Archäologische Untersuchungen im Franziskanerkloster Saalfeld

Im Franziskanerklosters Saalfeld fanden in den letzten Jahren äußerst umfangreiche archäologische Ausgrabungen durch das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie (TLDA) statt. Das Kloster wurde um die Mitte des 13. Jh. errichtet und fand seinen Platz am Westrand der im 12. Jh. entstandenen staufischen Stadt. Seine Ersterwähnung geht auf das Jahr 1265 zurück. Mit der Klosterkirche St. Marien und der nach Norden angebauten Klausur ist der Kernbereich des Klosterensembles erhalten geblieben, der heute als Städtisches Museum genutzt wird. Zwischen 1490 und 1520 erfolgten im Kloster umfangreiche Erweiterungen und Umbauten. Mitte des 16. Jh. wurde das Kloster aufgegeben und die Gebäude einer anderen Nutzung zugeführt.

Nordöstlich der Klosterkirche wurde in der Brudergasse 18 ein Mauerkomplex eines größeren Gebäudes aufgenommen. Diese Gebäudestruktur reicht zeitlich bis in die Anfänge des Klosters in das 13. Jh. zurück und gehörte sicher zum 1276 erwähnten Schaffnerhof. Der Verwalterhof des Klosters wurde 1276 erstmals urkundlich erwähnt. Im benachbarten Grundstück (Brudergasse 18) konnte der Nachweis geführt werden, dass vor dem Bau des Klosters eine hochmittelalterliche Wohnbebauung vorhanden war.

Bei den Untersuchungen direkt nördlich der Klausur konnten aufgrund einer hohen Befunddichte die rückwärtigen Gebäude des Klosters dokumentiert werden. Zu den herausragenden Befunden zählen mindestens acht Stein- bzw. Erdkeller, die zum Teil über 2 m eingetieft waren. Das größte Gebäude hatte eine Länge von ca. 9,20 m und war mindestens 4,60 m breit. Das Fußbodenniveau wurde hier in einer Tiefe von ca. 2,40 m erreicht. In der Verfüllung dieses Gebäudes fanden sich über 12.000 Flachglasscherben, die zu Bleiglasfenstern gehörten. Es sind grüne, braune, blaue und rote Scherben, die teilweise im Schwarzlotverfahren bemalt sind. Zu nennen ist weiterhin eine ovale Ofenanlage, in der man wahrscheinlich Gerste für die Bierherstellung trocknete. Ein Mauerkomplex, der sich nur in wenigen Steinlagen erhalten hatte, könnte zur Klostermauer des 13. Jh. gehören. Sie war auf einem älteren Graben gegründet worden. Sie wurde sicher mit der Klostererweiterung Ende des 15. Jh. niedergelegt.

In einem fast quadratischen Erdkeller von 4,35 × 3,70 m Seitenlänge und einer Tiefe von bis zu 1,30 m kam ein besonderer und für Thüringen äußerst seltener Fund zutage. Hier fand man eine Goldmünze von 1419 aus der Münzstätte Riehl bei Köln. Bei der Münze handelt es sich um einen Goldgulden des Rheinischen Münzvereins, einem Währungsgebiet, das die kurfürstlichen Erzbischöfe von Köln, Mainz Trier und der Pfalzgraf bei Rhein 1385/86 geschaffen haben. Das Stück aus Saalfeld lässt sich als Prägung des Kölner Erzbischofs Dietrich II., Graf von Moers (1414–1463), bestimmen und datiert auf 1419. Die Münze hat einen Durchmesser von 22,9 mm, ein Gewicht von 3,504 g und einen Feingehalt von 19 Karat. Goldgulden waren das höchste Zahlungsmittel dieser Zeit! Der Verlust wird den damaligen Besitzer stark getroffen haben. Die Münze unterstreicht die Bedeutung des Klosters für die Stadt Saalfeld.

 

Dr. Ines Spazier
Gebietsreferentin Ostthüringen, TLDA, Weimar
Tel.: 0361 - 57 3223 343
Ines.spazier{at}tlda.thueringen{punkt}de 

 

Saalfeld Grabungsfläche
Blick auf die Grabungsfläche Franziskanerkloster Saalfeld (Foto: TLDA, Weimar)
Saalfeld Franziskanerkloster Fensterglas
Einige der 12.000 Flachglasscherben (Foto: H. Arnold, TLDA, Weimar)
Saalfeld Franziskanerkloster Münze Vorderseite
Der Goldgulden von 1419 – höchstes Zahlungsmittel seiner Zeit (Foto: H. Arnold, TLDA, Weimar)

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