Artern: Feuersteinabbau in Nordthüringen

Der in Thüringen erstmalige Nachweis des „bergmännisch“ betriebenen Abbaus von Feuerstein gelang jüngst bei Artern im Kyffhäuserkreis. Die Erweiterung eines Industriegebiets machte größere Ausgrabungen östlich der Stadt durch das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie (TLDA) erforderlich. Etwa 550 unterschiedlich gestaltete Gruben, Grubengruppen und Schächte lassen eine Funktion bei der über längere Zeit betriebenen Gewinnung erkennen.

Ziel war „Geschiebefeuerstein“ aus eiszeitlichen Ablagerungen. Dabei ist auf stark kiesigen Bereichen bzw. sandige und tonige Zonen mit unterschiedlichen Abbauarten reagiert worden. Während in den wenig bündigen Bereichen Kuhlen und kleine Pingen angelegt worden sind, erfolgte der Abbau in den bindigen Bereichen in z. T. mehr als 5 m tiefen und im Durchmesser 0,80 m bis 1,20 m messenden Schächten. Erweiterungen im Sohlbereich sind nur in Ansätzen zu beobachten, aber auch nicht notwendig, da die gesuchten Feuersteinknollen relativ homogen in den eiszeitlichen Ablagerungen verteilt sind. Die Schächte sind bis ca. 1 m unter der alten Geländeoberfläche sehr schnell und vermutlich mit dem Aushub des nächsten Schachtes wieder verfüllt worden. Die oberflächennahen Bereiche sind dagegen durch eine langsame „natürliche“ Verfüllung mit humosem Material gekennzeichnet.

Zum Abbau benutzte Gerätschaften, wie sie auch andernorts im jungsteinzeitlichen Bergbau Verwendung fanden, konnten in geringem Umfang geborgen werden. Ein annähernd vollständiges Gezähe (Abbauwerkzeug) und einige kleine Fragmente bestehen aus Rothirschgeweih. Bisher liegen vier Rinderschulterblätter in verschiedener Erhaltung vor, die als Schaufeln verwendet worden sind.

Aus einer Grube stammen während der Verfüllung mit eingebrachte Kerne, Klingen, Abschläge, Absplisse und Trümmerstücke aus Feuerstein, welche die Bearbeitung der Feuersteinknollen am Abbauort belegen.

In einigen eher randlich gelegenen der etwa 50 bisher näher untersuchten Gruben und Schächte fanden sich freie Skelettteile, Teilskelette und Skelette von mindestens zehn Menschen. Bei den Toten handelt es sich nach erstem Augenschein um Erwachsene beiderlei Geschlechtes. Die Lage und Haltung der Toten sowie fehlende Beigaben lassen reguläre Bestattungen wenig wahrscheinlich erscheinen. Dagegen lassen sich verschiedene andere Szenarien vorstellen, in deren Folge die Menschen in den Abbauen verblieben; Spannendes gilt es zu klären: Sind die Bergleute selbst hier bestattet worden oder ihre Angehörigen? Sehen wir die normale Bevölkerung, besonders Bevorrechtete oder im Gegenteil entrechtete Sklaven vor uns? Wie sind diese Menschen zu Tode gekommen?

Drei schnurkeramische Gräber aus der Mitte des 3. Jt. v. Chr. schneiden in die Bergbaubefunde – sind also jünger. Erste 14C-Datierungen an zwei Individuen aus einem Schacht weisen auf ein Alter zwischen 3350 und 3100 calBC hin.

Der Feuersteinabbau von Artern weist zusammen mit dem etwa 25 km nordöstlich liegenden Ende 2013 nachgewiesenen Abbau bei Helfta im Süden Sachsen-Anhalts auf eine neu erkannte Abbauregion in Mitteldeutschland hin.


Karin Schwerdtfeger, Mario Küßner

 

Dr. Mario Küßner
Gebietsreferent Nordthüringen, TLDA, Weimar
Tel.: 0361 / 57 3223-346
mario.kuessner{at}tlda.thueringen{punkt}de

 

Artern Ein Teil Des Abbaufeldes Bei Artern _foto Tlda Küßner
Ein Teil des Abbaufeldes bei Artern (Foto: M. Küßner, TLDA, Weimar)
Artern Reste Einer Feuersteinknolle _foto Tlda Küßner
Reste einer Feuersteinknolle (Foto: M. Küßner, TLDA, Weimar)
Artern Skelett In Einer Abbaugrube _foto Tlda Küßner
Skelett in einer Abbaugrube (Foto: M. Küßner, TLDA, Weimar)

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