Gebäude

Das repräsentative Gebäudeensemble der ehemaligen Kurmainzischen Statthalterei in der Regierungsstraße besteht aus zwei Seitenflügeln, die durch einen risalitähnlichen Mittelbau verbunden sind.

kleiner Rundgang


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Foto: Wandbemalung im Dienstzimmer des Ministerpräsidenten (Ostflügel)
Wandbemalung im Dienstzimmer des Ministerpräsidenten (Ostflügel)

Ostflügel
Der Ostflügel der Statthalterei entstand ab 1699 aus einem Gebäudekomplex, in dem bereits die vormaligen im Renaissancestil errichteten Häuser Zur Güldenen Flechte (gegenüber der Wigbertikirche gelegen), Zum Stolzen Knecht und Zum Güldenen Rost vereinigt worden waren. Am ehemaligen Haus Zum Stolzen Knecht ist der reiche plastische Schmuck des Runderkers mit dem aus drei Feldern bestehenden Relief bemerkenswert. Es zeigt im linken Feld einen Landsknecht, den "stolzen Knecht", im mittleren Feld das Wappen des damaligen Besitzers Michael Müller und im rechten Feld einen Landsknecht zwischen drei Frauen. Die Inschrift darunter verweist auf den Bildhauer: "Meisster Valten Wild 1540 steynmetz".

Westflügel
Ab 1702 erwarb der kurmainzische Statthalter Reichsgraf zu Boineburg die dem bereits vorhandenen Gebäude der Statthalterei (dem jetzigen Ostflügel) westlich angrenzenden Grundstücke bis zur Markgrafengasse. An ihrer Stelle ließ er den Westflügel, die sogenannte "Neue Statthalterei", im Barockstil nach Plänen des bedeutenden Baumeisters Maximilian v. Welsch (1671-1745) ab 1713 errichten. Links des Haupteingangs befinden sich zwei Maßstäbe mit den Angaben:
,,1/, PREUSSISCHE RUTHE -1816" und ,,1 METER = 1 STAB".

Da im Jahre 1816 in der ehemaligen Kurmainzischen Statthalterei der Sitz des Regierungspräsidenten eingerichtet worden war, dienten die Maßstäbe durch das Anbringen am Amtsgebäude auch als amtliches Vergleichsmaß.
1/2 PREUSSISCHE RUTHE
Maßstab angebracht im Jahre 1816
1 METER= 1 STAB
Maßstab angebracht wahrscheinlich im Jahre 1872.
Am 01.01.1872 wurde das metrische System verbindlich in ganz Deutschland eingeführt.

Mittelbau mit Haupteingang
Der Mittelbau ist in Form eines Risalits, eines in seiner ganzen Höhe aus der Bauflucht vorspringenden Gebäudeteils, ausgeführt. Er verbindet den Ostflügel mit dem Westflügel der Statthalterei und umfaßt den Haupteingangsbereich im Erdgeschoß sowie den Festsaal in der 1. Etage. Das Portal des Haupteinganges wird von zwei Hermen in Gestalt von bärtigen Männern flankiert. An beiden Seiten der über dem Portal befindlichen geschweiften Balkonbrüstung sitzen zwei überlebensgroße Figuren. Die Rahmung der vom Balkon zum Festsaal führenden Tür trägt zwei Putten. Das Wappen des zur Bauzeit regierenden Kurfürsten Lothar Franz v. Schönborn ( 1695-1729) befindet sich unter dem mit einem ovalen Fenster, dem Ochsenauge, versehenen Giebeldreieck, dem Frontispiz.

Foto: Vestibül
Vestibül

Vestibül
Im Vestibül befindet sich der Zugang zum zweiläufigen Treppenaufgang des Festsaales, zum Bürgersaal und zum Palaishof sowie zu den Büroetagen.

Bürgersaal
Der Saal ist für die Öffentlichkeit zugänglich und wird als Empfangs- und Ausstellungsraum genutzt.

Treppenaufgang
Der zweiläufige Treppenaufgang entspricht seit dem letzten Umbau wieder der ursprünglichen Anlage aus der Bauzeit des Barock, da der fehlende Treppenlauf wieder eingefügt wurde. Die Deckenmalereien zeigen Wolken und Vögel. Die fehlenden Putten wurden während des Umbaus durch Neuanfertigungen ergänzt. Ihnen liegen die Themenstellungen "Die unblutige Revolution 1989", "Die Darstellung der Berufsstände" und "Die Vollendung der Deutschen Einheit" zugrunde. Das Treppenpodest vor dem Eingang zum Festsaal gewährt einen Blick zum Palaishof und die ihn umgebenden Gebäude:

Das linke Gebäude (westlich) enthielt ursprünglich die Brauerei. Nachdem diese 1725 abgebrannt war, wurde ein neuer Anbau errichtet und mit in den Verwaltungstrakt einbezogen.

Das rechte Gebäude (östlich) war ursprünglich als Standort der Orangerie vorgesehen. Diese wurde jedoch nicht gebaut - seit 1994 enthält der Gebäudeteil den Küchenanbau und die neue Toranlage.

Das mittlere Gebäude (nördlich) enthielt ursprünglich Stallungen für die Pferde und Remisen für die Kutschen (die ehemalige Nutzung ist noch an den kleineren Fenstern zu erkennen). Nach 1880 erfolgten grundsätzliche Veränderungen des Baukörpers und Aufstockungen, um zusätzliche Büroflächen zu gewinnen. Nördlich des Gebäudes entstand der Nordhof als Wirtschaftshof mit Parkflächen.

Der Palaishof zwischen den Gebäuden erhielt beim Umbau eine repräsentative Gestaltung mit vier symmetrisch angeordneten Brunnen. Eine variable Nutzung, auch für öffentliche Veranstaltungen, ist möglich.

Foto: Putte vor dem Festsaal
Putte vor dem Festsaal

Festsaal "Grande Salle“

Der repräsentative Festsaal ist quadratisch und besitzt eine Fläche von 205 Quadratmetern. Er hat eine Höhe von 9,43 m und erstreckt sich über 2 Stockwerke, an der Nordseite ist eine Galerie eingeordnet. Die Stuckarbeiten an der Decke und der Voute, dem halbrunden Übergang von der Decke zur Wand, fertigte Gottfried Gröninger in den Jahren 1718 bis 1722 nach Vorlagen des italienischen Stukkateurs Johann Peter Castelli.
Das Deckengemälde führte ein unbekannter Künstler aus. Es stellt auf hohem Thron den Triumph der Wahrheit dar, den allegorische Figuren mit ihren Attributen umgeben. Die einzelnen Figuren stehen insbesondere für die Versinnbildlichung der positiven und negativen menschlichen Eigenschaften, des Glaubens und des Entkommens aus der Verdammnis:

Von links sprengt ein Jüngling auf einem Löwen heran, die Stärke verkörpernd; zu Füßen des Thrones lagern auf Wolken mehrere Frauengestalten, deren Attribute sie als Verkörperung der Klugheit (Schlange), Macht (Schwert), Gerechtigkeit (Waage), Liebe (Herz), Fruchtbarkeit (Pinienzweig), Güte (Lamm), Triumph (Lorbeerkranz), Standhaftigkeit (Säule), Leidenschaft (Rose), Mäßigkeit (Sanduhr) und Eitelkeit (Pfau) ausweisen. Den unteren Bereich des Bildes füllen der Untergang der Macht (Schild nach unten gerichtet) und der Untergang des Lebens (Fackel nach unten gerichtet) sowie das Böse im Menschen (Schlangen) und die Habsucht (Geldbeutel).

Foto: Deckengemälde im Festsaal
Deckengemälde im Festsaal

Vier Medaillons, Bilder in besonderer Umrahmung, umgeben das Deckengemälde. Auf ihnen befinden sich Darstellungen der Baukunst, des Reichtums, des Gewerbes und des Erfolges.
Die vier Kartuschen in den Ecken des Saales sind die Zierrahmen um den Namenszug (die verschlungenen Anfangsbuchstaben des Namens) des Mainzer Kurfürsten Lothar Franz von Schönborn, der von 1695 bis 1729, also in der Bauzeit regierte.

Salons
Die angrenzenden Salons besitzen reich ausgeführte Stuckdecken, deren Spiegel, die eingefaßte ebene Fläche, jedoch keine Gemälde enthalten.

Salon „Antichambre" (Empfangszimmer)
An der Decke befinden sich 4 runde Medaillons. Eine auf der Fläche des Spiegels ursprünglich vorgesehene farbliche Gestaltung ist zwar teilweise vorgezeichnet, wurde jedoch nicht ausgeführt.

Gemälde:
Vikroria, Königin von England und Albert, Prinzgemahl von England
Englischer Hofmaler von 1845, Dauerleihgaben der Kunstsammlungen zu Weimar:

Viktoria, geb. 1819 Tochter des englischen Herzogs Eduard von Kent und der Prinzessin Victoria von Sachsen-Coburg und Gotha - regierte 1837 bis 1901 - gest. 1901. Albert, geb. 1819 Sohn von Herzog Ernst I. von Sachsen-Coburg und Gotha und der Prinzessin Luise von Sachsen-Altenburg - verh. 1840 mit Viktoria -gest. 1861.

Viktoria und Albert waren über ihren gemeinsamen Großvater Franz Friedrich Anton, Herzog von Sachsen-Coburg-Saalfeld verwandt, sie hatten neun Kinder, über die zu anderen europäischen Fürstenhäusern Verbindungen bestanden. Viktoria führte das britische Weltreich zu seiner größten Ausdehnung, Macht und Blüte, nach ihr ist das sogenannte Viktorianische Zeitalter benannt. Albert beeinflußte die Regierungsarbeit Viktorias positiv und festigte die Stellung der britischen Krone, er wurde von Viktoria sehr verehrt und erhielt 1857 den Titel "Prince Consort".
Viktoria und Albert waren die Begründer des noch jetzt regierenden englischen Königshauses, das ursprünglich Sachsen-Coburg und Gotha hieß, sich jedoch 1917 unter dem Druck der Ereignisse des Ersten Weltkrieges in "Haus Windsor" umbenennen mußte.
Mit den beiden Gemälden ist die Erinnerung an die ehemals dem Erfurter Gebiet angrenzenden sächsisch-emestinischen Herzogtümer verbunden. Durch die Bilder von Viktoria und Albert wird dem Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha eine besondere Bedeutung beigemessen.

Salon „Chambre d´Audience“ (Audienzzimmer, Erkerzimmer)
Gemälde: Carl Theodor von Dalberg, unbekannter Künstler um 1790, Original: Rosengartenmuseum Konstanz, Kopie Konrad Karzer, Weimar 1998

Carl Theodor Anton Maria von Dalberg (1744-1817) war von 1772 bis 1802 kurmainzischer Statthalter in Erfurt und residierte in der Statthalterei. Er nahm großen Einfluß auf das geistige und kulturelle Leben Erfurts, in dessen Mittelpunkt er die Statthalterei stellte. Bekannt sind besonders seine "Assembleen", zu denen jeder "ordentlich gekleidete" Bürger Zutritt hatte

Gemälde: Johann Wolfgang von Goethe 1825, Julie Gräfin von Egloffstein - Original: Kunstsammlungen Weimar - Kopie Konrad Katzer, Weimar 1996

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) weilte als Staatsbeamter des Herzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach oft in Erfurt und wohnte zu diesen Anlässen im benachbarten Geleitshaus. Eine langjährige Freundschaft verband ihn mit dem kurmainzischen Statthalter Dalberg.

Büste. Napoleon I., Original: Versailles musée national - Kopie 1996

Napolen I. (1769-1821), Kaiser der Franzosen, hatte zwischen 1807 und 1813 mehrere Aufenthalte im Erfurter Gouvernementsgebäude, der ehemaligen Kurmainzischen Statthalterei. Den Höhepunkt seiner Aufenthalte bildete der Fürstenkongreß, der vom 27. September bis 14. Oktober 1808 in Erfurt stattfand. Während dieser Zeit nannte sich das Gebäude der ehemaligen Statthalterei Kaiserlicher Palast.

Am 2. Oktober 1808 fand im Erkerzimmer des Westflügels die denkwürdige Audienz statt, zu der Napoleon Goethe geladen hatte. Besonders bekannt ist der auf Goethe bezogene bewundernde Ausspruch Napoleons: " Vous êtes un homme". Zu den von Napoleon durchgeführten Audienzen wurden u.a. auch Christoph Martin Wieland und Johann Bartholomäus Trommsdorff geladen.

Kommoden-Aufsatzschrank, süddeutsch, wahrscheinlich um 1750/60 Dauerleihgabe der Kunstsammlungen zu Weimar

Salon " Chambre de Parade" (Sitzungszimmer)
Büste: Friedrich von Schiller, Johann Heinrich von Dannecker 1794 (schwäbischer Bildhauer, lebte von 1758 bis 1841) Original: Kunstsammlungen zu Weimar-Kopie 1997

Friedrich von Schiller (1759-1805) pflegte von 1790 bis 1802 ein besonders enges freundschaftliches Verhältnis zum kurmainzischen Statthalter Dalberg, der ihm für die Zukunft umfangreiche Unterstützung versprach. Die für Schiller in Aussicht gestellte Hilfe konnte Dalberg jedoch durch die veränderten politischen Verhältnisse zu Beginn des 19. Jahrhunderts nicht verwirklichen.

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