Von Bogenschützen und Ministerialen. Die archäologischen Ausgrabungen in der Werraniederung bei Harras, Kr. Hildburghausen

Luftbild der Niederungsburg während der Ausgrabung
Luftbild der Niederungsburg während der Ausgrabung, im Hintergrund Harras Foto St. Ittig
Feuersteinpfeilspitzen und Bruchstück einer Armschutzplatte der Glockenbecherkultur
Feuersteinpfeilspitzen und Bruchstück einer Armschutzplatte der Glockenbecherkultur, Foto: H. Arnold, TLDA


Die von der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie veranlassten Maßnahmen zum Hochwasserschutz in Harras erforderten eine archäologische Begleitung der umfangreichen Erdeingriffe.

Die Ausgrabungen führten zur Aufdeckung von Besiedlungsspuren von der Jungsteinzeit bis zum späten Mittelalter.
Die ältesten Siedlungsspuren gehören der in Südthüringen kaum belegten, während des späten 5. und der 1. Hälfte des 4. Jahrtausends in Südwestdeutschland verbreiteten Michelsberger-Kultur an. Es handelt sich um einzelne Gruben, aus deren Verfüllung kennzeichnend verzierte Keramik und einzelne Feuersteingeräte stammen. Zu den herausragenden Objekten gehört eine steinerne Armschutzplatte der Glockenbecher-Kultur aus der 2. Hälfte des 3. Jahrtausends. Diese diente, mittels Lederriemen am Unterarm befestigt, dem Schutz des Bogenschützen vor der zurückschnellenden Sehne.

Weitere Befunde gehören zu einer durch die Ausgrabungen in einem Ausschnitt erfassten Siedlung der späten Hallstatt- bis Latènezeit (6. - 3. Jahrhundert v. Chr.). Es handelt sich um einzelne (Palisaden) Gräbchen sowie zahlreiche Gruben, weiterhin um Pfostenstandspuren, deren regelhafte Anordnung die Lage ebenerdiger Wohngebäude in Fachwerktechnik oder von aufgestelzten Getreidespeichern anzeigt. Einzelne Schlacken oder tönerne Spinnwirtel belegen die örtliche Eisenverarbeitung und Textilproduktion.

Eine Entdeckung von regionalgeschichtlicher Bedeutung gelang mit der Freilegung einer bislang unbekannten Niederungsburg des späten Mittelalters. Deren Existenz hatte in den Schriftquellen offenbar keinen Niederschlag gefunden. Der Turm war als rechteckiger, vermutlich dreigeschossiger, nicht unterkellerter Fachwerkbau auf einem steinernen Fundament ausgeführt und wies in der nordwestlichen Ecke einen ebenerdigen Einbau auf.

Zahlreiche helltonige, teils rötlich bemalte Keramikscherben von Vierpassbechern, Kannen und Töpfen, nach ihrem Erstfundort bei Hildburghausen als „Birkenfelder Ware“ bezeichnet, datieren die Burganlage in die 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts.
Zum Fundgut zählen weiterhin Eisenobjekte wie Hufeisen, Werkzeug und Baunägel sowie das Bruchstück einer tönernen Rassel, die den gehobenen sozialen Stand der Burgbewohner unterstreichen.

 

Ansprechpartner:
Dr. Mathias Seidel
Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie
Außenstelle Steinsburgmuseum
Waldhaussiedlung 8
98630 Römhild

mathias.seidel{at}tlda.thueringen{punkt}de   

 

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