Torbogen und Totenturm – Die archäologischen Untersuchungen auf der Bertholdsburg in Schleusingen, Lkr. Hildburghausen

Die Bertholdsburg wurde 1226–1232 durch den Grafen Poppo VII. von Henneberg erbaut und war bis zum Aussterben des Geschlechts im Jahr 1583 Residenzschloss, danach bis zum Wiener Kongress 1815/1816 Verwaltungssitz zunächst von Kursachsen und Sachsen-Zeitz. Seit 2017 werden die umfangreichen Erdeingriffe im Zuge der grundhaften Sanierung der Nordmauer der Bertholdsburg im Auftrag der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten durch das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie (TLDA) begleitet.

Während der Grabungskampagne 2019 konnten unerwartet mehrere bislang unbekannte Baukörper mutmaßlich aus der Zeit der Residenzanlage freigelegt werden. Es handelt sich um die Fundamente eines massiven, zweischaligen Rundturmes unter der Nordostecke der Burg sowie einen Mauerzug unbekannter Funktion, der mitsamt einem Vorlagepfeiler der Abstützung der Schildmauer gedient haben wird. Hinzu kommt ein Torbogen im Verlauf der äußeren Schildmauer, dessen Funktion zu ermitteln bleibt. Dieser wurde im Verlauf der frühen Neuzeit zugesetzt und war seitdem unter mächtigen Kulturschichten begraben.

Bei dem auf den anstehenden Fels gegründeten Turm mit einem äußeren Durchmesser von 6,5 m handelt es sich um den sog. Totenturm. Dieser wurde nach Aussage von Keramik aus dem gemörtelten Sandsteinmauerwerk im 14. oder beginnenden 15. Jh. errichtet. Bereits auf einem Plan von 1745 war der Totenturm nicht mehr eingezeichnet, also offenbar im 17. oder frühen 18. Jh. wieder eingelegt worden. Im Turminneren fand sich unmittelbar über dem Fels die Deponierung eines mittelgroßen Hundes. Vergleiche für solche als Bauopfer angesehene Niederlegungen von Tieren, insbesondere Hunden, sind aus Thüringen und Süddeutschland mehrfach bekannt geworden.

Darüber hinaus gelang im Außenbereich vor der Schildmauer der Nachweis eines komplexen Schichtaufbaus, der bis an den Übergang zum hohen Mittelalter zurückreicht. Das während der Untersuchungen geborgene Fundmaterial ist umfangreich und umfasst neben zahlreichen Keramiken und Tierknochen auch Fayencen Arnstädter Provenienz, „Westerwälder“ Steinzeug, ostasiatisches und Thüringer Porzellan, gestempelte Mineralwasserflaschen des 18. Jh. aus Unterfranken oder Osthessen, Ofenkacheln, zahlreiche Austernschalen sowie diverse Kleinfunde wie Münzen, Buchschließen oder Hefteln.
 

Dr. Mathias Seidel,
Gebietsreferent Südthüringen,  TLDA, Römhild

Tel. 0361 / 57 32 22-013
mathias.seidel{at}tlda.thueringen{punkt}de

 

Schleusingen Zweischaliges Spätmittelalterliches Turmfundament K. Möller Tlda
Zweischaliges spätmittelalterliches Turmfundament (Foto: K. Möller, TLDA, Römhild)
Schleusingen Porzellanimport Aus Japan _2. Hälfte 18. Jh M. Leipold Tlda
Scherbe: Porzellanimport aus Japan, zweite Hälfte 18. Jh. (Foto: M. Leipod, TLDA, Römhild)

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