An der Quelle hängt, zur Quelle drängt doch alles – Die archäologischen Untersuchungen in Obendorf, Lkr. Schmalkalden-Meiningen

Die grundhafte Sanierung einer denkmalgeschützten Brunnenstube sowie die Platzgestaltung am Ortsrand von Obendorf, Lkr. Schmalkalden-Meiningen, ermöglichten dem Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie (TLDA) erstmals Einblicke in den vor- und frühgeschichtlichen Besiedlungsablauf der kleinen Grabfeldgemeide.

In den Hangbereichen oberhalb der bis in das 16. Jh. zurückreichenden Brunnenstube konnten im Zuge einer mehrwöchigen Rettungsgrabung auf kaum 100 m² ca. 110 archäologische Strukturen dokumentiert werden. Diese umfassen einen Zeitraum von der vorrömischen Eisenzeit (8.–1. Jh. v. Chr.) über die Römische Kaiserzeit (1.–4. Jh. n. Chr.) bis zum hohen Mittelalter (11.–13. Jh. n. Chr.). Zu den jüngsten Befunden zählt eine Kalkmörtelgrube, die mit der Errichtung der Brunnenstube zu verbinden ist. Ganz offenbar fasst diese eine seit mehreren tausend Jahren verlässlich schüttende Quelle.

Neben der Sicherung der täglichen Wasserversorgung zogen die Lage in einer kleinen Eintalung am Rande einer Hochfläche zwischen Exdorf und Haina sowie die Bodengüte im Siedlungsumfeld zu verschiedensten Zeiten immer wieder Menschen an. Während die Senke im Winter Schutz vor den kalten Winden gewährte, bot der Boden den Menschen gute Bedingungen für einen ertragreichen Ackerbau am Rande der Kornkammer Südthüringens.

Zum Befundbestand gehören zwei Grubenhäuser sowie zahlreiche Siedlungs- und Pfostengruben. Auffällig ist, dass die Befunde bis unmittelbar an den Quellbereich heranreichen. Zum Fundmaterial zählen Keramik, Tierknochen und mehrere Buntmetall- und Eisenobjekte, die ohne die noch ausstehende restauratorisch-konservatorische Behandlung nicht abschließend zu beurteilen sind. Keramik mit einer eingestempelten Verzierung in Form des „laufenden Hundes“, d. h. ineinander greifender S-Spiralen, datiert in die Frühlatènezeit, die Zeit der historischen Kelten. Damals wurde die in Sichtweite liegende Steinsburg aufwändig befestigt und war von überregionaler Bedeutung. Die Besiedlung dürfte in Obendorf bereits ein bis zwei Jahrhunderte bis in die Hallstattzeit (7.–6. Jh. v. Chr.) zurückreichen.

Spärlich sind im gesamten südthüringischen Raum Siedlungsbelege der Römischen Kaiserzeit, d.h. aus den ersten vier Jahrhunderten nach Christi Geburt. Umso erfreulicher ist, dass einzelne Keramikscherben, u. a. mit kennzeichnender Fingertupfenverzierung sowie ein feinkeramisches Gefäß mit Standring eine Besiedlung Obendorfs während der mittleren Römischen Kaiserzeit (2.–3. Jh. n. Chr.) anzeigen, als Südthüringen von einer kulturell den Rhein-Weser-Germanen zugeschriebenen Bevölkerung bewohnt wurde.

Der überwiegende Fundbestand des ausgehenden frühen bzw. hohen Mittelalters stammt aus der Verfüllung zweier Grubenhäuser und umfasst neben Keramik zwei eiserne Messer und weitere eiserne Kleinfunde. Die erste urkundliche Erwähnung Obendorfs stammt aus dem Jahr 1306. Die keramischen Funde zeigen nun, dass der Ort bereits einige Jahrhunderte früher bestand.
 

Dr. Mathias Seidel,
Gebietsreferent Südthüringen,  TLDA, Römhild

Tel. 0361 / 57 32 22-013
mathias.seidel{at}tlda.thueringen{punkt}de

 

Obendorf 01 Eisenzeitliche Siedlungsgrube Im Profil _bildautorin M. Reps _tlda Römhild_
Eisenzeitliche Siedlungsgrube im Profil (Foto: M. Reps, TLDA, Römhild)
Obendorf 02 Früh- Bis Hochmittelalterliches Grubenhaus Und Siedlungsgrube Im Planum _bildautorin M. Reps _tlda Römhild_
Früh- bis hochmittelalterliches Grubenhaus und Siedlungsgrube im Planum (Foto: M. Reps, TLDA, Römhild)

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