Mit Pomp und Gefolge – die Bestattung eines Granden aus dem Thüringer Königreich (5./6. Jh. n.Chr.) bei Boilstädt, Stadt Gotha

Grabkammer Boilst _dt Kultusminister Matschie Und Pr _sident Des Landesamtes - Kopie
Pressekonferenz auf der Grabung in Boilstädt mit Landesarchäologe Dr. Sven Ostritz und Kultusminister Christoph Matschie

Archäologische Entdeckungen auf der Ortsumfahrung Sundhausen zwischen Leina und Boilstädt

 Seit Mai 2013 werden auf der Trasse der neuen OU Sundhausen archäologische Ausgrabungen durchgeführt, die eine Fülle herausragender Funde und Befunde aus verschiedenen archäologischen Epochen erbrachten.

 Sensationell ist die Entdeckung einer Grabkammer aus der Zeit des Thüringer Königreiches (5./6. Jh. n. Chr.) bei Boilstädt, Stadt Gotha. In einer 2x3 m großen und 2 m tiefen Kammer wurde ein Mann mit seinen Waffen und Ausrüstungsgegenständen beigesetzt. Das Grab ist im Gegensatz zu früheren Funden nicht beraubt. Der Mann war mit Sicherheit ein Krieger und so aufwendig bestattet, dass man eine enge Verbindung zum Königshaus annehmen muss. Die Funde sind durch Wassereinfluss konserviert, so dass die Archäologen und Naturwissenschaftler des TLDA mit einer guten Erhaltung von Textilien, Leder und pflanzlichen Resten rechnen. Bereits jetzt sind die Lage des Toten, seine eisernen Waffen (Ango, Lanze, Schild) und ein Knochenkamm zu erkennen. Geophysikalische Messungen lassen weitere (Edel-)metallfunde erwarten.

Die Einmaligkeit des Befundes erfordert eine Bergung im Block, der dann mit allen heute zur Verfügung stehenden Mitteln im TLDA weiter untersucht werden kann.

Gleich nordöstlich neben der Grabkammer wurden die Lieblingstiere des Kriegers bestattet: sein Pferd und ein prächtiger Hund. Das gut erhaltene Pferdeskelett verdient besondere Aufmerksamkeit, sind es doch ihre Pferde, die den „Thoringi“ bereits um 400 die Aufmerksamkeit des römischen Veterinärs Vegetius verschufen.

Rund um dieses Kammergrab befindet sich ein Reihengräberfeld der Thüringer aus dem 6.-8. Jh.n.Chr. Die Gräber enthalten Trachtbestandteile wie Gürtel und sehr persönliche Gegenstände wie Toilettengerät, Spinnwirtel und Messer. Zur Beisetzung wurden die Grabgruben mit Holzkonstruktionen ausgebaut und wahrscheinlich auch Brettersärge verwendet. Neben besonderen Grabbeigaben weist vor allem der Grabbau auf die soziale Stellung und gesellschaftliche Wertschätzung der Toten hin.

Entdeckt wurden außerdem jungsteinzeitliche Gräber (3. Jt.v.Chr.), frühbronzezeitliche (18. Jh.v.Chr.) und eisenzeitliche (7./6. Jh.v.Chr.) Siedlungsreste, eine ausgedehnte Dorfstelle der späten Kaiser- und Völkerwanderungszeit (4.-6. Jh.n.Chr.). Auch einen Grabhügel aus der Bronzezeit konnten die Archäologen lokalisieren. Eine Kiste aus Steinen (darunter viele Bruchstücke von Reibmühlen) lag im Zentrum und barg eine Körperbestattung. Am Rande des Hügels fanden sich vier weitere Körpergräber. Die Toten trugen Bronzeschmuck, der eine Datierung an das Ende des 2. Jt.v.Chr. gestattet. Die Landwirtschaft hatte den Grabhügel und das Reihengräberfeld völlig eingeebnet.

Die hohe Funddichte auf der Straßentrasse bestätigt die Siedlungsgunst des Gothaer Landes. Das westliche Thüringer Becken ist als Wirtschaftsstandort und Verkehrsraum zu jeder Zeit attraktiv gewesen.

Die Ausgrabungen führte das TLDA in ausgezeichneter Zusammenarbeit mit dem Straßenbauamt Mittelthüringen durch. Die archäologischen Untersuchungen werden bis Ende September abgeschlossen sein.

 

Ansprechpartner: Dr. Thomas Grasselt, Tel. 03643/81 83 41.

                             E-Mail: Thomas.Grasselt{at}tlda.thueringen{punkt}de

 

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