Neue Aspekte in alter Siedlungskammer – Die archäologischen Untersuchungen in Queienfeld, Lkr. Schmalkalden-Meiningen

Seit 2017 führt die Außenstelle Steinsburgmuseum des Thüringischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie im Vorgriff auf den Bau der Ortsumfahrung Queienfeld im Südosten des Landkreises archäologische Untersuchungen durch. Die Neubautrasse quert die Bibraaue und verläuft zum Teil auf der Trasse der von 1893 bis 1970 betriebenen Bahnlinie Rentwertshausen – Römhild. Ältere Untersuchungen weisen den Kleinraum am nördlichen Rand des Grabfeldes als prähistorische Siedlungskammer aus. Kennzeichen dieser sog. Altsiedellandschaften ist eine Aufsiedlung bereits durch die Träger der Bandkeramischen Kultur (ca. 5500–5000 v. Chr.). Dabei handelt es sich um die ersten sesshaften Ackerbauern und Viehzüchter Mitteleuropas. Ein Grund für die Standortwahl waren die ertragreichen Böden um Queienfeld. Die Grundlage bildet hierbei eine umfangreiche „Insel“ aus eiszeitlichem Löß. Vergleichbar gute Böden sind in Südthüringen kaum zu finden.

Im Zuge der aktuellen Ausgrabungen konnten wiederum Befunde der Bandkeramischen Kultur dokumentiert werden. Auch eine weitere jungsteinzeitliche Kulturgruppe, die wenig jüngere Rössener Kultur (ca. 4800–4550 v. Chr.), ist belegt. Der indirekte Nachweis einer ländlichen Siedlung der späten Bronzezeit (Urnenfelderkultur, ca. 1300–800 v. Chr.) ist bemerkenswert, da in Südthüringen nach wie vor selten. In einer natürlichen Erosionsrinne lagerte sich keramischer Siedlungsabfall ab, der auf die Existenz einer Ansiedlung in unmittelbarer Nähe hinweist. Die Menschen der Urnenfelderkultur waren die ersten, die auf den nahen Gleichbergen bei Römhild Befestigungsanlagen errichteten.

Weiterhin konnten Siedlungshinterlassenschaften eisenzeitlicher Siedler dokumentiert werden. So wurde etwa während des frühen Abschnittes der Latènezeit (5.-4. Jh. v. Chr.) eine Wasserentnahmestelle zur Gewinnung von sauberem Trinkwasser angelegt. Diese erreichte in 2 m Tiefe unter der Geländeoberfläche noch heute wasserführende Schichten. Mehrere Lehmentnahmegruben bezeugen die Gewinnung von Lehm, wie er u. a. zum Hausbau benötigt wurde. Der folgende Abschnitt der Latènezeit (4.–2. Jh. v. Chr.) wird durch einen bemerkenswerten Fund charakterisiert. Das Bruchstück eines keltischen Glasarmringes bezeugt die Einbindung der Siedlungen um Queienfeld in die überregionalen Handels- und Verkehrsnetze. Derartiger Ringschmuck wurde nachweislich im bayerischen Donauraum gefertigt und gelangte in einiger Zahl in die Landschaften beidseits des Thüringer Waldes.

Ein in Südthüringen singulärer Befund belegt die Einflüsse keltischer Handwerkstraditionen in der Mittel- und Spätlatènezeit (2.–1. Jh. v. Chr.). In gewissem Abstand zu Siedlungs- und Pfostengruben, die nur zu wenigen Hausgrundrissen rekonstruiert werden können, fanden sich die Reste eines Keramikbrennofens. Derartige Öfen bestanden in der Regel aus einem Feuerungsraum, der durch Heizkanäle mit den Heizräumen verbunden war. Diese waren mit einer sog. Lochtenne abgedeckt, die zugleich den Boden des Brennraumes bildete. Der Brennraum war mit einer Lehmkuppel überwölbt. Die erosionsbedingt schlechte Erhaltung des Befundes ermöglicht keine weitreichende Rekonstruktion seines Aussehens, jedoch sprechen Indizien für die Ansprache als Brennofen. In derartigen Öfen wurden dünnwandige, auf der schnell rotierenden Drehscheibe gefertigte Keramikgefäße gebrannt. Nicht zuletzt der vergleichsweise hohe Anteil von scheibengedrehten Gefäßscherben aus dem Ofen selbst spricht für eine spezialisierte Produktion dieser Keramik vor Ort.

Die im Zuge der Ausgrabungen für die Ortsumfahrung dokumentierten archäologischen Siedlungsnachweise unterstreichen die Bedeutung der Siedlungskammer um Queienfeld für Südthüringen. Die Funde und Befunde belegen eine Besiedlung deutlich über das bisher Bekannte hinaus. Neben den bereits bezeugten großräumigen Siedlungsaktivitäten der Jungsteinzeit und der älteren Eisenzeit gelang nun auch der Nachweis einer Besiedlung in der Spätbronzezeit sowie in der jüngeren Eisenzeit, die mit spezialisierter wirtschaftlicher Aktivität einhergeht.

Kevin Bartel

 

Dr. Mathias Seidel,
Gebietsreferent Südthüringen,  TLDA, Römhild

Tel. 0361/573222013
mathias.seidel{at}tlda.thueringen{punkt}de

 

Queienfeld Trasse Während Ausgrabung 11
Trassenabschnitt während des Oberbodenabtrags, die weißen Stecker markieren archäologische Befunde im Baggerplanum, im Hintergrund Wolfmannshausen (Foto: M. Seidel, TLDA, Römhild)
Queienfeld Ofen
Jüngerlatènezeitlicher Zweikammer-Keramikbrennofen, rechts die Brennkammer mit Kuppelversturz, links der Schürkanal. Aus der Verfüllung stammen viele Bruchstücke dünnwandiger Drehscheibenkeramik (Foto: K. Bartel, TLDA, Römhild)

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