Ausgrabungen in der Stadt Altenburg, Teichstraße 4–7 und Langengasse 20

Das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie (TLDA) führte von Juli 2014 bis Frühjahr 2015 umfangreiche Untersuchungen in einem Stadtquartier durch, zu dem ca. fünf Parzellen gehörten. Es liegt im Innenstadtbereich direkt an der südlichen Stadtmauer. Die ehemalige Gebäudesubstanz – u. a. das Konzert- und Ballhaus „Preußischer Hof“ und das Restaurant „Zur guten Quelle“ – wurde in den letzten Jahren abgerissen. Die Altenburger Wohnungsgenossenschaft plant hier barrierefreie Wohnungen.

Es konnte erstmalig das Gesamtensemble der mittelalterlichen Stadtbefestigung erfasst werden: Der Stadtgraben von rund 7,50 m Breite wurde wohl in der ersten Hälfte des 13. Jh. angelegt (geschätzte Tiefe von ca. 5 m). Nördlich davon befand sich die flach gegründete und 1,45 m breite Stadtmauer, die nur als abgetragener Rest in Form der Gründungslage erhalten war und deren Bau gegen Ende des 13. Jh. beendet wurde. In diesen Kontext gehörte auch eine Holzkonstruktion, bei der es sich um verbrannte Reste eines nicht klar bestimmten Bauwerkes (evtl. Brücke, Turm, Tor) handelte; es konnte erst bei den Ausgrabungen erfasst werden. Parallel zur Stadtmauer konnte eingetieft in den Rand des Stadtgrabens eine Zwingermauer mit Sichtmauerwerk von geringerer Breite erfasst werden. Die erhaltene Höhe betrug 2,70 m. Die Bauzeit der Zwingermauer kann stratigrafisch in das 14. Jh. datiert werden. Zu dieser Zeit war der untere Bereich des Stadtgrabens bereits verfüllt.

Direkt an der Außenseite des Stadtmauerrest konnte vermutlich die Ausbruchgrube eines weiteren kleinen Stadtmauerturmes erfasst werden. Stadtmauer und die Ausbruchgrube tiefen in eine mittelalterliche Kulturschicht ein, so dass von einer Gleichzeitigkeit beider Baustrukturen auszugehen ist.

Zu den älteren Steinbauten zählen ein kleiner und ein größerer spätmittelalterlicher Steinkeller mit rechteckigem Grundriss: Der größere war mit einem Steingewölbe bedeckt, der kleinere besaß offenkundig eine Holzdecke bzw. einen Fachwerkoberbau. Des Weiteren fanden sich fünf Erdkeller bzw. kellerartige Gruben unterschiedlicher Größen des Spätmittelalters mit teils reichhaltigen Fundinventar (z. B. Stangengefäße), fünf kastenförmige Gruben mit sichtbaren Resten von Holzeinbauten bzw. mit einer Holzbodenauskleidung, die ins 13.–15. Jh. datierten, eine spätmittelalterliche Grube mit Schmiedeabfällen, Buntmetallresten und Gussformen sowie weitere, zahlreiche ins Spätmittelalter datierende Abfallgruben und mehrere Vorratsgruben (13.–16. Jh.) von guter Erhaltungstiefe mit teils reichlichem Fundinventar.

Ein Steinbrunnen und spärliche Reste einer überwölbten Ofenanlage aus Ziegelstein fanden sich auf dem Areal des ehemaligen Freihofes, beide datieren vorläufig ins ausgehende Spätmittelalter resp. in die Frühneuzeit. Außerhalb der Stadtbefestigung zeigte sich die Pfostensetzung eines Gebäudes bzw. einer Baustruktur des 13./14. Jh. im Bereich Langengasse.

 

Dr. Ines Spazier, TLDA
Tel.: 03643 - 818 343
Ines.spazier{at}tlda.thueringen{punkt}de 

 

Altenburg Grabung
Blick über die Ausgrabungsfläche in Altenburg (Foto: Ines Spazier, TLDA)

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