Erfurter Bier – die älteste Brauerei Thüringens im Ursulinenkloster

Die archäologischen Grabungen des Thüringischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie (TLDA) im Erfurter Ursulinenkloster begannen Anfang August 2015, nachdem an Stelle eines Gebäudes aus dem 19. Jh. ein unterkellerter Neubau errichtet werden soll. Sehr schnell wurde klar, dass man die Wirtschaftsgebäude des Klosters angetroffen hatte, einfache Fachwerkhäuser, teilweise mit Steinsockeln, gepflastert oder mit Lehmfußböden ausgestattet. Ungewöhnlich war die große Zahl von Öfen, die in zeitlicher Abfolge gebaut wurden. Sie sind jeweils mit einem Gewölbe aus Sandsteinen versehen; auf dem Boden eines Ofens lag eine dicke Schicht verkohlter Gerste – deutlicher Hinweis zur Bierherstellung. Vermutlich ging hier beim Trocknen des Getreides etwas schief, weil die Temperatur schlecht (zu hoch) geregelt war. Neben den Öfen kann eine Lehmtenne durch die Brandspuren an der Oberfläche möglicherweise als Getreidedarre angesprochen werden.

Ein Kloster an dieser Stelle ist bereits für 1136 überliefert, zunächst als Frauenkloster der Augustiner, um 1200 dann für den Orden der Magdalenerinnen. Im Jahre 1667 übernahm der bis heute dort ansässige Orden der Ursulinen das fast leer stehende Kloster.

Die wenigen (nur für die Zeit der Magdalenen erhaltenen) urkundlichen Überlieferungen zur Wirtschaftsgeschichte des Klosters geben Hinweise auf die Wichtigkeit des Brauereibetriebes. Für 1516 zeigt die Jahresabrechnung, dass sieben Mal gebraut wurde, neben den dörflichen Abgaben kaufte man dazu auch Gerste und Holz ein und hatte Ausgaben für die Brauknechte, für Büttner und Mälzer. 37 Malter Gerste (1 Malter entspricht rund 100 Liter) wurden zu Malz verarbeitet.

Zur genaueren Datierungen der einzelnen Öfen muss das Fundmaterial, darunter keramische Trinkgefäße, erst noch bearbeitet werden. Aber schon jetzt lässt sich sagen, dass es sich hierbei um den bislang ersten archäologischen Nachweis für das im Mittelalter so wichtige Brauereiwesen in der Stadt und in Thüringen generell handelt! 


Dr. Karin Sczech, TLDA
Tel.: 03643 - 818 342
karin.sczech{at}tlda.thueringen{punkt}de
 

Ursulinenkloster Ofenanlagen
Einer der Öfen im Ursulinenkloster bei seiner Freilegung (Foto: C. Zühlsdorff, TLDA )
Ursulinenkloster Ofenverfüllung Mit Verkohlten Samen
Ofenverfüllung mit einer Schicht schwarz verkohlter Getreidekörner (Foto: C. Zühlsdorff, TLDA )

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