Die Grabhügel von Tüttleben, Lkr. Gotha

Die Ausgrabungen auf einer Neubaustrecke der B 7 um Tüttleben, Lkr. Gotha, erbrachten neben Siedlungsresten der Bronze-, Eisen- und Völkerwanderungszeit zwei Befunde von im Thüringer Becken weit verbreiteten Kreisgrabensystemen. Vergleichbare Strukturen aus der Umgebung sind aus den Ortsfluren von Apfelstädt, Sundhausen und Boilstädt bekannt.

Beide Tüttlebener Befunde sind sehr ähnlich: ein trapezförmiger Graben von 0,5–1,0 m Breite und 0,3–0,6 m Tiefe umschließt kreisrund oder leicht oval verlaufend eine befundfreie Innenfläche mit einem Durchmesser von 10 bis 12 m. Die Grabenstrukturen sind bei einem Hügel im Westen unterbrochen, so dass ein Zugang zum Inneren eröffnet wird. Über dem Kreisgraben und unmittelbar daneben außerhalb fanden sich einmal vier und einmal eine Körperbestattung. Die noch vorhandenen Bestattungen erfolgten, als der Graben bereits verfüllt war. Aktuell ist anzunehmen, dass der annähernd symmetrische Kreisgraben Rest einer Hügelbegrenzung ist und sich in deren Innerem eine wahrscheinlich imposante Hügelschüttung befand. Ob der Graben eine palisadenähnliche Holzkonstruktion aufnahm, die den Hügelfuß stabilisierte und einfasste, wäre zu prüfen.

Die untersuchten fünf Körpergräber haben einen Bezug auf die möglicherweise jeweils vorhanden gewesene Hügelschüttung, überschneiden aber die Kreisgräben bei beiden Anlagen. Sie sind mit einiger Sicherheit jünger als diese. Die noch erhaltenen Körpergräber sind tangential zum Fuß des Hügels annährend Nord-Süd- und einmal Ost-West-orientiert. Die Datierung erfolgt durch verschiedene, wohl einst zur Tracht der Toten gehörende Bronzen. Gefäßbeigaben standen am Fußende der Bestattungen. Eine Hakenspirale lag im Bereich des Brustkorbes. Diese Schmuckform ist im westlichen Thüringer Becken eine Leitform, die wir zusammen mit einzelnen Nadeln und Lanzenspitzen aus frühen Männergräbern der jungbronzezeitlichen Unstrutgruppe kennen.

Zum Spiraldrahtschmuck der Unstrutgruppe zählt auch ein Fingerring. Der Bronzering ist flach ausgetrieben und die beiden Zierscheiben von je 1,5 cm Durchmesser sind aus rundstabigem Draht gefertigt. Die Bestattung, zu der der Ring gehört, lag ursprünglich direkt über dem östlichen Kreisgraben. Die Machart des Fingerrings ist gut mit der der großen Armbergen aus den Grabhügeln der mittelbronzezeitlichen Fulda-Werra-Gruppe vergleichbar. In diese südwestliche Richtung sollte die kleine Körpergräbergruppe der jüngeren Bronzezeit von Tüttleben, chronologisch (ca. 1200–1000 v. Chr.) und auch bestattungsrituell noch der Hügelgräberbronzezeit verwandt, verbunden werden können.


Dr. Thomas Grasselt
Gebietsreferent Mittelthüringen,  TLDA, Weimar

Tel. 0361/57 3223 341
thomas.grasselt{at}tlda.thueringen{punkt}de

 

Tüttleben Kreisgraben
Tüttleben. Der Befund eines Kreisgrabens im Löss wird von zwei Körpergräbern geschnitten (Foto: TLDA, Weimar)
Tüttleben Hakenspirale Quer Foto H. Arnold
Die Hakenspirale bildete mit 14 Umgängen eine flache Scheibe von 9,6 cm Durchmesser, wobei der rundstabige Bronzedraht über den Verlauf von zwei Windungen abgeplattet wurde (Foto: H. Arnold, TLDA, Weimar)
Tüttleben Fingerring Quer Foto H. Arnold
Die Bronzedrahtspiralen aus Befund (?) wurden paarweise an den Unterarmen getragen (Foto: H. Arnold, TLDA, Weimar)

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