14.04.2020
Beauftragte für Integration, Migration und Flüchtlinge

Medieninformation 15/2020

Kruppa: Syrische Waisenkinder allein in Athen – ihre Thüringer Tante hofft auf Familienzusammenführung

„Osama ist vier Jahre alt, seine Schwester Islaam sechs, zwei syrische Waisenkinder in einem Flüchtlingslager in Griechenland,“ berichtet die Thüringer Beauftragte für Integration, Migration und Flüchtlinge Mirjam Kruppa von einem aktuellen Fall. „Ihre Eltern sind tot, auf der Flucht von Syrien nach Europa haben sich Nachbarn der beiden Kinder angenommen. Jetzt hängen sie in Athen fest, in einem Flüchtlingslager.“ Eine Tante der beiden Kinder lebe in Thüringen und habe sich an die Beauftragte gewandt. Sie sei verzweifelt, würde ihre Nichte und ihren Neffen so gern bei sich aufnehmen. „In diesem Fall greift das Recht auf Familienzusammenführung nach der Dublin-Verordnung“, erklärt Kruppa. „Doch das europäische Asylsystem versagt – und die Leidtragenden sind die Allerschwächsten.“

Ziel des Asylverfahrens sei, Menschenleben und Menschenrechte zu schützen. „Der Fall von Osama und Islaam offenbart in dramatischer Weise, was bereits vor Corona galt und jetzt für viele lebensbedrohlich ist: Europa wird seiner im Asylrecht auferlegten Verantwortung nicht gerecht,“ kritisiert die Beauftragte. Dies müsse sich jeder Mitgliedsstaat zurechnen lassen, auch Deutschland. Es sei höchste Zeit, dieses tragische Versäumnis nachzuholen und den verursachten Schaden zu minimieren, fordert Kruppa. „Konkret heißt das, unbürokratisch und schnell zu helfen. Thüringen hat seine Aufnahmebereitschaft bekundet. Der Bund muss dafür den Weg freimachen. Corona macht den Handlungsbedarf noch dringlicher.“

Nach Griechenland kamen 2019 laut UNHCR 74.600 Geflüchtete, Migrantinnen und Migranten, hauptsächlich Familien mit Kindern aus Afghanistan und Syrien. Unter ihnen zähle das Flüchtlingswerk über 5.300 unbegleitete Minderjährige.
Das griechische Asylsystem sei stark überlastet. Das UN-Flüchtlingshilfswerk spreche von fast 90.000 noch nicht bearbeiteten Fällen. Im März 2020 hatte Griechenland das Asylsystem für einen Monat außer Kraft gesetzt. „Dies widerspricht sowohl der Genfer Flüchtlingskonvention als auch geltendem EU-Recht – und hat zur Folge, dass Kinder wie Osama und Islaam ihren Anspruch auf Einreise nach Thüringen nicht geltend machen können“, so Kruppa.

Bereits im November 2019 hatte Kruppa gemeinsam mit Integrations- und Ausländerbeauftragten aus sieben weiteren Bundesländern in einem offenen Brief die Innenministerkonferenz zum Handeln aufgefordert. Der Freistaat hatte sich gemeinsam mit Berlin und Niedersachsen gegenüber der Bundesregierung bereiterklärt, minderjährige unbegleitete Geflüchtete als besonders Schutzbedürftige aufzunehmen.

NACHTRAG UND KORREKTUR 22.04.2020:
Die Mutter der beiden Kinder lebt in Syrien. Nach der Ermordung ihres Mannes hatte sie die Kinder zu ihrem Schutz mit einer Nachbarsfamilie auf die Flucht nach Deutschland geschickt. Zwischenzeitlich leben die Kinder mit dieser Familie nicht mehr im Flüchtlingslager sondern in einem Keller in Athen. Das BAMF hat auf Nachfrage von Mirjam Kruppa mitgeteilt, nun Kontakt mit den griechischen Behörden aufgenommen zu haben, um den Sachverhalt zu klären
.

Wegweiser

Aktionen

Thueringen Monitor Klein Bildband Heimat Bimf www.bildungsfreistellung.de Thueringer Kampagne Wir sind Energie-Gewinner.

Serviceportal – Bürger

Services im Zuständigkeitsfinder suchen

Serviceportal – Unternehmen

Services im Zuständigkeitsfinder suchen

Serviceportal – Weitere

Services im Zuständigkeitsfinder suchen

Servicebereich

Publikationen