04.01.2016
Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie

Medieninformation

Nachruf Prof. Rudolf Zießler (1934–2015)

Wie dem Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie erst jetzt bekannt wurde, verstarb am 17.12.2015 nach schwerer Krankheit der erste Landeskonservator des Freistaates Thüringen, Prof. Rudolf Zießler, im Alter von 81 Jahren.

Rudolf Zießler wurde am 07.08.1934 in Morgenröthe-Rautenkranz geboren. Sein Studium der Kunstgeschichte an der Universität Greifswald schloss er 1957 mit seiner Diplomarbeit über Bettelordenskirchen in Sachsen ab.
Seit 01.05.1958 war er ununterbrochen in der Denkmalpflege tätig, zunächst in der Arbeitsstelle Dresden des Instituts für Denkmalpflege der DDR. Wenige Jahre später folgte er einem Ruf an die zum 01.01.1963 neu gegründete Arbeitsstelle Erfurt des Instituts für Denkmalpflege, der Vorgängerinstitution des heutigen Bereiches Bau- und Kunstdenkmalpflege des Thüringischen Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie (TLDA). Zießler zählte hier zu den allerersten Mitarbeitern und wurde Leiter der Abteilung Forschung. Gemeinsam mit dem Chefkonservator Hans Schoder, dessen Stellvertreter er später wurde, baute er die erste, das gesamte Territorium des heutigen Freistaates Thüringen zuständige Fachinstitution für die Bau- und Kunstdenkmale auf. Sie entwickelte sich bis Ende der 1960er Jahre mit ihrem konsequent interdisziplinären Zuschnitt und diversen Fachreferaten zu einer auch im internationalen Vergleich modernen Fachinstitutionen.
1976 erfolgte die Ernennung Zießlers zum Hauptkonservator.

Nicht zuletzt Zießlers Pragmatismus ist zu verdanken, dass der Thüringischen Denkmalpflege damals trotz der begrenzten ökonomischen Möglichkeiten in der DDR herausragende denkmalpflegerische Leistungen gelangen, so die Restaurierung von wertvollen Kircheninnenräumen, z. B. der Stadtkirchen in Rudolstadt, Saalfeld, St. Marien in Mühlhausen, Schmalkalden usw. Wichtige Partner waren dabei stets die kirchlichen Bauämter, mit denen teilweise eine schon fast symbiotisch zu nennende Beziehung eingegangen wurde. Deren Möglichkeit, nur über den Einsatz von Devisen zu beschaffende Materialien zu beziehen, wurde von Zießler auch für die Restaurierung profaner Denkmale genutzt.

Zießlers wissenschaftliches Verdienst in dieser Zeit liegt insbesondere bei der Forschung zur Architekturpolychromie sowie in der methodischen Auseinandersetzung und der interdisziplinären Zusammenarbeit zu diesem Thema. Seine umfangreichen Kenntnisse auf diesem Gebiet flossen in zahlreiche Publikationen und Beiträge ein, die auch international, in Ost und West, große Aufmerksamkeit fanden. Die auf wissenschaftlicher Basis erfolgte Wiederherstellung zahlreicher Raumfassungen und Fassadenfarbigkeiten in den 1960er und 1970er Jahren ist ohne Zießlers Arbeit für Thüringen kaum vorstellbar. Besonders verdienstvoll war seine wissenschaftliche Beschäftigung mit Schloss Wilhelmsburg in der ehemaligen hessischen Exklave Amt Schmalkalden, den Südthüringer Klöstern Rohr und Veßra und insbesondere mit den Thüringer Residenz- und Lustschlössern.

Nach Rücktritt von Hans Schoder wurde Zießler im Mai 1990 Chefkonservator, seit Juli 1991 dann erster Landeskonservator Thüringens. Nach dem Aufbau der Arbeitsstelle Erfurt des Instituts für Denkmalpflege kam ihm nun auch die Aufgabe der Re-Organisation als Landesamt für Denkmalpflege des jungen, 1990 wieder gegründeten Freistaates Thüringen zu. Dabei halfen ihm nicht nur seine langjährigen fachlichen Erfahrungen, die er u. a. auch in die Arbeit der Kommission zur Kultur zum Einigungsvertrag 1990 einbrachte, sondern auch seine über viele Jahre und alle Grenzen hinweg gepflegten kollegialen Kontakte mit den Kollegen diesseits und jenseits des Eisernen Vorhanges. Insbesondere zu den damaligen Landeskonservatoren in Hessen, Gottfried Kiesow, und in Rheinland- Pfalz, Magnus Backes, entwickelte sich ein freundschaftliches Verhältnis.
Zudem gelang Zießler, dass die Denkmalfachbehörde 1992 erstmals seit ihrer Gründung 1963 ein eigenes Dienstgebäude beziehen und damit ein fast drei Jahrzehnte dauerndes Provisorium verlassen konnte und der wissenschaftliche und technische Personalbestand den gewachsenen und geänderten Anforderungen entsprechend erhöht wurde.

Zießlers wissenschaftliche Verdienste wurden am 07.06.1995 mit einer Honorarprofessur am Lehrstuhl für Kunstgeschichte der Friedrich-Schiller-Universität Jena geehrt.

Ein letzter beruflicher Höhepunkt war zweifelsohne die Ausrichtung der Jahrestagung der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger in der Bundesrepublik Deutschland im Juni 1998 in Thüringen. Sie stand zwar unter dem Motto „Denkmalpflege und landesherrschaftliche Architektur“. Diese nutzte Zießler aber, um nicht nur auf die bemerkenswerten wissenschaftlichen und denkmalpflegerischen Ergebnisse an den im Land zahlreichen Zeugnissen der historischen Kleinstaatlichkeit aufmerksam zu machen, sondern auch auf die Erfolge bei der Sicherung des umfangreichen Bestandes an sonstigen Bau- und Kunstdenkmalen im Freistaat.
Am 31.08.1999 trat Rudolf Zießler in den Ruhestand.

Mit seinem Tod haben nicht nur die Kolleginnen und Kollegen des Thüringischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie einen weit über Thüringen ob seiner profunden fachlichen Kenntnisse hinaus geschätzten und geachteten Kollegen verloren. Mit seinem Wirken sind zudem 33 Jahre kontinuierlicher Arbeit einer staatlichen Fachbehörde für die Bau- und Kunstdenkmale in Thüringen verbunden, die deren Wirken bis heute prägten und in unserer Denkmallandschaft bedeutende Spuren hinterlassen hat.

Nachruf Zießler
Prof. Rudolf Zießler, Aufnahme von 1995 (Foto: TLDA, Erfurt)

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