat mir eine Schülerin einmal bestätigt, dass ich solch eine Lehrerin geworden bin.
Dann kam die doppelte Herausforderung als Schulleiterin von zwei Schulen, die mich persönlich weiter gebracht hat. Ich hatte an der kleinen Schule die Möglichkeit, neue Lehrformen ziemlich schnell umzusetzen. Dies war eine sehr positive Erfahrung.
 
Johann Lüftenegger: Ja und auch der Mut der Behörden, etwas Neues zuzulassen, ist größer geworden.
Meine „Eckpunkte“ waren zum einen die Erfahrungen mit dem regelmäßigen Lehrerwechsel. Junge Lehrer bringen immer wieder neue Ideen und Konzepte mit. Beim Autofahren bin ich sehr moderat. Da ist es mir wurscht, ob mich jemand überholt. Doch diese jungen Kollegen fordern mich heraus. Ihre Dynamik hat mich nach vorn gebracht.
Zum anderen kam es vor sieben Jahren zu der Situation, dass ich Schulverweigerer in meiner Schule aufgenommen habe. Dies war eine besonders große Herausforderung.
Es galt, zwei Hochbegabten und einem Mädchen mit extremen Lernverzögerungen maßgeschneiderte Programme zu erstellen. Ich habe schnell gemerkt, dass ich mit meinen Arbeitsblättern bei den beiden Burschen nicht weit komme. Das war Frühstück für die. Denen musste ich gutes Futter anbieten.
Ein Abgehen vom eher lehrerzentrierten Unterricht zu neuen reformpädagogischen Angeboten wurde unerlässlich. Bald entstand die Werkstattklasse - Kompetenzerweiterung und Weiterbildung waren angesagt: Montessori, Freinet, Kybernetische Methode.
Als Lehrer braucht man solche Herausforderungen. Alles, was gewöhnlich ist, bringt einen selbst nicht weiter. Ich habe mir immer wieder Gedanken gemacht, wie ich fachlich vorn dabei bleibe. Von der Montessori-Ausbildung habe ich unheimlich profitiert, obwohl mich manche Kollegen fast für verrückt erklären wollten, dass ich mir so was in meinem Alter noch antun will. Doch das war das Beste, was ich tun konnte.
 
Conny Münch: Meine Eckpunkte liegen in meinem beruflichen Werdegang, der nicht geradlinig verlief. Begonnen hat meine berufliche Laufbahn an der Sportschule in Zella-Mehlis als 20-Jährige vor 16- jährigen Schülern. Hier musste ich um Anerkennung kämpfen. Dass dazu ein besonderer Wille erforderlich und hilfreich ist, habe ich bspw. auch von Kindern gelernt, kleinen Eiskunstläufern, die ich später an der Sportschule in Erfurt betreute. Ich habe bewundert, wie sehr diese Kinder gekämpft und für ihren Sport „gebrannt“ haben. Eine weitere Herausforderung war die Übernahme des Musikunterrichts an der Sportschule, nur Jungen in der Klasse!
Dann kamen die Neustrukturierungen nach der Wende und ich musste mich wieder mit einer neuen Situation auseinandersetzen.1998 haben wir die Altersmischung mit einem kleinen engagierten Team begonnen. In der Folge haben wir viele Erfolge erlebt, aber auch die Erfahrung gemacht, dass sich Eiszeiten einstellen und überwinden lassen. Weiter gebracht hat mich die Aufnahme einer Beratertätigkeit zu den neuen Lehrplänen im Schulamt Erfurt, welche mit vielen Fortbildungen und Austausch unter Kollegen verbunden war.
Ich musste in allen Situationen immer wieder „überzeugen“. Das „Überzeugen“ ist ein wichtiger roter Faden in meinem Leben.
 
Gertrude Pichler: Ich habe schon als Kind Schule gespielt, mit Schuhschachtel und kleinen ausgeschnittenen Figuren aus dem Katalog. Als Schülerin machte ich eher schlechte Erfahrungen mit einer Lehrerein, die mit Strafen gearbeitet hat. Ich wollte es später unbedingt anders machen als die damalige Lehrerin.
Einen weiteren Eckpunkt stellen die Lehrerfortbildungen zu den neuen Lehrplänen in den Achtzigern dar. Hier mitzuwirken und in Austausch mit anderen Kollegen zu treten, war für mich große Motivation. Dies hat meine Arbeit und meine Grundhaltung sehr beeinflusst. Und dann sind immer wieder Erfahrungen mit einzelnen Schülern, die zum Nachdenken anregen. Ich frage mich immer wieder: „Was kann ich tun, damit es ihm gut geht?“
 
Olaf Hopfgarten: Das klingt alles schon so perfekt. Ich bin daher neugierig, welche Wünsche Sie noch haben. Unsere Wunderfrage! Wir haben uns im Vorfeld gefragt, ob einer von Ihnen sagen würde: „ Es kann so bleiben, wie es ist“? Frau Macheiner - stellen Sie sich vor, es geschähe ein Wunder und all Ihre Visionen wären an Ihrer Schule umgesetzt und verwirklicht. Wie sähe das aus?
 
Katharina Macheiner: Wie im Himmel!
- Räume zum Ausbreiten,
- alle Technik,
- Material wäre vorhanden,
- mehr Personal …
Der Schulleiter hätte mehr Autonomie und müsste nicht immer Rechenschaft ablegen oder um Erlaubnis fragen.
 
Johann Lüftenegger: Halt, bei der Märchenfee hat man nur drei Wünsche frei. Das waren schon mehr!!!
Ich hätte auch gern drei Wünsche frei:
1.      Da wäre zuerst eine Aufweichung der Schulsprengelverordnung wünschenswert, um die Schule frei wählen zu können.
2.      Mehr Schulautonomie käme den Schulen sehr zugute, z. B. um die Zusammensetzung des Lehrerteams eigenständig zu entscheiden.
3.      Die Schulbuchbudgethoheit hinterfragen. Auch hier wäre mehr Autonomie notwendig. Wir würden die Gelder gern umschichten oder überständige Mittel aus dem Schulbuchbudget für andere sinnvolle Dinge verwenden.
 
Veronika Pfeifenberger: Gut wäre es, wenn die Entscheidungsträger der verschiedenen Ebenen im Bildungssystem (Schule, Bezirksschulrat, Ministerium) besser in Austausch kommen würden. Der Kontakt zum „Boden“ geht total verloren und ist so wichtig. Das könnte so manche Regelung zu Gunsten einer besseren Schule bringen.
 
Conny Münch: Die Grundbedürfnisse der Kinder wären erfüllt, also Essen, Kleidung, Wohnung.
Ein pädagogisch gestalteter Schulneubau wäre toll und wirkliche „Eigenverantwortung“, auch was die Personalauswahl betrifft um „Lernen am ganzen Tag“ zu gestalten.
 
Gertrude Pichler: Es ist wieder alles gesagt. Deshalb zum Schluss ein Gedanke, der alles einschließt: Die Kinder sitzen mit Freude in der Schule.
Gertrude Pichler
Olaf Hopfgarten: Bleibt zum Schluss die Frage, welche Anregungen Sie bisher von der Comenius-Partnerregion mitgenommen haben?
 
Johann Lüftenegger: Hohe Kompetenz und Engagement der Beteiligten, der Mut, Neues umzusetzen und neue Wege zu beschreiten, professionelle Arbeitsweise, Kooperationsbereitschaft und wertschätzendes, kollegiales Miteinander.
 
Gertrude Pichler: Mehr Besprechungen und Planungen innerhalb der Lehrerschaft geben uns die Möglichkeit unseren Unterricht lebendiger und nachhaltiger zu gestalten. Engere Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Lehrpersonen und gemeinsamer Gedankenaustausch über die Arbeit der Schüler können uns in der Wahrnehmung und Beurteilung der Schüler sensibler werden lassen.
Stunden in den altersgemischten Klassen bieten viele Vorteile, die auch wir in unserem Schulsystem nutzen wollen.
 
Conny Münch: Ich möchte „Danke“ sagen an unsere Comeniuspartner für ihre warmherzige und offene Art. Dadurch habe ich sehr viele Anregungen in den gemeinsamen Gesprächen erhalten. Ein Hinausschauen über den eigenen „Tellerrand“ wurde ermöglicht. Für mich persönlich waren die Unterrichtsbesuche in Seetal anregend für unsere gesamte Schulentwicklung.
 

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