Geschichte

Vorgeschichte des kurmainzischen Regiments in Erfurt

742 erste urkundliche Erwähnung von Erfurt, es wird bald darauf kirchlich dem Bistum Mainz zugeordnet. - Bis um 1000 zählt der Ort zum Königsgut, dann geht die weltliche Herrschaft an den Erzbischof von Mainz über, damit ist er (später auch als Kurfürst) Stadt- bzw. Landesherr von Erfurt. Das ganze Mittelalter hindurch kann Erfurt jedoch seine Selbständigkeit gegenüber Mainz weitestgehend behaupten.

1648 Westfälischer Frieden nach dem Dreißigjährigen Krieg. Der Kurfürst von Mainz erhält erneut seine territorialen Rechte an Erfurt bestätigt.

1664 Nachdem sich Erfurt verweigert, vollstreckt der Kurfürst von Mainz Johann Philipp v. Schönborn die über Erfurt verhängte Reichsacht. Stadt und Landbesitz werden durch militärische Intervention Mainz unmittelbar zugeordnet und damit endgültig dem Kurfürsten gefügig gemacht.
Für den Kurfürsten von Mainz wird die Regierung von 1664 bis 1675 durch 3 Vizedome und von 1675 bis 1802 durch 9 Statthalter in Folge ausgeübt. Als bedeutende Statthalter sind zu nennen Reichsgraf zu Boineburg (von 1702 bis 1717), Freiherr v. Warsberg (von 1732 bis 1760) und Freiherr v. Dalberg (von 1772 bis 1802).

Geschichte der Statthalterei

1694 Durch den Statthalter v. Bassenheim (von 1679 bis 1697) Kauf eines Grundstücks (bestehend aus den Häusern Zum Stolzen Knecht, Zur Güldenen Flechte und Zum Güldenen Rost) in der heutigen Regierungsstraße für die Einrichtung der zukünftigen Statthalterei.

1699 Entscheidung für das ausgewählte Grundstück - die Umgestaltung der Gebäude, die aus der Renaissancezeit stammen, wird unter dem Statthalter v. Stromberg (von 1699 bis 1702) begonnen. - Sie bilden den heutigen Ostflügel des Hauptgebäudes.
Einzug des Statthalters in das Anwesen, das sich von nun an "Statthalterei" nennt.
Die benachbarte Wigbertikirche wird zur Hofkirche, in ihr sind 6 Statthalter beigesetzt.

ab 1702 Unter dem Statthalter zu Boineburg Ankauf westlich angrenzender Gebäude für eine vorgesehene Erweiterung und repräsentative Umgestaltung der Statthalterei - mit der Planung des Vorhabens wird der bedeutende Barock-Baumeister Maximilian v. Welsch (1671-1745) beauftragt, erste Grundrißpläne entstehen 1711.

1713 - 1722 Erweiterung und Umbau der Statthalterei nach den Plänen von Maximilian v. Welsch.
Das Hauptgebäude umfaßt den barocken Neubau (Westflügel) mit den Repräsentationsräumen und den östlichen Renaissanceflügel sowie einen Mittelrisalit, der West- und Ostflügel miteinander verbindet, und der das Vestibül, die Treppenläufe und den Festsaal aufnimmt.

1732-1740 Unter dem Statthalter v. Warsberg Neugestaltung des Terrains südlich der Statthalterei durch Aufkauf und Abbruch eines Häuserviertels. Dort Einrichtung eines umzäunten und mit Rotwild besetzten Geheges, des "Hirschgartens", sowie Errichtung von zwei Wachthäusern beiderseits des Hirschgartens.

1772 - 1802 Unter der Statthalterschaft v. Dalbergs wird die Statthalterei ein geistig-kultureller Mittelpunkt in Thüringen: Treffen mit Schiller, Goethe, Wieland, Herder, W v. Humboldt u.a. finden statt - die durch Dalberg veranstalteten Assembleen geben den Erfurter Bürgern und ihren Gästen in den Räumen der Statthalterei die Möglichkeit zum geistigen und kulturellen Austausch, zum Dialog und zur Unterhaltung.

1780 Umgestaltung des Hirschgartens zu einer mit Bäumen bepflanzten und mit Statuen geschmückten Anlage.

1802 Reichsdeputationshauptschluß: Erfurt wird Preußen zugeordnet, die Statthalterei wird preußisches Gouvernementsgebäude.

1806 In der ehemaligen Statthalterei befindet sich im Herbst 1806, vor Beginn der Schlacht bei Jena und Auerstedt, das preußische Hauptquartier. Nach der verlorenen Schlacht ziehen die Franzosen in Erfurt ein, das als "Fürstentum Erfurt" mit seinem Gebiet als "kaiserliche Domäne" Napoleon direkt unterstellt wird.

1806 –1813 Die Statthaltetei ist französisches Gouvernementsgebäude.

1808 27. September bis 14. Oktober Fürstenkongreß in Erfurt mit dem Ziel einer Neuordnung Europas durch Napoleon, hierbei Zu-sammentreffen von Napoleon mit Zar Alexander von Rußland. Napoleon wohnt und regiert während dieser Zeit im Gouvernementsgebäude (der ehemaligen Statthalterei), das für diese Zeit "Kaiserlicher Palast" genannt wird. Er empfängt hier u.a. Goethe. Die großen Festlichkeiten des Fürstenkongresses finden jedoch im ehemaligen Universitäts-Ballhaus, dem ab 1871 hiernach genannten "Kaisersaal" in der Futterstraße, statt.

ab 1814 Erfurt gehört wieder zu Preußen und die Statthalterei ist wieder preußisches Gouvernementsgebäude.
Im 19. Jahrhundert Umgestaltung der ehemaligen Statthalterei einschließlich der Hofgebäude zu einem preußischen Verwaltungsbau.

1816 - 1945 Die Statthalterei ist Sitz der Regierungspräsidenten des preußischen Regierungsbezirkes Erfurt (von 1816 bis 1945 in Folge 16 Regierungspräsidenten). Der Regierungsbezirk Erfurt umfaßt große Teile Thüringens; hierzu gehören insbesondere Erfurt und Umgebung, das Eichsfeld, die ehemaligen freien Reichsstädte Mühlhausen und Nordhausen sowie durch den Wiener Kongreß 1815 zu Preußen gekommene ehemalige sächsisch-albertinische Gebiete.
Der erste Regierungspräsident trat am 01.01.1816 sein Amt an.

1920 Bei der Konstituierung Thüringens am 1. Mai 1920 bleibt der Regierungsbezirk Erfurt ein Teil Preußens, und Weimar wird Landeshauptstadt von Thüringen.

1944 Der Reichsstatthalter in Thüringen, mit Sitz in Weimar (Schutz und Trutzgau Thüringen), erhält durch Führererlaß die Befugnisse des Oberpräsidenten für die fiktive "Provinz Erfurt". Staatsrechtlich hat sich damit an der Zugehörigkeit von Erfurt zu Preußen nichts geändert.

1945 Unter der Besatzungsmacht kommt Erfurt Anfang Juli zu Thüringen.

1945 Die ehemalige Statthalterei wird Sitz der amerikanischen Kom mandantur für Erfurt (12.04. - 03.07.).

1945 –1949 Die ehemalige Statthalterei wird nach dem Besatzungswechsel Sitz der sowjetischen Kommandantur für Erfurt.

1950 -1951 Denkmalpflegerische Arbeiten an der ehemaligen Statthalterei.

1954 -1992 Die ehemalige Statthalterei ist Sitz des Rates des Kreises Erfurt-Land / Landratsamt.

1986 Einbeziehung der ehemalige Statthalterei in die Nutzung des geplanten "Hauses der Kultur".
Durchführung kultureller Veranstaltungen im Festsaal und in den Salons.
Abriß des westlichen Wachthauses am Hirschgarten wegen des geplanten Hauses der Kultur.

ab 1992 Ausbau der ehemaligen Statthalterei zur Thüringer Staatskanzlei. Sanierung des Gebäudekomplexes unter Leitung des Staatsbauamtes Erfurt nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten für eine Nutzung durch die Thüringer Staatskanzlei.
Zu äußerlich sichtbaren baulichen Umgestaltungen des Gebäudekomplexes kommt es vor allem im Bereich des Ostflügels (Küchentrakt) und des Nordflügels. Im Mittelbau des Hauptgebäudes wird der zweite Treppenlauf der Barocktreppe wieder hergestellt. Der Festsaal und die sich anschließenden Salons werden restauriert. Im Erdgeschoß entsteht der Bürgersaal.
Die Hoffläche wird völlig neu gestaltet.

1995 4. März symbolische Schlüsselübergabe an den Thüringer Ministerpräsidenten Dr. Bernhard Vogel - Vorstellung der ehemaligen Statthalterei als Thüringer Staatskanzlei für die Öffentlichkeit.

Weiterführende Informationen

Foto: Carl Theodor von Dalberg (Gemälde im Salon Chambre d´Audience)
Carl Theodor von Dalberg (Gemälde im Salon Chambre d´Audience)
Foto: Johann Wolfgang von Goethe (Gemälde im Salon Chambre d´Audience)
Johann Wolfgang von Goethe (Gemälde im Salon Chambre d´Audience)
Foto: Kaiser Napoleon 1. (Büste im Salon Chambre d´Audience)
Kaiser Napoleon 1. (Büste im Salon Chambre d´Audience)

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