Ein romanischer Keller in Erfurt, Weiße Gasse 30/Georgsgasse

Von März 2015 an konnte in Erfurt, Weiße Gasse 30/Georgsgasse bei archäologischen Ausgrabungen durch das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie (TLDA) im Zuge von Bauarbeiten für einen Wohnkomplex ein romanischer Keller freigelegt werden.

Bereits der Blick auf den heutigen Katasterplan zeigt mit der Flurstücksnummer 80/2 eine auffällig große Parzelle, deren Fläche ein Mehrfaches der umgebenden Grundstücke beträgt. Die urkundliche Überlieferung vermerkt hier eine „Curia“ die in Besitz namhafter Erfurter Familien war. Die Bezeichnung „Curia“ lässt auf einen herausragenden Grundbesitz schließen, quasi eine der „Urparzellen“ der Stadt. Die nachgewiesenen Familien lassen sich zudem dem Vikariat des Erfurter Domes zuordnen. Genau an der Parzellengrenze zu den kleineren Grundstücken  konnte bei den archäologischen Untersuchungen im Frühjahr 2015 ein mit rund 13,80 × 9,40 m ausnehmend großer und qualitätsvoller romanischer Keller freigelegt werden. Er besitzt einen ursprünglich mittigen Eingang von Norden; ungewöhnlich an der Pforte ist die Verwendung sehr großer vertikaler Sandsteinplatten.

Das Außenniveau war unterschiedlich, nur im Norden ragte das Gebäude über das Laufniveau, im Süden dagegen nicht.  Eine genauere Datierung als allgemein in die romanische Zeit ist bislang nicht möglich. Da aber das zugehörige Außenniveau erhalten ist, kann hier möglicherweise über die wahrscheinlich 2016 fortzuführende Grabung eine  genauere Datierung erfolgen. Dem Keller zugeordnet werden kann bereits jetzt ein außerhalb des Gebäudes gelegener Ofen, der noch nicht ausgegraben wurde.

Ungewöhnlich sind sowohl die Größe des Baus als auch die Qualität des Mauerwerks. Typisch für die romanische Zeit sind die lagergerechte Vermauerung und die Ritzfugen an Innen- und Außenseite des Kellers. Vom Zugang auf der Nordseite ist die Pforte erhalten, diese wurde allerdings später überformt und abgearbeitet, um Fässer in den Raum bringen zu können. Mit der Tieferlegung des Fußbodens und nachträglichen Einwölbung  des Kellers wurde die Pforte unterfahren und ein zweiter Zugang von der Ostseite geschaffen; von diesem Zugang hat sich die Pforte nicht erhalten. Die Datierung des Gewölbes ist bislang nur grob in die späte Gotik/frühe Neuzeit  möglich. Die Aufgabe des Kellers erfolgte nach datiertem Fundmaterial aus seiner Verfüllung erst in der Mitte des 19. Jh. Auf dem verfüllten Keller wurde ein Wohnhaus in Fachwerkbauweise errichtet, das zu Beginn der 1990er Jahre angebrochen wurde.

Bislang ohne nachgewiesene Parallele ist der quadratische Anbau auf der Südseite des Kellers. Er weist die gleiche Mauerstärke auf wie der gesamte Bau. Damit ist seine Deutung als Treppenzugang für die steinernen Obergeschosse wahrscheinlich. Erhalten ist der Ansatz am Kellermauerwerk, der die Gleichzeitigkeit der Errichtung belegt und im Übrigen ein deutlicher Abdruck des abgebrochenen Mauerverlaufs.

An der nördlichen Außenseite des aufgehenden Mauerwerkes ist ein sehr deutlicher Brandschaden zu sehen, der so groß war, dass die Nordwestecke teilweise erneuert werden musste. Eine genaue Datierung des Brandes ist nicht möglich, die Reparatur dürfte nach der Mauerwerkstechnik bereits in frühgotischer Zeit  (noch im 13. Jh.)  erfolgt sein.

Der Keller ist als Bodendenkmal unter Schutz gestellt worden und soll in die zukünftige Bebauung durch Mietshäuser integriert werden.

 

Historische Überlieferung

Aus dem Jahr 1193 stammt die erste Erwähnung mit dem Spital des Klosters Pforta (Urkundenbuch Beyer Teil I). Ab 1321 wird das Grundstück über die Freizinsregister fassbar unter dem Namen „Nussbaum“,  „Halbe Kanne“ oder „Kanne“. Aus schriftlicher Überlieferung sind bis zum Ende des 16. Jh. namhafte Erfurter Bürger als Besitzer belegt, wie die Familie Schwanring, Heinrich von Frienstedt, von Weißensee, Rockstedt, Hugo Brun und andere. Die Benennung als Curia weist zudem auf eine bedeutende Besitzung hin.

 

Dr. Karin Sczech,
Gebietsreferentin Städte, TLDA, Weimar
Tel.: 03643 - 818 342     
karin.sczech{at}tlda.thueringen{punkt}de  

 

Ausgrabungsarbeiten am romanischen Keller Weiße Gasse Erfurt
Freilegung des Kellers im Frühjahr 2015 mit Georgsturm im Hintergrund (Foto: K. Sczech, TLDA, Weimar)
Luftbild Weiße Gasse Erfurt mit freigelegtem Keller
Luftbild der Grabungsfläche in der Weißen Gasse (Foto: Rahnfeld GmbH)

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